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K. Zielosko: Eine Frage der Ehre

Friedrich300 - Studien und Vorträge

Eine Frage der Ehre.

Militär und höfische Repräsentation unter Friedrich dem Großen und Prinz Heinrich

Karoline Zielosko


Abstract

Innerhalb der repräsentativen Strategien kam dem Militär im friderizianischen Preußen eine besondere Funktion zu: Sowohl der königliche Feldherr als auch sein jüngerer Bruder Prinz Heinrich nutzten die militärische Bühne zur Selbststilisierung und eigenen Positionierung. Friedrich bediente sich der militärischen Formensprache zur Rollenbestimmung als roi-connétable und richtete den Blick dabei nicht allein auf die europäischen Höfe, sondern vornehmlich auch auf das eigene Offizierskorps. Prinz Heinrich dagegen wusste sich im Bereich des Militärischen und Militärisch-Repräsentativen immer wieder von seinem königlichen Bruder zu distanzieren und deutliche Kritik zu signalisieren. Weit mehr als seine Rolle als Prinz von Geblüt gestattete ihm die Funktion als preußischer Heerführer, den König herauszufordern und die eigene Position innerhalb des preußischen Herrschaftsgefüges auszuloten. Auch die Maßnahmen der Disziplinierung, die Friedrich gegenüber dem Prinzen ergriff, bewegten sich oftmals innerhalb des militärischen Rahmens.

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Eine der berühmtesten Grabinschriften, die auf die friderizianische Zeit zurückgeht, ist jene des Johann Friedrich Adolf von der Marwitz, den Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg einfach den "Hubertusburg-Marwitz" nennt. 1 Geboren 1723, trat er in das Regiment Gensdarmes ein, avancierte hier rasch innerhalb der militärischen Hierarchie und reüssierte als Regimentskommandeur während des Siebenjährigen Krieges. Laut Fontane war er ein "sehr braver und in großer Achtung stehender Soldat, ein feiner und gebildeter Weltmann, ein Freund der Literatur und der Kunst." Ein anderer Freund der Literatur und der Kunst, Friedrich der Große, gab von der Marwitz im Jahre 1761 den Befehl, das Brühlsche Lustschloss Hubertusburg in der Nähe von Leipzig plündern und alles Übrige kurz und klein hauen zu lassen; das wertvolle Mobiliar dürfe er behalten. Friedrich war der vorjährige Einfall feindlicher Truppenteile nach Berlin noch in lebhafter Erinnerung, als eine ungestüme Soldateska in Schloss Charlottenburg randaliert hatte. Nun also sollte Gleiches mit Gleichem vergolten werden. Doch der "Hubertusburg-Marwitz", so Fontane, "schüttelte [wiederholt] den Kopf". Auf Friedrichs drängende Frage nach dem Grund für diese Verweigerung habe er geantwortet: "Weil sich dies allenfalls für Offiziere eines Freibataillons schicken würde, nicht aber für den Kommandeur von Seiner Majestät Gensdarmes". Mit dieser Haltung stand von der Marwitz nicht allein: Denn zuvor bereits hatte Friedrich Karl von Saldern einen ähnlichen Befehl nicht ausgeführt und dies mit den Worten kommentiert: "Eure Majestät schicken mich, stehenden Fußes den Feind und dessen Batterien anzugreifen, so werde ich herzhaft gehorchen; aber wider Ehre, Eid und Pflicht kann ich nicht, darf ich nicht!" 2 Friedrichs etwas hilfloser Kommentar dazu: "Saldern, Er will nicht reich werden!". 3 Auf jene Vorstellung von Ehre verweist nun auch die Grabinschrift des Johann Friedrich von der Marwitz an der Friedersdorfer Kirche unweit der Seelower Höhen: "Johann Friedrich Adolf. Er sah Friedrichs Heldenzeit und kämpfte mit ihm in allen seinen Kriegen. Wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte."

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In allen drei Äußerungen tritt ein Selbstverständnis zutage, das die Ehre des preußischen Offiziers als etwas Essenzielles begreift, als etwas, das seinem Wesen eigen und losgelöst von der Gehorsamspflicht gegenüber seinem Souverän existiert. Dabei gründet die Vorstellung von der Offiziersehre nicht allein im adligen Standesbewusstsein, sondern auch auf der Gefolgschaft des adligen Offizierskorps gegenüber dem König. Was aber, wenn der Souverän selbst unehrenhaft handelte?

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Offenbar bewegte sich Friedrich hier auf einem Terrain, auf dem nicht nur sein strategisches und taktisches Agieren wahrgenommen wurde, sondern er auch in Fragen der Ehre stark exponiert war. Damit bot auch der Bereich des Militärischen im weitesten Sinne eine Bühne, auf der repräsentatives Handeln stattfand. Das Publikum bestand dabei – dessen war sich der König stets bewusst – 4 nicht nur aus den Offizieren der friderizianischen Armee, sondern dank personeller und struktureller Verflechtung zugleich auch aus der höfisch-aristokratischen Gesellschaft Brandenburg-Preußens. Darüber hinaus sorgten Gesandtschafts- und Reiseberichte, Wochen- und Monatsschriften, Flugblätter et cetera für eine Verbreitung von Ruhmestaten oder deren Infragestellung an den anderen europäischen Höfen und innerhalb der Bevölkerung.

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Daher soll es im Folgenden um die Frage gehen, welche Rolle dem militärischen Element innerhalb der Repräsentationsstrategien des Königs zukam. In den Blickpunkt rückt dabei neben Friedrich selbst sein jüngerer Bruder Prinz Heinrich, der sich nicht nur durch die Art seiner Kriegführung vom preußischen König unterschied, sondern auch durch sein Agieren als Besatzer in Sachsen und die Art und Weise, wie er das Kriegsgeschehen und die Rolle des königlichen Feldherrn darin interpretierte.

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In einem ersten Schritt soll zunächst ganz allgemein den höfischen und militärischen Repräsentationsstrategien Friedrichs des Großen nachgegangen werden (I.). Anschließend geht es um die Indienstnahme militärischer Elemente für die höfische Repräsentation des Prinzen Heinrich (II.). Im dritten Abschnitt richtet sich das Augenmerk auf das konkrete Handeln Friedrichs und Heinrichs in Kriegszeiten und auf die Frage, inwiefern auch dies zur Selbstinszenierung bzw. Selbststilisierung instrumentalisiert wurde. (III.). Und am Ende soll eine Synthese stehen, die auch das Moment der militärischen Ehre im königlichen bzw. prinzlichen Selbstverständnis zu verorten sucht (IV.).

I. Repräsentation durch Nichtrepräsentation: Friedrich der Große und die konventionalisierte Individualität

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Friedrichs des Großen ungnädige Charakterisierung der höfischen Repräsentationspraxis seines Großvaters, des ersten Königs in Preußen, ist bekannt und lässt sich im Einzelnen in seinen "Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg" aus dem Jahre 1751 nachlesen. "Groß im Kleinen und klein im Großen", 5 habe dieser die Erhebung in den Königsstand vor allem deshalb betrieben, um seiner Schwäche für Repräsentation und Gepränge in einem nunmehr angemessenen Rahmen Genüge tun zu können. Hierin habe er allerdings "Eitelkeiten mit echter Größe" verwechselt, indem "ihm (...) mehr an blendendem Glanz als am Nützlichen" 6 lag. Friedrich selbst sah sich dagegen in der Tradition seines Vaters Friedrich Wilhelm I., hatte dieser doch bei seinem Regierungsantritt (1713) das Prinzip des Utilitarismus über das der prätentiösen Verschwendung erhoben, und was der erste preußische König noch in höfisches Gepränge und nichtigen Luxus investiert habe, habe sein Nachfolger effektiver einzusetzen gewusst, um der noch jungen preußischen Monarchie zu einer "realen" Machtbasis zu verhelfen. Friedrich Wilhelm I. nämlich "wollte sich [vor allem] durch ein mächtiges Heer bei seinen Nachbarn in Respekt setzen". 7

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In dieser Rückschau auf seine beiden Vorgänger in Dynastie und Amt spiegelt sich in narrativer Zuspitzung und inhaltlicher Verkürzung Friedrichs Selbstreflexion und -verortung als aufgeklärter Monarch. Für ihn reduzierte sich darin der Komplex der monarchischen Repräsentation auf das Gegensatzpaar "Eitelkeiten" und "echte Größe", und er versah sie mit den Konnotationen unnütz – bzw. nützlich und daher gut .

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Friedrich der Große folgte seinem Vater in dessen Fokussierung auf den inneren Ausbau des preußischen Staates und ergänzte diesen um das bekannte außenpolitische Engagement. Doch bleibt zu beachten, dass trotz gegenteiliger Einschätzung seines Sohnes Friedrich Wilhelm I. nicht nur durchaus Sinn für "Splendeur" besaß und diesen auch gezielt als Zeichen dynastisch-monarchischer Erhabenheit einsetzte. 8 Darüber hinaus wusste auch Friedrich selbst um die Funktionalität höfischer Repräsentation und verstand es, sie gewinnbringend für sich zu nutzen. 9

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Dem Militärwesen kam dabei eine doppelte Funktion zu: Zum einen war es ein grundlegendes Element des inneren und äußeren Ausbaus und der Festigung der Monarchie. Zum anderen – man denke nur an Friedrich Wilhelms Potsdamer Riesengarde und die eindrucksvoll und farbenprächtig in Szene gesetzten militärischen Paraden und Revuen – war es "Dekorum": ein Mittel zur glanzvollen Repräsentation und monarchisch-dynastischen Selbstdarstellung. Dies ist nicht allein im Sinne einer Abschreckungsstrategie, also als warnende Zurschaustellung militärischer Potenz, zu verstehen. Auch erschöpfen sich Sinn und Zweck der Revuen nicht in einer Art Stresstest, bei dem die zuvor eingedrillten spezifischen Handgriffe und Evolutionen vor dem kritischen Auge des Königs zu bestehen hatten. Sie stellten vielmehr ein spezifisches Distinktionsinstrument dar, mit Hilfe dessen der Preußenkönig sich gegenüber den anderen Potentaten im Reich und in Europa hervorzuheben verstand.

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So ist etwa den Schriften des weitgereisten Michael von Loen zu entnehmen: "Der schönste Glanz des preussischen Hofes bestehet in der auserlesenen Mannschaft, die der König auf den Beinen hat; insonderheit ist das große Grenadier-Regiment zu Potsdam, etwas so herrliches und maiestätisches, daß kein Potentat in der Welt es darinnen leicht dem König in Preussen wird vorthun können." 10

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Insgesamt betrachtet blieb Friedrich der ludovizianisch geprägten Formensprache zeitgenössischer Repräsentation in einem merkwürdigen Spannungsverhältnis verhaftet – indem er sich in der Regel demonstrativ von ihr absetzte. Er verwarf und griff im selben Augenblick wieder auf; er spielte im Wesentlichen mit Gegensätzlichkeiten, indem er seine Person und seine Umgebung kontrastiv zum vorherrschenden Fürstenbild inszenierte. Über seinen Besuch in Sanssouci berichtet der Engländer Sherlock im Jahre 1779:

"Ich erkundigte mich bei dem Schweizer, wo das Schlafzimmer des Königs wäre. 'Dies hier ist es! ' Ich suchte nach einem prächtigen Bett; da gab es einen sehr schönen Alkoven hinter dem Zimmer, doch auch darin stand keine Bettstatt. 'Wo ist denn das Bett? ' – 'Dort drüben! ' In einer Ecke entdeckte ich hinter einem winzigen Wandschirm ein unglaublich kleines, äußerst schmales Bett mit grünseidenen Vorhängen. Das war sein Nachtlager. Nun wollte ich von meinem Führer wissen, wo der König seine Kleidung aufbewahre, und erhielt zur Antwort: 'Auf dem Leibe! '" 11

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Was Sherlock hier vornehmlich irritierte, war das Fehlen eines repräsentativen Paradebettes, das seit Ludwig XIV. mit Anklängen an die sakral-christliche Formensprache auf die überirdische Majestät des Monarchen verweisen sollte. Allerdings – und dies zeigt die pointierte Form seiner Erzählung – wusste er sehr wohl um die Symbolik des Nichtvorhandenen. 12 Durch die Prägnanz seines Berichtes und dessen Pointierung ist der englische Reisende zur selben Zeit Adressat und Bote des Topos vom roi philosophe , der sich durch bewusst gewählte Genügsamkeit und einen reflektierten Arbeitsethos von seinen fürstlichen Standesgenossen unterscheide. Diese von Friedrich betriebene Selbstinszenierung durch auslassendes Zitat mag in Mittel und Wirkung subtiler sein, vergleicht man sie etwa mit den prachtliebenden Auftritten seines Großvaters. Sie ist allerdings in einem gewissen Sinne auch aggressiver, weil sie, indem sie sich von der gängigen Repräsentationspraxis distanziert, diese mitsamt ihren fürstlichen Vertretern und adligen Adressaten herabsetzt. Ironisch-herablassende bis spöttische Bemerkungen Friedrichs über jene Zeitgenossen, die durch Prunk zu blenden versuchen oder durch Prunk sich blenden lassen, sind zahlreich überliefert.

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Die dahinterstehende Lebensform war jedoch keine Annäherung an "bürgerliche" Werte der Sparsamkeit und des Fleißes, denn sie wurde vor dem Hintergrund eines gänzlich anderen Selbstverständnisses entwickelt. Es war demnach eine als zutiefst aristokratisch-monarchisch empfundene Haltung, die mit der Würde der hohen Geburt korrespondierte und die ausschließlich dem Souverän zukam und in ihm sich verwirklichte.

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Entsprechend ist es das besondere Privileg Friedrichs, bei der monarchisch-dynastischen Selbstinszenierung persönlichen Vorlieben zu folgen, die höfische Etikette zu missachten oder zu instrumentalisieren, bei Festlichkeiten zu erscheinen oder fernzubleiben, 13 zurückgezogen aus dem Kabinett heraus zu regieren oder öffentlichkeitswirksam militärische Paraden abzunehmen, bescheiden im Feldbett zu nächtigen und gleichzeitig mit dem Neuen Palais einen kostspieligen repräsentativen Prunkbau zu errichten. Friedrich folgte zeitgenössischen Konventionen oder setzte sich von ihnen ab. Er tat dies, weil ihn dynastisch-genealogische Qualifikation, monarchische Souveränität, persönliche Souveränität und individuelle Qualitäten dazu legitimiert erscheinen ließen. Insofern ist die ihm häufig attestierte "Widersprüchlichkeit" in diesem Falle nichts anderes als der Ausdruck größtmöglicher Wahlfreiheit der Lebens- und Repräsentationsformen, die sich auf eine durchaus einheitliche Selbstauffassung zurückführen lässt.

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Da indes ständige, bewusst vollzogene Wahl im Alltag nicht denkbar ist, verfiel auch Friedrich der Große in Konventionen. Repräsentation durch Nichtrepräsentation verlor ihren individuellen Anstrich und wurde zum konventionalisierten Prinzip: Ob sie sich nun im Feldbett des Monarchen ausdrückte, in seiner Kleidung, in seiner Abstinenz vom Hofe oder in seiner berühmten Tafelrunde. Ebenso fand er für vieles schon Vorbilder, und vieles praktizierten auch seine Zeitgenossen: Die Uniform etwa hatten schon vor ihm der schwedische König Karl XII., Zar Peter I. und auch sein Vater Friedrich Wilhelm I. getragen.

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Dies schließt gleichwohl nicht aus, dass Friedrich wie jeder andere Fürst den an ihn herangetragenen Erwartungen und auch den Staatsnotwendigkeiten gerecht zu werden hatte. Er musste bei aller Wahlfreiheit seine monarchische Souveränität nach innen und außen stets gewährleistet wissen, ebenso wie seine Kommunikationsfähigkeit auf dem europäisch-höfischen Parkett. 14 Wer aber den Pflichtteil sichergestellt sieht, darf bei der Kür variieren, darf Erwartungen enttäuschen und bisweilen auch Verwunderung bis hin zu Ablehnung hervorrufen. Man kann also frei nach Bourdieu sagen: Wer die Form beherrscht, darf sich danebenbenehmen. Gleiches gilt, wie noch zu zeigen sein wird, für die Frage der (militärischen) Ehre.

II. Militär und höfische Repräsentation unter Prinz Heinrich

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Die militärische Repräsentation des Prinzen Heinrich ist Teil seiner Selbstinszenierung als nicht-souveräner preußischer Prinz von Geblüt. Friedrich selbst hatte sehr genaue Vorstellungen davon, wie man mit dieser unbequemen Spezies im Allgemeinen zu verfahren habe. Wie seinem Politischen Testament von 1752 zu entnehmen ist, müsse man sie unter allen Umständen "von den Staatsgeschäften fernhalten". Denn sie sollten keinesfalls auf die Idee kommen zu frondieren, eine innerdynastische Konkurrenz zur Alleingewalt des Monarchen sollte also unbedingt vermieden werden. Ansonsten solle man sie ruhig "mit allen äußeren Ehren überhäufen". 15 Ein militärisches Kommando sei nur dem zu übertragen, der sich dazu geeignet zeige, also erwiesenermaßen Talent besitze. Damit war Prinz Heinrichs Position zunächst einmal klar umrissen: als nachgeborener Hohenzollernprinz und Bruder des Königs war er sozial privilegiert, sollte daraus aber kein politisches Kapital schlagen können. Das heißt, dass für ihn innerhalb des Systems politischer Entscheidungsfindung kein Platz vorgesehen war. Und selbst wenn er, wie es bisweilen vorkam, zu diplomatischen Missionen (etwa bei seiner Russlandreise 1770/71) herangezogen wurde, so geschah dies ganz und gar von des Königs Gnaden und ohne Anspruch auf Verlängerung oder gar Institutionalisierung seiner Funktion. Er konnte jederzeit formlos wieder von den ihm übertragenen Aufgaben abgezogen werden.

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Anders lagen die Dinge im militärischen Bereich, und dies besonders dann, wenn es existenziell wurde, also in Kriegszeiten. Da war er als preußischer Prinz von Geblüt in die Pflicht genommen. Denn Heinrich besaß nicht nur persönlichen Mut, sondern auch ein herausragendes strategisches Talent als Heerführer. Es ist sicherlich nicht übertrieben, den Siebenjährigen Krieg als die Zeit in der Biographie des Prinzen Heinrich zu verstehen, in der er am intensivsten gelebt hat und aus der er sein Selbstverständnis, seinen Ruhm und seine Maßstäbe bezog. Dies bezieht sich vor allem auf die ohnehin enge Identifikation seiner selbst mit der brandenburg-preußischen Monarchie. Sie war in ihrer Intensität nur mit jener des Königs selbst zu vergleichen und ging weit über das hinaus, was seine beiden anderen Brüder, August Wilhelm, seit 1744 offiziell "Prinz von Preußen", und Ferdinand, der jüngste, an den Tag legten. 16

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Seit 1758 war Prinz Heinrich Oberbefehlshaber im besetzten Sachsen, das im Siebenjährigen Krieg von enormer strategischer Bedeutung war. Er hatte damit zum ersten Mal eine institutionalisierte Stellung im preußischen Herrschaftssystem inne und sollte sich hier als unersetzlich erweisen. Hinzu kommt, dass mit dem Tode August Wilhelms am 12. Juni 1758 sich jener Fall einstellte, für den Friedrich in der Titulardisposition vom August 1756 Vorsorge getroffen hatte: Prinz Heinrich würde im Falle eines vorzeitigen Todes des Monarchen dem kindlichen Thronfolger Friedrich Wilhelm (II.) als Vormund zur Seite gestellt. Da man sich mitten im Krieg befand, in dem Friedrich als "roi-connétable" 17 an der Spitze eines seiner Heere zu Felde zog, war jederzeit mit dem Tode des Königs zu rechnen. 18 Darüber hinaus gab es jenen Augenblick nach der verlorenen Schlacht von Kunersdorf (12. August 1759), in dem der König völliger Verzweiflung verfiel und Leben und Kommando aus der Hand geben wollte. 19 General Finck, in dessen Hände er die Kommandogewalt gelegt hatte, sollte dafür sorgen, dass die Armee den Treueid auf seinen Neffen und Nachfolger schwor. Prinz Heinrich sollte nunmehr als Oberbefehlshaber der preußischen Truppen fungieren: "Er [Finck, K.Z.] muß meinem Bruder, den ich [als] Generalissimus bei der Armee declariret, von allem berichten. Dieses Unglück ganz wiederherzustellen, gehet nicht an; indessen, was mein Bruder befehlen wird, das muß geschehen." 20 Schon im Vorfeld der Schlacht bei Zorndorf am 22. August 1758 hatte Friedrich seine Generale in einem "Ordre (...), wie sie sich im Falle zu verhalten haben, wann ich sollte todt geschossen werden", 21 dem Prinzen Heinrich unterstellt. Auch hier heißt es, das Heer sei sofort auf den jungen Friedrich Wilhelm zu vereidigen und gleichzeitig der Verfügungsgewalt seines Vormunds Heinrich zu unterstellen, dessen Anordnungen man Folge zu leisten habe, "als die von dem regierenden Herrn".

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Darüber hinaus war der Prinz, anders als in Friedenszeiten, nicht von den Staatsarkana abgeschnitten, sondern stand in ständigem intensivem Briefkontakt zum königlichen Bruder. Ihre Korrespondenz während des Siebenjährigen Krieges erlaubte Heinrich einen ungefilterten Blick auf den König in all dem, was seinen Ruhm begründet hat, aber auch in all seinem Lavieren, den Augenblicken der Schwäche und Fehlentscheidungen.

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All dies zusammengenommen lässt vermuten, dass Prinz Heinrich sich dank der außerordentlichen Situation, die durch den Siebenjährigen Krieg geschaffen wurde, zumindest zeitweise in der Position des "Zweiten Mannes im Staate" wähnen durfte. Die Befehlsgewalt über die zweite preußische Armee katapultierte ihn gleichsam auf eine Ebene, auf der er mit seinem Souverän vergleichbar war – eine im friderizianischen Staat sicherlich einmalige Konstellation. Daher bot das Militärische dem Prinzen die einzige Bühne, auf der er als der andere herausragende Mann im Staat wahrgenommen wurde. Und immer wieder suchte er diesen Bereich auf, wenn er sich vom königlichen Bruder absetzen oder ihn herausfordern wollte.

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Seit der Schlacht bei Hochkirch im Oktober 1758 hatte Prinz Heinrich den Rang eines Generals der Infanterie. Und damit war sein militärisches Avancement auch beendet, denn als einem preußischen Prinzen von Geblüt war ihm der Dienstgrad eines Feldmarschalls versperrt. So hatte Friedrich es im Einklang mit seinen familienpolitischen Grundsätzen verfügt. 22 Heinrichs Positionierung innerhalb der militärischen Hierarchie war also Anerkennung und Disziplinierung zugleich. Gleichwohl wollte der Prinz sich damit nicht zufriedengeben und nutzte 1764 die erste Frühjahrsrevue nach dem Siebenjährigen Krieg, um dem König seine eigene Standortbestimmung zu signalisieren. Diese Generalrevuen waren "öffentliche Angelegenheiten", 23 und so konnte er sichergehen, dass es einen Mangel an aufmerksamen Beobachtern nicht geben würde. Friedrich selbst schrieb im Politischen Testament von 1768: "Ich nehme jährlich die Revue über die Regimenter ab, die sich in Potsdam, Berlin, Stargard, Magdeburg und Schlesien versammeln, weil diese Truppen den Kern der Armee ausmachen. (...) Das Militär (das heißt die Offiziere) will beim Ehrgeiz gepackt werden und nichts regt es mehr an, als wenn es sieht, wie der Souverän und alle Prinzen ihm das Beispiel geben. (...) Außerdem sind alle Rügen, die gemacht werden, alle Auszeichnungen, die der Herr in Gegenwart eines Armeekorps austeilt, Ansporn für Ehrgeiz und Wetteifer. Der eine handelt aus Angst, weil er Strafe fürchtet, der andere, um sich Belohnungen zu verdienen." 24

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Und wieder ein anderer handelte, um sich selbst zu positionieren. Zwar war das Regiment Prinz Heinrich an herausragender Stelle ehrenvoll platziert; der Prinz selbst jedoch, als Regimentschef an seiner Spitze, präsentierte nicht den Sponton. Dabei handelte es sich um eine Art Halbpike ähnlich der Hellebarde, die von den Infanterieoffizieren der Linie neben dem Degen als Paradewaffe geführt wurde und auf ihren Rang als Truppenoffiziere verwies. Nachdem Prinz Heinrich während des Siebenjährigen Krieges die zweite preußische Armee geführt hatte und Friedrichs Stellvertreter im Oberbefehl gewesen war, erschien ihm diese Zurücksetzung in die Linie nicht hinnehmbar.

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Friedrich selbst nahm die Heerschau kommentarlos ab; das königliche Stimmungsbarometer sank derweil auf einen Nullpunkt. In der Sprache des Militärs hatte Prinz Heinrich sichtbar und unmissverständlich Insubordination geäußert. Kein anderer sozialer Kontext hätte ihm diese Möglichkeit geboten. Und nur in diesem Kontext nahm Friedrich Insultationen so bereitwillig entgegen. In der Sprache des Militärs mussten demnach auch Reuebekenntnis und Pardonierung stattfinden. Bis dahin demonstrierte Friedrich seine Ungnade durch Stillschweigen, ihre briefliche Korrespondenz beschränkte sich ein Jahr lang auf das Allernotwendigste. Heinrich durfte ihn auch nicht, wie sonst üblich, zu den Herbstmanövern nach Schlesien begleiten.

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Erst als der Prinz sich bei der nächsten Heerschau im Frühjahr 1765 "an der Spitze seines Regiments, so steif wie der Sponton selbst, mit dem verhaßten Symbol seiner Rangerniedrigung in der Hand" 25 präsentierte, war Friedrich bereit, ihn zu pardonieren. An beider Verhalten wird deutlich, wie bedeutsam symbolische Handlungen waren, wenn es darum ging, Machtverhältnisse zu versinnbildlichen. Friedrich forderte sie bedingungslos ein. Einige Zeit später äußerte der englische Gesandte Mitchell in einem Schreiben an den Earl of Chatham, der preußische König zeichne sich aus durch "vanity, and a desire on every occasion to have the lead, or, at least, to seem to have it. (...) though upon some occasions he laughs at all formalities, yet no man is more tenacious of them in whatever he thinks touches his rank, dignity, and consideration." 26 In militärischen Dingen war dies allemal der Fall. Die Einhaltung von "Formalitäten" bedeutete hier nichts anderes als eine in die äußeren Formen der Disziplin gekleidete Unterwerfung unter den königlichen Willen.

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Der König sah darin eine conditio sine qua non, sollten Militär und Monarchie funktionsfähig bleiben. Das Ausbrechen eines Einzelnen, noch dazu eines Generals und Prinzen von Geblüt, bedrohte mit der militärischen Ordnung auch das Gesamtgefüge des preußischen Herrschaftssystems: "Die Disziplin", so heißt es im Politischen Testament von 1768, "beruht auf Pünktlichkeit und Gehorsam. Sie fängt bei den Generalen an und endet bei den Tambours. Die Unterordnung bildet darin die Grundlage; keine Auflehnung der Untergebenen gegen die Vorgesetzten; wenn der Vorgesetzte befiehlt, haben die anderen zu gehorchen; wenn die Offiziere die Pflicht der Unterordnung nicht kennen, wird es der gemeine Mann niemals tun – das ist eine Kette, in der kein Glied fehlen darf." 27

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Im Grunde spiegelte der königliche Unmut, den Prinz Heinrichs Aktion heraufbeschwor, auch eine Art Satisfaktionsfähigkeit, die er in militärischen Dingen gegenüber Friedrich erlangt hatte. Heinrich selbst soll die ganze Angelegenheit mit den Worten kommentiert haben, "daß nie wieder, seitdem die Seite des Heilands durch einen Speer durchbohrt worden sei, ein schlanker Holzschaft eine solche Aufregung erzeugt habe." 28

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Da deutet es schon auf eine gewisse royale Erleichterung hin, wenn Friedrich, als er 1765 seinen Bruder mit dem Sponton in der Hand erblickte, unverzüglich ein huldvolles Wort an ihn richtete, ihn das ungeliebte Utensil an einen anderen Offizier weiterreichen hieß und ihn stattdessen aufforderte, ein Pferd zu besteigen und während des Rests der Revue neben ihm herzureiten.

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Die Nichtbeförderung des Prinzen Heinrich zum Feldmarschall jedoch blieb eine äußerst delikate Angelegenheit. Zwar wurde dieser Dienstgrad mit Rücksicht auf ihn auch den Generalen Fouqué, Seydlitz und Zieten verwehrt. 29 Prinz Ferdinand von Braunschweig jedoch wurde 1758 von Friedrich zum Feldmarschall erhoben, ebenso dessen Neffe Karl Wilhelm Ferdinand im Jahre 1787, also bereits unter Friedrich Wilhelm II. 30 Heinrich, dem diese Ehre sein Leben lang verwehrt blieb und der damit zum dienstältesten General der preußischen Infanterie wurde, grämte dies zutiefst. Denn eine verweigerte Beförderung kam für einen preußischen Offizier einer Ehrbeleidigung schon ziemlich nahe und wäre ein hinreichender Grund gewesen, den Dienst zwecks Ehrenrettung zu quittieren. 31 Doch gerade sein Status als Prinz von Geblüt, der ihn eng an Preußen band und ihn in die Pflicht nahm, ließ dies ebenso wenig zu, wie er andererseits den Weg zum höchsten militärischen Dienstgrad versperrte. Bisweilen schien dem Prinzen eine Krankmeldung der einzige Weg zu sein aus seinem Dilemma zwischen Pflichterfüllung, Gehorsam gegenüber dem roi-connétable und dem Wunsch, sich zu verweigern. 32

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Auf der anderen Seite begleitete der Wunsch, sich zu positionieren, den Prinzen Heinrich auch weiterhin. Dabei konnte er auf dem Punkt der bloßen Vergleichbarkeit mit Friedrich nicht stehenbleiben wollen, sondern musste versuchen, sich von ihm abzusetzen. Denn wie bei allen Formen der Repräsentation galt auch hier: Wer sich augenscheinlich unterschied, nahm Bedeutung für sich in Anspruch.

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Sein Rheinsberger Hof war der Ort, an dem Prinz Heinrich die Erinnerung an seine militärischen Erfolge aufrechterhielt und auf diese Weise versuchte, seine herausragende Stellung, die er innegehabt hatte, in der Erinnerung und damit für die Gegenwart zu perpetuieren. Zwar durfte man "nicht in Uniform auf seinem Landgute bei ihm erscheinen" und "ganz der Gewohnheit glücklicher Feldherren zuwider war der Krieg nur selten ein Gegenstand seiner Unterhaltung". 33 Aber er erinnerte jedes Mal, wenn sich der Tag seines Sieges bei Freiberg und bei Prag jährte, mit einem Fest an diese Ereignisse, zu dem er regelmäßig jene Offiziere einlud, die unter ihm gefochten hatten. Damit beanspruchte der Prinz eine gewisse Autonomie innerhalb der Erinnerungskultur, denn er beging diese Tage im Andenken an seine Erfolge, nicht an jene Friedrichs oder Preußens.

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Rheinsberg war aber vor allen Dingen auch jener Ort, an dem er eine andere Interpretation der Geschehnisse im Siebenjährigen Krieg präsentieren und damit Kritik an der Sichtweise des Königs üben konnte. In diesem Geiste ließ er an dem Ufer des Grienericksees, das dem Rheinsberger Schloss gegenüberliegt, am 4. Juli 1791 den berühmten Obelisken einweihen. Mit ihm wollte der Prinz jenen Offizieren Ehre zuteilwerden lassen, die seiner Ansicht nach unter König Friedrich zu kurz gekommen, das heißt nicht ausreichend gewürdigt worden waren bzw. deren Verdienste Friedrich allzu sehr für sich in Anspruch genommen hatte oder die sich in der friderizianischen Armee ein gewisses Maß an geistiger Unabhängigkeit bewahrt hatten. Dazu zählte Heinrich unter anderen die Marschälle Schwerin und Anhalt-Dessau sowie die Generäle Seydlitz und Zieten. 34 Nicht zuletzt war dieses Denkmal auch seinem verstorbenen Bruder August Wilhelm gewidmet, für dessen frühen Tod er Friedrich verantwortlich machte (siehe unten).

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Mit der Errichtung des Obelisken nahm Prinz Heinrich also eine gewisse Deutungshoheit über die Erinnerung an den Siebenjährigen Krieg für sich in Anspruch. Er tat dies so offen erst nach dem Ableben des großen Bruders, erfüllt von Bitterkeit, aber doch mit dem Selbstverständnis dessen, der das Gedenken auch an seine eigene Bedeutung bewahrt wissen wollte.

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Ferner ist in diesem Zusammenhang auf die Feldherrengalerie zu verweisen, die der Prinz in der Roten Kammer der Rheinsberger Amalienwohnung im Anschluss an den Bayerischen Erbfolgekrieg (1778/1779) und seinen endgültigen Abschied aus dem Heeresdienst einrichten ließ. Hier präsentierte er fortan die Porträts von acht Generälen, vier französischen und vier preußischen, deren Persönlichkeit und Art der Kriegführung er offenbar als vorbildlich ansah. Diese waren der Prince de Condé, der Vicomte de Turenne, der Duc de Luxembourg und Nicolas de Catinat als Franzosen sowie die Generäle im Dienste Preußens Leopold von Anhalt-Dessau, Kurt Christoph Graf von Schwerin, Hans Joachim von Zieten und Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig. Zeitgenössischen Beobachtern musste sofort auffallen, dass Friedrich der Große selbst fehlte. Auch damit demonstrierte Prinz Heinrich seine Abkehr von der Person und den Prinzipien der Kriegführung seines großen Bruders. 35

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Im Übrigen hatte König Friedrich selbst eine Art Heldengalerie eingerichtet, als er die Statuen der Generäle Schwerin (1769), Winterfeldt (1777), Seydlitz (1784) und Keith (1786) auf dem Berliner Wilhelmplatz aufstellen ließ. 36 Schon in Friedrichs Politischem Testament von 1752 hatte es geheißen: "Ämter, Ehrungen und Belohnungen, hin und wieder gegeben, spornen an und ermutigen die Talente; Belobigungen für Verdienste wecken im Herzen des Adels diesen edlen Wetteifer, der ihn dazu bringt, den Waffenberuf zu ergreifen, Kenntnisse zu erwerben, die in diesem zu Auszeichnungen und Glück führen. Die Offiziere zu verachten und gleichzeitig zu verlangen, daß sie mit Ehre dienen, heißt Widersprüche wollen. Einen Stand zu ermutigen, der die Macht des Königreichs bildet, diese Säulen des Staates (wenn ich mich so ausdrücken darf), die ihn aufrecht erhalten, zu achten, (...) heißt nicht, sie allzu sehr zu verwöhnen noch launenhaft zu behandeln, sondern dem Verdienst zu geben, was ihm gebührt, wenigstens ein schwaches Rauchfeuer auf dem Altar der Offiziere anzuzünden, die jeden Augenblick bereit sind, ihr Blut für das Vaterland zu vergießen." Dahinter stand die Überzeugung von der Fragilität des preußischen Status als europäischer Großmacht mit geringen Ressourcen und einer Vielzahl potenzieller und tatsächlicher Feinde, nach dem schlesischen Handstreich besonders des Hauses Österreich. Diese Situation ließe "häufig Kriege (...) erwarten", weshalb "dem Militär der erste Rang im Königreich zukommen muß". 37 Das Militär wurde hier nicht abstrakt gedacht; seine Leistungsfähigkeit beruhte nach Friedrichs Überzeugung im Wesentlichen und ganz konkret auf dem Offizierskorps, das durch Auszeichnung motiviert und belohnt und in seinem Ehrgeiz angestachelt werden sollte. 38 Vor dem Hintergrund dieser Haltung wäre Friedrichs Galerie der Helden eine Botschaft didaktischen Charakters vornehmlich an seine Offiziere gewesen: Sie stellte ihnen das Vorbild ruhmreicher Heerführer vor Augen, denen es nachzueifern galt. Mehr noch, sie war das Versprechen des Souveräns an die Mitglieder seiner militärischen Führungselite, dass ihr Name nicht vergessen, sondern ihnen Ruhm und eine Verankerung im kollektiven preußischen Gedächtnis zuteil werde, wenn sie sich im Dienste des roi-connétable auszeichneten.

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Blickt man auf die Männer, deren Statuen Friedrich zum Rendez-vous des Ruhms auf dem Berliner Wilhelmplatz aufstellen ließ, so fällt auf, dass sowohl der König als auch Prinz Heinrich den Generalfeldmarschall Schwerin und General Seydlitz ehrten. Dies mag auf den ersten Blick überraschen, wenn man davon ausgeht, dass der Prinz sich durch seine Auswahl vom König distanzieren wollte. Es ist aber anzunehmen, dass ihre jeweilige Motivation und Aussageabsicht eine andere war. In Schwerin sah Heinrich sein Vorbild einer strategisch klugen und ausgefeilten Kriegführung, die auch das Wohl der Truppen nie aus den Augen verlor. Gleichzeitig war er der Mann, der am 14. April 1741 die Schlacht bei Mollwitz noch zu einem für die Preußen siegreichen Ende führte, nachdem er dem jungen König selbst zum Rückzug geraten hatte. Das Verhältnis zwischen Friedrich und dem Grafen Schwerin war schwer belastet; auf beiden Seiten gab es teils harsche Kritik an der jeweiligen Kommandoführung. 39 Friedrich Wilhelm von Seydlitz hatte neben seinen glänzenden Erfolgen als General der Kavallerie 40 in der Schlacht bei Zorndorff am 25. August 1758 gezeigt, dass er sich auch angesichts eines drängenden und drohenden Königs im Zweifelsfall lieber auf sein eigenes militärisch-taktisches Urteil verließ und dabei recht behalten. 41

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Vor diesem Hintergrund legt eine adressatenorientierte Lesart von Friedrichs Feldherrengalerie am Wilhelmplatz auch die Interpretation nahe, dass sie als eine Art Zugeständnis an seine Offiziere gedacht gewesen sein könnte. 42 Sieht man das Offizierskorps als eine in sich geschlossene peer group mit eigenem Wertesystem und einem hohen korporativen Selbstwertgefühl, so bedeutet dies im Gegenzug, dass der roi-connétable durch die als ehrenrührig wahrgenommene Behandlung eines Einzelnen, etwa Schwerins, den Groll der peers auf sich ziehen konnte. Kraft seiner monarchischen Souveränität hatte Friedrich zwar die oberste militärische Kommandogewalt für sich in Anspruch genommen – doch damit hatte er gleichzeitig "auch die Angriffsflächen, denen [er] sich (...) im Falle des Mißerfolgs ausgesetzt sah", 43 vergrößert. Sicherlich lohnenswert wäre eine genauere Untersuchung, ob, in welchem Maße und mit welchen Konjunkturen Friedrichs Inanspruchnahme und Handhabung des Oberbefehls von den militärischen Experten, also dem Offizierskorps, als ein royales Dilettieren, als angemaßtes Eindringen in ihren ureigenen Wirkungsbereich wahrgenommen wurde.

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Am Ende bleibt jedoch festzuhalten, dass der König selbst einen gewissen Pragmatismus an den Tag legen konnte, wenn es darum ging, militärische Effizienz und ins Persönliche gehende Divergenzen bzw. Kritik gegeneinander abzuwägen. Über "Fehler", so Friedrich in seinem Politischen Testament von 1768, müsse "man hinwegsehen, denn das Wohl des Staates will, daß man fähige Leute anstellt und sich der besten Untertanen bedient, die man hat, oder der Krieg wendet sich zum Schlechten und man macht einen ungünstigen Frieden". 44 Prinz Heinrich galt ihm "ohne Zweifel" als der "erste von allen, eine Armee zu kommandieren". Und den eigensinnigen General Seydlitz anerkannte er als denjenigen, der "in der Kavallerie (...) den Rest [überrage]". 45 In seinem Urteil über die militärische Führungselite konnte der König, wenn man so will, großzügiger sein als Prinz Heinrich, dessen Blick bisweilen getrübt war durch persönliche Antipathien. Oder anders: Friedrich als der die letzte Verantwortung tragende Souverän und Oberbefehlshaber war gewissen Nützlichkeitserwägungen und Sachzwängen unterworfen. Heinrichs Urteil war demgegenüber von geringer praktischer Relevanz.

III. Friedrich und Heinrich im Krieg

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Wenn oben bereits von der zweifach funktionalen Bedeutung des Heeres die Rede war – "Glanz" und "Nützlichkeit" –, so traf dies zu für das Preußen Friedrich Wilhelms I. ebenso wie für das friderizianische Preußen. Und doch lässt sich bereits für das Jahr des Thronwechsels, 1740, eine deutliche Akzentverschiebung erkennen, die sich an folgenden beiden Ereignissen herauskristallisierte:
Friedrich schaffte die Langen Kerls ab.
Er führte die Armee seines Vaters in ihren ersten Krieg.
Während also die preußische Armee unter Friedrich Wilhelm I. mangels Einsatz hauptsächlich als "Dekorum" fungiert hatte und Macht repräsentieren sollte, wurde sie nun auch zu deren Durchsetzungsinstrument. Brandenburg-Preußen war jetzt ein Staat, der eine Armee hatte – um sie zu gebrauchen. 46

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Der König verstand sich als roi-connétable , der höchst selbst seine Truppen in den Kampf führte. Die Uniform, die auch schon der Vater getragen hatte, war nun nicht mehr nur Ausdruck der Zugehörigkeit zur Armee, sie wurde Symbol dessen, was Friedrichs Existenz ausmachte. Er repräsentierte nicht, er war. Und Teil dieser Existenz war nunmehr das Handwerk des Krieges. Als oberster Befehlshaber im Feld war er gegenüber seinen Offizieren und Soldaten stets präsent. Er ging am Vorabend einer Schlacht durch das Feldlager und gesellte sich zu den einfachen Soldaten; er nächtigte auch schon mal (wie bei Bunzelwitz im August 1761) auf einem Strohlager im Freien; und mit Todesverachtung setzte er sich dem Schlachtengetümmel aus. So geriet Friedrich in der Schlacht von Roßbach am 5. Dezember 1757 in die Schusslinie der eigenen Musketiere, als er von einem Aussichtspunkt das Kampfgeschehen verfolgen wollte, und die Musketiere riefen ihm zu: "Vater, aus dem Wege, daß wir schießen können!" 47 Und in der Schlacht von Torgau am 5. November 1760 dämpfte des Königs Winterbekleidung die offenbar ohnehin durch die Entfernung abgeschwächte Wirkung einer Kartätschenkugel ab, die ihn an der Brust getroffen hatte. 48

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Diese Dinge haben wesentlich das volkstümliche Bild Friedrichs geprägt, und man kann in ihnen durchaus repräsentative Akte sehen. So diente hier das Handwerk des Krieges der Selbststilisierung des Königs, zunächst einmal gegenüber den eigenen Soldaten, dann aber auch gegenüber einer europäischen Öffentlichkeit, die im Preußenkönig eine außerordentliche Erscheinung unter den europäischen Monarchen erblickte.

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Auch Prinz Heinrich schonte sich nicht, wenn es darum ging, seinen Soldaten tapfer voranzugehen. So hat er sich in der Schlacht bei Prag am 6. Mai 1757 an die Spitze des Regiments Itzenplitz gesetzt und, von körperlich eher kleiner und schmächtiger Gestalt, einen tiefen, mit Wasser gefüllten Graben durchquert und das Regiment die anschließenden Höhen hinauf geführt. Bei Prag erwarb er sich die Anerkennung seiner Offiziere und Soldaten. Auch der König erklärte wiederholt, dass "Prinz Heinrich Wunder vollbracht habe" und äußerte damit offen seine Wertschätzung, die über den englischen Gesandten Mitchell auch nach London kolportiert wurde. 49 Graf Lehndorff berichtet in seinen Tagebüchern unter dem Datum vom 10. Mai, dass der Adjutant des Prinzen nach Berlin gekommen sei, den Mitgliedern der höfischen Gesellschaft seine Aufwartung mache und dabei von den Heldentaten Heinrichs berichte. "Ihm selbst [dem Adjutanten, K.Z.] ist an der Seite des Prinzen ein Pferd unter dem Leibe getötet worden (...). Dem Prinzen schlug ein zum Glück matt gewordenes Geschoß gegen den Arm. Ich möchte behaupten, noch niemals hat der Sohn oder Bruder eines Königs sich so der Gefahr ausgesetzt und dazu mit solchem Erfolg wie dieser Prinz. Und als die Schlacht beendet war, hat er sich nicht der Ruhe hingegeben, sondern sich bis 10 Uhr abends den Werken der Menschlichkeit gewidmet, indem er die Verwundeten erquickte und fortschaffen ließ. Einem Offizier seines Gefolges, der ein Pferd verlor, schenkte er sofort einen Engländer mit dem ganzen Sattelzeug, jedem seiner Adjutanten 50 Louisdor und dreien seiner Pagen goldene Uhren. So dachte er nicht an seine Bequemlichkeit, sondern war nur darauf bedacht, anderen zu helfen und die rühmlichen Taten der jungen Offiziere zu belohnen." 50

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Ähnlich wie bei König Friedrich ist hierin eine Art der Selbststilisierung zu sehen, die den Prinzen als tapferen, aber auch mitleidigen und menschlichen Heerführer vorstellte, der sich unermüdlich um das Wohl der ihm unterstellten Soldaten und Offiziere kümmerte. Und dazu gehörte eben auch, dass die höfische Gesellschaft Berlins durch den prinzlichen Adjutanten davon unterrichtet wurde.

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In der Tat wurde das kriegerische Handeln sowohl des Königs als auch des Prinzen Heinrich aufmerksam verfolgt. Flugschriften, Soldatenlieder und Verse gaben Auskunft über die preußischen Brüder im Krieg. Bei seinen Offizieren und Soldaten stand der Prinz allgemein in hohem Ansehen; man schätzte ihn seiner Umsicht halber und ebenso wegen der oben beschriebenen Fürsorge außerordentlich. 51 Dies ging sogar so weit, dass der König nicht gut abschnitt, wenn er mit seinem jüngeren Bruder verglichen wurde. Beim Tausch der Armeen im Jahre 1759 war die Freude innerhalb der henricianischen Truppen in Sachsen mehr als verhalten, als sie erfuhren, der große Friedrich werde zeitweilig den Oberbefehl übernehmen. Friedrichs Truppen in Schlesien hingegen waren erleichtert angesichts der Ankunft des Prinzen und hießen ihn freudig willkommen. 52 Heinrichs Biograph, Chester V. Easum, sonst gern mal offen "fritzisch" gesinnt, bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: "In der Armee herrschte allgemein die Meinung, daß sich der Prinz in jeder Beziehung mehr um seine Leute kümmerte als der König." 53 "In jeder Beziehung" hieß: in Fragen der Verpflegung und der gewährten Ruhe- und Erholungszeiten, der Sorge um Verwundete und Kranke, aber auch der Bereitschaft, seine Truppen eher zu schonen als sie in verlustreichen Schlachten aufzureiben. Diese Einschätzung verdankt sich sicherlich auch dem Umstand, dass Prinz Heinrichs Aufgaben im Wesentlichen defensiv-strategischer Natur waren, er mit geringer Truppenstärke und langgezogener Linie Sachsen halten, die brandenburgischen Kernlande schützen und Friedrich den Rücken freihalten sollte. 54

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Darüber hinaus machte Prinz Heinrich sich einen Namen, indem er stets versuchte, die Bevölkerung so weit wie möglich zu schonen, wo immer preußische Truppen Land besetzt hielten. Dies war sicherlich Ausdruck jener tief empfundenen Menschlichkeit, die Zeitgenossen immer wieder an ihm festgestellt und gerühmt haben. Es war andererseits auch dem Gebot einer gewissen Courtoisie geschuldet, wenn er sich in aristokratischer Standessolidarität um das Wohlergehen verwundeter oder gefangener französischer Offiziere bemühte und ihnen alle erdenkliche Erleichterungen und Ehrbezeugungen angedeihen ließ. Hier spiegelt sich der alteuropäische Ehrenkodex wider, der den Umgang mit standesgleichen Kriegskombattanten durch ein gemeinsames Wertesystem der Courtoisie und des Respekts regelte. 55

<46>

Und hier schließt sich der Kreis. Denn wo König Friedrich Brühlsche und andere Schlösser in der Logik eines enthemmten Krieges verwüsten ließ, sah Heinrich Barbarei und Zerstörungswut walten, die durch vermeintliche Kriegsnotwendigkeiten nicht zu legitimieren waren. Er hieß auch Friedrichs Vorgehen nicht gut, Städten wie Rothenburg, Winzheim oder Regensburg mit der Androhung, sie plündern zu lassen, hohe Kontributionen abzufordern. Kriegstaktisch zu legitimieren war dies dadurch, dass man die mindermächtigen Reichsstände dazu bringen wollte, "ihre Truppen von der Reichsarmee abzurufen und sich von dem Hause Oestreich loszusagen". 56 Es widersprach jedoch Heinrichs Begriff von Menschlichkeit und Zivilisation. Er verweigerte sich, wann immer ihm dies möglich war, und verband das oft mit Kritik am königlichen Bruder. So heißt es etwa in einem Brief an die Herzogin Luise von Sachsen-Gotha: "(...) meinen Einfluß kann ich nur indirect zu Gunsten derjenigen, welche mit Lieferungen und Contributionen belästiget werden, geltend machen, der König ordnet dies Alles durch Officiere an, welche er ausdrücklich absendet, um seine Befehle mit aller Strenge auszuführen. (...) denn die Commandirten wagen es nicht, ohne viel zu risquiren, irgend etwas von den Contributionen, welche der König gefordert hat, fehlen zu lassen. (...) Unter all den Leiden, welche ich erdulde, ist dasjenige, welches das Elend so vieler Unglücklichen meinem Herzen bereitet, nicht das geringste. Die Unmenschlichkeit und Barbarei sind auf den höchsten Punct gestiegen (...)." Wahrhaft empfundene Empörung und der gleichzeitige Wunsch, sich vom Bruder abzusetzen und ihn mit Verve zu kritisieren, fließen hier offenbar zusammen und geben dem Prinzen Raum zur Selbststilisierung als des Königs humanes Gegenbild.

IV. Militärische Ehre im Selbstverständnis Friedrichs und Heinrichs

<47>

Martin Dinges hat die Ehre einmal mit dem Ungeheuer von Loch Ness verglichen: Keiner habe sie jemals wirklich gesehen oder könne sie beschreiben, und doch glaubten alle, dass es sie gebe. 57 Für den vorliegenden Fall erweist es sich als hilfreich, Ehre mit Pierre Bourdieu als eine Form des symbolischen Kapitals zu verstehen. Dieses ist "sichtbarer Ausdruck" der anderen drei Kapitalsorten. 58 In der friderizianischen Ständegesellschaft bedeutete dies, dass einer bestimmten sozialen Position, die vornehmlich durch kulturelles und soziales, weniger durch ökonomisches Kapital definiert wird, eine bestimmte Vorstellung von Ehre entspricht. Diese dient demnach vor allem der sozialen Distinktion. Zu kurz gegriffen wäre jede Definition, welche die Ehre lediglich als Ausdruck einer von historischen und sozialen Rahmenbedingungen losgelösten inneren Moralität versteht. 59

<48>

Friedrich der Große selbst sah die Ehre als ständisches Distinktionsmerkmal des Adels eng mit dem Militärdienst verknüpft. Ihm als dem Landesherrn oblag die Verteidigung Brandenburg-Preußens, das adlige Offizierskorps hatte ihm hierin Gefolgschaft zu leisten. Darin lag nicht nur Verpflichtung, sondern auch ein besonderes Privileg. Gleichzeitig war ein Versagen in diesem Bereich von hoher symbolischer Bedeutung und zog einen essenziellen Verlust an symbolischem Kapital nach sich. Niemand hat das stärker zu spüren bekommen als Prinz August Wilhelm, der in Unehren aus der Armee scheiden musste, nachdem Friedrich ihm militärisches Versagen vorgeworfen hatte.

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Gleichwohl hatte der Adel als Stand auch einen eigenen Begriff von Ehre ausgeprägt, der eng verbunden war mit Vorstellungen wie Ritterlichkeit, kriegerischer Tapferkeit, Großzügigkeit, Respekt, Religiosität und Humanität.

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Zum Konflikt ist es gekommen, als Friedrich im Siebenjährigen Krieg den Begriff der Ehre militärischer Rationalität unterordnete. Da wichen dann aristokratisches Standesethos und kriegerische Notwendigkeiten, wie der König sie verstand, voneinander ab. Dieses Dilemma war an sich nicht zu lösen. Der Hubertusburg-Marwitz, von Saldern und Prinz Heinrich, wann immer er konnte, entschieden sich für die aristokratische Standesehre. Friedrich als der Souverän mit Alleingewalt, war so frei, zum Wohle und zum Erhalt Brandenburg-Preußens das aristokratische Standesethos auch mal hintanzustellen.

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Er tat dies mit der Ungezwungenheit, die er sich bei all seinen Repräsentationsstrategien herausnahm. Er wusste seine anderen Kapitalsorten so gesichert, dass er ein wenig an symbolischem Kapital aufs Spiel zu setzen bereit war. Dadurch war seine Souveränität als König zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt. Prinz Heinrich dagegen konnte hier an symbolischem Kapital gewinnen, was ihm als nachgeborenem, nicht-souveränem Prinzen von Geblüt fehlte. Die Aufrechterhaltung militärischer Ehre war ihm Selbstzweck, aber auch – ähnlich wie alle anderen Versuche, den König auf militärischem Terrain herauszufordern – Mittel zur eigenen Positionierung.

<52>

Schloss Hubertusburg wurde, um an die eingangs erwähnte Episode anzuknüpfen und die Geschichte zu Ende zu erzählen, schließlich vom Freikorps-Führer Karl Gottlieb Guischardt (1724-1775) geplündert, einem Mann, den Friedrich nach einem halbgelehrten Disput scherzhaft-sarkastisch Quintus Icilius nannte und den er auch unter diesem Namen adelte. Den Tagebüchern des Grafen Lehndorff ist zu entnehmen, dass die höfische Gesellschaft ihn den "Tapezierer von Hubertusburg" nannte, weil "er dieses Schloß in gemeiner Weise ausgeplündert hat; selbst die Parkette und das Dach, die von Kupfer waren, hat er verkauft". Der König selbst war sich nicht zu schade, ihn als Gast seiner Tafelrunde noch nach Jahren mit der Hubertusburg-Affäre bloßzustellen. Überliefert ist folgende Ansprache Friedrichs an ihn: "Die Sache ist ja alt, es ist Gras über sie gewachsen. Und übrigens hat Er doch jede Scham verloren. Es weiß doch jeder, daß Er ein Plünderer ist, diesen Ruf hat Er nun einmal. Also vorwärts, heraus mit der Sprache! Was hat Er bei diesem Gaunerstreich verdient?" Und Quintus Icilius erwiderte verärgert: "Was ich getan habe, ist alles auf Ihren Befehl geschehen. Ich habe Ihnen Rechnung abgelegt, und Sie haben mit mir geteilt." 60

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Interessant ist also, dass sowohl der König als auch die höfische Gesellschaft, wie sie sich in den Lehndorffschen Tagebüchern spiegelt, die Untat von Hubertusburg dem ausführenden Freikorps-Führer eher zuschob als dem königlichen Schreibtischtäter. So, wie es dem Soldaten eigen ist, stellvertretend und zum Schutze der Gesellschaft die Last des Krieges auf sich zu nehmen, so war Quintus Icilius gezwungen, die Unehre des Souveräns zu tragen.

Autorin:

Karoline Zielosko
k.zielosko@gmx.de

1 Vgl. Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, 5 Bde, Bd. 2: Das Oderland. Barnim-Lebus, Köln 1997, 221-223.
Dieser Aufsatz entstand im Rahmen eines Aufenthalts in der Gerhard-Knoll-Forschungsbibliothek der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, und wurde von der Bühler - Stiftung Berlin gefördert, der ich hierfür meinen herzlichen Dank sage.

2 Characterzüge des Preußischen General=Lieutenants von Saldern mit practischen Bemerkungen über seine militairische Thaten und über sein Privatleben. Zum Dienste junger Helden geschrieben von E.D. Küster, ehemaligen Staabsfeldprediger der preußischen Armee im Siebenjährigen Kriege, Berlin 1793, 42. Vgl. auch Christopher Duffy: Friedrich der Große. Ein Soldatenleben, Augsburg 1996 [im englischen Original: London 1985], 474.

3 Dieter und Renate Sinn: Der Alltag in Preußen, Frankfurt a. M. 1991, 430.

4 So schreibt Friedrich in seinem Politischen Testament aus dem Jahre 1752: "Jeder blickt in den monarchischen Staaten auf den Souverän. Das Publikum folgt seinen Neigungen und scheint bereit, die Anregungen, die er ihm gibt, aufzunehmen. [...] In diesem Reich muß der Souverän das sein, was für das Wohl des Staates am dienlichsten ist, und folglich muß er sich an die Spitze des Heeres stellen; auf solche Weise kann er diesem Beruf Ansehen geben und die Vortrefflichkeit unserer Disziplin und Ordnung, die bei den Truppen herrscht, erhalten." Zitiert nach: Die politischen Testamente der Hohenzollern, bearbeitet von Richard Dietrich, Köln / Wien 1986 (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz 20), 403-405.

5 Friedrich der Große: Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg, in: Die Werke Friedrichs des Großen, 10 Bde, Bd. 1, hg. von Gustav Berthold Volz, Berlin 1913, 119.

6 Friedrich der Große: Denkwürdigkeiten, in: Volz: Werke (wie Anm. 5), 117. Gleichwohl gesteht Friedrich seinem Großvater zu, mit der Erhebung in den Königsstand erst die Grundlage für die spätere Machtentfaltung Brandenburg-Preußens gelegt zu haben. "Was aber in seinem Ursprung das Werk der Eitelkeit war, erwies sich in der Folge als ein Meisterwerk der Staatskunst." Vgl. ebd., 100. Bemerkenswert ist, dass Friedrich aus diesem staatsmännischen "Meisterwerk" einen Auftrag ableitete, den anzunehmen und zu erfüllen er angetreten war. "Friedrich III. warf damit seiner ganzen Nachkommenschaft eine Lockspeise hin, die zu sagen schien: 'Ich habe euch einen Titel erworben; zeigt euch seiner wert! Ich habe die Fundamente eurer Größe geschaffen; nun ist es an euch, das Werk zu vollenden! '" Ähnlich schreibt er noch einmal in der "Geschichte meiner Zeit" (1775), "daß Friedrich I., als er Preußen zum Königreich erhob, durch diese eitle Größe einen Keim des Ehrgeizes in seine Nachkommen legte, der früher oder später Früchte tragen mußte. Die Monarchie, die er seinen Nachkommen hinterließ, hatte, wenn ich mich so ausdrücken darf, etwas von einem Zwitterwesen an sich; sie glich mehr einem Kurfürstentum als einem Königreiche. Es war ehrenvoll, diesem Zwitterzustand ein Ende zu machen". Friedrich der Große: Geschichte meiner Zeit, in: Volz: Werke (wie Anm. 5), Bd 2, Berlin 1912, 58.

7 Friedrich der Große: Denkwürdigkeiten, in: Volz: Werke (wie Anm. 5), 121.

8 Vgl. Peter-Michael Hahn: Pracht und Selbstinszenierung. Die Hofhaltung Friedrich Wilhelms I. von Preußen, in: Friedrich Beck / Julius H. Schoeps (Hg.): Der Soldatenkönig. Friedrich Wilhelm I. in seiner Zeit, Potsdam 2003 (= Brandenburgische Historische Studien 12), 69-98.

9 Dazu jetzt Thomas Biskup: Höfisches Retablissement. Der Hof Friedrichs des Großen nach dem Siebenjährigen Krieg, in: Friedrich300 – Colloquien, Friedrich der Große – eine perspektivische Bestandsaufnahme. http://www.perspectivia.net./content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/biskup_retablissement <23.08.2011>.

10 Des Herrn von Loen gesammelte Kleine Schriften, hg. von J.E. Schneider, Frankfurt / Leipzig 1749-1752, Teil 4, 379. Vgl. Hahn: Pracht und Selbstinszenierung (wie Anm. 8), 93f.

11 Martin Sherlock: Lettres d 'un Voyageur Anglais, London 1779, 20-21, zitiert nach Duffy: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 361. Allgemein zum Thema vgl. Michaela Völkel: Schloßbesichtigungen in der Frühen Neuzeit. Ein Beitrag zur Frage nach der Öffentlichkeit höfischer Repräsentation, München / Berlin 2007.

12 Der in die Raumarchitektur eingelassene, jedoch leerstehende Alkoven unterstreicht durch nicht genutzten Raum das Fehlen des Paradebettes!

13 Dies soll nicht heißen, dass Friedrich sich gänzlich frei von sozialen Konventionen machen konnte. Seine selbstgewählte Abstinenz vom Hofe war nur möglich, weil die Hauptlast der höfischen Repräsentation und die Aufrechterhaltung des höfischen Lebens von seiner Gemahlin, Königin Elisabeth Christine, getragen wurde. Ihr kam damit eine bedeutende Funktion innerhalb der preußischen Monarchie zu. Vgl. Thomas Biskup: The hidden queen – Elisabeth Christine of Prussia and Hohenzollern queenship in the 18th century, in: Clarissa Campbell-Orr: Queenship in Europe, 1660-1800, Cambridge 2004, 300-321. Vgl. ferner Alfred P. Hagemann: Der König, die Königin und der preußische Hof, in: Friedrich300 – Friedrich der Große und der Hof. http://www.perspectivia.net./content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-hof/hagemann_zeitung <23.08.2011>. Auch Friedrichs Brüder und Schwestern und bis zu ihrem Tode im Jahr 1757 ebenso die Königin-Mutter Sophie Dorothea waren an ihren Berliner Stadtresidenzen und Sommersitzen wichtige Träger des höfischen Lebens.

14 Zu Friedrichs Anwesenheit bei repräsentativen Anlässen am Hofe, etwa bei familiären Festivitäten oder dem Empfang von Fürstlichkeiten und Gesandtschaften vgl. Hagemann: Der König, die Königin (wie Anm. 13).

15 Zitiert nach Dietrich: Testamente (wie Anm. 4), 317.

16 Sie drückte sich nicht zuletzt in den schriftlichen Analysen und Konzeptionen aus, in denen der Prinz sich immer wieder zu prinzipiellen und konkreten politischen Fragestellungen äußerte. Vgl. Jürgen Luh: Der Prinz und die Politik, in: Prinz Heinrich von Preußen. Ein Europäer in Rheinsberg, hg. von der Generaldirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, München / Berlin 2002, 123-125; sowie Andreas Pečar: Politischer Schriftsteller wider Willen – Die außenpolitische Konzeption des Prinzen Heinrich von Preußen in seinen Denkschriften, in: ebd., 137-140.

17 Zu Friedrich als "roi-connétable" vgl. Theodor Schieder: Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche, 3. Aufl., Berlin 1998, 337-359.

18 Es gehörte "zu den für das Führungssystem der preußischen Armee kennzeichnenden Zügen (...), daß gerade die obersten Führungsspitzen sich in ständiger Lebensgefahr befanden, was zu großen Verlusten innerhalb der Generalität führte. Auch der König selbst begab sich in mehreren Schlachten mitten ins Feuer und wurde unmittelbar gefährdet." Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 17), 346.

19 In einem kurz nach der Niederlage aufgesetzten Schreiben an den General Finck, in dem Friedrich diesen über die Situation informierte und letzte Anweisungen erteilte, heißt es abschließend: "Von einem Heer von 48.000 Mann habe ich nicht mehr als 3.000. In dem Augenblick, da ich dies schreibe, flieht alles, und ich bin nicht mehr Herr meiner Leute. Man wird in Berlin wohl daran tun, an seine Sicherheit zu denken. Es ist ein grausamer Schlag, ich werde ihn nicht überleben, die Folgen der Affaire werden schlimmer sein, als die Affaire selbst. Ich habe keine Hilfsmittel mehr, und, um nicht zu lügen, ich glaube alles verloren. Ich werde den Untergang meines Vaterlandes nicht überleben. Adieu für immer!" Abgedruckt in: Politische Correspondenz Friedrichs des Großen, hg. von Reinhold Koser / Albert Naudé / Kurt Treusch von Buttlar / Otto Herrmann / Gustav Berthold Volz / Peter Baumgart, 47 Bde, Berlin 1879-1939 (Neudruck: Köln / Weimar / Wien 2003), Bd. 18, 483. Vgl. Gustav Berthold Volz: Friedrich der Große nach der Schlacht bei Kunersdorf. Eine Entgegnung, in: FBPG 28 (1915), 328-338.

20 Politische Correspondenz (wie Anm. 19), Bd. 18, 483.

21 Abgedruckt in: Volz: Werke (wie Anm. 5), Bd. 7, Berlin 1912, 285f. Vgl. Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 17), 346. Aus diesen verschiedenen Verfügungen spricht die akute Sorge um das Fortbestehen des preußischen Staates, dessen Integrität an die Unversehrtheit und Handlungsfähigkeit König Friedrichs geknüpft wurde. Er selbst griff, wenn er für den Fall seines Ablebens den Prinzen Heinrich als Vormund des jungen Thronfolgers und Inhaber der militärischen und politischen Verfügungsgewalt bestimmte, auf seine im Politischen Testament von 1752 entwickelten und damit längst feststehenden Prinzipien zurück. In diesem gleichsam strukturell festgelegten personellen Angebot für Krisensituationen war Prinz Heinrich der nächste Agnat, empfahl sich also qua Geburt für die Rolle des Vormunds. Im Falle des Falles hätte er lediglich eine bereits bestehende Planstelle auszufüllen gehabt. Sie wäre und ist nicht für ihn persönlich geschaffen worden, nur weil er über besondere persönliche Qualitäten verfügte und sich im Dienst für Preußen mittlerweile ausgezeichnet hatte. Wenn hierin also keine außerordentliche Auszeichnung Heinrichs durch den König zu sehen ist, mochte seine strukturell vorgesehene Bestimmung zum Vormund doch auch einhergehen mit einer persönlichen Wertschätzung.

22 Vgl. Chester Verne Easum: Prinz Heinrich von Preußen. Bruder Friedrichs des Großen (= Göttinger Bausteine zur Geschichtswissenschaft), Göttingen / Berlin / Frankfurt 1958 [im amerikanischen Original: Madison: University of Wisconsin Press 1942] 125.

23 Jürgen Luh: Kriegskunst in Europa 1650-1800, Köln / Weimar / Wien 2004, 201.

24 Zitiert nach Dietrich: Testamente (wie Anm. 4), 535.

25 Easum: Prinz Heinrich (wie Anm. 22), 347.

26 Andrew Bisset (Hg.): Memoirs and papers of Sir Andrew Mitchell, K.B., Bd. 2, London 1850, 363f. Zitiert nach: Biskup: Höfisches Retablissement (wie Anm. 9), <28>.

27 Zitiert nach Dietrich: Testamente (wie Anm. 4), 531.

28 Zitiert nach Easum: Prinz Heinrich (wie Anm. 22), 346, Anm. 12.

29 Vgl. Easum: Prinz Heinrich (wie Anm. 22), 125, Anm. 64.

30 Vgl. Jürgen Luh: "Der fehlerlose Feldherr" – Der Prinz und die Armee, in: Prinz Heinrich von Preußen (wie Anm. 16), 81-84, hier: 83.

31 Vgl. Sinn: Alltag (wie Anm. 3), 430: "Wer bei einer Beförderung übergangen wurde, reagierte genauso wie derjenige, der "in Unehren" aus der Armee ausgestoßen wurde: Der Offizier konnte nur seine Ehre retten, indem er "den Abschied" nahm. Nicht befördert zu werden rangierte auf der Ebene der Beleidigung, die man einem Offizier nicht ungestraft antun durfte."

32 Vgl. Easum: Prinz Heinrich (wie Anm. 22), 211f.

33 Friedrich Christoph Förster: Preussens Helden in Krieg und Frieden. Eine Geschichte Preussens seit dem großen Kurfürsten bis zum Ende der Freiheitskriege, 7 Bde, Bd 2: Friedrich der Große und seine Zeit, 2. Aufl., Berlin 1848, Kapitel: Der Prinz Heinrich von Preußen, 421-452, hier: 423, 448.

34 Vgl. Luh: "Der fehlerlose Feldherr" (wie Anm. 30), 84.

35 Zu Prinz Heinrichs Porträtauswahl vgl. Jürgen Luh: Heinrichs Heroen. Die Feldherrengalerie des Prinzen Heinrich im Schloß Rheinsberg, Karwe 2007.

36 Vgl. Anton Friedrich Büsching: Character Friderichs des Zweyten, o. O. 1788, 270.

37 Zitiert nach Dietrich: Testamente (wie Anm. 4), 401-403.

38 Die Vorstellung von militärischer Ehre und Ambition sah der König als eine exklusive Angelegenheit des überwiegend aristokratischen Offizierskorps. Auch im Zeitalter der Aufklärung wurden vermeintliche anthropologische Essenzen an den Stand geknüpft, weniger strukturellen Ursachen wie den Enrollierungspraktiken, dem Söldnerwesen oder der mangelnden Identifikation der Untertanen mit dem monarchischen Interesse zugeschrieben. So schreibt Friedrich im Politischen Testament von 1768: "Alles, was man bei dem Soldaten erreichen kann, ist, ihm Korpsgeist zu vermitteln, das heißt die beste Meinung von seinem Regiment, als dem besten von allen Truppen des Universums; und da die Offiziere bei gewissen Gelegenheiten ihn durch die größten Gefahren führen müssen, so soll er (denn um Ehrgeiz kann es sich bei ihm nicht handeln) seine Offiziere mehr fürchten als alle Gefahren, denen man ihn aussetzt, andernfalls könnte niemand die Soldaten durch das Gewitter von 300 Kanonen, die ihnen entgegendonnern, zum Angriff führen. Der gute Wille allein würde niemals den einfachen Mann ["Le Vulgaire"] durch ähnliche Gefahren bringen; es muß die Furcht tun." Zitiert nach Dietrich: Testamente (wie Anm. 4), 532f.

39 Vgl. Luh: Heinrichs Heroen (wie Anm. 35), 39-41. Vgl. ferner Dettlof von Schwerin: Feldmarschall Schwerin. Ein Lebensbild aus Preußens großer Zeit, Berlin 1928, 141-147; sowie Duffy: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 50-57.

40 Etwa bei Roßbach am 5. November 1757, vgl. Duffy: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 202-207.

41 Vgl. Duffy: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 240f.

42 Für diesen Hinweis danke ich Jürgen Luh. Zur Methodik vgl. Andreas Pečar: Friedrich der Große als Autor. Plädoyer für eine adressatenorientierte Lektüre seiner Schriften, in: Friedrich300 – Colloquien, Friedrich der Große – eine perspektivische Bestandsaufnahme. http://www.perspectivia.net./content/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/pecar_autor <03.09.2011>.

43 Pečar: Friedrich der Große als Autor (wie Anm. 42), <43>. So wurde etwa nach der Niederlage von Kolin am 18. Juni 1757 innerhalb der Armee harsche Kritik am König geäußert. Vgl. Easum: Prinz Heinrich (wie Anm. 22), 66.

44 Zitiert nach Dietrich: Testamente (wie Anm. 4), 585.

45 Zitiert nach Dietrich: Testamente (wie Anm. 4), 585.

46 "Die Armee stand im Dienst des Staates. Die Kriege, die sie führte, hatten ein einziges politisches Ziel: den Staat zu erhalten und zu vergrößern. Darin bestanden ihre und Friedrichs Größe und die Grenzen ihrer historischen Wirkung." Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 17), 359.

47 Die Szene und das Zitat wiedergegeben bei Duffy: Friedrich der Große (wie Anm. 2), 206.

48 Vgl. Schieder: Friedrich der Große (wie Anm. 17), 346.

49 Vgl. Easum: Prinz Heinrich (wie Anm. 22), 65.

50 Dreißig Jahre am Hofe Friedrichs des Großen. Aus den Tagebüchern des Reichsgrafen Ernst Ahasverus Heinrich von Lehndorff, Kammerherrn der Königin Elisabeth Christine von Preußen, hg. von Karl-Eduard Schmidt-Lötzen, Bd. 1, Gotha 1907, 321.

51 Vgl. Luh: "Der fehlerlose Feldherr" (wie Anm. 30), 83.

52 Vgl. Luh: "Der fehlerlose Feldherr" (wie Anm. 30), S. 83.

53 Easum: Prinz Heinrich (wie Anm. 22), 100, hier: Anm. 19.

54 Vgl. Michael Kaiser: Prinz Heinrich im Siebenjährigen Krieg – Der Oberbefehl in Sachsen und die Schlacht bei Freiberg 1762, in: Prinz Heinrich von Preußen (wie Anm. 30), 98-101, hier: 99.

55 Förster (wie Anm. 33), 424.

56 Förster (wie Anm. 33), 435.

57 Vgl. Martin Dinges: Der Maurermeister und der Finanzrichter. Ehre, Geld und soziale Kontrolle im Paris des 18. Jahrhunderts, Göttingen 1994 (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 105), 13.

58 Ludgera Vogt / Arnold Zingerle: Ehre. Archaische Momente in der Moderne, Frankfurt a. M. 1994, 24f.

59 Vgl. Klaus Schreiner / Gerd Schwerhoff: Verletzte Ehre. Überlegungen zu einem Forschungskonzept, in: dies.: Verletzte Ehre. Ehrkonflikte in Gesellschaften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Köln / Weimar / Wien 1995, 1-28, 5.

60 Zitiert nach Pierre Gaxotte: Friedrich der Große, Frankfurt a. M. / Berlin 1986, 435.

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PSJ Metadata
Karoline Zielosko
Eine Frage der Ehre
Militär und höfische Repräsentation unter Friedrich dem Großen und Prinz Heinrich
Innerhalb der repräsentativen Strategien kam dem Militär im friderizianischen Preußen eine besondere Funktion zu: Sowohl der königliche Feldherr als auch sein jüngerer Bruder Prinz Heinrich nutzten die militärische Bühne zur Selbststilisierung und eigenen Positionierung. Friedrich bediente sich der militärischen Formensprache zur Rollenbestimmung als roi-connétable und richtete den Blick dabei nicht allein auf die europäischen Höfe, sondern vornehmlich auch auf das eigene Offizierskorps. Prinz Heinrich dagegen wusste sich im Bereich des Militärischen und Militärisch-Repräsentativen immer wieder von seinem königlichen Bruder zu distanzieren und deutliche Kritik zu signalisieren. Weit mehr als seine Rolle als Prinz von Geblüt gestattete ihm die Funktion als preußischer Heerführer, den König herauszufordern und die eigene Position innerhalb des preußischen Herrschaftsgefüges auszuloten. Auch die Maßnahmen der Disziplinierung, die Friedrich gegenüber dem Prinzen ergriff, bewegten sich oftmals innerhalb des militärischen Rahmens.
CC-BY-NC-ND 3.0
Frühe Neuzeit (1500-1789)
Preußen bis 1947
Militär, Politikgeschichte
18. Jh.
4047194-9 118535749 11870978X 4025453-7 4039305-7 4398345-5
Rheinsberg; Schloss Hubertusburg; militärische Revuen; Selbstinszenierung; General Seydlitz; Johann Friedrich Adolf von der Marwitz; Quintus Icilius
1700-1800
Preußen (4047194-9), Friedrich II., Preußen, König (118535749), Heinrich Preußen, Prinz (11870978X), Hof (4025453-7), Militär (4039305-7), Repräsentation Politik (4398345-5)
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K. Zielosko: Eine Frage der Ehre
In: Studien und Vorträge zur preußischen Geschichte des 18. Jahrhunderts der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-studien/zielosko_ehre
Veröffentlicht am: 24.01.2012 11:00
Zugriff vom: 29.03.2020 23:12
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