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Prof. Dr. Jürgen W. Falter: Statement

Geisteswissenschaft im Dialog - Umbruch ’68? Überlegungen zu Politik, Gesellschaft, Sprache und Literatur

Prof. Dr. Jürgen W. Falter

Zur Person

Jürgen W. Falter, geboren 1944 in Heppenheim a. d. B.; Studium der Politik­wissenschaft und Neueren Geschichte an den Universitäten Heidelberg, Berlin (FU), Ann Arbor/Michigan und Berkeley/Cal. Diplom in Politikwissenschaft 1968, Freie Uni­versität Berlin; Promotion zum Dr. rer. pol. 1973, Universität des Saarlandes; Habilitation 1981, Universität des Saarlandes.

1973-1983 Professor für Metho­dologie der Sozialwissenschaften und Politische Soziologie an der Hochschule der Bundeswehr München; 1983-1992 o. Professor für Politikwissenschaft und Vergleichende Faschismusforschung an der Freien Universität Berlin. Seit 1993 o. Universitätsprofessor der Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

1985 Ruf an die Universität Genf (Schweiz), Ruf abgelehnt; 1999 Ruf an die Universität Bonn, Ruf abgelehnt.

1977/78 Kennedy Fellow, Harvard University; 1981/82 Visiting Professor, Johns Hopkins University, Bologna/Italien; 1992 Hill Visiting Professor, University of Minnesota. 2000–2003 Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. Mitheraus­geber der Politischen Vierteljahresschrift (PVS). Seit 2001 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Seit 2005 Dekan des Fachbereichs Sozialwissenschaften, Medien und Sport der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Forschungsschwerpunkte: Wahl- und Einstellungsforschung, Rechts- und Linksextremismusforschung, Historische Wahl- und Mitgliederforschung, Sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden. Ca. 200 Veröffentli­chungen in Fachzeitschriften, Sammelbänden und Lexika.

Buchveröffentlichungen in Auswahl:

Sind wir ein Volk? München, 2006 (Hrsg. mit Oscar W. Gabriel, Hans Rattinger und Harald Schoen).

Wächst zusammen, was zusammen gehört? Baden-Baden, 2005 (Hrsg. mit Oscar W. Gabriel und Hans Rattinger).

Handbuch Wahlforschung. Wiesbaden, 2005 (Hrsg. mit Harald Schoen).

Wahlen und Wähler. Wiesbaden, 2005 (Hrsg. mit Oscar W. Gabriel und Hans Rattinger).

Der lange Weg der Grünen. München, 2003 (mit Markus Klein).

Wirklich ein Volk? Opladen, 2000. El extremismo político en Alemania. Barcelona, 1997.

Rechtsextremismus. Opladen, 1996 (Hrsg. mit Hans-Gerd Jaschke und Jürgen Winkler).

Wer wählt rechts? München, 1994.

Hitlers Wähler. München, 1991.

Politische Theorie in den USA. Opladen, 1990 (mit Harro Honolka und Ursula Ludz).

Wahlen und Abstim­mungen in der Weimarer Republik. München, 1986 (mit Thomas Linden­berger und Siegfried Schumann).

Zur Kausal­analyse qualitati­ver Daten. Frankfurt/M., 1982 (mit Kurt Ulbricht).

Der Positivismusstreit in der amerikanischen Politik­wissenschaft. Opladen, 1982.

Faktoren der Wahlentscheidung. Köln, 1973.

Statement

Die 68er – alles andere als Demokraten?

Eine einheitliche Einstellung gegenüber der Demokratie gab es bei den Protagonisten der 68er Bewegung nicht. Einig waren sich die meisten in ihrer Ablehnung der als bloß formale Demokratie apostrophierten liberal-demokratischen bürgerlichen Form der Demokratie in der Bundesrepublik und in anderen Ländern des Westens. Neben idealistischen Vorstellungen hinsichtlich der Möglichkeiten einer direkten, massenhaften Demokratie von unten, die möglichst in Form von Räten stattfinden sollte, gab es auch Wortführer, denen eher eine Diktatur des Proletariats im streng marxistischen Sinne vorschwebte.

Die Aktionsformen der 68er waren alles andere als demokratisch, sie stellten geradezu eine Verneinung aller liberal-demokratischen Regeln zur Austragung politischer Konflikte dar. Insbesondere in den Universitäten wurden eher an totalitäre Vorbilder erinnernde Konfliktaustragungsformen (inklusive der Taktiken, die auch vom NS-Studentenbund praktiziert worden waren) gepflegt.

Das im Nachhinein von vielen Vertretern der damaligen Studentenrevolte gezeichnete Bild ist nostalgisch und beschönigend. Die anarchistischen, marxistischen, teilweise auch orthodoxen, ja dogmatischen bis totalitären Politikvorstellungen der damaligen Aktivisten werden dabei gerne unterschlagen; stattdessen wird eine liberalisierende, gesellschaftsmodernisierende Wirkung der 68er Revolte postuliert.

PSJ Metadata
Statement
PDF document falter_statement.doc.pdf — PDF document, 186 KB
Prof. Dr. Jürgen W. Falter: Statement
In: Umbruch ’68? Überlegungen zu Politik, Gesellschaft, Sprache und Literatur (Geisteswissenschaft im Dialog, 28.05.2008, Mannheim - Institut für Deutsche Sprache)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2008-05-28/falter_statement
Veröffentlicht am: 16.02.2016 15:47
Zugriff vom: 20.01.2020 16:50
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