Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

    M. Firpo, O. Niccoli, cardinale Giovanni Morone e l'ultima fase del concilio di Trento (Josef Johannes Schmid)

    Francia-Recensio 2011/4 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

    Massimo Firpo, Ottavia Niccoli (a cura di), Il cardinale Giovanni Morone e l’ultima fase del concilio di Trento, Bologna (Società editrice il Mulino) 2009 (Fondazione Bruno Kessler. Annali dell’Istituto storico italo-germanico in Trento. Quaderni, 80), 294 p., ISBN 978-88-15-13811-8, EUR 23,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Josef Johannes Schmid, Mainz

    Eine der Hauptleidenschaften von Historikern zumal einer gewissen klassischen Ausrichtung war und ist die Suche nach Schlüsselgestalten für eine bestimmte historische Epoche. Es ist hier nicht der Raum, die damit verbundene grundlegende Frage nach Bedeutung und Stellenwert des biographischen Ansatzes im Rahmen der Historiographie näher zu beleuchten, doch scheint gerade die Entwicklung der letzten Jahre, vor allem aufgrund von Impulsen aus dem angelsächsischen und frankophonen Raum, deren Legitimität aufs Neue zu bestätigen.

    Sucht man also etwa für die Zeit der katholischen Reform der ersten Jahrzehnte, näherhin im Umfeld des epochalen Konzils von Trient (1545–1563) nach entsprechenden Zentralfiguren, so wird man um die Person des Cardinals Giovanni Morone (1509–1580) nicht herumkommen. Als zentrale Figur des Konzils, von der Position als Legat bei der Eröffnung unter Paul III. bis zu seiner zentralen Rolle in der Schlussphase unter Pius IV., stand der mehrmals papabile Morone im Mittelpunkt der Ereignisse weit über das eigentliche Konzilsgeschehen hinaus, was seine Legationen nach Deutschland, seine Freundschaften mit Reginald Pole und Carlo Borromeo etwa, oder aber auch der von ihm in Auftrag gegebene Bericht über die religiösen Zustände in England (1560) belegen. Diese Prominenz kontrastiert aufs Schärfste mit jenem berühmten Häresieprozess gegen Morone, als dieser auf Anordnung Pauls IV. 1557 mit mehreren Prälaten aufgrund von Verdächtigungen des Lutheranismus in die Engelsburg geworfen, alsbald aber wieder befreit und rehabilitiert wurde.

    Das Leben Morones kontrastiert aber auch mit seinem historiographischen Echo, in dem an neuerer Forschung bislang nur der Inquisitionsprozeß von 1557 Gegenstand einer ausführlicheren Darstellung geworden ist – wie nicht zu erstaunen eben aus der Feder eines der Herausgeber unseres Bandes 1 . Alle anderen maßgeblichen Biographien 2 und Editionen 3 datieren aus dem 19. Jahrhundert.

    Umso freudiger muss man das Erscheinen des hier anzuzeigenden Werkes begrüßen, das sich nunmehr, wiewohl in Form eines Sammelbandes, Ergebnis eines zweitägigen Colloquiums anläßlich des 500. Geburtstages von Morone, Vita und Umfeld des großen Cardinals widmet. Damit sind seine Grenzen, aber auch sein Wert bereits aufgezeigt.

    Es muss den beiden Herausgebern aber als große konzeptionelle Leistung angerechnet werden, dass die zentralen Momente der Persönlichkeit und ihrer Zeit Erwähnung finden. Die Spanne reicht hierbei von der Biographie, Morones Legatentätigkeit (Umberto Mazzone) sowie seinem Verhältnis zu Pius IV. (Elena Bonora), hin zu seinen Bekanntschaften und Beziehungen etwa zu Frankreich und dem Cardinal de Lorraine (Alain Tallon), zu Deutschland und Cristoforo Madruzzo (Alessandro Paris, mit Eingehen auf die Bedeutung der Inquisition) oder zu Carlo Borromeo und der kirchlichen Reform (Maurizio Sangalli) und weiter bis zu Zeitfragen von Konzil und theologischem Umfeld, so die Spirituali (Gigliola Fragnito) beziehungsweise Egidio Foscarari und dem Wesen des Reformgedankens (Lucia Felici). Ergänzt wird dieser Parcours durch einen Beitrag zur Rezeptions- (Pierroberto Scaramella) und Ikonographiegeschichte (Roberto Bancheri).

    Alle Aufsätze weisen ein hohes Maß ideengeschichtlicher Durchdringung und handwerklicher Qualität auf. Die durchwegs quellenbasierende Dokumentation ist exemplarisch und könnte manchen anderen Produkten des Genres Sammelband als Modell dienen. Besonders reizvoll ist der aus den aufgezeigten, thematisch weit gestreuten Beiträgen sich ergebende Ausblick auf vielfältige Facetten der Zeit, welche in ihrem Erkenntnisgewinn weit über die eigentliche Kirchen- und Konzilsgeschichte, beziehungsweise die reine Biographik hinausweisen und ein reichhaltiges Zeitpanorama im besten Sinne des Wortes entstehen lassen.

    Vielleicht hätte man sich noch einen Aufsatz zu England und Cardinal Pole gewünscht, vielleicht einen anderen zur Rolle Morones bei den Konklaven; aber diese Erweiterungswünsche verweisen lediglich auf den schon eingangs konstatierten Charakter eines Sammelbandes und sollen keineswegs als Kritik gewertet werden.

    Vielmehr liegt mit dem hier angezeigten Werk ein überaus wertvolles Instrumentarium auf dem Weg zu einer neuen, modernen und umfassenden Biographie eines der interessantesten Charaktere des katholischen 16. Jahrhunderts vor. Sein Erscheinen sei daher sowohl mit der dringenden Empfehlung zu Lektüre an alle Interessierten ebenso verbunden, wie mit der Hoffnung, daß die Geschichtswissenschaft die damit erhaltenen Vorgaben endlich in diesem Sinne nutzen möge 4 .

    1 Massimo Firpo, Inquisizione romana e controriforma. Studi sul cardinal Giovanni Morone e il suo processo d'eresia, Bologna 1992.

    2 Girolamo Rossi, Vita di Girolamo Morone, Oneglia 1865; Frédéric Sclopis, Le cardinal Jean Morone, Paris 1869; Nicola Bernabei, Vita del Cardinale Giovanni Morone Vescovo di Modena, Modena 1885; Carlo Gioda, Girolamo Morone e i suoi tempi: studio storico, Mailand 1887.

    3 Franz Dittrich (Bearb.), Nuntiaturberichte Giovanni Morones vom deutschen Königshofe 1539/1540, Paderborn 1892.

    4 Es sei immerhin noch hingewiesen auf den ebenfalls zum 500. Geburtstag Morones erschienen Ausstellungskatalog, welcher zwar sehr schön seine Sammlungen beleuchtet und die Kunst der Zeit mit einbezieht (Michelangelo), aber im Ergebnis noch wesentlich fragmentarischer bleibt als der hier besprochene Band: Roberto Pancheri, Domenica Primerano (Hg), L’uomo del concilio: il cardinale Giovanni Morone tra Roma e Trento nell'età di Michelangelo. Museo Diocesano Tridentino – Palazzo Thun, Torre Mirana, Trento, 4 aprile–26 luglio 2009, Trento 2009.

    Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

    PSJ Metadata
    Josef Johannes Schmid
    M. Firpo, O. Niccoli, cardinale Giovanni Morone e l'ultima fase del concilio di Trento (Josef Johannes Schmid)
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Frühe Neuzeit (1500-1789)
    Italien
    Kirchen- und Religionsgeschichte
    17. Jh.
    4027833-5 11873699X 4121788-3
    1650-1750
    Italien (4027833-5), Morone, Giovanni (11873699X), Tridentinum (4121788-3)
    PDF document firpo_schmid.doc.pdf — PDF document, 100 KB
    M. Firpo, O. Niccoli, cardinale Giovanni Morone e l'ultima fase del concilio di Trento (Josef Johannes Schmid)
    In: Francia-Recensio 2011/4 | Frühe Neuzeit - Revolution - Empire (1500-1815)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2011-4/FN/firpo_schmid
    Veröffentlicht am: 13.01.2012 21:45
    Zugriff vom: 05.04.2020 23:44
    abgelegt unter: