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    H. Cools, M. Keblusek, B. Noldus (Hg.):Your Humble Servant (Bernd Roeck)

    Francia-Recensio 2008/1 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

    Your Humble Servant. Agents in Early Modern Europe, 1500–1800. Ed. by Hans Cools, Marika Keblusek & Badeloch Noldus, Hilversum (Uitgeverij Verloren) 2006, 167 S.,ISBN 90-6550-908-9, EUR 29,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Bernd Roeck, Zürich

    Dass »Agenten« aller Art durch das Europa der frühen Neuzeit wimmelten, ameisengleich, bienenfleißig, Unterteufel des Weltgeschehens, ja gewöhnlich »Unterteufel von Unterteufeln«, ist bekannt. Man weiß, dass die Arbeit solcher Leute, die schemenhaft durch die Quellen geistern und meist nicht sehr präzise fassbar werden, »irgendwie« wichtig war: Für den Großprozess der Staatsformierung, für die Genese und Verbreitung von Kunstwerken und für vieles andere mehr. Genaues, systematisches Wissen über Agenten haben wir aber nicht. Es gibt Einzelstudien, die zum Beispiel die Arbeit von herausragenden Figuren wie Jacopo Strada oder Philipp Hainhofer zum Gegenstand haben, indes keinen Versuch der Zusammenschau.

    Schon aus diesem Grund greift man gerne und mit Interesse zu dem vorliegenden Buch, das die Referate eines Seminars des Niederländischen Instituts in Rom im Februar 2004 zum Druck bringt (Agency in Early Modern Europe). Insgesamt werden die Erwartungen nicht enttäuscht: Leserin und Leser erfahren viel über die Arbeit von Agenten, die Kunstaufträge vermittelten oder beim Aufbau von Sammlungen mitwirkten (Beiträge von David Howarth, Badeloch Noldus, Hans Cools) oder über „politische Agenten“ und Korrespondenten (Thomas James Dandelet, Brendan Dooley); die Rolle von Agenten im Buchhandel wird – durch Marika Keblusek – ebenso beleuchtet wie jene im Postwesen, über das Heiko Droste schreibt, und im europäischen Handel: Dazu bietet Jan Willem Veluwenkamp einen bemerkenswerten, thesenreichen Beitrag. Der Band enthält aber auch Beiträge, die zwar Interessantes mitteilen – etwa zum Kunstmarkt Antwerpens in der frühen Neuzeit (Filip Vermeylen) oder zu den Patronagenetzwerken des friesischen Statthalters Wilhelm Friedrich von Nassau-Dietz (Geert H. Jansen) – aber nur sehr am Rande mit „Agenten“ zu tun haben, selbst wenn man den Begriff weit fasst. Vermeylen skizziert vor allem Konjunkturverläufe, und Jansen führt Patronage als Machttechnik vor. Ob man die Teilhaber des Netzwerks Wilhelm Friedrichs als „Agenten“ bezeichnen soll, steht jedenfalls dahin.

    So liegt ein Problem des Bandes in der Begrifflichkeit bzw. in dem Umstand, dass es eben den frühneuzeitlichen Agenten eigentlich nicht gibt; die Herausgeberin Maria Keblusek hat recht, wenn sie einleitend bemerkt, der Begriff bezeichne eher eine Funktion als einen Beruf. Vielleicht hätte man dann eine andere Titelformulierung wählen sollen. Auch dann stellt sich die Frage, welche Erkenntnisse sich aus der Beschäftigung mit »agency«, deren Charakteristika Vermittlung und Repräsentation sind, gewinnen lassen. Nehmen wir die bis heute kaum untersuchten »Kunstagenten« (sie hat es als Profession durchaus gegeben): Dass ihre Tätigkeit von großer kultureller und ökonomischer Bedeutung war, lässt sich nicht bestreiten; schwieriger ist die Frage zu beantworten, wie wichtig sie im konkreten Einzelfall war. Welche Kunstwerke wären ohne die Aktivität von Agenten nicht entstanden? Welchen Einfluss hatte ihr Wirken auf die äußere Gestalt von Bildern, Bauten oder Skulpturen? Im Zusammenhang mit der genuin kunstgeschichtlichen Problematik gewinnt die Analyse jener Agenten ihren Sinn. Ein anderes Beispiel bieten Agententätigkeiten von Korrespondenten oder Botschaftern. Welche konkreten Folgen zeitigten ihre Aktivitäten für politische Prozesse, welche Bedeutung hatten »Agenten« für die frühmoderne Staatsbildung? Erst durch solche übergeordneten, theoretisch abgefederten Fragestellungen wird die Untersuchung jener schillernden, schwer zu fassbaren Formation sinnvoll. Das Verdienst des Bandes liegt darin, dass er die Spannweite der Thematik ausleuchtet.

    Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

    PSJ Metadata
    Bernd Roeck
    H. Cools, M. Keblusek, B. Noldus (Hg.):Your Humble Servant (Bernd Roeck)
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Frühe Neuzeit (1500-1789), Neuzeit / Neuere Geschichte (1789-1918)
    Europa
    Politikgeschichte, Wirtschaftsgeschichte
    Neuzeit bis 1900
    4015701-5 4037166-9 4322340-0
    1500-1800
    Europa (4015701-5), Makler (4037166-9), Vertretung (4322340-0)
    PDF document 07_Cools_Roeck.doc.pdf — PDF document, 91 KB
    H. Cools, M. Keblusek, B. Noldus (Hg.):Your Humble Servant (Bernd Roeck)
    In: Francia-Recensio 2008/1 | Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2008-1/FN/Cools_Roeck
    Veröffentlicht am: 26.10.2008 23:35
    Zugriff vom: 22.05.2019 16:46
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