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    T. Pécout, Du castrum au registre et vice-versa (Stefan Weiß)

    Francia-Recensio 2013/1 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

    Thierry Pécout (dir.), Du castrum au registre et vice-versa. L’enquête générale en Provence angevine, fin XIII e –fin XIV e siècle, Aix-en-Provence (UMR TELEMME) 2010 (Rives méditerranéennes, 37 [2010]), 98 p . ISSN 2103-4001, EUR 13,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Stefan Weiß, Paris

    Die Grafen der Provence, die im 13. und 14. Jahrhundert bekanntlich gleichzeitig auch Könige des Reiches von Neapel waren, haben in ihrer Grafschaft mehrfach große enquêtes (Untersuchungen) durchführen lassen; diese hatten den Zweck, festzustellen, welche Rechte, Einnahmequellen und Besitzungen die Grafen in ihrer Grafschaft hatten. Diese sehr detaillierten Untersuchungsberichte, die jeweils aus zahlreichen separaten Einzelberichten von oft 100 bis 200 Seiten bestehen, sind – wenn nicht vollständig, so doch in großen Teilen – erhalten geblieben. Ursprünglich wurden sie in Aix-en-Provence, dem Sitz der gräflichen Rechenkammer, aufbewahrt, heute liegen sie im Departementalarchiv in Marseille. Nachdem bereits 1969 Édouard Baratier die ältesten und relativ kurzen dieser enquêtes publiziert hatte 1 , hat vor einigen Jahren Thierry Pécout eine Forschergruppe organisiert, welche seither auch Teile der enquête Karls II publizierte 2 . Das hier zu besprechende Themenheft der Zeitschrift »Rives méditerranéennes« vereint vier quellenkritische Einzelstudien der Projektmitarbeiter, die zur Vorbereitung weiterer Editionen dienen.

    Damien Ruiz, »L’enquête sur les droits et revenus de Charles II en Provence (1297–1299). Le registre de la baillie de Seyne (AD12, B 1036). Quelques jalons chronologiques«, S. 13–28, zeigt beispielhaft die Entstehung eines solchen Teilberichts, schildert den Instanzenzug vom König zum Vizeseneschall Rainald von Lecce, der dann seinerseits einen Notar nach Seyne entsandte, unter dessen Aufsicht die lokalen Amtsträger die Untersuchung durchführten. Zur Verdeutlichung der administrativen Praxis publiziert Ruiz im Anhang den ersten und den letzten Eintrag dieses Teilberichts.

    Joachim Stephan, »Les bases du pouvoir royal dans la viguerie de Sisteron selon l’enquête de Charles II«, S. 29–54, zeigt auf, dass Karl II. in Sisteron nicht nur seine Herrschaftsrechte, insbesondere das merum imperium, durchsetzen konnte, sondern auch über ausgedehnten Grundbesitz verfügte, der an Pächter vergeben war.

    Philippe Jansen, »L’enquête générale du roi Robert, 1331–1334. Les droits comtaux dans les circonscriptions de Provence orientale d’après l’enquête de 1333«, S. 57–84, bestätigt weitgehend den Befund seiner Kollegen für die Regierungszeit Roberts des Weisen, des Nachfolgers Karls II. Sowohl durch die Ausübung seiner Herrschaftsrechte wie auch aus den gräflichen Gütern konnte er erhebliche Einkünfte aus der Provence ziehen. Es dürfte kaum eine andere Region des Imperiums gegeben haben, welche in gleicher Weise herrschaftlich durchdrungen war.

    Einen Ausblick auf die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts bietet der abschließende Aufsatz von Thierry Pécout, »Une quatrième enquête générale en Provence? L’enquête du sénéchal Foulque d’Agoult en 1364–1365«, S. 87–97. Trotz der immer instabiler werdenden politischen Lage in der Provence konstatiert der Autor einen weiteren Versuch, eine umfassende enquête durchzuführen. Sie fügt sich ein in Bestrebungen der Königin Johanna von Neapel, die Provence durch Bündnisse mit anderen regionalen Machthabern, darunter Papst Urban V., der in Avignon residierte, zu sichern. Auch der Besuch Kaiser Karls IV. in der Provence und seine Krönung in Arles werden von Pécout in diesem Zusammenhang gesehen. Der Band bietet so ein schönes Beispiel, wie durch die Erschließung wenig beachteter Quellen altbekannte Tatsachen in ein neues Licht gerückt werden können.

    1 Édouard Baratier, Enquêtes sur les droits et revenus de Charles I er d’Anjou en Provence. 1252 et 1278, Paris 1969.

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    PSJ Metadata
    Stefan Weiß
    T. Pécout, Du castrum au registre et vice-versa (Stefan Weiß)
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Spätes Mittelalter (1350-1500)
    Frankreich und Monaco
    Politikgeschichte
    13. Jh., 14. Jh.
    4018145-5 4006023-8 4024596-2 4135952-5
    1200-1400
    Frankreich (4018145-5), Besitz (4006023-8), Herrschaft (4024596-2), Quelle (4135952-5)
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    T. Pécout, Du castrum au registre et vice-versa (Stefan Weiß)
    In: Francia-Recensio 2013/1 | Mittelalter - Moyen Âge (500-1500)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2013-1/MA/pecout_weiss
    Veröffentlicht am: 10.03.2013 08:00
    Zugriff vom: 22.01.2020 18:37
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