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    F. Dolbeau, R. Favreau (eds.), Saints, clercs et fidèles en Poitou médiéval (Klaus Krönert)

    Francia-Recensio 2009/3 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

    Saints, clercs et fidèles en Poitou médiéval. Textes édités et traduits par François Dolbeau et Robert Favreau, Poitiers (Société des antiquaires de l’Ouest) 2007, 182 S., ISBN 978-916093-06-0, EUR 17,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Klaus Krönert, Lille

    Zu den verdienstvollsten, aber auch befriedigensten Aufgaben des Mediävisten gehört es, neue Quellen zu erschließen. F. Dolbeau et R. Favreau haben dies in dem hier besprochenen Band in vorbildlicher Weise mit hagiographischen Texten aus dem 11./12. Jahrhundert zu zwei Lokalheiligen – Jovinus und Generosus – und Synodalstatuten der Bischöfe von Poitiers aus dem 14. und 15. Jahrhundert getan. Diese sind nun dank kritischer Editionen, Übersetzungen und ausführlicher Kommentare zugänglich gemacht worden. Da der sehr allgemein gehaltene Titel des Buches kaum Aufschluss über seinen Inhalt gibt, möchten wir hier die beiden Beiträge vorstellen.

    Bisher waren Jovinus – französisch Jouin – und Generosus – französisch Généroux – zwei Heiligennamen, mit denen man kaum mehr als ein paar Patrozinien im Poitou und wenige Erwähnungen in anderen erzählenden oder liturgischen Quellen verband. Beide sind Teil der Geschichte der Abtei Saint-Jouin-de-Marnes, die im französischen Departement Deux-Sèvres liegt. Jovinus gilt als ihr Gründer und erster Abt (4. Jh.), Generosus leitete die monastische Gemeinschaft in der Merowingerzeit. Nun hat F. Dolbeau in den Archiven der Mauriner, die in der französischen Nationalbibliothek in Paris aufbewahrt werden, zwei Kurzviten des Generosus, eine Vita des Jovinus, die in vier Lektionen eingeteilt ist, und eine Sammlung von Mirakeln, die ebenfalls Jovinus zugeschrieben werden, entdeckt. Neben den kritischen Editionen und der Übersetzung, die diese Texte einem breiten Publikum zugänglich machen, erweisen sich die Analysen für alle, die an der Literaturgeschichte interessiert sind, als besonders ergiebig. So zeigt Dolbeau, dass der Autor der Vita Jovini kritischer als manch moderner Historiker war, wenn er ernste Zweifel daran äußert, dass sein Heiliger die Abtei wirklich gegründet hat, die unter seinem Patronat bekannt geworden ist. Nach Dolbeau dürfte der Text zwischen 1020 und 1200 entstanden sein, wahrscheinlich gegen 1095, als die Klosterkirche von Saint-Jouin grundlegend umgebaut wurde. Insgesamt zeigen die recht bescheidene Vita und die sechs Mirakel, dass Jovinus im 11. Jahrhundert sich keines besonderen Prestiges erfreut haben kann, nicht einmal in seiner eigenen Mönchsgemeinschaft.

    Die zwei Kurzviten des Generosus, die aus dem 17. Jahrhundert stammen, gehen aller Wahrscheinlichkeit nach auf ein verlorenes längeres Modell zurück. Dessen Autor war allerdings über seinen Heiligen nur sehr schlecht informiert. So legte er den Tod des Generosus ins Jahr 621, während Venantius Fortunatus in der Vita Paterni zu verstehen gibt, dass er um 500 gelebt hat. Anstatt sich auf diese oder andere Quellen zu stützen, versuchte Generosus’ Hagiograph vor allem, seinen Helden mit Topoi und biblischen Anspielungen zu erhöhen. Die posthumen Wunder des Heiligen liefern vor allem Informationen zur Lokalgeschichte des 11. und 12. Jahrhunderts und geben uns damit einen vorsichtigen Hinweis auf die Entstehungsgeschichte der Vita.

    R. Favreau untersucht im zweiten Teil des Buches das religiöse Leben in der Diözese Poitiers am Ende des 14. Jahrhunderts und publiziert sowie übersetzt mehrere Diözesanbeschlüsse, die zwischen 1367 und 1413 aufgeschrieben wurden. Nach einer Einführung in die Geschichte der Synoden im Poitou von ihren Anfängen bis ins späte Mittelalter gibt Favreau einen Einblick in das konkrete Leben einer Diözese und die Probleme, die ein Bischof dieser Zeit haben konnte, die ihm Untergebenen zum regeltreuen Leben anzuhalten. Neben der Kleiderordnung ist das Beispiel zweier Kleriker, die ein vierzehn- oder fünfzehnjähriges Mädchen entführt haben, besonders eindrücklich.

    Wenn der wissenschaftliche Wert dieser beiden Beiträge zum Poitou außer Frage steht, so ist doch zu befürchten, dass sie aufgrund ihrer geringen inhaltlichen Bezüge und des nur sehr allgemeinen Titels des Buches nicht genügend von anderen Forschern und geschichtsinteressierten Lesern wahrgenommen werden. Hier setzt auch unsere einzige Kritik an. Hoffen wir, dass sich der Rezensent in diesem Punkt täuscht und das Buch auf reges Interesse stößt.

    Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

    PSJ Metadata
    Klaus Krönert
    F. Dolbeau, R. Favreau (eds.), Saints, clercs et fidèles en Poitou médiéval (Klaus Krönert)
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Frühes Mittelalter (600-1050), Hohes Mittelalter (1050-1350), Spätes Mittelalter (1350-1500)
    Frankreich und Monaco
    Kirchen- und Religionsgeschichte
    Mittelalter
    4018145-5 4024052-6 4030702-5
    1000-1500
    Frankreich (4018145-5), Heiligenverehrung (4024052-6), Kirche (4030702-5)
    PDF document dolbeau_kroenert.doc.pdf — PDF document, 89 KB
    F. Dolbeau, R. Favreau (eds.), Saints, clercs et fidèles en Poitou médiéval (Klaus Krönert)
    In: Francia-Recensio 2009/3 | Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2009-3/MA/dolbeau_kroenert
    Veröffentlicht am: 12.11.2009 13:15
    Zugriff vom: 27.01.2020 02:00
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