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    R. de Ayala (dir.), Dictionnaire historique de Paris (Stefan Martens)

    Francia-Recensio 2014/4 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine

    Roselyne de Ayala (dir.), Dictionnaire historique de Paris, Paris (Le Livre de poche) 2013, 832 p. (La Pochothèque), ISBN 978-2-253-13140-3, EUR 28,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Stefan Martens, Paris

    Die Geschichte von Paris von den Anfängen in der Antike bis in die Gegenwart auf etwas mehr als 800 Seiten kompakt in einem handlichen Nachschlagewerk zu präsentieren ist ein ambitioniertes Unterfangen. Die Idee, von A wie »Pierre Abélard (1079–1142)« bis Z wie »Zone« – womit die Geschichte des Vorfeldes der von 1841–1844 errichteten Pariser Befestigungsanlagen gemeint ist – in bunter Folge Personen, Bauwerke und Ereignisse, die die Geschichte und das heutige Gesicht der Stadt geprägt haben, zu präsentieren, ist auf den ersten Blick reizvoll, doch wie löst man so einen hohen Anspruch ein? Kann man auf so wenig Raum ein repräsentatives Bild der Geschichte der Stadt zeichnen?

    Die Aufmachung des kleinen, aber gewichtigen Bandes kann gefallen, die Papierqualität und die Ausgestaltung mit zahlreichen, meist farbigen Illustrationen ist ansprechend. Betrachtet man die einzelnen Beiträge dann jedoch ein wenig näher, stellen sich dem Leser rasch Fragen, auf die er vergeblich nach Antworten sucht, da sich die Herausgeberin, Roselyne de Ayala offenkundig ebenso wenig wie der Verlag (s. Klappentext) zu einer substantiellen Einführung durchringen konnten. Die drei kurzen Absätze, die großzügig als »Introduction« unsigniert dem Ganzen vorangestellt wurden, werden dieser Aufgabe jedenfalls in keiner Weise gerecht.

    So hätte man beispielsweise gern gewusst, nach welchen Vorgaben die rund 50 Autoren ihre Beiträge abgefasst haben. Welches waren die Kriterien, nach denen die Themen ausgewählt wurden, die in dem »Dictionnaire« vorgestellt werden sollten? Dazu erfährt man ebenso wenig etwas wie zur Frage nach der Verteilung hinsichtlich der verschiedenen Epochen. So findet man zwar das eine oder andere Neue, wundert sich aber auch, dass bekannte Ereignisse, wie z. B. die Niederschlagung des Aufstandes der Commune von 1871, ebenso unerwähnt bleiben wie Angaben zur wechselvollen Geschichte der Verwaltung. Einträge zu Begriffen wie »Banlieue« oder »Département de la Seine« sucht man vergebens. Dafür findet man andere Artikel, wie zum Beispiel den bereits erwähnten Beitrag »Zone« oder »Révoltes parisiennes« – der sich allerdings auf die Zeit des Mittelalters beschränkt und das 19. Jahrhundert ausspart. Neben den Querverweisen am Ende der einzelnen Artikel wäre hier ein Sachindex hilfreich gewesen, doch den gibt es leider nur zu den genannten Personen. Dort, am Ende des Bandes, findet man dann z. B. auch Eugène Poubelle, der im Unterschied zu seinem Vorgänger Georges-Eugène Haussmann keines eigenen Beitrages für würdig befunden wurde.

    Inhaltlich vermögen die meisten der Einträge zu überzeugen, obwohl sie in der Regel eher knapp gehalten sind. Ob die Auswahl tatsächlich repräsentativ und ausgewogen die Geschichte der Stadt über die verschiedenen Zeitalter widerspiegelt, scheint eher zweifelhaft. Der Zeitgeschichte, wo sich mehrere Beiträge inhaltlich überschneiden, scheint deutlich mehr Gewicht beigemessen worden zu sein. Dies betrifft sowohl den Ersten, in weit größerem Ausmaß aber noch den Zweiten Weltkrieg, wo mit »Collaboration«, »Paris occupé«, »Rafle du Vél d’hiv«, »Résistance« viel Platz eingeräumt wurde. Da sie sich gegenseitig ergänzen, waren hier die Vorgaben hinsichtlich des Umfangs vermutlich sehr viel leichter einzulösen, als bei Einträgen wie »Révolution Française« oder Themen wie »Cinéma«, »Peintres« oder »Prostitution«, die zu den längsten Texten im Band zählen.

    Abgesehen von den Querverweisen wurde am Ende der einzelnen Artikel auf die sonst bei Nachschlagewerken üblichen Hinweisen zu weiterführender Literatur aus Platzgründen leider verzichtet. Vom Namensindex einmal abgesehen ist der Benutzer also auf eigene Recherchen angewiesen, und so stellt sich nach der Lektüre die Frage nach dem Zielpublikum, für das dieser »Dictionnaire historique« zusammengestellt wurde. Zur ersten Information mag er für den interessierten Laien sicher nützlich sein, als Arbeitsinstrument für den Fachmann kommt er aber eher nicht in Betracht. Der »Dictionnaire« bietet zwar mache Anregung, doch lässt er auch viele Frage unbeantwortet. Als Nachschlagewerk und Lektüre für die Reise ist er aufgrund seines Umfangs und Gewichts kaum geeignet. Für diesen Zweck käme dann wohl doch eher eine Ausgabe als E-Book in Betracht.

    Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

    PSJ Metadata
    Stefan Martens
    R. de Ayala (dir.), Dictionnaire historique de Paris (Stefan Martens)
    CC-BY 3.0
    Neuere Zeitgeschichte (1945-heute), Neuzeit / Neuere Geschichte (1789-1918)
    Frankreich und Monaco
    Geschichte allgemein, Sprache
    20. Jh., 21. Jh., Mittelalter, Neuzeit bis 1900
    4044660-8 4020517-4 4066724-8
    1000-2010
    Paris (4044660-8), Geschichte (4020517-4), Wörterbuch (4066724-8)
    PDF document ayala_martens.doc.pdf — PDF document, 81 KB
    R. de Ayala (dir.), Dictionnaire historique de Paris (Stefan Martens)
    In: Francia-Recensio 2014/4 | 19./20. Jahrhundert - Histoire contemporaine | ISSN: 2425-3510
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2014-4/ZG/ayala_martens
    Veröffentlicht am: 05.12.2014 13:40
    Zugriff vom: 17.10.2019 04:37
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