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    K. Schmuki / F. Schnorr / E. Tremp, Musik im Kloster St. Gallen (Eva-Maria Tralle)

    Francia-Recensio 2013/1 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

    Karl Schmuki, Franziska Schnorr, Ernst Tremp, Musik im Kloster St. Gallen. Katalog zur Jahresausstellung in der Stiftsbibliothek St. Gallen (29. November bis 6. Dezember 2010), St. Gallen (Verlag am Klosterhof) 2010, 123 S., ISBN 978-3-906616-98-8, CHF 19,50.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Eva-Maria Tralle, München

    Der Ausstellungskatalog »Musik im Kloster St. Gallen« erschien als Begleitwerk zur gleichnamigen Ausstellung. Sie wurde im November 2010 in der Stiftsbibliothek St. Gallen eröffnet und widmete sich der einzigartigen Sammlung an Musikhandschriften aus dem frühen Mittelalter, die von der frühmittelalterlichen Pflege des geistlichen Gesangs im Kloster zeugen und für die Erforschung geistlicher Musik des Mittelalters zu den bedeutsamsten Quellen zählen.

    Der Aufbau der Ausstellung in acht epochal-thematischen Vitrinen wird auch im Katalog beibehalten, sodass sich nach einer Einführung von Ernst Tremp mit Hintergrundinformationen zur Ausstellung acht Kapitel anschließen, die je einer Vitrine entsprechen und eine Vielzahl der Exponate auf der rechten Seite als farbige Faksimiles zeigen. Die Autorin der Beiträge zu den Vitrinen eins bis sechs, Franziska Schnorr, gibt zunächst zu der Eingangsvitrine einen Überblick über die Anfänge des Gregorianischen Chorals und dessen Neumennotation und Tradition in St. Gallen. Die Federzeichnung aus dem Antiphonar des St. Galler Mönchs Hartker († 1011), auf dem der Hl. Geist in Gestalt einer Taube Papst Gregor dem Großen die nach ihm benannten gregorianischen Gesänge ins Ohr zwitschert, bildet ein Herzstück der St. Galler Sammlung und findet als ein prominentes Dokument der Musikwissenschaft so auch seinen Platz im Ausstellungskatalog.

    Während sich die Vitrinen zwei und drei »Tropus« und »Sequenz« als neuen Gattungen der liturgischen Musik im Frühmittelalter und musiktheoretischen Traktaten vom Mittelalter bis zur Renaissance widmen, wird in der vierten Vitrine die geistliche und weltliche Musik des 16. Jahrhunderts am Beispiel von Liederbüchern und Choralbearbeitungen von Barbarini Lupus dargestellt. Die fünfte Vitrine stellt Wirken und Werke des Kalligraphen und Organisten Fridolin Silchers vor, der ab 1516 für dreizehn Jahre in St. Gallen tätig war und in dieser Zeit neben zahlreichen Handschriften eine umfassende Chronik seiner Zeit verfasste. In der sechsten Vitrine sind Kuriositäten aus dem 18. Jahrhundert ausgestellt. Neben dem Antiphonar des Dominikus Feustlin als ein letztes Zeugnis der sankt-gallischen Handschriftenproduktion aus dem mittleren 18. Jahrhundert wird hier u. a. eine um 1805 entstandene Abschrift der Haffner-Sinfonie (KV385) von Wolfgang Amadeus Mozart ausgestellt.

    Ernst Tremp präsentiert in der siebten Vitrine mit dem Architekturplan des St. Galler Klosters eine der größten Kostbarkeiten der Stiftsbibliothek. Der um 820 entstandene karolingische Plan informiert zusammen mit weiteren Dokumenten, wie die Regel des Ordensgründers Benedikt von Nursia (um 480–547), über die Funktion der einzelnen Klosterräume. Ausschnitte aus dem Plan zeigen die Klosterkirche, die Schule, das Refektorium und das Gästehaus und gewähren unter Berücksichtigung der Casus sancti Galli Ekkehardts IV. interessante Einblicke in die Musikpflege des St. Galler Klosters im frühen Mittelalter. Die achte Vitrine ist schließlich Kostbarkeiten aus dem Sankt Galler Handschriftenfundus vorbehalten, die zwar in keinem Zusammenhang zum Ausstellungsthema stehen, jedoch ausstellungswürdig sind und zum Anlass der Jahresausstellung präsentiert wurden. Unter anderem befindet sich unter diesen Dokumenten die als UNESCO-Weltkultur- und Weltdokumentenerbe eingetragene Nibelungenhandschrift B, die bereits für den preußischen Geheimrat Georg Wilhelm Kessler Anlass für seinen Besuch der St. Galler Bibliothek um 1800 bot.

    Im Anhang des Ausstellungskatalogs finden sich neben Literaturempfehlungen für eine Themeneinführung auch Literaturangaben zu den jeweiligen Vitrinen und ihren Themen sowie eine Liste der ausgestellten Handschriften.

    Dem Aufbau der Ausstellung in thematischen Vitrinen folgend, ist der Ausstellungskatalog mit seinen zahlreichen Exponatabbildungen auf eine ansprechende Art und Weise hilfreich für eine Orientierung in der Stofffülle.

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    PSJ Metadata
    Eva-Maria Tralle
    K. Schmuki / F. Schnorr / E. Tremp, Musik im Kloster St. Gallen (Eva-Maria Tralle)
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Frühes Mittelalter (600-1050), Hohes Mittelalter (1050-1350), Spätes Mittelalter (1350-1500)
    Schweiz
    Musikgeschichte
    15. Jh.
    4131449-9 4030736-0
    1400-1600
    Kloster Sankt Gallen (4131449-9), Kirchenmusik (4030736-0)
    PDF document schmuki_tralle.doc.pdf — PDF document, 93 KB
    K. Schmuki / F. Schnorr / E. Tremp, Musik im Kloster St. Gallen (Eva-Maria Tralle)
    In: Francia-Recensio 2013/1 | Mittelalter - Moyen Âge (500-1500)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2013-1/MA/schmuki_tralle
    Veröffentlicht am: 12.03.2013 14:25
    Zugriff vom: 22.07.2019 05:51
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