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Prof. Dr.-Ing. Friedrich-Wilhelm Wellmer: Statement

Geisteswissenschaft im Dialog - Aus dem Vollen schöpfen? Rohstoffgewinnung, Lebensqualität und Nachhaltigkeit

Prof. Dr.-Ing. Friedrich-Wilhelm Wellmer

Zur Person

Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. mult. Friedrich-Wilhelm Wellmer. Geboren 1940. Geboren 1940. Studium von Geologie und Bergbau an der TU Berlin und Clausthal. Promotion an der TU Clausthal 1970.

Von 1970 bis 1986 Metallgesellschaft AG (das damals größte deutsche Nichteisenmetallunternehmen): Suche und bergbauliche Entwicklung von Bunt- und Edelmetalllagerstätten in Europa, Nord- und Südamerika, Südostasien, Ozeanien und Australien; unterbrochen von dreijähriger Tätigkeit als Referent im Bundesministerium für Wirtschaft, Referat für Rohstoffwirtschaft. 1976-79 Exploration Manager Western Canada der kanadischen Metallgesellschaftstochter, 1982-86 Director of Exploration der australischen Metallgesellschaftstochter.

Seit 1987 Leiter der Abteilung Auslandsgeologie und Rohstoffwirtschaft der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. 1996 Präsident der BGR und in Personalunion des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung (NLfB) (heute Teil des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, LBEG). Lehrtätigkeit als Honorarprofessor über Wirtschaftsgeologie und Rohstoffpolitik an der TU Berlin.

Mitglied verschiedener universitärer und außeruniversitärer Wissenschaftlicher Beiräte. Träger verschiedener Auszeichnungen wie u. a. der Ehrendoktorwürden der Technischen Universitäten Clausthal und Bergakademie Freiberg oder der Georg-Agricola-Gedenkmünze der GDMB Gesellschaft für Bergbau, Metallurgie, Rohstoff- und Umwelttechnik, der höchsten Auszeichnung einer deutschen wissenschaftlichen Rohstoffgesellschaft.

Autor zahlreicher Artikel (einschließlich Lehrbücher, z. T. ins Chinesische und Russische übersetzt) auf den Gebieten Geostatistik, Rohstoffwirtschaft, Lagerstättenkunde, Rohstoffpolitik.

Pensioniert als Präsident der BGR und des NLfB seit 2005.

Statement

Wie begrenzt oder unbegrenzt sind unsere Rohstoffressourcen?

Der Mensch benötigt in der Regel nicht die Rohstoffe selbst, sondern ihre Funktionen (z. B. die elektrische Leitfähigkeit des Kupfers), die auch durch andere Rohstoffe oder technische Lösungen erfüllt werden können. Um diesen Bedarf zu decken, stehen uns drei Kategorien von Ressourcen zur Verfügung: Ressourcen aus der Geosphäre, aus der Technosphäre, d. h. Sekundärmaterialien, und die wichtigste (und unbegrenzte) Ressource überhaupt, die menschliche Kreativität, Lösungen zu finden. Die menschliche Kreativität braucht Anreize, um Lösungen zu finden. Der Anreiz in un­serem marktwirtschaftlichen System ist der Preis. Ist ein Rohstoff mit einer bestimmten Funktion im Vergleich zum Bedarf knapp, äußert sich das im Marktsignal steigender Preis – das damit anregt, neue Lösungen zu finden: neue Lagerstätten zu entdecken, Substitutionen zu entwickeln, Re­cyclingraten zu steigern oder völlig neue technische Wege zu gehen. Sind Lösungswege gefunden worden, fällt der Preis wieder auf ein normales Niveau. Das ist der Regelkreis der Rohstoffversorgung, der bisher immer funktioniert hat.

Naturgemäß stellt sich für Lösungen im Regelkreis der Rohstoffversorgung auch die Frage, wie groß die Georessourcen denn sind. Hier wird in der Regel die Zahl Reichweite der Reserven zitiert, der Quotient aus derzeit bekannten Reserven und dem Verbrauch. Diese Zahlen werden regelmäßig missverstanden, d. h. statisch interpretiert. Sie sind aber immer nur eine Momentaufnahme in einem sich dynamisch entwickelnden System. Steigt die Nachfrage, steigen auch die Reserven: Ressourcen oder noch unbekannte Geopotentiale werden durch Exploration in Reserven umgewandelt. Grenzen der Geopotentiale werden bisher nur beim Erdöl sichtbar, bei keinem anderen Rohstoff. Da alle Energierohstoffe prinzipiell austauschbar sind, ergeben sich Begrenztheitsprobleme nicht bei den klassischen nicht-erneuerbaren Rohstoffen, sondern bei den Rohstoffen Wasser, dem wichtigsten Rohstoff überhaupt, und Boden, damit also bei den Nahrungsrohstoffen, d. h. den erneuerbaren Rohstoffen.

PSJ Metadata
Statement
PDF document wellmer_statement.doc.pdf — PDF document, 181 KB
Prof. Dr.-Ing. Friedrich-Wilhelm Wellmer: Statement
In: Aus dem Vollen schöpfen? Rohstoffgewinnung, Lebensqualität und Nachhaltigkeit (Geisteswissenschaft im Dialog, 09.04.2008, Bonn - Kunstmuseum)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2008-04-09/wellmer_statement
Veröffentlicht am: 16.02.2016 15:54
Zugriff vom: 26.01.2020 12:56
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