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G. Rommelse, The Second Anglo-Dutch War (Michael Rohrschneider)

Francia-Recensio 2009/1 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

Gijs Rommelse, The Second Anglo-Dutch War (1665–1667). Raison d’état, mercantilism and maritime strife, Hilversum (Uitgeverij Verloren) 2006, 231 S., ISBN 90-6550-907-0, EUR 30,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Michael Rohrschneider, Bonn

Die zu besprechende Arbeit liefert einen Beitrag zu einem Thema, das in der englischen und niederländischen Forschung traditionell stark beachtet wird. Gemeint sind die konflikt- und spannungsreichen englisch-niederländischen Beziehungen nach 1648, die sich in drei Kriegen (1652–1654, 1665–1667, 1672–1674) entluden. Der Autor betritt mit seiner Untersuchung folglich kein gänzliches Neuland, sondern kann auf einer intensiven, zum Teil kontrovers geführten Forschungsdiskussion aufbauen.

Erklärte Ziele der Arbeit sind dabei, zum einen die politischen Prozesse zu untersuchen, die vor Ausbruch und im Verlauf des zweiten englisch-niederländischen Krieges auf seiten der beiden Kriegsparteien abliefen, und zum anderen die Bedeutung dieses Krieges für die europäische Mächtepolitik herauszuarbeiten. Dabei geht es dem Autor ausdrücklich um die Integration divergierender Ansätze und Deutungen der bisherigen Forschung: Vereint werden politische, wirtschaftliche, seefahrtshistorische, militärische und ideologisch-propagandistische Aspekte des Krieges. Damit wird eine wichtige Syntheseleistung erbracht, die es ermöglicht, ein umfassendes Bild der Auseinandersetzungen zu gewinnen.

Knapp die Hälfte der Untersuchung befasst sich mit der Vorgeschichte und den spezifischen Rahmenbedingungen des Krieges. Dem Autor gelingt hier eine überzeugende Darstellung der englischen und niederländischen Außenpolitik im Schatten des allmählich zutage tretenden Suprematiestrebens Ludwigs XIV. von Frankreich sowie der innenpolitischen Lage im England der Restaurationszeit bzw. in der niederländischen Republik unter der politischen Führung des Johan de Witt.

Die zweite Hälfte der Untersuchung widmet sich dann der Phase unmittelbar vor Ausbruch des Krieges und dem Verlauf des Krieges selbst. Hierbei werden die Vorzüge der Arbeit besonders deutlich. Auf breiter Literatur- und Quellenbasis – darunter zahlreiche ungedruckte Quellen englischer und niederländischer Provenienz – zeichnet der Autor ein detailliertes Bild des Krieges und seiner politischen Implikationen. Dabei vermag er die bisherige Forschung um wichtige Faktoren zu ergänzen, wie zum Beispiel durch die Einbeziehung des Kriegsverlaufes in Übersee. Schilderungen von Schlachten finden sich ebenso wie Darstellungen der Diplomatie der involvierten Mächte oder auch die Einbeziehung der innenpolitischen Lage in England und in den Niederlanden.

Die Befunde des Autors vermögen insgesamt gesehen zu überzeugen. Zur Erklärung des Krieges müssen sowohl wirtschaftliche Motive als auch die konkreten politischen Entscheidungsprozesse herangezogen werden. Gerade das Ringen rivalisierender Gruppierungen am Hof König Karls II. von England war mit ausschlaggebend dafür, dass sich Befürworter eines außenpolitischen Konfrontationskurses fanden, deren Ziel es war, von dem forcierten Konflikt mit den Generalstaaten persönlich zu profitieren. In diesem Punkt herrscht nun hinlängliche Klarheit.

Auch über die Dimensionen des Krieges liegen nunmehr zuverlässige Angaben vor. Beide Kriegsparteien brachten in zuvor nie dagewesener Weise Mittel für den Seekrieg auf. Die Zahl der Schiffsbesatzungen und die Feuerkraft der Kriegsschiffe waren immens hoch. Die verlustreichen Seeschlachten, an der Spitze die sogenannte Vier-Tages-Schlacht (Four Days Battle), faszinierten die europäische Öffentlichkeit.

Für England waren die Konsequenzen des Krieges indes ein Desaster. Der politische Schaden war ebenso groß wie der wirtschaftliche. Die Regierung Karls II. wurde durch den Krieg in eine Krise gestürzt. Dagegen verlief der Krieg aus niederländischer Sicht erfolgreich. Die Republik konnte sich militärisch behaupten und ihre Stellung im europäischen Mächtesystem festigen. Gleichwohl war offen zutage getreten, dass die niederländischen Landstreitkräfte künftig verstärkt werden mussten. Der Krieg, den der Bischof von Münster in etwa zeitgleich zu der englisch-niederländischen Auseinandersetzung anzettelte, offenbarte, dass eine Verstärkung des Heeres aus niederländischer Sicht unbedingt geboten schien. Dass Ludwig XIV. die Gelegenheit des englisch-niederländischen Krieges nutzte, um in die Spanischen Niederlande einzufallen, zeigte gleichwohl, dass es Frankreich war, von dem aus niederländischer Sicht nunmehr die größte Bedrohung ausging.

Die lebendige Darstellung wird durch eine Reihe von Bildern, einige davon in Farbe, illustriert. Eine niederländische Zusammenfassung präsentiert die wichtigsten Ergebnisse für niederländische Historiker. Ein Namensindex, der unter anderem die im Text genannten Schiffsnamen enthält, erleichtert die Erschließung des Textes. Somit gelangt man zu einem erfreulichen Gesamtbefund. Die Geschichte des zweiten englisch-niederländischen Seekrieges ist nicht gänzlich neu geschrieben, aber ihre Erforschung doch in solider Art und Weise um wichtige Aspekte ergänzt worden.

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PSJ Metadata
Michael Rohrschneider
G. Rommelse, The Second Anglo-Dutch War (Michael Rohrschneider)
CC-BY-NC-ND 3.0
Frühe Neuzeit (1500-1789)
Großbritannien, Niederlande
Militär- und Kriegsgeschichte
17. Jh.
4152288-6
Englisch-Niederländischer Seekrieg 1664-1667 (4152288-6)
PDF document Rommelse_Rohrschneider.doc.pdf — PDF document, 83 KB
G. Rommelse, The Second Anglo-Dutch War (Michael Rohrschneider)
In: Francia-Recensio 2009/1 | Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2009-1/FN/Rommelse_Rohrschneider
Veröffentlicht am: 09.04.2009 15:45
Zugriff vom: 22.09.2020 20:06
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