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    T. Metzger: Politischer Meinungsbildungsprozess und hugenottische Publizistik in Europa im 18. Jahrhundert

    discussions 10 (2015)

    Tanja Metzger

    Politischer Meinungsbildungsprozess und hugenottische Publizistik in Europa im 18. Jahrhundert

    Katharina II. von Russland und ihr mediales Netzwerk

    Abstract

    Das Dissertationsprojekt zur hugenottischen Publizistik und Entwicklung einer öffentlichen Meinung im westlichen Europa in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts befasst sich mit der Pressepolitik Katharinas II. von Russland. Im Mittelpunkt steht die Analyse ihrer Bemühungen, über ein breit gefächertes publizistisches Netzwerk ein spezifisches Bild und vor allem Wissen über Russland, ihre politischen Ziele sowie ihre persönliche Haltung zur Aufklärung in der westeuropäischen Öffentlichkeit zu verbreiten. Dies wird in erster Linie am Beispiel zweier hugenottischer Periodika, der »Gazette de Berne« und des »Mercure historique et politique« , untersucht. Ziel ist es, die internen Handlungsabläufe und Funktionsweise ihrer Pressepolitik zu entschlüsseln sowie Verbindungen ihrer Mitarbeiter und Mittelsmänner untereinander sowie zu den jeweiligen Journalen ebenso zu untersuchen, wie die Generierung und Zirkulation von Wissen über Russland.

    Résumé

    Ce projet de thèse sur la publicistique huguenote et le développement d'une opinion publique en Europe occidentale dans la deuxième moitié du XVIII e siècle traite, en particulier, de la politique de la presse de Catherine II de Russie. Il se concentre sur ses efforts consistant à diffuser une certaine image et, surtout, certaines connaissances sur la Russie, ses propres objectifs politiques, mais aussi son attitude personnelle vis-à-vis des Lumières au sein du public ouest-européen à travers un très vaste réseau de publicistes. Ce phénomène est examiné à travers l'exemple de deux périodiques huguenots, la »Gazette de Berne« et le »Mercure historique et politique«. Le but consiste à comprendre comment sont produits et circulent les savoirs sur la Russie grâce à l'étude du fonctionnement et du déploiement de la politique de la presse conduite par l'impératrice, ainsi que celle des relations de ses collaborateurs et intermédiaires entre eux et avec les journaux respectifs.

    Einleitung

    <1>

    » Permettez-moi de faire mettre dans la gazette de Berne qui va en France les détails intéressants de votre lettre « 1 .Dieses Angebot, Nachrichten über Russland – hier über die Fortschritte der Gesetzgebenden Kommission Katharinas II. – in der » Gazette de Berne « , einer französischsprachigen hugenottischen Zeitschrift in der Schweiz, zu veröffentlichen, richtete Voltaire an den Grafen Schuwalow, den Schriftführer jener Gesetzgebenden Kommission der Zarin. Was hat es mit diesen Zeilen auf sich? Aus dem Zitat lässt sich der Grund für den Vorschlag Voltaires ablesen: Die Zeitschrift bietet sich aus seiner Sicht besonders an, um über die Politik Katharinas zu berichten. Es handelt sich nicht um ein lokales, sondern bis nach Frankreich verbreitetes Blatt. Es geht ihm sowohl um die Veröffentlichung von Informationen zur russischen Politik als insbesondere auch darum, Frankreich und den französischsprachigen Raum zu erreichen, um das Wissen über das Russische Reich, seine Regierungsform und Politik im Sinne der Zarin zu erweitern und auf diesem Wege Einfluss auf die westeuropäische öffentliche Meinung 2 zugunsten der russischen Kaiserin zu nehmen.

    Fragestellung, Forschungstand und Quellenauswahl

    <2>

    Ausgangspunkt der Dissertation ist einerseits die Tatsache, dass Katharina II. die erste russische Herrscherin war, die die Presse – teilweise durch die Vermittlung Voltaires 3 – in größerem Maß zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele heranzog 4 . Andererseits hat die Hugenottenforschung das Verhältnis der französischen Protestanten zu Russland bisher zumeist nur am Rande berücksichtigt 5 . In besonderem Maße gilt dies für die interessanten Fragen nach dem Einfluss der hugenottischen Publizistik auf die Verbreitung von Wissen über Russland sowie auf die damit verbundene Ausrichtung der öffentlichen Meinung in gebildeten Kreisen und bei politischen Eliten Europas. Neben Motiven und Strategien der ›Öffentlichkeitsarbeit‹ der Zarin liegt das Augenmerk der Untersuchung auf dem publizistischen Netzwerk, mit dem sie ihre Ziele umzusetzen vermochte. Interessant sind in diesem Zusammenhang einerseits die einzelnen Medien, andererseits die jeweiligen Akteure: die Herausgeber, Redakteure und Mittelsmänner. Dabei werden neben der konkreten Umsetzung von Katharinas Wünschen insbesondere auch Abweichungen von ihren Vorgaben mit in den Blick genommen.

    <3>

    Zur Beantwortung dieser Fragen steht ein vielfältiges Quellenmaterial zur Verfügung. Ausführlich analysiert werden die hugenottischen Organe. Darüber hinaus werden die inneramtlichen Anweisungen der Zarin mit ihrer umfangreichen Korrespondenz verknüpft und mit den einschlägigen Artikeln in den jeweiligen Journalen verglichen. Dabei kommen sowohl die kommunikationswissenschaftliche Methode der Medienresonanzanalyse als auch Methoden der historischen Netzwerkforschung zur Anwendung.

    Presse und Öffentlichkeit als Mittel der Herrschaftsstabilisierung

    <4>

    Es ist kein Zufall, dass Katharina enge Beziehungen zur westeuropäischen Presse knüpfte. Einerseits galt gerade Russland dort als Musterbeispiel einer Despotie, und damit als Antonym für aufgeklärte Herrschaft. Andererseits war Katharina am 28. Juni 1762 durch einen Staatsstreich auf den russischen Thron gelangt, auf dem sie sich jahrelang unsicher fühlte. Die westeuropäische Presse wies immer wieder auf die Illegitimität ihrer Herrschaft und auf die Unsicherheit ihrer Lage hin. Gleich nach der Thronbesteigung bemühte sie sich daher, Informationen über ihre Person, ihre aufgeklärten Absichten sowie den politischen Kurs, den sie einzuschlagen gedachte, gezielt zu verbreiten, um die westeuropäische öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen und ihre Herrschaft abzusichern. Der Staatsstreich und der damit verbundene Regierungswechsel in Russland sollten als eine glückliche Fügung des Schicksals dargestellt werden.

    Inszenierung als aufgeklärte Herrscherin

    <5>

    Doch auch nach der Festigung ihrer Macht zu Beginn der 1770er Jahre wusste sie den Wert der Presse zu schätzen. Es ging ihr hierbei zunächst darum, Russland vom Bild einer asiatischen Despotie zu befreien und als starke europäische Macht darzustellen 6 , dessen Herrscherin sich im Sinne der Aufklärung als Dienerin des Staates betrachtete. Mehr noch: Die in die Presse lancierten Informationen sollten suggerieren, dass die Zarin bei Reformen zunächst die öffentliche Meinung im eigenen Land einholte, um dann eine Entscheidung zu treffen, die auf dem größtmöglichen Konsens ihrer Untertanen beruhte. Zudem war sie bei ihren außenpolitischen Handlungen oft auf die wohlwollende Haltung der westeuropäischen Mächte angewiesen 7 . Und sie versuchte, die führenden Köpfe dieser Mächte nicht nur durch diplomatische Noten, sondern insbesondere durch Äußerungen der Presse zu beeinflussen.

    Propaganda und Zensur

    <6>

    Generell geht es damit um zwei zentrale Punkte: Zum einen um fürstliche Propaganda und Selbstdarstellung, wobei die ständig aktualisierte Herrschaftslegitimation im Mittelpunkt steht. Zum anderen geht es um die gezielte Lenkung staatlichen Handelns, und zwar weit über diplomatischen Bemühungen hinaus: Über Verlautbarungen der Presse sollte in den gelehrten Kreisen der politische Diskurs zu Gunsten Russlands gesteuert werden, um unter dem Druck einer daraus entstehenden öffentlichen Meinung, die politischen Eliten zu einem den Intentionen Russlands entsprechenden Handeln zu bewegen.

    <7>

    Ihre Beziehungen zur Presse bewegten sich dabei zwischen den Polen von Zensur und Propaganda. Zunächst sollte das Erscheinen von Zeitungsartikeln, Pamphleten und Memoiren, in denen die Person der Zarin oder ihre Politik negativ dargestellt wurden, verhindert werden. Gelang dies nicht, so bemühte Katharina sich, die Verbreitung zu behindern oder ganz unmöglich zu machen. An ihre Gesandten in den verschiedenen europäischen Ländern gingen immer wieder Aufforderungen, Bestrafungen von ihr feindlich gesinnten Schriftstellern und Journalisten sowie Verkaufsverbote und Konfiszierung der Werke durchzusetzen 8 . Darüber hinaus verfasste die Zarin eigene Texte in Form von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln. Auch eigens geschriebene Entgegnungen und Gegendarstellungen veröffentlichte sie in hoher Zahl 9 oder aber ließ solche nach ihren konkreten Angaben anfertigen.

    Der Aufbau von Netzwerken

    <8>

    Dass die Veröffentlichung gelenkter Darstellungen in der westeuropäischen Presse nicht ohne Hilfe gelingen würde, war der Zarin bewusst. Die öffentliche Meinung des westlichen Auslandes stand maßgeblich unter dem Einfluss der französischen Presse sowie solcher Persönlichkeiten wie Diderot, d'Alembert, Rousseau und vor allem Voltaire, der zudem über ein umfangreiches Netzwerk in gelehrten Kreisen verfügte und zusätzlich zahlreiche Kontakte zur Presse unterhielt. Um Voltaire für sich und ihre Zwecke einzunehmen 10 , propagierte sie ihre aufgeklärte Gesinnung: D'Alembert versuchte sie für die Erziehung ihres Sohnes und Thronerben Paul zu gewinnen. Dafür wurde ihm eine Rente in Höhe von 100.000 livres , ein Haus in Sankt Petersburg und alle Privilegien eines Botschafters zugesichert 11 . Zeitgleich wurde Denis Diderot das Angebot gemacht, die Veröffentlichung der Enzyklopädie in Russland fortzusetzen, wobei er von der Kaiserin weitgehend materiell unterstützt werden sollte 12 . Beide lehnten die jeweiligen Angebote ab. Dennoch erreichte Katharina ihr wichtigstes Ziel: Voltaire ließ sich überzeugen, dass es sich bei der neuen Zarin von Russland um eine Herrscherin neuen Typs handelte, die mit den Prinzipien der Aufklärung vertraut war und nach ihnen handelte und er ließ sich daraufhin gewissermaßen in die Dienste Katharinas nehmen. Er veröffentlichte in verschiedenen Gazetten und Journalen sowohl die Briefe als auch die Darstellungen der Zarin.

    Konflikt und Kommunikation

    <9>

    Ein Beispiel soll den konkreten Ablauf dieser Kommunikationsprozesse skizzieren. Russland führte 1771 bereits seit drei Jahren Krieg gegen das Osmanische Reich. Da dieser Krieg für Russland zwar relativ erfolgreich verlaufen, jedoch von hohen Verlusten gekennzeichnet war, sollte Frieden geschlossen werden. Gegen die von Katharina formulierten Friedensbedingungen wandte sich jedoch Österreich. Das schwache Osmanische Reich war ein sehr viel bequemerer Nachbar als das zunehmend erstarkte Russland. Die österreichische Regierung setzte sich deshalb für die Erhaltung des Gleichgewichts im nahen Orient ein und wandte sich gegen eine Vergrößerung Russlands auf Kosten des besiegten Osmanischen Reiches. Insbesondere stieß die Forderung Katharinas, aus der Moldau und der Walachei unabhängige Staaten zu schaffen, auf Ablehnung. Dabei ging Österreich so weit, das Angebot Katharinas, sich durch Besitznahme anderer türkischer Gebiete zu entschädigen, abzulehnen und mit einem militärischen Eingreifen zu drohen 13 . Katharina kam es nun darauf an, die österreichische Regierung zum Verzicht auf die russlandfeindliche Haltung zu bewegen, was unter anderem mit Hilfe der Presse und dem aktiven Einsatz Voltaires geschehen sollte.

    <10>

    Am 20. November 1771 schrieb Alexander Schuwalow im Auftrag der Kaiserin einen Brief an Voltaire, der gegen ein Honorar von 1.000 Dukaten für die Veröffentlichung eines Artikels sorgen sollte, der von der zweimaligen Belagerung Wiens durch die Türken berichtete sowie die Aufforderung an Wien enthielt, vom Bündnis mit der Türkei abzulassen und sich dem Kampf gegen dieselbe anzuschließen 14 .

    <11>

    Voltaire nahm an, legte sein Manuskript den Auftraggebern vor und versprach, diesen Artikel in den Januarheften des »Mercure de France« und des »Mercure historique et politique« zu veröffentlichen 15 . Ein Artikel von Voltaire, »Le tocsin des rois«, ist dann im Januar 1772 nachweislich im »Mercure historique et politique« erschienen 16 . Vergleicht man ihn mit der Vorlage im Brief von Schuwalow, so erkennt man, dass Voltaire sich teilweise wörtlich an diese Vorlage hielt 17 . Diese Episode zeigt die Bedeutung Voltaires als zentralem Knotenpunkt im Netzwerk der Zarin. Darüber hinaus verfügte Katharina über Gesandte und weitere Kontakte über ein wesentlich breiteres Kommunikationsnetzwerk 18 .

    Die Rolle der hugenottischen Publizistik: erste Einschätzungen

    <12>

    Als ein besonders augenfälliges Ergebnis meiner bisherigen Untersuchung stellte sich heraus, dass sowohl bei den Bemühungen Voltaires, die Presse zu lenken, als auch in den anderen Fällen die Hugenotten und die hugenottische Publizistik eine wichtige Rolle spielten: Sie trugen die Texte und Intentionen der Zarin wortgetreu nach außen. Dabei stellt sich die Frage nach der Motivation beider Seiten. Einige Einschätzungen, die im weiteren Verlauf noch zu überprüfen und zu ergänzen sein werden, möchte ich an dieser Stelle vorstellen. Als besonders einflussreich, jedoch auch russlandfeindlich galt die französische, besonders die Pariser Presse. Für Russland ging es in erster Linie darum, ein positives Image in Zeitungen zu lancieren, die ein ernstzunehmendes Gegengewicht zur Pariser Presse darstellten. Dieses Kriterium erfüllt besonders das hugenottische Zeitschriftenwesen: Der Journalismus gilt als eines der Hauptbetätigungsfelder der réfugiés . Zudem orientierte sich die hugenottische Publizistik nicht an der Meinung der französischen Presse, sondern beäugte diese sogar ausgesprochen kritisch. Darüber hinaus waren die Hugenotten im Réfuge stark miteinander vernetzt, so dass von einer flächendeckenden Verbreitung der aus Russland in die Presse lancierten Nachrichten auszugehen war.

    <13>

    Voltaire war zudem eine Schlüsselfigur, um für Katharina II. Kontakte zur hugenottischen Presse herzustellen. Die Hugenotten feierten Voltaire für sein Engagement zugunsten der Familien Calas, Sirven und andere sowie für die Verfechtung der Idee religiöser Toleranz. Verlautbarungen aus der Hand Voltaires wurden gerne entgegengenommen – ohne sie allzu kritisch zu hinterfragen. Zudem pries Voltaire die russische Kaiserin in den höchsten Tönen für die materielle Unterstützung der Enzyklopädisten, für ihre Gesetzgebung, ihre Förderung von Wirtschaft und Bildung, für ihre Toleranz in religiösen Dingen sowie ihre materielle Unterstützung der hugenottischen Opfer der französischen Justiz, wie der Familien Calas und Sirven 19 . Dies zahlte sich für sie aus, da dieses Engagement das Ansehen der Zarin bei den Hugenotten zusätzlich steigerte. Ferner ist in diesem Zusammenhang zu betonen, dass die Zarin auch von Haus aus Beziehungen zu den Hugenotten pflegte. Dies ist sicher nicht zuletzt auf ihre hugenottische Erziehung zurückzuführen, auch wenn sie eine lutherische Prinzessin war. Auch unabhängig von Voltaire pflegte sie weitreichende Kontakte zur Berliner Hugenottengemeinde und hugenottischen Gelehrten im weiteren Réfuge.

    Resümee

    <14>

    Am Beispiel Katharinas II. lässt sich deutlich beobachten, wie sich eine Herrscherin in die aktuelle Diskussion um religiöse Toleranz einmischt, Ansichten der Aufklärer aufgreift, diese zu politischen Zwecken instrumentalisiert und sich dann der Publizistik einer religiösen Minderheit bedient, um sie in den Dienst ihrer Politik zu stellen. Doch darüber hinaus ermöglichen es ihre Beziehungen zum hugenottischen Zeitschriftenwesen, die Strukturen und vielfältigen Verbindungen unterschiedlicher Akteure zur Etablierung von Netzwerken zwischen Staat und Gesellschaft sichtbar zu machen. Gerade im Hinblick auf die Frage nach der Konstituierung von Wissen, welches für und über einen Staat entworfen wurde, scheinen Netzwerke eine entscheidende Rolle gespielt zu haben.

    Autorin

    Dipl.-Hist Tanja Metzger
    Lehrstuhl für Neuere Geschichte , Otto-Friedrich-Universität Bamberg
    Tanja.Metzger@uni-bamberg.de


    1 Voltaire an Graf Schuwalow, Brief Nr. 11467 vom 30. Oktober 1769, in: Theodore Besterman (Hg.), Voltaire. Correspondance, Bd. 10 (Oktober 1769–Juni 1772), Paris 1986.

    2 Zur »öffentlichen Meinung« gibt es eine fast unüberschaubare Menge an Literatur. In meiner Arbeit wird sie gefasst als das verantwortungsbewusste Urteil gelehrter Zirkel und politischer Eliten. Ausgangspunkt des darin enthaltenen älteren Eliten-Konzeptes ist der Gedanke, dass nicht alle Individuen, sondern nur begrenzte Kreise der Gesellschaft an politischen und gelehrten Diskursen partizipieren. Durch die Zurückführbarkeit spezieller Standpunkte auf eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe, welche für ihre Äußerungen verantwortlich gemacht werden kann, wird die so geäußerte Meinung zum »Korrelat von Herrschaft«. Vgl. dazu: Elisabeth Noelle-Neumann, Öffentliche Meinung und soziale Kontrolle, Tübingen 1966, S. 330. Repräsentativ für dieses Konzept z.B. Jürgen Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft, unveränd. Nachdr. der 1962 erschienenen Ausg., Frankfurt a. M. 1990.

    3 Vgl. Georg Sacke, Die Pressepolitik Katharinas II. von Russland, in: Zeitungswissenschaft. Monatsschrift für internationale Zeitungsforschung 13 (1938), S. 570–579.

    4 Die Dissertation mit dem Arbeitstitel »Aufgeklärte Fürsten, hugenottische Publizisten und europäische Öffentlichkeit im Zeitalter der Aufklärung« befindet sich in einer fortgeschrittenen Phase. Die Untersuchung geht der Frage nach den Anfängen einer europäischen Öffentlichkeit sowie der Generierung, Zirkulation sowie Institutionalisierung von Wissen am Beispiel der Pressepolitik Katharinas II. nach. Übergreifend geht es um die Frage nach dem Wandel politischer Kultur im 18. Jahrhundert, indem die Erweiterung traditioneller Diplomatie durch neuartige Wissens- und Diplomatiekanäle untersucht wird. Der vorliegende Beitrag skizziert die verfolgte Strategie beispielhaft.

    5 Der französische Einfluss auf die russische Kultur sowie Kontakte zum Petersburger Hof und zu Russland allgemein sind hingegen gut untersucht. Vgl. hier z.B. Anne Mézin (Hg.), Les Français en Russie au siècle des Lumières. Dictionnaire des Français, Suisses, Wallons et autres francophones en Russie de Pierre le Grand à Paul I er , Ferney 2011.

    6 Dabei geht es nicht um die völkerrechtliche Anerkennung: Russland wird seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zu den Pentarchiemächten gezählt.

    7 Zu Katharina II., den Umständen ihrer Thronbesteigung sowie ihrer Regierungszeit gibt es eine umfassende Literatur, unter anderem: Claus Scharf (Hg.), Katharina II., Russland und Europa. Beiträge zur internationalen Forschung, Mainz 2001.

    8 Sbornik Imperatorskago Russkago Istoričeskago Obščestva, Bd. LVII, S. 158.

    9 Ibid. , Bd. XIII, S. 275.

    10 Zu den genauen Umständen der Kontaktaufnahme vgl. Georg Sacke, Entstehung des Briefwechsels zwischen der Kaiserin Katharina II. von Russland und Voltaire, in: Zeitschrift für französische Sprache und Literatur 61 (1938), S. 273–282; Erich Donnert, Katharina II. die Große (1729–1796), Regensburg 1998, S. 94–97.

    11 Melchior Grimm, Correspondance littéraire, Paris 1878, Bd. V, S. 200.

    12 Ibid., S. 199.

    13 Zur russischen Expansionspolitik unter Katharina II. und der Rolle Russlands im europäischen Staatensystem z.B. Michael Erbe, Revolutionäre Erschütterung und erneutes Gleichgewicht. Internationale Beziehungen 1785–1830, Paderborn, München u.a. 2004 (Handbuch der Geschichte der internationalen Beziehungen, 5), S. 282.

    14 Russkij archiv, Jg. 1864, S. 561f.

    15 Ibid., S. 562f.

    16 Ein Erscheinen im »Mercure de France« konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Hier wäre es interessant zu untersuchen, ob dieser Artikel der französischen Zensur zum Opfer gefallen ist.

    17 Louis Moland (Hg.), Œuvres complètes de Voltaire , Bd. XXVIII, Paris 1879, S. 465–468.

    18 Sbornik (wie Anm. 8), Bd. XLVIII, S. 163, 447; Bd. LI, S. 131, 224, 285.

    19 Voltaire an Katharina am 21. Juni 1766, Voltaire, Correspondance (wie Anm. 1.), Bd. 8, Brief Nr. 9474, S. 508. Vgl. auch Bernhard Wege, Der Prozess Calas im Briefwechsel Voltaires, Berlin 1897, Bd. 2, S. 5.

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    Tanja Metzger
    Politischer Meinungsbildungsprozess und hugenottische Publizistik in Europa im 18. Jahrhundert
    Katharina II. von Russland und ihr mediales Netzwerk
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    Russland, 18. Jahrhundert, Diplomatie, Staatensystem, Mediengeschichte
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    T. Metzger: Politischer Meinungsbildungsprozess und hugenottische Publizistik in Europa im 18. Jahrhundert
    In: Der Staat: Akteure, Praktiken, Wissen (16.–19. Jahrhundert). Sommeruniversität des DHIP, der Universität Paris 1 und der Universität zu Köln, 11.–13. Juni 2012/ L’État: acteurs, pratiques, savoirs (XVIe–XIXe siècle). Université d’été de l’Institut historique allemand en coopération avec l’université Paris 1 et l’université de Cologne, 11–13 juin 2012, hg. von/ dir. par Christine Lebeau (discussions, 10)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/discussions/10-2015/metzger_publizistik
    Veröffentlicht am: 24.04.2015 15:50
    Zugriff vom: 20.10.2020 21:59
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