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    Stiftsbibliothek St. Gallen, Vita Sancti Galli Vetustissima (Constanze Buyken)

    Francia-Recensio 2014/1 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

    Vita sancti Galli vetustissima. Die älteste Lebensbeschreibung des Heiligen Gallus. Lateinisch/Deutsch, hg. von der Stiftsbibliothek St. Gallen, St. Gallen (Verlag am Klosterhof) 2012, 63 S., ISBN 978-3-905906-03-5, CHF 38,00.

    rezensiert von/compte rendu redigé par

    Constanze Buyken, Bochum/Tours

    Die Überführung der Handschrift der ältesten Lebensbeschreibung des heiligen Gallus vom Staatsarchiv des Kantons Zürich nach St. Gallen im Jahre 2006 trug nicht nur zur Beilegung des sogenannten Kulturgüterstreits der beiden Parteien bei, sondern gab auch den Anstoß zu dieser neuesten Quellenausgabe, der »Vita sancti Galli vetustissima « . Die Edition der ältesten Gallusvita, deren Manuskript sich jetzt als Codex Sangallensis 2106 im Besitz der Stiftsbibliothek befindet, wurde als Festgabe von der Stiftsbibliothek St. Gallen zum Gallusjubiläum 2012 herausgegeben und reiht sich in das nun verwirklichte Vorhaben ein, ihrerseits der Öffentlichkeit die drei Gallusviten – die »Vita sancti Galli vetustissima« sowie die von den Reichenauer Mönchen Wetti und Walahfried Strabo verfassten Viten – zugänglich zu machen.

    Diese bibliophile Publikation zeichnet sich insbesondere durch den Handschriftenabdruck der »Vetustissima« aus, der der Edition und Übersetzung vorangeht – zusätzlich dazu bildet der Buchumschlag die Fragmentblätter der Handschrift in Originalgröße ab – was den Leser zu einer näheren Auseinandersetzung mit der Gestalt des Manuskripts einlädt.

    Zunächst gibt jedoch die Einleitung des Stiftsbibliothekars von St. Gallen, Ernst Tremp, (S. 1–19) einen Überblick über die Entstehung der aus dem 7. Jahrhundert von einem unbekannten Autor stammenden Gallusvita sowie über ihre Überlieferung durch das fragmentarisch erhaltene Manuskript, das laut Tremp vor der Mitte des 9. Jahrhunderts entstanden sein muss (S. 10). Es schließt sich eine inhaltliche Aufbereitung der »Vita vetustissima« an, die mit den von Wetti und Walahfried verfassten Lebensbeschreibungen des hl. Gallus in Beziehung gesetzt wird. Ein beachtlicher Platz in der Einleitung wird der Glaubwürdigkeit und dem historischen Gehalt der »Vetustissima« beigemessen –Themen, die Ernst Tremp als wichtige und aktuelle Forschungsfragen im Hinblick auf die Kirchen-, Siedlungs- und Kulturgeschichte der gesamten Bodenseeregion hervorhebt (S. 10). Ferner illustriert der Stiftsbibliothekar die sprachlichen und stilistischen Eigenheiten der Vita und weist insbesondere auf die zahlreichen biblischen Referenzen hin, die im Anschluss an die Edition entschlüsselt werden (S. 61f.). Einer kurzen Diskussion der Verfasserfrage folgen dann die Erläuterungen der Vorgehensweise Clemens Müllers bei der Einrichtung der Edition.

    Den Anmerkungen zur Einleitung (S. 20f.) schließt sich das Abkürzungs- und Literaturverzeichnis (S. 22f.) an, das einen Überblick über bisherige Ausgaben der »Vita vetustissima« und Editionen der Gallusviten von Wetti und Walahfried sowie eine Auswahlbibliographie zur Verfügung stellt, bevor das Faksimile der »Vetustissima« präsentiert wird (S. 25–34). Dieses führt, aufgeteilt auf acht Seiten, das Fragment der auf zwei Pergamentblättern überlieferten und aus einem Passionar stammenden ältesten Gallusvita vor Augen.

    Schließlich folgt das Kernstück der Ausgabe; die Edition und Übersetzung der »Vita sancti Galli vetustissima« (S. 35–51). Der von Clemens Müller erarbeiteten Edition des lateinischen Textes wird systematisch die von Cornel Dora und Franziska Schnoor vorgelegte deutsche Übersetzung gegenübergestellt. Methodisch und visuell ist die Edition zugunsten einer flüssigen Lesbarkeit gestaltet. Die Fußnoten beschränken sich auf einen Variantenapparat mit Hinweisen auf Leerstellen durch Zerstörung des Manuskripts, Korrekturen etc., auf bisherige Textausgaben der »Vetustissima« sowie bei Lücken im Fragment auch auf die Viten Wettis und Walahfrieds. Weitere Anmerkungen zur Edition werden im Anschluss an den edierten und übersetzten Text der Vita als Endnoten (S. 52–60) zur Verfügung gestellt. Insbesondere auch die abgesetzten Randverweise auf die entsprechenden Stellen bei Wetti und Walahfried, die sich zu Beginn der einzelnen Abschnitte der »Vetustissima« finden, sind für den Benutzer hilfreiche Querverweise.

    Die Ausgabe schließt mit einem Register der identifizierten Bibelstellen und anderen Zitaten und Similia sowie Personen- und Ortsnamen (S. 62–63).

    Diese Publikation der Stiftsbibliothek ist eine gelungene, dem Benutzer gut zugängliche Edition, die in ihrer sorgfältigen und prächtigen Gestaltung dem Wert des Manuskripts dieser ältesten Lebensbeschreibung des Gründerheiligen von St. Gallen Rechnung trägt.

    Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

    PSJ Metadata
    Constanze Buyken
    Stiftsbibliothek St. Gallen, Vita Sancti Galli Vetustissima (Constanze Buyken)
    urn:nbn:de:bvb:12-per-0000002120
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Frühes Mittelalter (600-1050), Hohes Mittelalter (1050-1350)
    Schweiz
    Historische Hilfswissenschaften, Lateinische Literatur
    6. - 12. Jh.
    4053881-3 118537350 4023287-6 4127195-6
    555-645
    Schweiz (4053881-3), Gallus Sanctus (118537350), Handschrift (4023287-6), Heiligenvita (4127195-6)
    PDF document vita-sancti-galli_buyken.doc.pdf — PDF document, 93 KB
    Stiftsbibliothek St. Gallen, Vita Sancti Galli Vetustissima (Constanze Buyken)
    In: Francia-Recensio 2014/1 | Mittelalter - Moyen Âge (500-1500) | ISSN: 2425-3510
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2014-1/MA/stiftsbibliothek-st.-gallen_buyken
    Veröffentlicht am: 20.03.2014 14:30
    Zugriff vom: 28.09.2020 12:10