Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

    Prof. Dr. Gerald Spindler: Verlagspublikation und Open Access Hand in Hand - Geschäftsmodelle und Informationszugang

    Geisteswissenschaft im Dialog – Freier Zugang für alle? Was Open Access für Wissenschaft und Verlage bedeutet

    Verlagspublikation und Open Access Hand in Hand - Geschäftsmodelle und Informationszugang

    Prof. Dr. Gerald Spindler


    Zur Person

    Prof. Dr. Gerald Spindler hat seit 1997 einen Lehrstuhl an der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen inne und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Fragen des Urheber- und Immaterialgüterrechts sowie des E-Commerce bzw. Internet- und Telekommunikations-
    rechts. Nach seinem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt am Main, Hagen, Genf und Lausanne war er in Frankfurt u. a. am Institut für Internationales und Ausländisches Wirtschaftsrecht wissenschaftlich tätig. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Für die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist er Beauftragter für Urheberrechtsfragen.

    Statement

    Open Access spaltet die Gemüter vor allem in der Geisteswissenschaft. Während einige den Untergang des publizistischen Abendlandes bereits vermuten, sehen andere im Open Access-Gedanken die Morgenröte einer neuen Informationsgesellschaft mit unzähligen Möglichkeiten. Die Wahrheit dürfte - wie so immer - in der Mitte liegen: Open Access ist und wird ein wichtiger Bestandteil der Publikationslandschaft werden, auf die sich auch Verlage einstellen müssen. Der freie Austausch von Informationen wird zu Recht zumindest für diejenigen Forschungsergebnisse eingefordert, die durch die öffentliche Hand in Gestalt von Drittmitteln finanziert werden. Allerdings darf daraus auch kein Zwang zur Open Access Publikation im Kernbereich der Wissenschaftsfreiheit nach dem Grundgesetzt abgeleitet werden, da dies jedem Wissenschaftler selbst überlassen bleiben muss. Dies schließt nicht aus, dass Universitäten und Forschungseinrichtungen gewichtige Anreize setzen können (und müssen), um mehr Open Access-Publikationen zu fördern.

    Die Rolle der Verlage in dieser sich wandelnden Landschaft wird zunehmend auf die von Gatekeepern und von Organisatoren von Qualitätssignalen (im Sinne von Reputation etwa bei Journals und Reviews) verlagert - der Mehrwert ihrer Tätigkeit wird in qualitativen Suchfunktionen und Marketingmaßnahmen liegen, die im Meer der Informationen (das auch bei Open Access besteht) dem Nutzer sinnvolle Hilfen an die Hand gibt, um die für ihn richtigen und wichtigen Informationen zu finden.

    In diesem Rahmen und angesichts der oftmals vorzufindenden Ungleichgewichtigkeit in den Verhandlungen zwischen Rechteverwertern und Autoren ist ein zwingendes Zweitverwertungsrecht, das nicht dem Layout und der Publikation in einem Verlag entspricht, aber den Kern der Publikation enthält, erforderlich, um einen möglichst freien Zugang zu Informationen, die von der öffentlichen Hand gefördert wurden, zu ermöglichen. Verlage beginnen sich darauf einzustellen. Moving walls, in Gestalt flexibler Schutzfristen, spiegeln dies ebenso wider wie Datenbanken, die von Verlagen mit aufgesetzt werden.

    Open Access und verlegerische Tätigkeit schließen sich nicht aus - ebenso wenig wie dies in der Musikbranche der Download von Musik war, die sich inzwischen in ihren Geschäftsmodellen angepasst hat.

    PSJ Metadata
    Gerald Spindler
    Verlagspublikation und Open Access Hand in Hand - Geschäftsmodelle und Informationszugang
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Neuere Zeitgeschichte (1945-heute)
    Deutschland / Mitteleuropa allgemein
    Kommunikation und Medien, Publizistik
    21. Jh.
    4011882-4 7525775-0
    2003-
    Deutschland (4011882-4), Open Access (7525775-0)
    PDF document spindler_geschaeftsmodelle.doc.pdf — PDF document, 185 KB
    Prof. Dr. Gerald Spindler: Verlagspublikation und Open Access Hand in Hand - Geschäftsmodelle und Informationszugang
    In: Freier Zugang für alle? Was Open Access für Wissenschaft und Verlage bedeutet (Geisteswissenschaft im Dialog, 29.02.2012, Wissenschaftszentrum Bonn)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2012-02-29/spindler_geschaeftsmodelle
    Veröffentlicht am: 05.04.2012 12:10
    Zugriff vom: 22.09.2020 18:13
    abgelegt unter: