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Prof Dr. Heidrun Kämper: Statement

Geisteswissenschaft im Dialog - Umbruch ’68? Überlegungen zu Politik, Gesellschaft, Sprache und Literatur

Prof Dr. Heidrun Kämper

Zur Person

Heidrun Kämper war von 1981 bis 1992 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für deutsche Sprache und Literatur der Technischen Universität Braunschweig (Forschung und Lehre). 1988 promovierte sie (Dissertation zu dem Thema "Lieder von 1848. Politische Sprache einer literarischen Gattung"). Seit August 1993 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Sprache, Mannheim. Im Mai 2005 schloss sie ihre Habilitierung an der Universität Mannheim ab (Thema der Habilitationsschrift: "Der Schulddiskurs in der frühen Nachkriegszeit. Ein Beitrag zur Geschichte des sprachlichen Umbruchs nach 1945"). Sie leitet derzeit das von der DFG geförderte Forschungsprojekt "Zeitreflexion 1967/1968". Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Lexikographie und Lexikologie, Sprache in der Politik, linguistische Diskursanalyse, Sprachgeschichte des 20. Jahrhunderts, Geschichte sprachlicher Umbrüche.

Statement

Der Demokratiediskurs der 68er – ein Umbruchphänomen?

Der studentischen Protestbewegung Ende der 60er Jahre ging es um Demokratie, um die vorfindliche, in den zwanzig Nachkriegsjahren gefestigte parlamentarische Regierungsform der verachteten bürgerlichen Kanzlerdemokratie, und um die vorgestellte, die aus den Lehren des Sozialismus abgeleitete direkte Demokratie von unten. Die Frage, ob der Demokratiediskurs der APO ein Umbruchphänomen darstellt, hat eine diskurs- und eine begriffsgeschichtliche Perspektive. Diskursgeschichtlich sollte die Idee Demokratie als Lebensform, die bereits in der frühen Nachkriegszeit der Gesellschaft den demokratischen Weg zeigen sollte, dazu dienen, demokratisches Bewusstsein herzustellen. Begriffsgeschichtlich sind es Bestimmungsstücke und definitorische Elemente, die die Idee der Rätedemokratie wieder aufnehmen.

Insgesamt kann als Ergebnis formuliert werden: Unabhängig davon, dass die studentische Protestbewegung kein neues Demokratiekonzept vorgelegt hat, kann ihr Demokratiekonzept deshalb als Umbruchphänomen beschrieben werden, weil es der Idee von Partizipation und Kritik verpflichtet ist. Es setzt auf Kommunikation, auf aufgeklärte Vernunft und auf Unmittelbarkeit – das ist eine rationalisierte und fundamentalisierte Demokratieversion.

PSJ Metadata
Statement
PDF document kaemper_statement.doc.pdf — PDF document, 177 KB
Prof Dr. Heidrun Kämper: Statement
In: Umbruch ’68? Überlegungen zu Politik, Gesellschaft, Sprache und Literatur (Geisteswissenschaft im Dialog, 04.03.2008, München - Institut für Zeitgeschichte)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2008-03-04/kaemper_statement_muenchen
Veröffentlicht am: 16.02.2016 16:16
Zugriff vom: 20.01.2020 16:36
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