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PD Dr. Nicole Karafyllis: Statement

Geisteswissenschaft im Dialog - Aus dem Vollen schöpfen? Rohstoffgewinnung, Lebensqualität und Nachhaltigkeit

PD Dr. Nicole Karafyllis

Zur Person

Privatdozentin am Institut für Philosophie der Universität Stuttgart und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Univer­sität Frankfurt am Main.

Doppelstudium der Biologie und Philosophie an den Universitäten Erlangen-Nürnberg (Diplom in Biologie mit Zweitfach Philosophie 1994, Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung), Stirling (Scotland, UK), Kairo (Ägypten), Tübingen (dort Promotion als DFG-Stipendiatin des Graduiertenkollegs "Ethik in den Wissenschaften" 1999) und Frankfurt am Main. Habilitation in Philosophie an der Universität Stuttgart 2006.

Seit 1998 bis dato wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse I (vormals: Institut für Polytechnik/ Arbeitslehre) der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, dort kommissar. Vertretung des ehemaligen Lehrstuhls von Prof. (i. R.) Dr.-Ing. Günter Ropohl seit Okt. 2004.

Weitere Tätigkeiten (Auswahl): Seit 2001 berufene Kuratorin im Kuratorium Pflanzenzüchtung und Öffentlichkeit der KWS Saat AG, Einbeck. Seit 2004 Permanent Fellow am Zentrum zur Erforschung der Frühen Neuzeit (ZFN) der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seit 2005 berufenes Mitglied im Großen Konvent der Evangel. Akademie Arnoldshain, Hessen. Seit 2006 Review Advisor für das Journal for Agricultural and Environmental Ethics (Springer-Verlag).

Seit 2007 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Zeitschrift "Erwägen Wissen Ethik".

Dissertationsschrift: Nachwachsende Rohstoffe – Technikbewertung zwischen den Leitbildern Wachstum und Nachhaltigkeit. (1999, veröffentl. Leske+Budrich 2000.)

Preis: Franzke-Preis der TU Berlin 2001 für eine "herausragende Dissertation zum Thema Technik und Verantwortung" (Stiftungstext).

Habilitationsschrift: Die Phänomenologie des Wachstums. Zur Philosophie und Wissenschaftsgeschichte des produktiven Lebens zwischen den Konzepten von "Natur" und "Technik". (2006, erscheint im transcript verlag, edition panta rei, Frühjahr 2008.)

Habilitationsvortrag: Philosophie zwischen Orient und Okzident: Thomas von Aquins Schrift gegen die Averroisten (1270) (20. Dez. 2006).

Statement

Lebens-Formen: Mensch und Ressource im Wechselspiel

Die Frage der Ressourcennutzung betrifft, gerade vor dem Hintergrund der Frage nach der Nachhaltigkeit gestellt, verschiedene Aspekte: Welche Ressourcen werden genutzt (biotische, abioti­sche, nachwachsende etc.), wo werden sie genutzt (Lokalität, Regionalität, Globalität), wie werden sie genutzt (z. B. als Stoff, Form, Information, Energie, Fläche), von wem werden sie genutzt und für welche Zwecke werden sie genutzt?

Das Gemenge an technischen Möglichkeiten, Werten und Normen, das hier betroffen ist, wird gemeinhin unter dem Stichwort "Lebensstile" diskutiert. Im Mittelpunkt der Debatte um Ressourcen steht die Frage nach dem guten Leben. Es geht um das, was der Mensch wirklich braucht – nicht nur im rein physiologischen oder materiellen Sinne. Verschiedenste Bedürfnisse und Interessen spielen dabei eine Rolle. Wie können wir angemessene Lösungen im Umgang mit Ressourcen finden und dabei Gerechtigkeit gegenüber den Menschen, jetzigen und zukünftigen Generationen, walten lassen?

Auf der Suche nach angemessenen Lebensstilen bezieht man sich immer auch auf bestimmte Menschenbilder. Die Werte, in denen das Gute und Gerechte gelebt wird, sind historisch einem Wandel unterworfen und zeigen auch interkulturell Differenzen. Dies zeigt sich insbesondere im ethischen Verhältnis von Mensch und Natur, d. h. in der Ausgestaltung der Frage, welche Natur überhaupt Ressource sein darf und sein soll. Dabei hat kulturübergreifend die wachsende und lebende Natur (Pflanzen, Tiere, Menschen) einen moralischen Sonderstatus, d. h. sie darf nur unter bestimmten Bedingungen zur Ressource werden. "Tote Natur" scheint als Ressource unproblematisch, wobei es bei genauerem Hinsehen auch hier darauf ankommt, welche symbolische Form ("Kultur") die Natur annimmt.

PSJ Metadata
Statement
PDF document karafyllis_statement.doc.pdf — PDF document, 182 KB
PD Dr. Nicole Karafyllis: Statement
In: Aus dem Vollen schöpfen? Rohstoffgewinnung, Lebensqualität und Nachhaltigkeit (Geisteswissenschaft im Dialog, 09.04.2008, Bonn - Kunstmuseum)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2008-04-09/karafyllis_statement
Veröffentlicht am: 16.02.2016 15:54
Zugriff vom: 26.01.2020 13:15
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