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    Prof. Dr. Kai Hafez: Junge „islamische Demokratien“ und das Problem der „Indisierung“

    Geisteswissenschaft im Dialog – Wohin treibt der "Arabische Frühling"?

    Junge „islamische Demokratien“ und das Problem der „Indisierung“

    Prof. Dr. Kai Hafez


    Zur Person

    Prof. Dr. Kai Hafez ist seit 2003 Professor für Vergleichende Analyse von Mediensystemen/Kommunikationskulturen an der Universität Erfurt. Er war u. a. als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Orient-Institut tätig. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Kommunikationsprozesse zwischen der islamischen Welt und Europa/USA sowie politische Kulturen und Beziehungen zwischen der islamischen Welt und dem Westen.

    Statement

    Revolutionen sind nur scheinbar kurzfristige Ereignisse. In Wirklichkeit erstrecken sich viele Prozesse des politischen Wandels, das lehrt die Weltgeschichte, oft über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte. Dass nach den Ereignissen des Regimesturzes in Tunesien, Ägypten und Libyen Probleme beim Übergang zur Demokratie auftauchen würden, musste jedem Beobachter klar sein. Doch es gibt keinen Grund, nach der Euphorie des Anfangs nun in eine Apologetik der vermeintlichen „Islamisierung“ oder gar „Iranisierung“ der jungen arabischen Demokratien zu verfallen. Die dort etablierten Verfassungen bilden keine „Gottesstaaten“ ab, sie sind im Kern republikanisch, auch wenn nicht von einem lupenreinen Säkularismus die Rede sein kann. Auch die historischen Erfahrungen des Westens allerdings zeigen, dass Demokratie und Säkularismus keineswegs immer zeitgleich realisiert worden sind. Allerdings gibt es Mindeststandards, an die sich auch „islamische Demokratien“ halten müssen, wenn sie als Demokratien bezeichnet werden wollen.

    Die Demokratie ist gleichwohl nicht die Lösung aller Probleme in der arabischen Welt. Gerade wirtschaftliche Krisen und soziale Ungleichverteilung hat die größte Demokratie der Welt – Indien – auch nach Jahrzehnten nicht in den Griff bekommen. Die „Indisierung“ arabischer Gesellschaften ist heute vielleicht die größere Herausforderung als die „Iranisierung“, die im Westen viel zu wenig beachtet werden. Weder Islamisten noch die säkulare Opposition haben heute plausible Antworten auf die sozio-ökonomische Krise der arabischen Staaten. Wenn Europa den jungen Demokratien helfen will, muss es den Nahen Osten in einen dynamischen Wirtschaftsprozess einbeziehen, der zu beiderseitigem Vorteil sein könnte.

    PSJ Metadata
    Kai Hafez
    Junge „islamische Demokratien“ und das Problem der „Indisierung“
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Neuere Zeitgeschichte (1945-heute)
    Europa, Naher Osten
    Politikgeschichte
    2010 - 2019
    4068789-2 4015701-5 4124941-0 4027743-4 4066399-1
    2010-2012
    Arabische Staaten (4068789-2), Europa (4015701-5), Demokratisierung (4124941-0), Islam (4027743-4), Wirtschaft (4066399-1)
    PDF document hafez_demokratien.doc.pdf — PDF document, 195 KB
    Prof. Dr. Kai Hafez: Junge „islamische Demokratien“ und das Problem der „Indisierung“
    In: Wohin treibt der "Arabische Frühling"? (Geisteswissenschaften im Dialog, 04.03.2013, Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2013-03-04/hafez_demokratien
    Veröffentlicht am: 15.03.2013 09:15
    Zugriff vom: 07.08.2020 13:54
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