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F. Windt: König und Marquis

Friedrich300 - Studien und Vorträge

König und Marquis

Friedrich II., d'Argens und die Wandgemälde seiner Wohnung im Neuen Palais von Sanssouci

Franziska Windt

Abstract

Jean-Baptiste de Boyer, Marquis d'Argens hatte das Privileg zusammen mit seiner Gemahlin, der ehemaligen Schauspielerin Babette Cochois, im Gästeschloss Friedrichs II. eine eigene Wohnung zugewiesen zu bekommen. Diese Wohnung ließ der König ausstatten mit großen Wandgemälden. Bei näherer Betrachtung erweisen sich diese als Bildzitate aus verschiedenen Gemälden von Watteau und Malern seines Kreises. Der Marquis hatte sein negatives Urteil über diese Art von Malerei zuvor ausführlich in verschiedenen Schriften publiziert. Als sein Berater in künstlerischen Fragen hatte er sicherlich auch mit dem König, der gerade für diese Kunst eine Vorliebe hatte, darüber gesprochen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Friedrich II. diese Gemälde ganz bewusst als Dekoration für die Wohnung seines "Freundes" wählte und dort sowohl Anspielungen auf dessen Leben als auch auf seine Kunstauffassungen versteckte.

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Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges ließ König Friedrich II. ein schon länger geplantes Projekt verwirklichen und baute am westlichen Ende des Parks von Sanssouci ein großes Schloss, das der Unterbringung von Gästen dienen sollte. Wie schon in Sanssouci war es ihm auch im Neuen Palais offenbar wichtig, in der Nähe seines eigenen Appartements Räume für einen Favoriten bereitzuhalten. (Abb. 1 Grundriss) Im südlichen Seitenflügel unterhalb des Theaters ließ der König für Jean-Baptiste de Boyer, Marquis d'Argens (1703-1771) und dessen Frau Babette Cochois (1725-1780) eine Wohnung einrichten. Sie umfasste eine Kammer, eine Bibliothek und ein Schlafzimmer für den Marquis, sowie mit einem weiteren Schlafzimmer, einem großen Wohnraum und einem Kabinett Räume, die wahrscheinlich für die Frau des Marquis vorgesehen waren. Es ist die einzige Wohnung im Neuen Palais, die nachweisbar einer Person und deren Angehörigen zugewiesen war, die nicht zur Familie des Königs gehörte, noch dazu an einer prominenten Stelle in direkter Nähe zur Wohnung des Königs. Zu dieser Zeit war die Zahl seiner "Freunde" sehr klein geworden, da viele gestorben, andere, wie Voltaire oder Francesco Algarotti, gegangen waren. Der Grund für diese herausgehobene Behandlung des Marquis' liegt in dessen spezielle m Verhältnis zum König.


Abb. 1.
Grundriss des Erdgeschosses des Neuen Palais von C. v. Gontard, um 1766/67, mit blau markierter Wohnung des Marquis und seiner Frau und violett markierter Wohnung Friedrichs des Großen, Foto: Ausschnitt aus GK II (1) 729 © SPSG.

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Friedrich waren die Schriften d'Argens vertraut schon bevor er ihn persönlich kennenlernte. Besonders seine ab 1735 zunächst bis 1737 vierzehntägig erscheinenden Lettres juives und die zuerst 1737 publizierte Philosophie du bon sens . Diese Schriften, die sogleich eine große Verbreitung gefunden hatten, hat der König mit Sicherheit gelesen. 1 Eine erste Begegnung der beiden fand im Dezember 1741 statt, als der Marquis in Begleitung von Maria Auguste Herzogin von Württemberg nach Berlin reiste. 2 Schon zuvor hatte der König, dem die unbeugsame, direkte und dabei geistreiche Art des Marquis gefiel, ihn an den preußischen Hof eingeladen. 1743 bot er ihm schließlich an, als Kammerherr in seine Dienste zu treten.

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Bis zu dieser Zeit hatte Jean-Baptiste de Boyer ein sehr bewegtes Leben geführt. Aus einer wohlhabenden und einflussreichen Familie in Aix-en-Provence stammend, hatte der Marquis d'Argens als junger Mann abenteuerliche Reisen nach Spanien, Italien und ins Osmanische Reich unternommen, eine Liebesbeziehungen mit einer Schauspielerin angefangen, eine Laufbahn als Anwalt abgebrochen und danach eine Karriere beim Militär begonnen. Zwischenzeitlich, um 1728, hatte er sich im Atelier von Pierre-Jacques Cazes als Maler versucht. Nach einem Reitunfall bei Phillipsburg beendete er 1734 seine militärische Laufbahn. Ohne Vermögen – sein Vater verweigerte ihm weitere Unterstützung und enterbte ihn schließlich – lebte er danach als Schriftsteller kritischer Essays, Romane und als Philosoph. Da seine Schriften in Frankreich zensiert wurden, er persönliche Verfolgungen befürchten musste und seine Familie ihn zu überwachen versuchte, ging er in die Niederlande. 3 Als er 1742 das Amt eines Kammerherrn des preußischen Königs annahm, bedeutete dies einen Einschnitt im Leben des Marquis. Ihm verschaffte dies ein regelmäßiges Einkommen und vor allem Einfluss auf das kulturelle Leben in Berlin und Potsdam. Er bezahlte das aber mit der Beschränkung seiner Freiheiten. Fortan musste der Marquis vor allem die Schriften des Königs redigieren. Seine eigene publizistische Tätigkeit hörte zwar nicht auf, trat jedoch zunächst etwas in den Hintergrund.

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1744 ernannte ihn der König zum Direktor der Sektion für Literatur in der Akademie der Wissenschaften, wo er vor allem als Mittelsmann zwischen der Akademie und dem König wirkte. Eine wichtige Rolle spielte der Marquis bei der Vermittlung von französischer Literatur und Kunst an den Hof Friedrichs. So kaufte der König über den Marquis Skulpturen und auf seine Empfehlung Gemälde von dessen alte m Malerfreund Pierre-Jacques Cazes, wie das "Urteil des Paris" für den Neuen Flügel des Schlosses Charlottenburg oder die "Toilette der Venus", die "Entführung der Europa" und "Bacchus und Ariadne" für das Schloss Sanssouci. 4 D'Argens sorgte sich auch um die Weiterbildung Berliner Künstler, indem er beispielsweise den Hofmaler Johann Christian Frisch mit nach Frankreich nahm, damit dieser die Kunst vor Ort studieren konnte. 5

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Auch von den weiterhin engen Verbindungen des Marquis zum Theater und zur Oper profitierte der König. Einer der Dienste von Jean-Baptiste de Boyer bestand darin, in Frankreich nach guten Schauspielern und Tänzern Ausschau zu halten und sie für den preußischen Hof zu gewinnen. Auf diese Weise kam auch die Schauspielerin und Tänzerin Babette Cochois nach Berlin, die der Marquis nach langem, beständigem Werben 1749 heiratete. Trotz anfänglicher Ablehnung dieser nicht standesgemäßen Ehe erlaubte Friedrich ihm und seiner Frau schließlich, in seiner Abwesenheit während des Siebenjährigen Krieges im Schloss Sanssouci zu wohnen. 6

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Bei der Einrichtung des Neuen Palais ließ der König um 1766/67 die Wohnung des Marquis mit Bedacht ausstatten. 7 Eine Besonderheit liegt darin, dass Vorkammer und Bibliothek des Appartements mit monumentalen Leinwandgemälden mit figürlichen Darstellungen geschmückt sind, die eigens für diesen Ort geschaffen und in die Wände eingelassen worden waren. Die für die Familie des Königs oder andere hochrangige Gäste bestimmten Gästeappartements dagegen, wurden mit kostbaren textilen Bespannungen und als Gemäldekabinette mit Staffeleigemälden ausgestattet, oder, in untergeordneten Räumen, mit dekorativen Malereien auf den Holzvertäfelungen. 8

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Nicht nur die Art der Ausstattung in der Wohnung des Marquis fällt auf, auch die Darstellungen selbst fallen aus dem Rahmen dessen, was sich sonst im Palais findet. Das erste Zimmer, die Vorkammer der Marquiswohnung, ist mit mehreren Gemälden geschmückt, die als Rundumbild gedacht sind. Zusammen ergeben die Teile eine Gartenlandschaft mit Architekturen, Skulpturenschmuck und Brunnen, die den Hintergrund bilden für verschiedene Figurengruppen. Bestimmendes Thema ist hier offenbar die Anbahnung der Liebe. Als Auftakt darf die in einem schmalen Wandfeld dargestellte Szene gelesen werden, in der ein als Schäfer oder Pilger gekleidetes Paar der Venus huldigt, indem es ihrem Standbild, das die Göttin mit ihrem Sohn Amor zeigt, einen Blumenkranz darbringt. (Abb. 2a,b,c,d) In weiteren Bildern werden die Musik als Mittel des Liebeswerbens und die Abwehr eines Liebesverlangens gezeigt. So einfach die Entschlüsselung diese Darstellungen auf den ersten Blick erscheint, so enthielt sie doch für den kenntnisreichen Betrachter des 18. Jahrhunderts, und ganz sicher für den Marquis, eine Fülle von Hinweisen.

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Abb. 2a, b, c, d.
2a Friedrich Wilhelm Bock und Karl Christian Wilhelm Baron, Ein junges Paar huldigt Venus / 2b Lagernde Frau / 2c Musizierende Gesellschaft / 2d Eine junge Frau wehrt Annäherungsversuch ab, Foto: Daniel Lindner © SPSG.

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Die Huldigung der Venus war ein bekanntes und beliebtes Motiv, 9 das besonders häufig in der Malerei und Graphik im Umkreis Antoine Watteaus anzutreffen ist. So gibt die gemalte Venusstatue bei Watteaus "Einschiffung nach Cythera" einen deutlichen Hinweis auf das Grundthema des Gemäldes: Eine Pilgerreise an die mythische Geburtsstätte der Venus Urania, also der irdischen Liebe. Inspirationsquelle für solche Darstellungen bildete u.a. die Theaterliteratur wie etwa das damals sehr bekannte Stück Die drei Kusinen ( Les trois cousines ) von Florence Dancourt. Im finalen Intermezzo des Stückes machen sich die jungen Dorfbewohner in Pilgerkleidung auf, um den Liebestempel auf der Insel Cythera zu besuchen, auf der Rang und Stand keine Rolle spielen, wohl aber das "richtige" Alter. 10 Darstellungen der Figur zeigen Venus meist, wie sie versucht ihren unregierbaren Sohn zu zügeln, indem sie ihm die Pfeile wegnimmt, dieser sie aber nicht hergeben will und sich nach ihnen reckt. Ein solches Standbild hatte Friedrich II. im westlichen Garten von Sanssouci aufstellen lassen. 11 (Abb. 3a,b) In unserem Gemälde stachelt Venus dagegen Amor offensichtlich an seine "Pflicht" zu tun, indem sie einen Pfeil aus dem Köcher zieht und ihm überreicht.


Abb. 3a, b.
3a Detail aus 2a Ein junges Paar huldigt Venus / 3b Alexander von Papenhoven, Venus und Amor, SPSG, Skulpturensammlung, SK Inv.Nr. 215, Foto: © SPSG.

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Das zentrale Wandbild des Raumes zeigt eine in der Landschaft lagernde Gesellschaft. Ein Lautenspieler neigt sich zu einer nicht mehr ganz jungen weißgekleideten Dame, die ihm ein Notenbuch und ihr Dekoltée darbietet. Die anderen Figuren scheinen die Wirkung zu veranschaulichen, die die Musik haben kann. Direkt hinter der Dame wirbt ein Kavalier um seine Angebetete, indem er ihre Hand ergreift und ihr gleichzeitig Blumen ins Haar steckt. Diese sich anbahnende Beziehung erregt das Interesse von zwei weiteren Frauenfiguren, einer, die Blumen pflückt, und einer anderen, die sehr offenherzig bekleidet ist. Beide betrachten das Geschehen mit großem Interesse. Die Komposition wird links, im rechten Winkel dazu, durch die Darstellung einer Frau in Weiß erweitert, die unterhalb eines Delphinbrunnens und Putten über einem Blumenkorb lagert. In dem Gemälde r echts von der Hauptdarstellung kommt ein Mann hinzu, der sich auf einen Stock stützt; er versucht, sich einer jungen Frau zu nähern, wird von dieser aber abgewehrt.

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Dass es sich bei der Hauptszene nicht um eine originäre Erfindung, sondern um ein Bildzitat handelt, musste jeder sehen, der Friedrichs Gemäldesammlung kannte, denn als Vorbild diente dem Maler des Wandgemäldes Jean-Baptiste Paters um 1733 entstandenes "Concert amoureux", das "Liebeskonzert". (Abb. 4a,b) Seit 1750 ist das Gemälde des Malers aus dem Watteau-Kreis im Audienz- und Speisezimmer des Königs in Schloss Sanssouci dokumentiert. 12 Der hier zitierte Titel des Gemäldes ist der Unterschrift eines Stichs entnommen, der 1739 nach einer anderen Version dieses Bildes erschien. 13 Als Kunstkenner und Sammler von Druckgraphik wird dem Marquis der Stich bekannt gewesen sein, auf den auch der Verwalter der königlichen Gemälde, Matthias Oesterreich, in seiner Beschreibung dieses Gemäldes 1773 eigens hinweist. Für uns ist dieser Stich aufschlussreich, weil er mit Versen des Theaterdichters Charles Moraine versehen ist, die wichtige Hinweise darauf geben, wie die Darstellung in der Zeit verstanden wurden. Sie besagen, dass die Melodie von Laute und Stimme schnell verklingen, die schönsten Blumen verblühen würden. Ebenso schnell vergehe die Jugend. Zum Trost solle man zu Ehren der Amouren die Gesänge erneuern und frische Blumen pflücken. Wenn flüchtige Liebschaften auch keine ewige Gunst schenkten, so könnten sie doch die verbleibenden Tage verschönen und erheitern. 14


Abb. 4a, b.
4a Jean-Baptiste Pater, Le Concert amoureux, SPSG, Foto: Wolfgang Pfauder © SPSG. / 4b Friedrich Wilhelm Bock und Karl Christian Wilhelm Baron, Musizierende Gesellschaft, Foto: Daniel Lindner © SPSG.

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Aufgrund der Wichtigkeit des Audienz- und Speisezimmer und seiner Ausstattung in Sanssouci kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Wahl dieses Gemäldes als Vorbild für die Wandgemälde im Neuen Palais nicht willkürlich gewesen ist. 15 Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die Veränderungen, die der Maler der Wandbilder vorgenommen hat. Pater ließ die Szene in eine ländliche Gegend spielen, die durch eine Brücke und ein Gehöft in einer kargen Landschaft charakterisiert sind. Bei dem Gemälde in der Wohnung des Marquis d'Argens ist diese Landschaft ersetzt durch einen Garten mit einem heckengesäumten Weg, der den Blick freigibt auf eine Architektur, die dem Neue Palais mit seiner charakteristischen Kuppel sehr ähnelt. Durch diese Veränderung wird die Szene also in den neu angelegten Garten um das Neue Palais versetzt.

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Auch bei den beiden die Hauptszene flankierenden Darstellungen auf den schmalen Bildfeldern handelt es sich um Bildzitate. Das Motiv der sich hinstreckenden Frau auf dem linken Bildfeld ist dem Pendantgemälde des "Liebeskonzert" entnommen: "La danse", dem "Tanz". 16 Auf dieses Gemälde werden wir später noch zurückkommen. Auf der rechten Seite wehrt eine in ein "Gärtnerinnengewand" gekleidete Frau einen Verehrer ab. Diese Szene ist einer Erfindung des Watteau-Schülers Nicolas Lancret nachgebildet. Übernommen wurden Motive eines vor 1735 entstandenen spiegelbildlichen Stichs nach einem Gemälde, welches "Das Alter", "La Vieillesse" darstellt und Teil einer Folge der vier Lebensalter ist, die sich heute in der National Gallery in London befindet. 17 (Abb. 5a,b) Auf dem Stich ist links eine Vierergruppe von friedlich zusammen sitzenden Alten und einem stehenden Mann dargestellt. Die einzelnen Personen gehen unterschiedlichen Tätigkeiten nach, sie spinnen, schlafen, streicheln einen Hund oder beobachten wie – rechts – eine junge Frau den Annäherungsversuch eines Mannes mit einem Stock abwehrt. Die Bildunterschrift besagt zusammengefasst, dass der Vorzug, im Alter noch ruhig zu leben, den turbulenten Vergnügungen der Jugend gleichzusetzen sei. 18 In der Marquiswohnung ist von diesem Stich nur die rechte Hälfte wiederholt, in der die Turbulenzen in Folge des Begehrens dargestellt sind. Man darf davon ausgehen, dass d'Argens den Stich und dessen moralisierende Bedeutung kannte. 19 Zusammengenommen mit den Darstellungen auf den Stichen und deren Interpretation lassen sich die Gemälde dieses Raumes als Aufforderungen lesen, auch im Alter noch die Zeit zu nutzen und der Liebe nicht zu entsagen.


Abb. 5a, b.
5a Friedrich Wilhelm Bock und Karl Christian Wilhelm Baron, Eine junge Frau wehrt Annäherungsversuch ab, Foto: Daniel Lindner © SPSG. / 5b Nicolas de Larmessin III. nach Jean-Baptiste Lancret, Das Alter, La Vielliesse, London, British Museum, Inv. Nr. 1889,0318.41, Foto: © The Trustees of the British Museum.

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Die Gemälde, die in der Bibliothek, dem nächsten Zimmer, die freien Flächen zieren, kann man als Fortführung der Darstellungen im ersten Raum lesen. Hier kommen sich verschiedene Paare bereits näher. (Abb. 6a,b) Dies geschieht beim Tanz: Ein junger Mann fordert ein Mädchen auf, ein weiteres Paar dreht sich schon umeinander. Im nächsten Bild betrachten, eng aneinandergelehnt, ein Mann und eine Frau eine einzelne Tänzerin. Dass Amors Liebespfeil sein Ziel hier meist gefunden hat, deutet das Motiv des Köchers mit Pfeilen an, der in diesem Raum als Grau in Grau gemaltes Schmuckmotiv unter den Gemälden erscheint.


Abb. 6a, b.
6a Friedrich Wilhelm Bock und Karl Christian Wilhelm Baron, Mädchen / 6b auffordernder Jüngling, Foto: Daniel Lindner © SPSG.

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Die Szene mit der Aufforderung zum Tanz ist übereck angebracht. Auch in diesem zitierten Motiv steckt eine Anspielung, die dem Marquis nicht verborgen geblieben sein kann. Mit Sicherheit hat er das tanzende Paar aus Antoine Watteaus Gemälde "Liebe im französischen Theater" erkannt. Das Bild ist seit 1766 zusammen mit seinem Gegenstück "Schauspieler der italienischen Komödie" im Kabinett der Bildergalerie dokumentiert. (Abb. 7) Heute befindet es sich in der Berliner Gemäldegalerie. 20 Im Neuen Palais wurde auf die von Watteau dargestellten Begleitfiguren, die Personifikationen des Bacchus und des Amors, verzichtet. Im Kontext der anderen Darstellungen genügte es, die Szene mit der Aufforderung zum Tanz darzustellen, um das Grundthema aufzufassen und zu verstehen.