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    A. Weckwerth, Clavis Conciliorum Occidentalium septem prioribus saeculis celebratorum (Ernst-Dieter Hehl)

    Francia-Recensio 2015/3 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

    Andreas Weckwerth, Clavis Conciliorum Occidentalium septem prioribus saeculis celebratorum, Turnhout (Brepols) 2013, XXXIX–389 p. (Corpus Christianorum. Claves. Subsidia, 3), ISBN 978-2-503-54820-3, EUR 230,00.

    rezensiert von/compte rendu rédigé par

    Ernst-Dieter Hehl, Mainz

    Die »Clavis« erschließt katalogartig die Aktenstücke der westlichen Synoden, die bis zum Jahr 700 zusammengetreten sind. Jedes unter der jeweiligen Synode aufgelistete Stück erhält dabei eine eigene Nummerierung, die für den gesamten Band (Nr. 1–410) durchgezählt ist. Doch sind auch die Synoden aufgeführt, von denen sich keine Dokumente erhalten haben und deren Stattfinden nur durch anderweitige Quellen (Briefe, Erwähnung auf Synoden des gleichen Raumes) belegt ist.

    Gegliedert ist der Band nach den großen (kirchen-)politischen Räumen und Einheiten, in denen die Synoden zusammentraten. Die zeitliche Grenze ergibt sich aus dem Vordringen des Islam, der im nördlichen Afrika und auf der Iberischen Halbinsel die synodale Tätigkeit endgültig bzw. vorübergehend zum Erliegen brachte, und aus dem Schwinden der königlichen Gewalt im merowingischen Frankenreich, in dem die Karolinger dann in der Mitte des 8. Jahrhunderts einen Neubeginn ermöglichten, nachdem hier über mehrere Jahrzehnte keine Synoden mehr zusammengetreten waren. Der Bedeutung der Karolinger für das synodale Geschehen trägt Weckwerth dadurch Rechnung, dass er die päpstlichen Synoden bis 754, bis zum päpstlich-karolingischen Bündnis, verzeichnet, konkret bis zur römischen Synode vom Oktober 745. Die britische Insel, Irland, Dalmatien und Pannonien bilden von derartigen politischen Tendenzen unbeeinflusste »Außenräume« mit spärlicher (und für die beiden erstgenannten Gebiete oft unsicherer oder fiktiven) Überlieferung. Die Konzilien von Serdica (342/343) ergänzen als konkurrierend tagende west-östliche Bischofsversammlungen den Band (mit den Nummern 398–410).

    Den Katalog hat Weckwerth auf Latein verfasst, und er folgt damit der Sprache seiner Quellen. Eine allgemeine Einleitung auf Latein (S. 3–26) und Englisch (S. 27–48) befasst sich mit der Definition eines Konzils/einer Synode (beides verwendet Weckwerth wie auch seine Quellen synonym) als bischöfliches Entscheidungsgremium in Glaubens- und Disziplinarfragen. Sie behandelt die Untergliederung in Provinzial- und Partikularsynoden, wobei letztere von Bischöfen aus mehreren, meist benachbarten Provinzen besucht wurden und in Afrika wegen des Vorrangs der Bischöfe von Karthago als concilia plenaria, im westgotischen Spanien aufgrund der Machtstellung des Königs als concilia generalia die Bischöfe des jeweiligen Gesamtraums versammelten (die ökumenischen Konzilien tagten allesamt im Osten). Einleitend erörtert Weckwerth auch Beginn und Entfaltung des westlichen Synodalwesens sowie die Aufgaben der Synoden und die Modalitäten der Beschlussfassung. Besonders wichtig sind seine Bemerkungen zur Typologisierung des synodalen Schriftguts, die auf einer Scheidung der Wiedergabe der synodalen Beschlüsse (acta) oder des Verlaufs der Synode (gesta) aufbaut. Briefe, mit denen zur Synode eingeladen oder durch die abwesende Bischöfe informiert wurden, Eröffnungsansprachen, Unterschriftenlisten und anderes mehr lassen sich in diese Typologie einbauen. Seine Analyse der schriftlichen Fixierung der Aktenstücke auf den Synoden und der Modi der Überlieferung (besonders durch Kanonessammlungen) leitet zu dem speziellen Teil der »Clavis« über. Insgesamt ist die Einleitung eine vorzügliche Einführung in die westlichen Synoden, und zwar weit über das Stichjahr 700 hinaus.

    Die Großkapitel des Katalogteils (Concilia Africana, Conc. Gallica, Conc. Hispanica, Conc. Romana, Conc. Italica, Conc. Brittanica et Hibernica, Conc. Dalmatica et Pannoncia, Conc. Serdicensia) sind jeweils mit einer Charakteristik der synodalen Tätigkeit und der Überlieferungslage eröffnet. Die einzelnen Konzilien werden knapp vorgestellt, die grundlegende Literatur ist verzeichnet, bei den durchnummerierten Aktenstücken sind neben dem maßgeblichen Druckort auch die Übersetzungen in moderne Sprachen genannt (bei den spanischen Konzilien u. a. ins Arabische, Baskische und Polnische). Erhaltene Gesta und Statuta sind bei Bedarf in einer Synopsis untergliedert, S. 170 Nr. 158 z. B. in: (1) Prologus, (2) Canones, (3) Subscriptiones.

    Der Informationsreichtum des Werkes lässt sich gut am ersten Abschnitt über die Concilia Africana erkennen. Die Synoden der römischen Provinz Africa zählen zu den ersten nachweisbaren Konzilien des Westens, seit den ersten Jahrzehnten des dritten Jahrhunderts lässt sich eine synodale Tradition fassen (zuerst Karthago, ca. 220), die in ungewöhnlicher Dichte bis 427 reicht; die letzte afrikanische Synode datiert von 646. Für das vierte Jahrhundert sind Synoden der Donatisten bekannt, die Weckwerth S. 101–107 vorstellt und S. 107–112 durch eine Übersicht über die Verhandlungen zwischen donatistischen und »orthodoxen« Bischöfen ergänzt. Eine Besonderheit stellen die in der afrikanischen Kirche entstandenen Exzerpte und Epitomen aus der synodalen Überlieferung dar. All das bezeugt ein intensives »synodales Leben«, dessen Nachwirkung auch in der Sonderüberlieferung durch die »Collectio canonica Hispana« greifbar ist (dazu S. 112–114 als Concilium Cartaginense primum bis Conc. Carth. sextum und Conc. Milevitanum).

    Erschlossen wird der Band durch drei Indizes und acht Konkordanzen. Der erste Index verzeichnet die Konzilsorte in lateinischer Namensform (Index II gibt dazu die heute gültige) sowie die dort tagenden Konzilien. Der dritte Index stellt die Initien zusammen. Bei den Konkordanzen ist diejenige zwischen der umfassenden Konzilsedition von Giovanni Domenico Mansi und der »Clavis« die wichtigste.

    Für Forscher, die sich mit den frühen westlichen Konzilien befassen, ist Weckwerths »Clavis« ein willkommenes Arbeitsinstrument; für diejenigen, die sich mit den späteren Konzilien beschäftigen, kann sie zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel werden. Denn die synodalen Aktenstücke der Frühzeit wirken weiter, werden von späteren Synoden zitiert und bilden oft einen Referenzpunkt der eigenen Beschlüsse. Erst die sich als ökumenisch verstehenden päpstlichen Konzilien seit dem 12. Jahrhundert und die im »Decretum Gratiani« zusammenfließende kirchenrechtliche Tradition ändern das zunehmend. Für die Zeit davor ermöglicht die »Clavis« eine schnelle Einordnung der rezipierten Elemente und ihre Präzisierung; sie führt zu den heute maßgeblichen Ausgaben und gibt die wesentlichen Hinweise zur Überlieferung. Ihr Nummer-System ließe sich übernehmen, und so könnte sie zum Referenzwerk der Forschung werden. Ob das geschehen wird, bleibt abzuwarten. Der hohe Preis der gedruckten Ausgabe spricht dagegen. Nur eine im Internet zugängliche Aufbereitung würde das ermöglichen, und sie würde generell der Arbeit Weckwerths die Rezeption verschaffen, die sie verdient.

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    PSJ Metadata
    Ernst-Dieter Hehl
    Deutsches Historisches Institut Paris
    Conciliorum Occidentalium septem prioribus saeculis celebratorum
    de
    CC-BY-NC-ND 4.0
    Antike (1200 v.Chr.-600 n.Chr.), Frühes Mittelalter (600-1050)
    Europa nördlich und westlich der Italienischen Halbinsel / Alte Welt
    Kirchen- und Religionsgeschichte
    1 - 5. Jh. n. Chr., 6. - 12. Jh.
    100-700
    Katholische Kirche (2009545-4), Konzil (4032368-7)
    PDF document weckwerth_hehl.doc.pdf — PDF document, 330 KB
    A. Weckwerth, Clavis Conciliorum Occidentalium septem prioribus saeculis celebratorum (Ernst-Dieter Hehl)
    In: Francia-Recensio 2015/3 | Mittelalter – Moyen Âge (500–1500) | ISSN: 2425-3510
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2015-3/ma/weckwerth_hehl
    Veröffentlicht am: 11.09.2015 16:45
    Zugriff vom: 28.09.2020 10:14
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