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J.-P. Straus (dir.), Sigebert de Gembloux (Klaus Krönert)

Francia-Recensio 2016/4 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Jean-Paul Straus (dir.), Sigebert de Gembloux. Actes des Journées »Sigebert de Gembloux« Bruxelles-Gembloux – 5 et 6 octobre 2012, Turnhout (Brepols) 2015, X–210 p., 6 ill. n/b, 9 ill. en coul., 3 tabl. (Textes et études du Moyen Âge, 79), ISBN 978-2-503-56519-4, EUR 60,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Klaus Krönert, Lille

2012 jährte sich der Todestag Sigeberts von Gembloux zum 900. Mal. Dies bot dem Cercle royal »Art et Histoire« de Gembloux Gelegenheit, eine wissenschaftliche Tagung zu organisieren, bei der nicht nur der berühmte Mönch, sondern auch die Ursprünge der Abtei, die im 10. Jahrhundert liegen, im Zentrum des Interesses standen. Der Band umfasst sieben der damals vorgestellten Beiträge, alle in französischer Sprache verfasst. Sie haben weniger zum Ziel, abschließende und vollständige Ergebnisse zu präsentieren, als vielmehr laufende Forschungen vorzustellen und zu neuen Arbeiten anzuregen. Und dieses Ziel kann als vollständig erreicht bezeichnet werden. Jeder, der sich für die Frühzeit des Klosters Gembloux und das Leben und Werk Sigeberts interessiert, sollte diesen Band zu Rate ziehen.

Zunächst stellt in einer einführenden Studie Mireille Chazan, Emerita der Universität Metz, das Leben, die Karriere und die Werke Sigeberts, beziehungsweise die Umstände, unter denen sie entstanden, vor. Dass hierbei seiner Universalchronik ein besonderer Platz eingeräumt wird, rechtfertigt sich durch die Bedeutung des Werks, für das die Autorin die Spezialistin schlechthin ist. Anschließend untersucht Jean Meyers, Philologe aus Montpellier, das hagiografische Werk des gelehrten Mönchs, das neun Texte umfasst: Sie legen Zeugnis ab von seiner perfekten Beherrschung des Lateinischen, seinem feinen Stilgefühl und seiner literarischen Bildung. Wenn sie trotzdem lange Zeit nicht die verdiente Wertschätzung erlangt haben, dann sicher deshalb, weil das hagiografische Genus zu lange als »für Historiker unergiebig« betrachtet wurde.

Der dritte Beitrag stammt von Wim Verbaal, Spezialist für lateinische Literatur an der Universität Gent. Indem er verschiedene Schriften Sigeberts mit anderen Werken jener Zeit vergleicht, zeigt er, in welchem Maße der Mönch aus Gembloux ein Vertreter der traditionellen karolingischen Werte war: seine Welt war die des Römischen Reichs, und die Schwierigkeiten, die er hatte, die Wandlungen der Gegenwart anzuerkennen, werden besonders deutlich an seiner Kritik an der gregorianischen Reform. Die folgende Studie von Michiel Verweij, Bibliothekar an der Königlichen Bibliothek in Brüssel, ist den dort aufbewahrten Handschriften gewidmet, die Sigeberts Werke zum Inhalt haben: ein Manuskript der »Epistola ad Trevirenses«, eine Handschrift zu liturgischen Fragen, drei Handschriften des »Liber de viris illustribus« und vier Manuskripte der Chronik. Der Autor bietet nicht nur ausführliche Beschreibungen der jeweiligen Codices, sondern zeigt auch auf, wie wichtig es ist, jede Handschrift als eigenes Zeugnis für die Zeit, in der sie entstanden ist, zu betrachten. Auch im Beitrag von Michel de Waha, der an der Freien Universität Brüssel lehrt, steht eine Handschrift im Mittelpunkt der Untersuchung: Leipzig, Universitätsbibliothek, Civ. Rep II 69. Sie umfasst die ältesten Abschriften der »Gesta abbatum Gemblacensium« und der »Vita Wicberti«, zwei Texte, die Rückschlüsse auf die Ursprünge des religiösen Lebens in Gembloux seit 958 zulassen.

Auch in der Untersuchung von Philippe Mignot, Archäologe aus Namur, geht es um das Kloster Gembloux, das ursprünglich wohl ein castellum war, dessen Präsenz sich durch die strategisch bedeutende Lage an einem wichtigen Handelsweg erklärt. Im letzten Beitrag versucht Paul Tombeur, Emeritus der Katholischen Universität in Leuven, zu zeigen, welche Bedeutung Sigebert über das rein wissenschaftliche Interesse hinaus für uns heute noch haben kann. Diese liegt vor allem in der Freiheit, die er sich nahm, im Zeitalter der gregorianischen Reform und des Investiturstreits die höchsten Autoritäten auf Erden wie den Papst in anspruchsvoller Weise zu kritisieren.

Neben der reichen Bebilderung in erfreulich guter Qualität sind am Schluss noch die drei Indices hervorzuheben, die mittelalterliche und moderne Autoren sowie die zitierten Handschriften umfassen. Sie erleichtern die wissenschaftliche Arbeit mit dem Band erheblich.

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/

PSJ Metadata
Klaus Krönert
Sigebert de Gembloux
Actes des Journées »Sigebert de Gembloux« Bruxelles-Gembloux – 5 et 6 octobre 2012
de
CC-BY-NC-ND 4.0
Frühes Mittelalter (600-1050), Hohes Mittelalter (1050-1350)
Frankreich und Monaco
Historische Hilfswissenschaften, Theorie und Methode der Geschichtswissenschaften
6. - 12. Jh.
1030-1112
Sigebertus Gemblacensis (118614142), Geschichtsschreibung (4020531-9), Hagiografie (4022930-0), Handschrift (4023287-6)
PDF document straus_kroenert.doc.pdf — PDF document, 321 KB
J.-P. Straus (dir.), Sigebert de Gembloux (Klaus Krönert)
In: Francia-Recensio 2016/4 | Mittelalter – Moyen Âge (500–1500) | ISSN: 2425-3510
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/francia/francia-recensio/2016-4/ma/straus_kroenert
Veröffentlicht am: 12.12.2016 09:33
Zugriff vom: 06.07.2020 06:26
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