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    Dr. Tim Tiefenbach: Ist eine glücklich alternde Gesellschaft möglich?

    Geisteswissenschaft im Dialog – Satt, aber unglücklich?

    Ist eine glücklich alternde Gesellschaft möglich?

    Dr. Tim Tiefenbach


    Zur Person

    promovierte 2011 nach seinem Studium der „Philosophy and Economics“ im Fach Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Seit Oktober 2011 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokyo. Seine Forschungsinteressen liegen auf den Gebieten der Glücks- und Institutionenökonomik sowie der Wirtschaftsethik.

    Statement

    In der asiatischen Kultur versteht man unter den vier Beschwernissen des Alters Armut, Langeweile, Einsamkeit sowie körperliche Gebrechen. Allerdings zeigt uns die Glücksforschung, dass diese vier Faktoren auch durchaus für die Lebenszu-friedenheit jüngerer Menschen relevant sind. Abgesehen von wenigen Ausnahmen, ändern sich im Übrigen die Faktoren eines glücklichen Lebens mit zunehmendem Alter nur geringfügig. So verschieben sich zwar entsprechend des Alters gewisse Prioritäten, z.B. werden Ersparnisse wichtiger als Einkommen und Hausbesitz hat mit steigendem Alter einen höheren Einfluss auf die Lebenszufriedenheit, die grundlegenden Glücksfakoren sind jedoch die gleichen: materieller Wohlstand, soziale Verbundenheit, Autonomie, die Ausübung der eigenen Kapazität sowie Gesundheit.

    Ebenfalls unverändert sind jedoch auch die persönlichen Dispositionen des Glück-serwerbs, die dem sog. Glücks-Paradox zugrunde liegen. Das Glücks-Paradox besteht darin, dass wir trotz steigendem materiellem Wohlstand keinen signifikan-ten Anstieg des Glücksniveaus beobachten können. Gründe hierfür sind einerseits die sog. „hedonische Tretmühle“, d.h., dass wir uns an ein einmal erreichtes Wohl-standniveau gewöhnen und dementsprechend nach mehr streben. Andererseits zählt nicht unser absoluter Wohlstand, sondern nur der relative sozio-ökonomische Status im Vergleich zu unseren Mitmenschen. Beide Gründe führen dazu, dass wir nach mehr Wohlstand streben, obwohl dieser uns langfristig nicht glücklich macht bzw. nicht glücklich machen kann. Man möchte meinen, dass man sich mit zu-nehmendem Alter diese Trugschlusses bewusst wird, allerdings ist dem nicht so.

    Dies wirft zwei Fragen auf:

    Einerseits ist die Frage zu stellen, ob Glück und Lebenszufriedenheit überhaupt geeignete Maßstäbe sind, die uns aufzeigen können, wie eine alternde Gesellschaft unter nachhaltigem Wachstum zu erreichen ist.

    Doch auch wenn wir von materiellem Wohlstand absehen und soziale Verbunden-heit sowie die Ausübung von Autonomie und Kapazität als Hauptziele einer altern-den Gesellschaft erklären, stellt sich die Frage inwieweit bei steigenden Staatsde-fiziten eine Gesellschaft realisierbar ist, in der ältere Menschen „erfüllenden“ und „sinn-stiftenden“ Tätigkeiten nachgehen können.

    PSJ Metadata
    Tim Tiefenbach
    Ist eine glücklich alternde Gesellschaft möglich?
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Neuere Zeitgeschichte (1945-heute)
    Europa
    Sozial- und Kulturgeschichte
    20. Jh., 21. Jh.
    4015701-5 4001446-0 4128492-6 4129186-4
    1900-2012
    Europa (4015701-5), Alter (4001446-0), Wohlstand (4128492-6), Zufriedenheit (4129186-4)
    PDF document tiefenbach_gesellschaft.doc.pdf — PDF document, 183 KB
    Dr. Tim Tiefenbach: Ist eine glücklich alternde Gesellschaft möglich?
    In: Satt, aber unglücklich? Faktoren der Lebensqualität im Alter (Geisteswissenschaften im Dialog, 27.05.2013, Plenarsaal der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2013-05-27/tiefenbach_gesellschaft
    Veröffentlicht am: 30.07.2013 14:30
    Zugriff vom: 08.04.2020 23:40
    abgelegt unter: