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    M. Rohrschneider: Schwierige Beziehungen!

    Friedrich300 - Studien und Vorträge

    Schwierige Beziehungen!

    Friedrich der Große und der

    Immerwährende Reichstag (1745-1763) 1

    Michael Rohrschneider





    Abstract:

    Im Januar 2013 jährte sich zum 350. Mal die feierliche Eröffnung des später sogenannten Immerwährenden Reichstags, der bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation im Jahr 1806 tagte. Diese von der älteren Forschung vernachlässigte und zumeist negativ beurteilte Institution ist in jüngerer Zeit verstärkt in den Blickpunkt der Forschung geraten und neu bewertet worden. Über die preußische Reichstagspolitik im Zeitalter Friedrichs des Großen ist allerdings bislang vergleichsweise wenig bekannt, obwohl der Reichstag eine Unmenge an Akten hinterlassen hat. Die Untersuchung lotet das eigentümliche Verhältnis des preußischen Königs zum Regensburger "Theatrum" aus und zeigt einige neue Facetten der Reichstagspolitik des preußischen Königs auf, der dem Geschehen in Regensburg zumindest punktuell mehr Beachtung schenkte, als dies die ältere Forschung suggeriert hat.

    <1>

    Im Januar 2013 jährte sich zum 350. Mal die Eröffnung des sogenannten Immerwährenden Reichstags (1663-1806) in Regensburg. Wir befinden uns also gerade inmitten des Jubiläumsjahres, das in Regensburg mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen begangen wird. Auch die nachfolgende Untersuchung versteht sich als Beitrag dazu, das Jubiläum zu nutzen, um den lange Zeit vernachlässigten Reichstag wieder stärker in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit von historisch Interessierten zu rufen, und ich denke, man kann dieses Jubiläum in Potsdam kaum besser begehen als mit einer Studie über die Haltung Friedrichs des Großen gegenüber dieser zentralen Institution des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.

    <2>

    Der Immerwährende Reichstag bot Kaiser und Reich für nahezu 150 Jahre, bis in die napoleonische Zeit hinein, ein bewährtes Forum, um die eigenen Interessen zu artikulieren, zu legitimieren und nicht zuletzt auch zu inszenieren. In Regensburg wurde eine beeindruckende Vielfalt an Themen beraten, von der Policeygesetzgebung, über wirtschaftspolitische Fragen bis hin zu Entscheidungen über Krieg und Frieden, um hier nur einige wenige Beispiele zu nennen.

    <3>

    In der Geschichtsschreibung ist der Immerwährende Reichstag gleichwohl lange Zeit ausgesprochen negativ beurteilt worden. Dies lag in erster Linie an der strikten Orientierung der älteren Historiografie an macht-, national- und anstaltsstaatlichen Vorstellungen, denen die Verfassungswirklichkeit des Reichstags so gar nicht entsprach. Gerade die preußisch-kleindeutsche Forschung exemplarisch genannt sei hier Droysens teleologische These von Preußens "deutschem Beruf" 2 tat sich nicht nur besonders schwer mit dem Reichstag, sondern sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass er bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein primär als Verfassungsorgan wahrgenommen wurde, das vor allem durch seine vermeintliche Ineffizienz und politische Ohnmacht geprägt gewesen sei.

    <4>

    Ein typisches Beispiel für diese Anschauung liefert ein besonders prominenter preußischer Historiker, nämlich Friedrich der Große selbst. In seiner "Histoire de mon temps" schreibt der Preußenkönig in despektierlicher Weise: "Der Reichstag zu Regensburg ist nur ein Schattenbild und eine schwache Erinnerung an das, was er einstens war. Jetzt ist er eine Versammlung von Rechtsgelehrten, denen es mehr auf die Formen als auf die Sache ankommt. Ein Minister, den ein Reichsfürst zu dieser Versammlung schickt, gleicht einem Hofhunde, der den Mond anbellt. Soll ein Krieg beschlossen werden, so weiß der kaiserliche Hof seine Privatstreitigkeiten geschickt mit den Reichsinteressen zu verflechten, um die deutsche Macht zum Werkzeug seiner ehrgeizigen Absichten zu benutzen." 3

    <5>

    Die nachfolgende preußische Geschichtsschreibung gelangte zu ähnlichen Urteilen über den Reichstag, zumal sich auch deren Beurteilung des Alten Reiches mit der generellen Haltung des Königs gegenüber Kaiser und Reich deckte. Viel zitiert wird in diesem Zusammenhang Friedrichs Diktum, das Heilige Römische Reich sei weder römisch noch heilig. Vielmehr handele es sich um ein bizarres, überlebtes und faktisch kaum handlungsfähiges Staatsgebilde. 4

    <6>

    Nun könnte man es sich einfach machen und konstatieren, eine Beschäftigung mit der friderizianischen Reichstagspolitik sei folglich nicht lohnenswert, da der preußische König keine Zweifel darüber aufkommen ließ, dass er das Regensburger "Theatrum" nicht sonderlich schätzte. Doch ist damit wirklich alles gesagt? Ich hoffe, dass es mir im Folgenden gelingen wird zu verdeutlichen, dass es sehr wohl von großem Interesse für die Forschung ist, sich mit der Reichstagspolitik Friedrichs zu beschäftigen. Denn eine Untersuchung des preußischen Vorgehens in Regensburg legt nicht nur wichtige Aspekte der Frage offen, wie es um das Verhältnis Preußens zum Heiligen Römischen Reich insgesamt in friderizianischer Zeit bestellt war, sondern eine solche Studie hilft auch zu erkennen, dass der Reichstag im Zeitalter des sich herausbildenden preußisch-österreichischen Dualismus zu einem umkämpften Terrain wurde, das zumindest phasenweise einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert für die Politik der Höfe von Berlin und Wien hatte.

    <7>

    Der Studie ist wie folgt gegliedert: In einem ersten Schritt erfolgt eine Skizzierung des gegenwärtigen Forschungsstands mit einem kurzen Blick auf die Quellenlage. Im Anschluss daran wird die Funktionsweise des Immerwährenden Reichstags in Grundzügen erläutert und die preußischen Reichstagsgesandten werden vorgestellt, ehe dann die Haltung Friedrichs des Großen gegenüber dem Reichstag und die preußische Reichstagspolitik eingehender untersucht werden. Als Untersuchungszeitraum wurden die Jahre 1745 bis 1763 gewählt, also die Zeitspanne vom Regierungsantritt Kaiser Franz' I. bis zum Frieden von Hubertusburg, denn gerade für diesen Zeitraum liegen noch erhebliche Forschungsdefizite hinsichtlich der Reichspolitik Friedrichs des Großen vor.

    Forschungsstand und Quellenlage

    <8>

    Die Erforschung des Immerwährenden Reichstags hat in neuerer Zeit zahlreiche Impulse erhalten, welche die einseitigen Urteile der älteren Forschung in substanzieller Weise korrigieren. 5 Als Beispiel für die Verdikte aus der Zeit vor 1945 sei an dieser Stelle der charakteristische Schlusssatz einer Bonner Dissertation über den Reichstag im Jahrzehnt nach dem Spanischen Erbfolgekrieg zitiert. Dort heißt es: "Welcher Gegensatz zwischen den trüben Zuständen des Heiligen Römischen Reichs, die wir in unserer Arbeit an dem Beispiel eines seiner hervorragendsten Organe kennenlernten, und dem nunmehr unter der Führung Adolf Hitlers geeinten und erstarkten Dritten Reich Deutscher Nation!" 6

    <9>

    Angeführt von den beiden impulsgebenden Monografien von Anton Schindling über die frühe Phase des Immerwährenden Reichstags bzw. von Karl Härter zur Geschichte des Reichstags im Zeitalter der Französischen Revolution – beide erschienen zu Beginn der 1990er Jahre 7 – sind in den letzten beiden Jahrzehnten Untersuchungen entstanden, die das von der älteren Historiografie konstruierte Bild des Reichstags in signifikanter Weise korrigiert haben. So wie das Alte Reich von der Geschichtsschreibung inzwischen nicht mehr als vor allem defizitäres, im Inneren verkrustetes und nach außen ohnmächtiges politisches Gebilde angesehen wird, 8 so fallen auch die Urteile der gegenwärtigen Reichstagsforschung deutlich besser aus als die oftmals anachronistischen Standpunkte der älteren Historiografie. Der Augsburger Historiker Johannes Burkhardt etwa, der zu denjenigen Historikern zählt, die das Alte Reich in Opposition zu den Tendenzen der älteren Forschung ausgesprochen positiv bewerten, gelangte sogar zu dem Befund, die Bewertung des Immerwährenden Reichstags durch die Zeitgenossen und die Historiker des 19. Jahrhunderts sei "einer der unglaublichsten Fälle einer Fehlbewertung in der Geschichte" 9 , wobei man aber doch fragen muss, ob hier das Pendel des historischen Urteils in dem berechtigten Bemühen, verzerrende Perspektiven der älteren Forschung zu korrigieren, nicht zu weit in eine positive Richtung ausschlägt.

    <10>

    Unumstritten ist in der jüngeren Forschung jedenfalls, dass der Immerwährende Reichstag ein "institutioneller Knotenpunkt" 10 und "Kristallisationspunkt frühneuzeitlicher Reichsgeschichte" 11 war, der auch den Charakter einer Informationszentrale und "Clearing-Stelle" 12 der Reichspolitik hatte. Für den Historiker Karl Otmar von Aretin war Regensburg sogar für 143 Jahre die "heimliche Hauptstadt" 13 des Reiches.

    <11>

    Was die Reichs- und Reichstagspolitik Friedrichs des Großen angeht, so sind nach wie vor große Forschungslücken unübersehbar, ja, man könnte sogar zugespitzt die These aufstellen, eine monografische Untersuchung der Reichspolitik des preußischen Königs auf dem Stand der jüngeren Forschung zählt zu den letzten großen Desideraten der politischen Geschichte Preußens in friderizianischer Zeit. Daran haben letztlich auch die zahlreichen Publikationen des Jubiläumsjahres 2012 nichts geändert. 14 Denn es liegen zwar eine ältere, ungedruckte und kaum rezipierte Marburger Dissertation zur Reichspolitik Friedrichs sowie einige ausgezeichnete Überblicksstudien in Aufsatzform vor. 15 Auch herrscht Einvernehmen in der Forschung darüber, dass sich Friedrich in seinen frühen und späten Regierungsjahren eingehend mit der Reichspolitik befasst hat. 16 Für den Untersuchungszeitraum 1745 bis 1763 bestehen dagegen noch Forschungslücken. Gleiches gilt für Friedrichs Reichstagspolitik, die bisher nahezu sträflich vernachlässigt wurde.

    <12>

    Eine wichtige Ursache dafür ist zweifellos die Quellenlage. In der umfangreichen Edition der " Politischen Correspondenz Friedrich's des Großen" 17 sind vergleichsweise wenige Schreiben mit Reichstagsbezug aufgenommen. Dies ist zweifellos ein Ausdruck der Tatsache, dass die borussische Forschung lange Zeit der von Friedrich demonstrativ geäußerten Geringschätzung des Reiches und seiner Institutionen gefolgt ist und sich vorrangig außenpolitischen Fragen zugewandt hat.

    <13>

    Erschwerend kommt hinzu, dass bis heute keine moderne Edition der Akten des Immerwährenden Reichstags vorliegt. Ein in den 1980er Jahren geplantes größeres Editionsvorhaben ist nicht zustande gekommen, 18 sodass man entweder auf Archivalien oder auf das speziell für preußische Reichstagsbelange nur bedingt ergiebige Material aus den zeitgenössischen Quellensammlungen des 18. Jahrhunderts angewiesen ist. 19 Als großes Problem erweisen sich dabei jedoch die Regalkilometer an Akten, die der Immerwährende Reichstag hinterlassen hat. Pointiert ließe sich sogar konstatieren, dass sich bislang die exzeptionelle Quellenfülle als der größte Feind einer editorischen Erfassung des Regensburger Reichstags erwiesen hat. Für die Regierungszeit Friedrichs des Großen wird man also bis auf Weiteres auf die einschlägigen Bestände des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz angewiesen bleiben.

    Die Funktionsweise des Immerwährenden Reichstags und die dortige Vertretung Preußens (1745-1763)

    <14>

    Das Prozedere des Immerwährenden Reichstags ist schon von den Zeitgenossen als so außerordentlich komplex angesehen worden, dass der Verweis der Akteure auf die daraus resultierende Schwerfälligkeit der Regensburger Beratungen fast schon toposartigen Charakter hatte und von der nachfolgenden Forschung auch weitgehend übernommen wurde. Als neu erwiesen sich in den Jahren nach der Eröffnung des Reichstags vor allem drei Aspekte: Zum einen tagte der Reichstag seit 1663 an einem festen Schauplatz, nämlich in Regensburg, während der institutionelle Vorgänger, der periodische Reichstag, an wechselnden Orten beraten hatte. Zum anderen ging der Reichstag – entgegen den ursprünglichen Absichten und anders als der periodische Reichstag – nicht mehr auseinander, sondern tagte permanent, das heißt ohne zu dem anvisierten Reichsabschied zu gelangen. Darauf geht der Name "Immerwährender" Reichstag zurück, denn er währte bis zum Ende des Alten Reiches 1806. Und zum Dritten waren die Reichsstände nur noch durch Gesandte vertreten, das heißt die Herrscher selbst waren nicht mehr dauerhaft persönlich vor Ort in Regensburg anwesend. Das gilt auch für den Kaiser. Er wurde durch den sogenannten Prinzipalkommissar repräsentiert, der ähnlich wie ein Botschafter als Alter Ego des Reichsoberhauptes in Regensburg fungierte. 20

    <15>

    Die Beratungen in den drei Kurien des Reichstags (Kurfürstenrat, Fürstenrat, Städterat) liefen nach einem festgelegten, sehr stark konsensorientierten formalen Verfahren ab. 21 Ausgangspunkt war jeweils eine sogenannte Ansage, einer Art Agenda der zu behandelnden Themen, über die dann zunächst getrennt in den drei Kurien und daran anschließend zwischen den Kurien (Re- und Korrelation) beraten wurde. Die größte Bedeutung kam dabei eindeutig dem Kurfürstenrat zu. Den geringsten Einfluss hatten die Reichsstädte. Wenn sich die Kurien geeinigt hatten, wurde ein gemeinsames Reichsgutachten erstellt, das durch kaiserliche Ratifikation zu einem Reichsschluss wurde und damit Gesetzeskraft erhielt. Zu einem Reichsabschied kam es nicht mehr. Der letzte Reichsabschied aus dem Jahr 1654 wird daher der Jüngste Reichsabschied genannt. 22 Besonders hinzuweisen ist noch darauf, dass in Fragen, die konfessionelle Belange berührten, getrennte, transkuriale Beratungen der katholischen und protestantischen Reichstagsgesandten stattfanden, also des sogenannten Corpus Catholicorum bzw. des Corpus Evangelicorum.

    <16>

    Neben diesen formalen Abläufen existierten zahlreiche Möglichkeiten informeller Art, um auf die politische Willensbildung Einfluss nehmen zu können. Hierzu zählten zum Beispiel Gelegenheiten, die das bunte gesellschaftliche Leben in Regensburg bot, etwa Feierlichkeiten anlässlich von Feiertagen der kaiserlichen Familie, gemeinsame Mahlzeiten, Jagdausflüge, Theaterveranstaltungen oder die Abendgesellschaften des Prinzipalkommissars, die auch und gerade als Foren der informellen Kommunikation genutzt wurden. 23

    <17>

    Der König von Preußen verfügte im Untersuchungszeitraum als Herrscher einer aus einzelnen territorialen Bestandteilen zusammengesetzten Mehrfachherrschaft 24 über mehrere Stimmen: Im Kurfürstenrat führte sein Reichstagsgesandter das kurbrandenburgische Votum und im Fürstenrat die Voten von Halberstadt, Hinterpommern, Kammin, Magdeburg, Minden und Ostfriesland. Darüber hinaus hatte er noch Anteil an der Kuriatstimme der Westfälischen Grafen. 25 Dem eigentlichen Preußen, also dem ehemaligen Deutschordensland und späteren Herzogtum, stand bekanntlich kein Reichstagsvotum zu, da es außerhalb des Heiligen Römischen Reiches lag. Wenn also im Folgenden im Sinne einer Sammelbezeichnung von preußischer Reichstagspolitik die Rede ist, dann ist der genannte Sachverhalt stets mit zu berücksichtigen.

    <18>

    In der Kurie der Kurfürsten berieten im Untersuchungszeitraum die Reichstagsgesandten der neun Kurfürsten, darunter der Bevollmächtigte des Kurfürsten von Brandenburg, also des Königs von Preußen. Der weniger bedeutende Fürstenrat umfasste rund hundert Voten, wobei die katholische Klientel Österreichs hier die Stimmenmehrheit besaß. Wenn gleichzeitig im Kurfürsten- und Fürstenrat beraten wurde und der preußische Reichstagsgesandte den Beratungen des Kurfürstenrats beiwohnte, dann wurden seine Fürstenratsvoten durch die Reichstagsgesandten Brandenburg-Ansbachs oder -Bayreuths verlesen. 26 Im Städterat, der dritten Kurie, war Preußen nicht vertreten.

    <19>

    Als Reichstagsgesandte Friedrichs des Großen fungierten in den hier behandelten Jahren zwei durchaus schillernde Persönlichkeiten: Adam Friedrich von Pollmann (1685/86-1753) und Erich Christoph Edler Herr und Freiherr von Plotho (1707-1788) . 27 Pollmann stammte aus Westfalen, studierte in Gießen Jura und erhielt später einen Ruf als ordentlicher Professor der Rechte an seine Heimatuniversität, den er jedoch ausschlug. 1727 trat er in den preußischen Staatsdienst und legitimierte sich 1737 auf dem Reichstag, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1753 als Gesandter tätig war.

    <20>

    Pollmann galt als äußerst temperamentvoll. 28 Er kollidierte aufgrund seiner "allzu große[n] Lebhafftigkeit" 29 immer wieder mit den österreichischen Reichstagsgesandten und wurde selbst auf preußischer Seite zeitweise als zu ungestüm angesehen. 30 Der Wiener Hof zählte ihn zu den sogenannten "Übelgesinnten" und reagierte wiederholt mit scharfer Kritik auf sein Verhalten. Es zeige sich, heißt es in einem aufschlussreichen Bericht der Prinzipalkommission an den Kaiser vom 4. März 1753, aus dem hier exemplarisch zitiert sei, "welchergestalten der von Pollmann in allen Vorkommenheiten seinen Dominat auszuüben suchet und von der allenthalben gegen seinen König fürwaltenden Forcht und Submission zu profitiren weiß, um denen Gesandschafften solche Dinge zuzumuthen, welche sie von anderen gewiß nicht so leichter Dingen vertragen oder gestatten würden." 31

    <21>

    Nicht viel anders verhielt es sich mit Erich Christoph von Plotho, der von 1754 bis 1766 als preußischer Reichstagsgesandter tätig war. Einem alten märkischen Adelsgeschlecht entstammend, schlug Plotho zunächst die juristische Laufbahn ein und wurde 1734 zum Legationsrat der kurbrandenburgischen Reichstagsgesandtschaft ernannt. Nachdem er den preußischen Staatsdienst zwischenzeitlich ganz verlassen hatte, wurde er 1754 als Reichstagsgesandter Friedrichs des Großen tätig und blieb auf diesem für ihn ruinösen Posten bis 1766.

    <22>

    Plotho ist der wohl berühmteste Reichstagsgesandte der friderizianischen Zeit, was ganz entscheidend mit seinem aufsehenerregenden Verhalten im Siebenjährigen Krieg zusammenhängt, als er in nahezu legendärer Weise die durch den kaiserlichen Notar Aprill überbrachte kaiserliche Zitation für den mit der Reichsacht bedrohten preußischen Monarchen mit Vehemenz zurückwies. 32 Der bedauernswerte Notarius hatte sich zuvor – wohlwissend, dass möglicherweise eine gewaltsame Auseinandersetzung bevorstand – nicht nur mit zwei Begleitern als Zeugen verstärkt und mit Terzerolen, also kleinen Pistolen, bewaffnet, sondern auch mit Kieselsteinen , um sich gegebenenfalls zur Wehr setzen zu können. 33 Entgegen der Legendenbildung ist es aber dann doch nicht zu den befürchteten ernsteren Tätlichkeiten gekommen. Goethe hat Plotho, den er den Mann "mit schwarzen Feueraugen" 34 nannte, in "Dichtung und Wahrheit" ein kleines literarisches Denkmal gesetzt.

    Abb. 1: Carl Röchling: Der preußische Gesandte Plotho wirft den kaiserlichen Hofgerichtsadvokaten die Treppe hinunter, in: Carl Röchling / Richard Knötel: Der alte Fritz in fünfzig Bildern für Jung und Alt, Berlin 1895, SPSG.

    <23>

    In der Forschung gilt Plotho als Persönlichkeit, die Konfrontationen nicht scheute. Theodor Schieder etwa hob den aggressiven Charakter von Plothos Vorgehensweise in Regensburg hervor und nannte ihn "Meister des Protestes" und "agent provocateur". 35 Dies stimmt mit den erhaltenen zeitgenössischen Urteilen seiner Gegner überein. In einer antipreußischen Flugschrift, die in der Gerhard-Knoll-Forschungsbibliothek erhalten ist, wurde Plotho beispielsweise als "der Kühne Wahrheits Würger" 36 bezeichnet. Auf österreichischer Seite dachte man nach Ausbruch des Siebenjährigen Krieges sogar darüber nach, ihn gänzlich vom Reichstag zu entfernen. 37 Er selbst befürchtete sogar eine "Haußstürmung", 38 als sich über 500 Menschen vor seinem Regensburger Quartier versammelt hatten. "Das Jubiliren derer kayserlichen Ministres und ihres Anhangs ist nicht zu beschreiben, dergestalt, daß mir mein hiesiger Aufenthalt zu einer Folter gemachet und solches zuletzt nicht mehr auszustehen seyn wird", meldete er im Juli 1757 nach Berlin. 39 Letztlich blieb er jedoch über das Kriegsende hinaus als Reichstagsgesandter tätig, schied aber später aufgrund von Meinungsverschiedenheit über sein Gehalt im Unfrieden aus dem preußischen Dienst aus.

    Zur preußischen Reichstagspolitik (1745-1763)

    <24>

    Die Reichspolitik Friedrichs des Großen ist in der bisherigen Forschung sehr unterschiedlich beurteilt worden. Während die ältere borussische Historiografie die herablassenden Bemerkungen Friedrichs über das Reich und die Reichsinstitutionen in aller Regel nicht hinterfragte, ist die neuere Forschung zu differenzierteren Befunden gelangt. Unstrittig ist inzwischen, dass der Preußenkönig einen reichspolitischen Lernprozess durchlaufen hat und "die reichspolitische Klaviatur immer virtuoser zu beherrschen lernt[e]." 40 Volker Press gelangte sogar zu dem viel zitierten Urteil, "daß Friedrich der Große einer der erfolgreichsten Reichspolitiker war, die es je gegeben hat." 41

    <25>

    Schon Arnold Berney konnte in seiner 1934 erschienenen Arbeit " Friedrich der Große. Entwicklungsgeschichte eines Staatsmannes" aufzeigen, dass sich der preußische Monarch in seinen ersten Regierungsjahren intensiv der Reichspolitik gewidmet hat. 42 Ähnliches lässt sich für seine späten Regierungsjahre konstatieren. Sowohl im Bayerischen Erbfolgekrieg 1778/79 als auch im Zuge des Fürstenbundes 1785 hat sich Friedrich eingehend mit reichspolitischen Themen beschäftigt. 43 Doch wie verhielt es sich im Untersuchungszeitraum 1745 bis 1763?

    <26>

    Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich Friedrich, wie bereits erwähnt, ausgesprochen abfällig über das Reich und den Regensburger Reichstag geäußert hat. So enthalten seine beiden Politischen Testamente von 1752 bzw. 1768 zahlreiche despektierliche Bemerkungen, die man in diesem Zusammenhang anführen könnte, ebenso seine historiografischen Werke und nicht zuletzt auch seine politischen Korrespondenzen, ja, selbst gegenüber auswärtigen Gesandten am preußischen Hof hat er entsprechende Bemerkungen lanciert. 44

    <27>

    Die Reichstagsgesandten hielt er für schwerfällige "Pedanten, die in den äußerlichen Lappalien am erfahrensten sind" 45 und deren beschränkter Verstand nicht in der Lage sei, das große Ganze zu erfassen. "Je me moque de la Diète et de toutes ses résolutions", 46 schrieb Friedrich am 5. Februar 1757 trotzig an seine Schwester Wilhelmine, nachdem in Regensburg die Entscheidung für einen Reichskrieg gegen Preußen gefallen war. Dies korrespondiert mit seinem bisweilen zur Schau getragenen Unwillen, sich überhaupt mit Fragen der Reichspolitik im Allgemeinen und des Reichstags im Besonderen zu befassen, 47 zumal er in mehreren Schreiben an seine Minister erklärte, ihm würden schlichtweg die Kenntnisse fehlen, um Details der Reichstagverhandlungen angemessen beurteilen zu können. 48 Hier öffneten sich also gewisse Handlungsspielräume für seine Berliner Minister und seinen jeweiligen Regensburger Gesandten.

    <28>

    An dieser Stelle sei jedoch davor gewarnt, diese Äußerungen Friedrichs blank und ungefiltert zu übernehmen. Fünf Einwände gilt es gegen diese Lesart besonders zu berücksichtigen. Erstens: Der König stilisierte sich sowohl in seiner Rolle als Schriftsteller als auch in seinen an seine Minister oder an auswärtige Diplomaten gerichteten Stellungnahmen liebend gerne als Potentat von europäischem Format, der vorgab, sich mit Einzelheiten der Reichspolitik nicht abzugeben. 49

    <29>

    Zweitens: Bei einer Kontextualisierung der von der Forschung als Belege für sein vermeintliches Desinteresse am Reich und am Reichstag angeführten Äußerungen des Königs wird erkennbar, dass ihm bisweilen schlichtweg die Zeit fehlte – insbesondere wenn er im Feld stand –, um sich mit sämtlichen reichspolitischen Details befassen zu können.

    <30>

    Drittens: Die abfälligen Bemerkungen Friedrichs über die Regensburger "Pedanten" relativieren sich, wenn man sich seine eigene Stellenbesetzungspraxis vor Augen führt. Als es nämlich 1766 um die Nachfolge Plothos in Regensburg ging, wies der König seine Minister explizit an, sie sollen einen "geschickten Mann, der ein guter und gründlicher Juriste, dabei geschickter Publiciste und in dem jure publico, der Reichshistorie und in den teutschen Verfassungen erfahren ist, vorschlagen." 50 Nach Geringschätzung hört sich dies sicherlich nicht an.

    <31>

    Viertens: Die Entscheidung, seinen Reichstagsgesandten Plotho nach der Reichskriegserklärung von 1757 nicht aus Regensburg abzuberufen, deutet darauf hin, dass sich Friedrich sehr wohl bewusst darüber war, sich mit dem Verbleib seines Reichstagsgesandten vor Ort Optionen zu wahren, um auf die Reichstagsöffentlichkeit Einfluss nehmen zu können. Tatsächlich wurde Regensburg im Siebenjährigen Krieg zu einem veritablen Nebenkriegsschauplatz, den der preußische König gezielt nutzte, um propagandistische Wirkung zu entfalten. 51

    <32>

    Fünftens und letztens: Die Frage, ob und inwiefern Friedrichs Kenntnisse in Fragen der Reichspolitik tatsächlich mangelhaft gewesen sind, wird in der neueren Forschung kontrovers beurteilt. Johannes Burkhardts Diktum, Friedrich habe "vor allem gar nichts von Reichsgeschichte und Reichsrecht [verstanden] – vielleicht der historisch folgenreichste Fall einer Bildungslücke" 52 , stehen Bewertungen gegenüber , welche die vermeintlich fehlenden Kenntnisse des Königs auf dem Gebiet des Reichsrechts und der Reichsverfassung mit einem deutlichen Fragezeichen versehen. So hebt Johannes Kunisch in seiner Friedrich-Biografie hervor, dass der König "auf einem politischen Terrain, das er aufgrund seiner historiographischen Bemühungen natürlich kannte, aber immer wieder verächtlich und gelangweilt beiseite geschoben hatte, über ein nicht nur juristisch, sondern auch historisch begründetes Wissen verfügte – eine Kompetenz, die ihn weit über den Kenntnisstand seiner Mitregenten hinaushob." 53 Auch Tobias Schenk, der in jüngerer Zeit eine Reihe von fundierten Studien zum Reichshofrat vorlegte, hat sich jüngst dahingehend geäußert, dass Friedrich "reichsrechtlich womöglich doch nicht so schlecht ausgebildet war, wie oft vermutet wird". 54

    <33>

    Eingedenk dieser doch recht deutlichen Bewertungsunterschiede ist man beim gegenwärtigen Forschungsstand gut beraten, Friedrichs Rolle als Reichspolitiker vorsichtig zu bewerten. Die genannten Einwände sollen nicht den Eindruck erwecken, hier in panegyrischer Weise eine Ehrenrettung des Königs angesichts seiner zumindest in jungen Jahren unverkennbaren reichspolitischen Wissensdefizite vornehmen zu wollen. Friedrich war sicherlich kein Reichstagsexperte, der an den Regensburger Geschäften mit Herzblut Anteil nahm. Vielmehr deutet Vieles darauf hin, dass sich die oft beschriebene Widersprüchlichkeit seines Königtums und seines Charakters nicht zuletzt auch in seiner Reichspolitik niederschlug 55 und dass in diesem Punkt eine nicht zu übersehene Kluft zwischen seinem Schreiben und Handeln bestand. 56

    <34>

    Der eigentliche Integrationspunkt seiner Reichstagspolitik war jedenfalls die feste Überzeugung, dass seine große Gegenspielerin, Maria Theresia, den Verlust Schlesiens nie verschmerzen werde. 57 Damit einher gingen seine ausgeprägten Ressentiments gegenüber der Wiener Hofburg. Seit Kaiser Ferdinand I., schreibt Friedrich in seiner "Histoire de mon temps", strebe das Haus Österreich nach einer despotischen Herrschaft im Heiligen Römischen Reich. 58 Der kaiserliche Hochmut vererbe sich gewissermaßen von Generation zu Generation und strebe danach, die Kaiserwürde auf Dauer dem Haus Österreich zu sichern, 59 die protestantischen Reichsstände zu unterdrücken und die Libertät der Reichsstände substanziell zu beschneiden. 60

    <35>

    Auf dem Reichstag betrieb Friedrich daher oftmals Obstruktionspolitik gegenüber Österreich. 61 Der Wiener Hof sah sich dort immer wieder mit einer Blockadehaltung Preußens konfrontiert. Das Reich und der Reichstag waren für Friedrich ein "Manövrierfeld" 62 , auf dem Preußen und Österreich in der Art eines Nullsummenspiels um Einflusszonen rangen. Eine wie auch immer geartete Unterordnung unter den Kaiser bzw. das Haus Österreich kam für ihn jedenfalls nicht mehr in Frage.

    <36>

    Die von Friedrich angewandten Methoden und dabei eingesetzten Instrumente ähnelten durchaus denen des Wiener Hofes. Hierzu zählten zum Beispiel eine gezielte Besetzungspolitik im Militär, Geldzahlungen, Geschenke, Nobilitierungen, Versuche zur Bildung reichsständischer Assoziationen, Ehestiftungen und nicht zuletzt auch die Demonstration konfessioneller Solidarität. Wichtig war auch die mediale Beeinflussung der Reichstagsöffentlichkeit, gerade in Form von Propaganda während des Siebenjährigen Krieges, ferner eine Ausreizung der Optionen, die das formale und informelle Reichstagsprozedere bot, sowie darüber hinaus der Aufbau eines Netzes von Informanten, Klienten und satellitenhaften "Partheygängern". In gewisser Hinsicht erschienen Friedrich die entsprechenden Praktiken der Hofburg sogar für nachahmenswert. So liest man in einer Resolution des Königs vom 28. Februar 1757: "Sie müssen es machen, wie die Wiener: öfters probiren, sich nicht decouragiren lassen, keine Gelegenheit vorbei lassen, sondern attent seind. Was heute nicht gehet, gehet morgen." 63

    <37>

    Die Hofburg sah sich insgesamt gesehen immer wieder preußischen Versuchen ausgesetzt, die "pro-kaiserlichen Wirkmechanismen" 64 in den Reichsinstitutionen außer Kraft zu setzen. Ob der preußische König damit wirklich bezweckte, das Band zwischen "Haupt und Gliedern", also zwischen Kaiser und Reichsständen, gänzlich zu zerreißen und das Heilige Römische Reich letztlich in einen föderativen Bund von Preußens Gnaden umzuwandeln, wie es ihm seine Gegner unterstellten, darf allerdings bezweifelt werden. Viel spricht dafür, dass Friedrich einem dynamisch zu verstehenden Primat preußischer Interessenpolitik im Reich und auf dem Reichstag folgte, der zwar notfalls gegen Kaiser und Reich durchgesetzt werden sollte, aber gegebenenfalls auch im Verbund mit dem Reich

    <38>

    Ein Indiz für dieses Spannungsverhältnis sind die auf preußischer Seite nach dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges angestellten Überlegungen, aufgrund des Verlustes von politischen Gestaltungsmöglichkeiten in Regensburg an einem anderen Ort einen Gegenreichstag zu bilden. 65 Friedrich entschied letztlich aber, den Nexus zum Reich nicht gänzlich abreißen zu lassen, und beließ Plotho in Regensburg. "[...] die These von Friedrich als ewigem Reichszerstörer", 66 bilanziert Wolfgang Neugebauer, greift also zu kurz, wenngleich der König in den Worten von Johannes Kunisch "eben auch nie daran gearbeitet [hat], das gemeinsame Dach, unter dem zumindest auch die brandenburgischen Kurlande beheimatet waren, so auszubessern, daß es allen Schutz bieten konnte." 67

    <39>

    Die Wiener Hofburg reagierte jedenfalls fast gleich einem Seismografen auf Preußens Versuche, auf dem Reichstag die kaiserliche Stellung zu unterminieren. Der Hinweis auf das angebliche Streben Preußens nach einer Umwälzung der Reichsverfassung zählte dabei zum Standardrepertoire der Reichstagsgesandten des Wiener Hofes. Sie sollten den Reichstag weisungsgemäß nutzen, um die Reichsstände über die fundamentale Bedrohung des Reichssystems aufzuklären, die aus österreichisch-kaiserlicher Perspektive von Preußen ausging. "Solte es Chur-Brandenburg gelingen, die Oberhand zu erhalten, so ist es sicher, daß das Band des Reichs nicht mehr bestehen und ein Stand nach dem andern von dessen Gewalt werde verschlungen werden", liest man in einer markanten Weisung an die Prinzipalkommission vom 22. März 1757. 68

    <40>

    Aus wahrnehmungsgeschichtlicher Perspektive ist in diesem Kontext besonders bemerkenswert, dass die wechselseitige Perzeption des preußischen wie auch des österreichischen Lagers in ausgeprägter Weise bipolare Züge trägt. In den Reichstagskorrespondenzen wurden die eigenen Anhänger typischerweise als die "Wohlmeinenden", "Gutgesinnten" oder auch "Vertrauteren" bezeichnet, die Anhängerschaft der Gegenseite dagegen als die "Übel-" oder "Widriggesinnten". 69

    <41>

    Für die konkrete Gestaltung der Reichstagspolitik hatte dieses feindbildhafte Schwarz-Weiß-Denken weitreichende Konsequenzen: Während man die "Gutgesinnten" auf dem Regensburger Parkett oftmals ins Vertrauen zog, begegnete man den Protagonisten der Gegenseite mit mehr oder weniger ausgeprägtem Misstrauen. Dies zeigte sich besonders deutlich nach Ausbruch des Siebenjährigen Krieges, als das Geschehen in Regensburg eine vergleichsweise große Bedeutung im Kalkül der Höfe von Berlin und Wien erlangte, da auf dem Reichstag die Frage zu klären war, ob Friedrich der Reichskrieg erklärt werden sollte. In den Wochen und Monaten nach Kriegsausbruch entstand ein regelrechtes Wettrennen zwischen Preußen und Österreich um die Stimmen der Reichsstände, das letztlich mit einer empfindlichen Niederlage des preußischen Königs endete.

    <42>

    Der preußische Reichstagsgesandte Plotho konstatierte im Juli 1757 sogar, "es wird [...] Euer Königlichen Majestät Parthey und Anhang so geringe, daß bei hiesigem Reichstage nichts mehr anzufangen und zu unternehmen seyn wird". Sollte das Vorhaben des Wiener Hofes glücken, dann sei es um die Freiheit und Rechte der Reichsstände geschehen und, so führte Plotho weiter aus, "das Hauß Oesterreich erhielte die vollkommene Monarchie über das ganze teutsche Reich, wodurch es in Stand kommen würde, ganz Europa Gesetze vorschreiben zu können". 70

    <43>

    Heute wissen wir, dass die Prognose Plothos nicht eingetroffen ist. Zwar setzte der Wiener Hof in Regensburg die erwünschte Reichskriegserklärung durch. Die von den Reichsständen aufgestellte Reichsarmee erwies sich aber in der Folgezeit als militärischer Faktor, der die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllte. Preußen blieb auch weiterhin auf dem Reichstag präsent, und der zuvor verfemte Reichstagsgesandte Plotho konnte nach dem Friedensschluss von Hubertusburg 1763 wieder an der Mittagstafel und den Abendgesellschaften des Prinzipalkommissars teilnehmen. 71 Er und sein König wurden damit symbolisch wieder in den Reichsverband integriert.

    Fazit

    <44>

    Der Immerwährende Reichstag war aus der subjektiven Sicht Friedrichs des Großen eine überlebte Institution, die seiner Ansicht nach immer wieder Gefahr lief, zu einem bloßen Werkzeug des Hauses Österreich zu werden. Daher hat sich der preußische König konsequent darum bemüht, dem in Regensburg entgegenzuwirken. Allerdings erscheint beim gegenwärtigen Stand der Forschung unstrittig, dass das Reichstagsgeschehen insgesamt gesehen einen Faktor darstellte, dem er allenfalls phasenweise seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmete.

    <45>

    Dies darf jedoch nicht zu dem Rückschluss führen, Preußen habe während seiner Regierungszeit kaum aktive Reichstagspolitik betrieben. Ganz im Gegenteil: Die preußischen Reichstagsgesandten Pollmann und Plotho haben die Interessen ihres Monarchen vehement vertreten und zählten zu den Protagonisten der von Österreich als Kontrahenten wahrgenommenen "Parthey" der "Widriggesinnten". Das traditionelle Bild des Immerwährenden Reichstags als schläfrige Institution gilt es also zu modifizieren, da das Regensburger "Theatrum" vor und hinter den Kulissen doch zeitweise sehr umkämpft war, und zwar nicht nur während des Siebenjährigen Krieges.

    <46>

    Der Gegensatz zwischen der preußischen und der österreichischen "Parthey", der nicht zuletzt auch konfessionell fundiert war, lässt sich übrigens noch heute in Regensburg aufspüren: Während sich die Grabmäler einiger Exponenten der kaiserlich-österreichischen "Parthey" in und an der Basilika von Sankt Emmeram finden, liegen die in Regensburg verstorbenen, zu den Anhängern Preußens zu rechnenden evangelischen Reichstagsgesandten, unter ihnen auch Pollmann, auf dem Friedhof an der heutigen evangelischen Dreieinigkeitskirche begraben.

    <47>

    "Schwierige Beziehungen", wie es im Titel heißt, bestanden also in der Tat zwischen Friedrich dem Großen und dem Immerwährenden Reichtags, der zwar alles andere als ein Forum war, das der preußische König schätzte, gleichwohl aber eine Plattform darstellte, auf die er nicht gänzlich verzichten wollte. Somit bleibt die Erforschung des Verhältnisses Preußens zum Alten Reich in friderizianischer Zeit so lange ein Torso, bis die preußische Reichstagspolitik hinreichend erschlossen ist.

    Autor:

    apl. Prof. Dr. Michael Rohrschneider
    Universität zu Köln
    Historisches Institut
    Albertus-Magnus-Platz
    D-50923 Köln
    michael.rohrschneider@gmx.net



    1 Die nachfolgende Studie basiert auf dem Vortrag vom 25. Juni 2013 im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam. Für die Publikation wurde er mit den nötigen Belegen versehen. Die Vortragsform wurde beibehalten. Die Untersuchung entstand im Rahmen des vom österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) geförderten Forschungsprojekts P21601-G18 "Klientelpolitik und Patronageverhältnisse am Immerwährenden Reichstag: Österreich und Preußen (1740-1763) / Clientele Policy and Patronage Relations at the Everlasting Imperial Diet: Austria and Prussia (1740-1763)" sowie eines Stipendiums der Bühler-Stiftung-Berlin zur Nutzung der Gerhard-Knoll-Forschungsbibliothek der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Den drei genannten Institutionen sowie Arno Strohmeyer (Salzburg) und Jürgen Luh (Potsdam) sei an dieser Stelle ganz herzlich für ihre Unterstützung gedankt.

    2 Vgl. Johann Gustav Droysen: Geschichte der preußischen Politik. Bd. 1, Leipzig 1855, 4: "Auch Preußen umfaßt nur Bruchtheile deutschen Volkes und Landes. Aber zum Wesen und Bestand dieses Staates gehört jener Beruf für das Ganze, dessen er fort und fort weitere Theile sich angegliedert hat."

    3 Hier zitiert nach der deutschen Übersetzung in Gustav Berthold Volz (Hg.): Die Werke Friedrichs des Großen. Bd. 2. Geschichte meiner Zeit. Deutsch von Friedrich von Oppeln-Bronikowski, Berlin 1913, 39.

    4 Vgl. insbesondere die beiden Politischen Testamente Friedrichs von 1752 und 1768 in Richard Dietrich (Bearb.): Die politischen Testamente der Hohenzollern (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz 20), Köln / Wien 1986, 360f., 380f. und 680f.

    5 Vgl. jüngst die Bestandsaufnahme in Michael Rohrschneider (Hg.): Der Immerwährende Reichstag im 18. Jahrhundert. Bilanz, Neuansätze und Perspektiven der Forschung, in: zeitenblicke 11 (2012) Nr. 2. http://www.zeitenblicke.de/2012/2 <04.07.2013>.

    6 Andreas Biederbick: Der Deutsche Reichstag zu Regensburg im Jahrzehnt nach dem Spanischen Erbfolgekrieg. 1714-1724. Der Verlauf der Religionsstreitigkeiten und ihre Bedeutung für den Reichstag. Diss. phil. Bonn, Düsseldorf 1937, 88.

    7 Vgl. Anton Schindling: Die Anfänge des Immerwährenden Reichstags zu Regensburg. Ständevertretung und Staatskunst nach dem Westfälischen Frieden (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Abteilung Universalgeschichte 143; Beiträge zur Sozial- und Verfassungsgeschichte des Alten Reiches 11), Mainz 1991; Karl Härter: Reichstag und Revolution 1789-1806. Die Auseinandersetzung des Immerwährenden Reichstags zu Regensburg mit den Auswirkungen der Französischen Revolution auf das Alte Reich (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wisenschaften 46), Göttingen 1992.

    8 Vgl. neuerdings die Bilanz von Horst Carl: "Schwerfälligen Andenkens" oder "das Recht, interessant zu sein"? Das Alte Reich in der neueren Forschungsliteratur, in: Zeitschrift für Historische Forschung 37 (2010), 73-97.

    9 Johannes Burkhardt: Verfassungsprofil und Leistungsbilanz des Immerwährenden Reichstags. Zur Evaluierung einer frühmodernen Institution, in: Heinz Duchhardt / Matthias Schnettger (Hg.): Reichsständische Libertät und habsburgisches Kaisertum (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Abteilung Universalgeschichte, Beiheft 48), Mainz 1999, 151-183, hier: 152.

    10 Härter: Revolution (wie Anm. 7), 20.

    11 Helmut Neuhaus: Der Reichstag als Zentrum eines "handelnden" Reiches, in: Heinz Schilling / Werner Henn / Jutta Götzmann (Hg.): Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962 bis 1806. Altes Reich und neue Staaten 1495 bis 1806, Dresden 2006, 43-52, hier: 43.

    12 Walter Fürnrohr: Kurbaierns Gesandte auf dem Immerwährenden Reichstag. Zur baierischen Außenpolitik 1663 bis 1806, Göttingen 1971, 11.

    13 Karl Otmar von Aretin: Das Reich kommt zur Ruhe. Der Immerwährende Reichstag in Regensburg, in: Uwe Schultz (Hg.): Die Hauptstädte der Deutschen. Von der Kaiserpfalz in Aachen zum Regierungssitz Berlin, München 1993, 123-135, hier: 127.

    14 Eine Bilanz der Jubiläumsliteratur zieht Holger Böning: 300 Jahre Friedrich II. Ein Literaturbericht zum Jubiläumsjahr 2012. Eingeschlossen einige Gedanken zum Verhältnis des großen Königs zu seinen kleinen Untertanen, zu Volksaufklärung und Volkstäuschung sowie zur Publizistik (= Presse und Geschichte – Neue Beiträge 75), Bremen 2013.

    15 Vgl. Hildegard Keppler: Friedrich der Grosse und das Reich. Diss. phil. , Marburg 1944; Volker Press: Friedrich der Große als Reichspolitiker, Wiederabdruck in: ders.: Das Alte Reich. Ausgewählte Aufsätze. In Verbindung mit Stephanie Blankenhorn, Horst Carl, Gabriele Haug-Moritz und Michael Kaiser hg. von Johannes Kunisch (= Historische Forschungen 59), 2. Aufl., Berlin 2000, 260-288; Anton Schindling: Friedrich der Große und das reichische Deutschland, in: Wolfgang J. Kaiser (Hg.): Friedrich der Große. Sein Bild im Wandel der Zeiten. Ausstellung einer Auswahl druckgraphischer Bildnisse Friedrichs des Großen und seiner Zeit vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart zur 200. Wiederkehr seines Todestages, Frankfurt am Main 1986, 13-24; Gabriele Haug-Moritz: Friedrich der Große als "Gegenkaiser". Überlegungen zur preußischen Reichspolitik (1740-1786), in: Vom Fels zum Meer. Preußen und Südwestdeutschland. Hg. vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Verbindung mit der Landeshauptstadt Stuttgart. Mit Beiträgen von Otto H. Becker u.a. (= Stuttgarter Symposion 10), Tübingen 2002, 25-44; Peter H. Wilson: Prussia's Relations with the Holy Roman Empire, 1740-1786, in: The Historical Journal 51 (2008), 337-371; ders.: Frederick the Great and Imperial Politics, 1740-56, in: Michael Kaiser / Jürgen Luh (Hg.): Friedrich der Große – eine perspektivische Bestandsaufnahme. Beiträge des ersten Colloquiums in der Reihe "Friedrich300" vom 28./29. September 2007 (= Friedrich300 – Colloquien 1), http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/wilson_poltitics <04.07.2013>; ders.: Positionierung im Heiligen Römischen Reich, in: Bernd Sösemann / Gregor Vogt-Spira (Hg.): Friedrich der Große in Europa. Geschichte einer wechselvollen Beziehung. Bd. 2, Stuttgart 2012, 134-151.

    16 Vgl. Schindling: Friedrich der Große (wie Anm. 15), 16.

    17 Vgl. Preußische Akademie der Wissenschaften (Hg.): Politische Correspondenz Friedrich's des Großen. Bd. 1-46, Berlin u.a. 1879-1939; Bd. 47. Für die Preußische Historische Kommission hg. von Peter Baumgart. Bearb. von Frank Althoff (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz 45), Köln / Weimar / Wien 2003, hier für den Zeitraum 1745-1763: Bd. 4-23.

    18 Vgl. Bayerische Akademie der Wissenschaften. Jahrbuch 1989, München 1990, 36.

    19 Exemplarisch genannt sei an dieser Stelle für den Zeitraum 1745-1763 Anton Faber [i.e. Christian Leonhard Leucht]: Europäische Staats-Cantzley. Bd. 88-115, Frankfurt / Leipzig 1746-1760; ders.: Neue Europäische Staatscanzley. Bd. 1-9, Ulm / Frankfurt / Leipzig 1761-1763.

    20 Zur Rolle des Prinzipalkommissars vgl. insgesamt Karl-Heinz Hellwig: Die Rechtsstellung des kaiserlichen Prinzipal- und Konkommissars am Reichstag. Diss. jur., Mainz [ca. 1955]; Max Piendl: Prinzipalkommissariat und Prinzipalkommissare am Immerwährenden Reichstag, in: Dieter Albrecht (Hg.): Regensburg – Stadt der Reichstage (= Schriftenreihe der Universität Regensburg 21), Regensburg 1994, 167-184.

    21 Vgl. für den Untersuchungszeitraum Peter Corterier: Der Reichstag. Seine Kompetenzen und sein Verfahren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Diss. jur., Bonn 1972.

    22 Vgl. Adolf Laufs (Bearb.): Der jüngste Reichsabschied von 1654. Abschied der Römisch Kaiserlichen Majestät und gemeiner Stände, welcher auf dem Reichstag zu Regensburg im Jahr Christi 1654 aufgerichtet ist (= Quellen zur Neueren Geschichte 32), Bern / Frankfurt am Main 1975.

    23 Ausführlich dazu demnächst Michael Rohrschneider: Österreich und der Immerwährende Reichstag. Studien zu Klientelpolitik und Parteibildung (1745-1763) (in Vorbereitung).

    24 Vgl. Michael Kaiser / Michael Rohrschneider (Hg.): Membra unius capitis. Studien zu Herrschaftsauffassungen und Regierungspraxis in Kurbrandenburg (1640-1688) (= Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte NF, Beiheft 7), Berlin 2005; Michael Rohrschneider: Zusammengesetzte Staatlichkeit in der Frühen Neuzeit. Aspekte und Perspektiven der neueren Forschung am Beispiel Brandenburg-Preußens, in: Archiv für Kulturgeschichte 90 (2008), 321-349.

    25 Vgl. Helmut Neuhaus: Das Werden Brandenburg-Preußens, in: Hans-Jürgen Becker (Hg.): Zusammengesetzte Staatlichkeit in der Europäischen Verfassungsgeschichte. Tagung der Vereinigung für Verfassungsgeschichte in Hofgeismar vom 19.3.-21.3.2001 (= Beihefte zu "Der Staat" 16), Berlin 2006, 237-256, hier: 247.

    26 Vgl. den Bericht des Konkommissars August Friedrich Graf von Seydewitz an den Reichsvizekanzler Rudolph Joseph Graf von Colloredo-Waldsee, Regensburg 20.2.1758, Ausfertigung: Österreichisches Staatsarchiv: Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Reichskanzlei, Prinzipalkommission (im Folgenden abgekürzt HHStA, RK, PK), Berichte 103, folio 421-424.

    27 Vgl. die Biogramme in Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806/15. 2 Teile (= Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin 85; Einzelveröffentlichung des Brandenburgischen Landeshauptarchivs 7), München 2009, hier: Teil 2, 747 bzw. 741f. Nach dem Tod Pollmanns führte interimsweise der kurpfälzische Gesandte Ferdinand von Menßhengen das kurbrandenburgische Votum im Kurfürstenrat.

    28 Vgl. Friedrich Meisenburg: Der Deutsche Reichstag während des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740-1748). Diss. phil. Bonn , Dillingen 1931, 16.

    29 Bericht des kurböhmischen Reichstagsgesandten Christian August Graf von Seilern an [Staatskanzler Wenzel Anton Graf von Kaunitz-Rietberg], Regensburg 30.11.1753, Ausfertigung: HHStA, Staatskanzlei, Diplomatische Korrespondenz (im Folgenden abgekürzt HHStA, StK, DK), Regensburg, Kurböhmische Gesandtschaft, Berichte 18, unfoliiert.

    30 Vgl. das Schreiben des preußischen Kabinetts- und Geheimen Kriegrats August Friedrich Eichel an den Kabinettsminister Heinrich Graf von Podewils, Spandau 8.9.1753, Politische Correspondenz (wie Anm. 17), hier: Bd. 10, 68: "Von dem Herrn von Pollmann habe mir sonst die Freiheit genommen, Sr. Königl. Majestät [i.e. Friedrich II.] vorhin schon zu sagen, dass es demselben an Eifer vor des Königs Gerechtsame und Dienst gewiss nicht fehle, sondern derselbe darunter so triebsam sei, dass er zu Zeiten eher etwas zurückgehalten als animiret werden dörfe."

    31 Ausfertigung: HHStA, RK, PK, Berichte 89b, unfoliiert.

    32 Vgl. die Schilderungen des Vorgangs bei Artur Brabant: Das Heilige Römische Reich teutscher Nation im Kampf mit Friedrich dem Großen. 3 Bde., Berlin / Dresden 1904-1931, hier: Bd. 1, 359ff.

    33 Vgl. den Bericht Seilerns an Kaunitz, Regensburg 21.10.1757, Ausfertigung: HHStA, StK, DK, Regensburg, Kurböhmische Gesandtschaft, Berichte 29, unfoliiert.

    34 Johann Wolfgang von Goethe: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (= Bibliothek der Weltliteratur), Berlin / Weimar 1964, 197.

    35 Theodor Schieder: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche. Ausgabe Ex Libris, Frankfurt am Main / Berlin 1987, 267.

    36 Das Preußische A. B. C. oder Lob-Gedicht auf den Königl. Preußischen Minister Freyherrn von Plotho, Wien 1760, unpaginiert.

    37 Vgl. beispielsweise den Bericht Seilerns an Kaunitz, Regensburg 26.9.1757, Ausfertigung: HHStA, StK, DK, Regensburg, Kurböhmische Gesandtschaft, Berichte 29, unfoliiert

    38 Bericht Plothos, Regensburg 11.7.1757, Ausfertigung: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. Hauptabteilung Repositur (im Folgenden abgekürzt GStA PK, I. HA Rep.) 10 Nr. 79 Fasz. 130, unfoliiert.

    39 Bericht Plothos, Postscriptum Regensburg 28.7.1757, Ausfertigung: GStA PK, I. HA, Rep. 10 Nr. 79 Fasz. 130, unfoliiert.

    40 Haug-Moritz: Gegenkaiser (wie Anm. 15), 39.

    41 Press: Reichspolitiker (wie Anm. 15), 261.

    42 Vgl. Arnold Berney: Friedrich der Große. Entwicklungsgeschichte eines Staatsmannes, Tübingen 1934, insbesondere 167-186.

    43 Vgl. Schindling, Friedrich der Große (wie Anm. 15), 17.

    44 Vgl. das Schreiben des Guy Louis Henry Marquis de Valory an den französischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten, René-Louis de Voyer de Paulmy, marquis d'Argenson , vom 22.1.1746, in dem der französische Gesandte über ein Gespräch mit dem preußischen König berichtete: "Je lui parlai des objets relatifs aux affaires de l'Empire; il les traita de pure bagatelle et me dit que c'était le moindre de ses succès qu'il n'y avait rien à faire avec ces petits princes [...]." Reinhold Koser: Aus der Korrespondenz der französischen Gesandtschaft zu Berlin 1746-1756. Mitteilungen aus dem Pariser Archiv, in: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 6 (1893), 451-481, hier: 454.

    45 Zitiert nach der deutschen Übersetzung in Volz: Werke (wie Anm. 3), Bd. 2, 95.

    46 Politische Correspondenz (wie Anm. 17), Bd. 14, 243.

    47 Vgl. exemplarisch Friedrichs Resolution, Berlin 23.12.1750, auf eine Anfrage seiner Minister Heinrich Graf von Podewils und Karl Wilhelm Graf Finck von Finckenstein zu Reichstagsangelegenheiten, Politische Correspondenz (wie Anm. 17), Bd. 8, 201: "Sie sollen darunter thun, wie sie es allemal vor Mich und Meine Postérité werden verantworten können. Ich verstehe dergleichen Vétilles nicht und lasse sie also machen, was sie vor Meinen Dienst und Interesse convenable erachten werden."

    48 Vgl. etwa das Schreiben Friedrichs an Podewils und Finckenstein, Dresden 9.2.1757, Politische Correspondenz (wie Anm. 17), Bd. 14, 259: "Was sonst alle und jede übrige Reichstagessachen anbetrifft, da lasse Ich es dabei bewenden, dass Ihr schlechterdings den p. von Plotho darüber bescheiden müsset, weil Ich von denen Reichstagessachen zu wenig Kenntnisse habe, als dass Ich darin etwas decidiren oder disponiren könne [...]."

    49 Zur Selbststilisierung Friedrichs in seinen historiografischen Werken vgl. insgesamt Michael Rohrschneider: Friedrich der Große als Historiograph des Hauses Brandenburg. Herrscherideal, Selbststilisierung und Rechtfertigungstendenzen in den Mémoires pour servir à l'histoire de la maison de Brandebourg, in: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte Neue Folge 17 (2007), 97-121; Andreas Pečar: Selbstinszenierung auf Kosten der Dynastie? Friedrich II. als Autor der "Denkwürdigkeiten des Hauses Brandenburg", in: Michael Kaiser / Jürgen Luh (Hg.): Friedrich der Große und die Dynastie der Hohenzollern. Beiträge des fünften Colloquiums in der Reihe "Friedrich300" vom 30. September/1. Oktober 2011 (= Friedrich300 – Colloquien 5), http://www.perspectivia.net/content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-dynastie/pecar_geschichtsschreibung <04.07.2013>.

    50 Resolution Friedrichs, 25.3.1766, Politische Correspondenz (wie Anm. 17), Bd. 25, 77.

    51 Ausführlich dazu Manfred Schort: Politik und Propaganda. Der Siebenjährige Krieg in den zeitgenössischen Flugschriften (= Europäische Hochschulschriften. Reihe III. Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 1023), Frankfurt am Main u.a. 2006.

    52 Johannes Burkhardt: Deutsche Geschichte in der Frühen Neuzeit (= Beck'sche Reihe 2462), München 2009, 108.

    53 Johannes Kunisch: Friedrich der Große. Der König und seine Zeit, München 2004, 507.

    54 Tobias Schenk: Friedrich der Große, der kaiserliche Reichshofrat und die Legende von der landesherrlichen Souveränität, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 64 (2012), 377-391, hier: 380.

    55 Vgl. besonders eindringlich Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 35), 262 der Bezug auf das Reich.

    56 Vgl. Wilson: Politics (wie Anm. 15), <48>.

    57 Vgl. beispielshalber die Einschätzung Friedrichs in seinem Politischen Testament von 1752, Dietrich (Bearb.): Testamente (wie Anm. 4), 330-333.

    58 Vgl. Volz: Werke (wie Anm. 3), Bd. 2, 230.

    59 Vgl. Dietrich (Bearb.): Testamente (wie Anm. 4), 330f. und 670f.

    60 Vgl. Rohrschneider: Friedrich der Große (wie Anm. 49), 116ff.

    61 Vgl. Press: Reichspolitiker (wie Anm. 15), 280 und 287; Schindling, Friedrich der Große (wie Anm. 15), 14 und 22; Karl Otmar von Aretin: Das Alte Reich 1648-1806. 4 Bde., Stuttgart 1993-2000, hier: Bd. 3, 50; Haug-Moritz: Gegenkaiser (wie Anm. 15), 36; Axel Gotthard: Das Alte Reich 1495-1806 (= Geschichte kompakt), Darmstadt 2003, 136; Johannes Burkhardt: Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches 1648-1763 (= Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte. 10., völlig neu bearb. Aufl. 11), Stuttgart 2006, 441.

    62 Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 35), 261.

    63 Politische Correspondenz (wie Anm. 17), Bd. 14, 329.

    64 Gabriele Haug-Moritz: Württembergischer Ständekonflikt und deutscher Dualismus. Ein Beitrag zur Geschichte des Reichsverbands in der Mitte des 18. Jahrhunderts (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B. Forschungen 122), Stuttgart 1992, 170.

    65 Vgl. Brabant: Kampf (wie Anm. 32), Bd. 1, 83f.; Keppler: Friedrich der Grosse (wie Anm. 15), 82; Max Koch: Der Deutsche Reichstag während des Siebenjährigen Krieges 1756-1763. Diss. phil., Bonn 1950, 42ff.; Aretin: Das Alte Reich (wie Anm. 61), Bd. 3, 91.

    66 Wolfgang Neugebauer: Die Hohenzollern. Bd. 2. Dynastie im säkularen Wandel. Von 1740 bis in das 20. Jahrhundert (= Urban-Taschenbücher 574), Stuttgart 2003, 45.

    67 Kunisch: Friedrich der Große (wie Anm. 53), 522.

    68 Kopie: HHStA, RK, PK, Weisungen 8b, unfoliiert.

    69 Vgl. hierzu vor allem Haug-Moritz: Ständekonflikt (wie Anm. 64), 130ff., sowie generell Susanne Friedrich: Drehscheibe Regensburg. Das Informations- und Kommunikationssystem des Immerwährenden Reichstags um 1700 (= Colloquia Augustana 23), Berlin 2007, 254-262.

    70 Bericht Plothos, Regensburg 21.7.1757, Ausf.: GStA PK, I. HA Rep. 10 Nr. 79 Fasz. 130, unfoliiert.

    71 Vgl. Koch: Reichstag (wie Anm. 66), 174. Zum Ausschluss Plothos von den Tafeln des Prinzipalkommissars vgl. seine Berichte, Regensburg 14. und 18.1.1757, Ausfertigungen: GStA PK, I. HA Rep. 10 Nr. 79 Fasz. 123, jeweils unfoliiert.

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    Michael Rohrschneider
    Schwierige Beziehungen!
    Friedrich der Große und der Immerwährende Reichstag (1745-1763)
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    Frühe Neuzeit (1500-1789)
    Deutschland / Mitteleuropa allgemein, Preußen bis 1947
    Politikgeschichte
    18. Jh.
    4070377-0 4047194-9 118535749 4020531-9 2035473-3 7791457-0
    1745-1763
    Deutschland / Reichstag (4070377-0), Preußen (4047194-9), Friedrich II., Preußen, König (118535749), Geschichtsschreibung (4020531-9), Heiliges Römisches Reich / Reichstag (2035473-3), Immerwährender Reichstag (7791457-0)
    Abbildung 1 Abbildung 1 Carl Röchling: Der preußische Gesandte Plotho wirft den kaiserlichen Hofgerichtsadvokaten die Treppe hinunter, in: Carl Röchling / Richard Knötel: Der alte Fritz in fünfzig Bildern für Jung und Alt, Berlin 1895, SPSG.
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    M. Rohrschneider: Schwierige Beziehungen!
    In: Studien und Vorträge zur preußischen Geschichte des 18. Jahrhunderts der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
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    Veröffentlicht am: 23.08.2013 16:40
    Zugriff vom: 29.03.2020 23:34
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