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C. S. Kiefer: The Empress Josephine (Rainer Brüning)

Francia-Recensio 2008/3 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

Carol Solomon Kiefer, The Empress Josephine. Art & Royal Identity. Contributions by Bernhard Chevallier, Alain Pougetoux, Amherst (Amherst College) 2006, XI–116 S., ISBN 978-0-914337-28-7, USD 35,95.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Rainer Brüning, Karlsruhe

Die vom 22.9. bis 18.12.2005 im Mead Art Museum des Amherst College (Mass.) gezeigte Ausstellung von Carol Solomon Kiefer zielt auf nichts Geringeres als eine Ehrenrettung für die Kaiserin Josephine. Diese sei zwar als Person allgemein bekannt, doch werde bislang ihre Rolle nicht nur beim Aufstieg des kleinen Generals Bonaparte, sondern vor allem auch bei der späteren konsequenten napoleonischen Instrumentalisierung der zeitgenössischen Kunst zu Propagandazwecken notorisch unterschätzt.

Der Hauptteil des reich bebilderten Katalogs wird von der Kuratorin für Europäische Kunst in Amhurst selbst bestritten: Sie untersucht in einem langen Essay die Herstellung einer neuen königlichen Identität für und durch Josephine de Beauharnais. Die Darstellung einer tugendhaften privaten Josephine kontrastiert hier mit dem offiziellen ikonographischen Apparat der Kaiserin, wie ihn z.B. Gérard in seinem großen Staatsporträt entfaltet. Den Höhepunkt stellt dabei zweifelsohne die großartig inszenierte Krönung von 1804 dar, in deren Mittelpunkt Josephine dank des berühmten Bildes von David rückt. Sehr schön ist der direkte Vergleich der staatstragenden französischen Kunstwerke mit den ätzenden englischen Karikaturen eines James Gillray gelungen. Gerade die Feinde auf der Insel konnten sich mit derben sexuellen Anspielungen auf Josephines vermeintlich laszives Liebesleben nicht zurückhalten. – Wie verwundbar die Ehre der Frau durch politische Gegner war, hatte ja bereits das Beispiel Marie-Antoinettes hinlänglich gezeigt.

In den Blickpunkt kommen darüber hinaus Josephines eigene wichtige Aktivitäten als Sammlerin z.B. bei der Durchsetzung mittelalterlich-romantischer Bildthemen auf dem Kunstmarkt. Auch ist die beeindruckende Gestaltung des botanischen Gartens von Malmaison vornehmlich ihr Werk. Gut ergänzt wird der Band daher durch zwei kurze Beiträge von Bernard Chevallier über die Geschichte von Schloss Malmaison und Alain Pougetoux über die dortige Bildersammlung.

Der Katalog ist insgesamt eine sehr gelungene Ergänzung zu Jean Tulards Buch über die Kaiserkrönung (vgl. Francia 33/2 (2006), S. 360). Es gelingt der Autorin, ihre Heldin aus dem übermächtigen Schatten Napoleons heraustreten zu lassen, um selbst Kontur zu gewinnen. Doch so anschaulich Kiefer auch die »Kulturarbeit« Josephines vermittelt, es bleibt nach wie vor offen, inwieweit diese tatsächlich politischen Einfluss widerspiegelte oder gar politische Auswirkungen zeitigte.

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

PSJ Metadata
Rainer Brüning
C. S. Kiefer: The Empress Josephine (Rainer Brüning)
CC-BY-NC-ND 3.0
Neuzeit / Neuere Geschichte (1789-1918)
Frankreich und Monaco
118558420
Josephine Frankreich, Kaiserin (118558420)
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C. S. Kiefer: The Empress Josephine (Rainer Brüning)
In: Francia-Recensio 2008/3 | Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2008-3/FN/Kiefer_Bruening
Veröffentlicht am: 26.10.2008 23:55
Zugriff vom: 20.01.2020 16:35
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