Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

    Dr. Andreas Mergenthaler: Arbeit und Lebensqualität im Alter: Ein Gewinn für Mensch und Gesellschaft?

    Geisteswissenschaft im Dialog – Satt, aber unglücklich?

    Arbeit und Lebensqualität im Alter: Ein Gewinn für Mensch und Gesellschaft?

    Dr. Andreas Mergenthaler


    Zur Person

    ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Er studierte Soziologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der demografischen Alterung sowie den Perspektiven und Herausforderungen, die sich aus einer alternden Gesellschaft ergeben.

    Statement

    Das Altersbild wandelt sich: In den letzten Jahren wurde das Leitbild eines zurückgezogenen, passiven Alters zunehmend durch die Vorstellung eines aktiven, ja produktiven Alters abgelöst. Mit dieser Diskussion verbindet sich die Hoffnung, dass die „Baby Boomer“ auch im hohen Lebensalter ihren Teil zu Wirtschaft und Gesellschaft im demografischen Wandel beitragen.

    Die „Potenziale des Alters“ umfassen verschiedene Formen von Arbeit: Das in diesem Zusammen-hang sichtbarste Signal ist die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters um zwei Jahre, besser bekannt als „Rente mit 67“. Die Fokussierung auf diese Regelung mag verdecken, dass es bei dem Thema "Arbeit und Produktivität" im hohen Lebensalter keineswegs nur um die Ausweitung der Lebensarbeitszeit im Sinne eines verlängerten Erwerbslebens geht. Vielmehr werden auch die Potenziale alter Menschen in der Zivilgesellschaft und Familie betont.

    Die Chancen auf ein „produktives Alter“ sind nicht gleich verteilt: Die Chancen, im Alter einer dieser Formen von Arbeit nachzugehen, sind in Abhängigkeit der Lebenslage ungleich verteilt. Gerade am Beispiel der Erwerbsarbeit zeigt sich, dass eine Verlängerung über die Rentengrenze hinaus nicht nur Ausdruck von Selbstverwirklichung oder Lebensqualität ist, sondern auch prekäre materielle Lebensverhältnisse widerspiegeln kann. So sind z.B. Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiographien im Alter auf eine Erwerbsarbeit angewiesen, um Altersarmut aufgrund einer geringen Altersrente zu entgehen oder diese abzumildern.

    Der Zusammenhang zwischen Arbeit und Lebensqualität im Alter ist vielschichtig: Der Zusammen-hang zwischen den verschiedenen Formen von Arbeit und Lebensqualität im Alter sollte daher differenziert betrachtet werden. Sind Arbeiten im Rentenalter die Folge gelebter Autonomie und Selbstbestimmung, so wirken sie sich förderlich auf die Lebensqualität aus und leisten zugleich einen Beitrag zur Solidargemeinschaft („Win-Win- Situation“); sind sie demgegenüber Ausdruck von Zwang und prekären Lebensverhältnissen, so können sie sich sogar nachteilig auf das individuelle Wohlbefinden auswirken.

    PSJ Metadata
    Andreas Mergenthaler
    Arbeit und Lebensqualität im Alter: Ein Gewinn für Mensch und Gesellschaft?
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Neuere Zeitgeschichte (1945-heute)
    Europa
    Sozial- und Kulturgeschichte
    20. Jh., 21. Jh.
    4015701-5 4068596-2 4069349-1 4006292-2 4034922-6
    1900-2012
    Europa (4015701-5), Altern (4068596-2), Berufstätigkeit (4069349-1), Bevölkerungsentwicklung (4006292-2), Lebensqualität (4034922-6)
    PDF document mergenthaler_arbeit.doc.pdf — PDF document, 182 KB
    Dr. Andreas Mergenthaler: Arbeit und Lebensqualität im Alter: Ein Gewinn für Mensch und Gesellschaft?
    In: Satt, aber unglücklich? Faktoren der Lebensqualität im Alter (Geisteswissenschaften im Dialog, 27.05.2013, Plenarsaal der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2013-05-27/mergenthaler_arbeit
    Veröffentlicht am: 30.07.2013 14:25
    Zugriff vom: 16.07.2020 04:29
    abgelegt unter: