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Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer: Statement

Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer

Zur Person

Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzerleitet die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und lehrt an der Universität Göttingen. Er studierte in Taiwan und Japan. 1979 habilitierte er sich für das Fach Sinologie mit einer Arbeit zur buddhistischen Geschichtsschreibung in China. 1981 bis 1993 hatte er den Lehrstuhl für Ostasiatische Kultur- und Sprachwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München inne. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt die Frühe Neuzeit im globalen Kontext. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Statement

"Out of area"-Einsätze – politische Verantwortung und interkultureller Dialog in einer multipolaren Welt

Militäreinsätze weit jenseits der eigenen nationalen Grenzen gibt es seit Jahrhunderten. Über die Beantwortung der Zweckmäßigkeitsfrage und der Legitimation solcher Einsätze hinaus und jenseits eigener Interessen, seien es nationale Interessen oder Bündnisinteressen, muss der Westen aus Rücksicht auf die eigenen Normen und die möglichen Interessen aller Beteiligten vor dem Hintergrund ihres historischen und kulturellen Selbstverständnisses berücksichtigen. Dagegen spricht nicht, dass solche Selbstauslegungen oft das Ergebnis von Konstruktionen sind.

Im Fall Afghanistans wird dieser Grundsatz nach wie vor nicht berücksichtigt. Was aber bedeutet das angesichts der Feststellung, dass "der wirkliche Glaubwürdigkeitstest für die Nato und auch für Obama […] Afghanistan" heißt? Aus der Analyse dieses Falles lässt sich die allgemeine These ableiten: Erst aus der Anerkennung der "Biographie" einer Region und ihrer Dynamik kann eine sinnvolle Politik abgeleitet werden. Erst auf dieser Grundlage wären dann auch "out-of-area-Einsätze" als "gerechte Kriege" zu vertreten.

Material

Mittelasien und Russland/Sowjetunion: Kulturelle Begegnungen von 1860 bis 1990. Zentralasien 13.-20. Jahrhundert. Geschichte und Gesellschaft, ed. Bert Fragner und Andreas Kappeler, Wien. S. 183-204.

Zamon va makon bo'ylab sayohat. Jadidchilik utopiyasi haqida o'ylar. (Reisen durch Raum und Zeit. Gedanken zur jadidistischen Utopie) Hayot-mamot mas'alasi. Ismoilbeg Gaspralining O'rta Osiyo bilan munosabati. Toshkent. S. 246-267.

Shukrullo: Die ohne Leichentuch Begrabenen. Erinnerungen und Gedanken eines verfolgten Dichters. Übersetzung aus dem Uzbekischen und Kommentar: Ingeborg Baldauf. Wiesbaden 2005. S. 195ff.

Ethnizität und Politik. Machtspiele in Afghanistan am Beispiel der Sprachenpolitik. Unterwegs in die Zukunft - Afghanistan- drei Jahre nach dem Aufbruch vom Petersberg Grundlagen und Perspektiven deutsch-afghanischer Sicherheitskooperation, ed. Claudia Gomm und Annett Günther, Berlin 2005. S. 266-306.

"Europa ist eine andere Welt und die Europäer sind andere Menschen” - Kommentare eines reisenden tatarischen Aufklärers (1899/1902). Europa und die Europäer. Quellen und Essays zur modernen europäischen Geschichte, ed. Rüdiger Hohls, Iris Schröder, Hannes Siegrist, Wiesbaden 2005. S. 270-276.

Die Uzbeken Afghanistans seit dem Fall der Taliban, Afghanistan Info (Neuchâtel) September 2005. S. 6-8. (Kurzbericht)

PSJ Metadata
Statement
PDF document schmidt-glintzer_statement.doc.pdf — PDF document, 181 KB
Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer: Statement
In: Die Weltordnung des 21. Jahrhunderts - Ursachen und Folgen globaler Machtverschiebungen (Geisteswissenschaft im Dialog, 29.04.2009, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung - Frankfurt a.M.)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2009-04-29/schmidt-glintzer_statement
Veröffentlicht am: 22.02.2016 10:21
Zugriff vom: 03.08.2020 19:51
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