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Prof. Dr. Jost Heintzenberg: Die Welt im Klimawandel

Geisteswissenschaft im Dialog - Die Welt im Klimawandel. Strategien zum Klimaschutz und ihre Grenzen

Die Welt im Klimawandel

Prof. Dr. Jost Heintzenberg


Zur Person

leitete bis Ende 2009 das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, Leipzig. Gleichzeitig war er als Professor für "Physik der Atmosphäre" an der Universität Leipzig, Fakultät für Physik und Geowissenschaften, tätig. Er ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.

Statement

Die Energiebilanz unseres Planeten ist nicht im Gleichgewicht: Mehr Sonnenenergie bleibt im Erdsystem als in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Als Folge davon muss es so lange wärmer werden, bis die dadurch erhöhte Wärmeausstrahlung die Energiebilanz wieder ausgleicht. Verantwortlich für diese Entwicklung war mit Beginn der Industrialisierung und zunehmend in den letzten Jahrzehnten der Mensch durch die von ihm verursachten Treibhausgasemissionen, die einen wachsenden Anteil der Wärmestrahlung im Erdsystem zurückhalten.

Ein wesentlicher Teil der zusätzlichen Treibhausgasemissionen betrifft das Kohlendioxid, das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht und unglücklicherweise braucht unser Planet viele Jahrhunderte um dieses zusätzliche Treibhausgas wieder aus der Atmosphäre zu entfernen. Hinzu kommt die Trägheit unseres planetaren Wärmesystems, vor allem der Weltmeere, die uns jede Verschiebung der Energiebilanz in Richtung Erwärmung nur langsam spüren lässt. Die gleichen Verbrennungsprozesse, die die Treibhausgasmengen erhöhen, erzeugen aber auch Aerosolpartikel, die, vor allem in den industrialisierten Regionen, einen noch nicht genau bekannten dämpfenden Abkühlungseffekt durch ihre Reflektion von Sonnenstrahlung haben. Nachdem wir aber das letzte Fass Öl und die letzte Tonne Kohle verbrannt haben, fällt dieser "Sonnenschirm" durch die Selbstreinigung der Atmosphäre rasch weg, sodass dann die Energiebilanz noch stärker in Richtung Erwärmung driftet.

Vom Menschen verursacht wird es also wärmer. Die Antworten auf die Fragen, wie viel wärmer und bis wann und wo, sind aber noch mit großen Unsicherheiten befrachtet. In der Atmosphäre liegen diese Unsicherheiten vor allem in den Wolken, deren Wirkung im Klimasystem und in dem für den Menschen entscheidenden Wasserkreislauf wir noch viel zu wenig verstehen, so wenig, dass wir noch nicht einmal sicher sind, ob die Wolken mit der Erwärmung zunehmen oder abnehmen werden, das heißt ob sie die Erwärmung durch Treibhausgase dämpfen oder verstärken werden.

Wegen des zunehmenden Problembewusstseins in der Politik werden trotz dieser großen Unsicherheiten Stimmen laut, die "Geoengineering" genannte Maßnahmen gegen die Erwärmung fordern, also geplante Klimamanipulationen. Die Effektivität und die Nebenwirkungen solcher Maßnahmen sind mit unserer heutigen Kenntnis des Klimasystems nicht voraus zu sehen. Der Teufel soll also mit dem Beelzebub ausgetrieben werden und dies möglicherweise Jahrhunderte lang, bis die Treibhausgasmengen in der Atmosphäre hinreichend weit zurückgegangen sind.

PSJ Metadata
Jost Heintzenberg
Die Welt im Klimawandel
CC-BY-NC-ND 3.0
Neuere Zeitgeschichte (1945-heute)
Weltgeschichte
Politik, Wirtschaft
20. Jh., 21. Jh.
4164199-1 4046514-7
1900-2000
Klimaänderung (4164199-1), Politik (4046514-7)
PDF document heintzenberg_welt.doc.pdf — PDF document, 60 KB
Prof. Dr. Jost Heintzenberg: Die Welt im Klimawandel
In: Die Welt im Klimawandel. Strategien zum Klimaschutz und ihre Grenzen (Geisteswissenschaft im Dialog, 26.08.2010, Deutsches Museum, München - Zentrum Neue Technologien)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2010-08-28/heintzenberg_welt
Veröffentlicht am: 07.12.2010 15:45
Zugriff vom: 22.09.2020 20:15
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