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Prof. Dr. Hermann Knoflacher: Statement

Geisteswissenschaft im Dialog - Das verlorene Paradies. Strategien zum Klimawandel

Prof. Dr. Hermann Knoflacher

Zur Person

studierte Bauingenieurwesen, Mathematik und Geodäsie. Nach der Leitung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit unDer Weg des so genannten Fortschritts führt nicht immer über tragfähigen Boden, weist Klüfte auf, in die die Gesellschaft abstürzen kann und verleitet zu trügerischer Sicherheit und den Verzicht auf gewonnene Einsicht. Die Gefahr in einer Falle zu landen ist umso größer, je hastiger die Bewegung, je größer die Gier nach einem bestimmten Ziel und je geringer die Erfahrung. Der aus den Naturwissenschaften hervorgegangene technische Fortschritt hat im Verkehrswesen die über Jahrhunderte erworbene Weisheit „Wer es nicht im Kopf hat muss es in den Beinen haben“ vergessen lassen und auf Verkehrsarten gesetzt, deren individuelle Vorteile dank gesellschaftlich kollektiver Rücksichtslosigkeit gegenüber grundlegender menschlicher Werte die Menschheit blind für die längerfristigen Folgen gemacht hat. Man braucht gar nicht die nicht mehr wegdiskutierbare Klimaproblematik zu bemühen, um den Verlust der geistigen Mobilität der Gesellschaft ja selbst der Forschung vor allem aber auch der Industrie nachzuweisen, es sinkt die Effizienz des Gütertransportes in Deutschland ständig und es werden Systeme geplant, gebaut und betrieben, die die gleichen Effekte bei schlechterer Qualität mit höherem Aufwand an Kilometern produzieren, also dümmer sind. Studenten an meinem Institut müssen vor ihrer ersten Prüfung mit einem Protokoll nachweisen, welche Erfahrungen sie bei einer Stunde Rollstuhlfahrt oder Kinderwagenfahrt gesammelt haben und entdecken dabei die furchtbaren Fehler traditionell ausgebildeter Planer als Folge ihrer mangelhaften geistigen Mobilität. Wer Handwerker vor 40 Jahren oder heute im Haus hatte wird feststellen, dass der Wegeaufwand sich vervielfacht hat – weil man es sich leisten kann dank der um mehrere Potenzen gesteigerten physischen Mobilität auf die geistige zu verzichten. 200 Jahre Rückschritt in der geistigen Mobilität dank technischer Verkehrssysteme bleiben nicht ohne Folgen, die heute auch für die Allgemeinheit immer deutlicher sichtbar werden.d eines Ingenieurbüros wurde er Professor und Vorstand des Instituts für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der Technischen Universität Wien (1985-2007). Er vertritt das "Konzept der Sanften Mobilität", warnt dabei vor den Folgen der extensiven Nutzung des Autos und den damit verbundenen Folgen für die Umwelt.

Statement

Der Weg des so genannten Fortschritts führt nicht immer über tragfähigen Boden, weist Klüfte auf, in die die Gesellschaft abstürzen kann und verleitet zu trügerischer Sicherheit und den Verzicht auf gewonnene Einsicht. Die Gefahr in einer Falle zu landen ist umso größer, je hastiger die Bewegung, je größer die Gier nach einem bestimmten Ziel und je geringer die Erfahrung. Der aus den Naturwissenschaften hervorgegangene technische Fortschritt hat im Verkehrswesen die über Jahrhunderte erworbene Weisheit "Wer es nicht im Kopf hat muss es in den Beinen haben" vergessen lassen und auf Verkehrsarten gesetzt, deren individuelle Vorteile dank gesellschaftlich kollektiver Rücksichtslosigkeit gegenüber grundlegender menschlicher Werte die Menschheit blind für die längerfristigen Folgen gemacht hat. Man braucht gar nicht die nicht mehr wegdiskutierbare Klimaproblematik zu bemühen, um den Verlust der geistigen Mobilität der Gesellschaft ja selbst der Forschung vor allem aber auch der Industrie nachzuweisen, es sinkt die Effizienz des Gütertransportes in Deutschland ständig und es werden Systeme geplant, gebaut und betrieben, die die gleichen Effekte bei schlechterer Qualität mit höherem Aufwand an Kilometern produzieren, also dümmer sind. Studenten an meinem Institut müssen vor ihrer ersten Prüfung mit einem Protokoll nachweisen, welche Erfahrungen sie bei einer Stunde Rollstuhlfahrt oder Kinderwagenfahrt gesammelt haben und entdecken dabei die furchtbaren Fehler traditionell ausgebildeter Planer als Folge ihrer mangelhaften geistigen Mobilität. Wer Handwerker vor 40 Jahren oder heute im Haus hatte wird feststellen, dass der Wegeaufwand sich vervielfacht hat – weil man es sich leisten kann dank der um mehrere Potenzen gesteigerten physischen Mobilität auf die geistige zu verzichten. 200 Jahre Rückschritt in der geistigen Mobilität dank technischer Verkehrssysteme bleiben nicht ohne Folgen, die heute auch für die Allgemeinheit immer deutlicher sichtbar werden.

PSJ Metadata
Statement
PDF document knoflacher_statement.doc.pdf — PDF document, 180 KB
Prof. Dr. Hermann Knoflacher: Statement
In: Das verlorene Paradies. Strategien zum Überleben im Klimawandel (Geisteswissenschaft im Dialog, 05.11.2009, Mainz - Rathaus)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2009-11-05/knoflacher_statement
Veröffentlicht am: 15.02.2016 15:19
Zugriff vom: 26.01.2020 13:49