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Doç. Dr. Barbara Pusch: Richtungswechsel? Migration aus Deutschland in die Türkei

Geisteswissenschaft im Dialog – Einwanderungsland Deutschland?

Richtungswechsel? Migration aus Deutschland in die Türkei

Doç. Dr. Barbara Pusch


Zur Person

Doç. Dr. Barbara Pusch studierte Soziologie, Turkologie, Philosophie und Ethnologie. Ihre Dissertation beschäftigte sich mit der Grünen Bewegung in der Türkei. Sie unterrichtete zwischen 1999-2001 an der Technischen Universität Istanbul und hält Lehrveranstaltungen an der Universität Wien und der Bahçeşehir Universität. Barbara Pusch ist derzeit Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Orient-Institut Istanbul und forscht zur Migrationsproblematik in der Türkei und der Remigration aus Deutschland in die Türkei.

Statement

Seit der Anwerbung türkischer „Gast“-arbeiterInnen in den 1960er Jahren wird die Türkei in Europa primär als Entsendeland von MigrantInnen wahrgenommen. Schon in osmanischer Zeit jedoch war die Türkei auch Ziel von erheblichen Einwanderungsbewegungen. Vor allem in den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Türkei verstärkt zu einem Transit- und Einwanderungsland entwickelt. Heute begegnet man in der Türkei MigrantInnen aus vielen verschiedenen Ländern, die sich aus sehr verschiedenen Gründen und für unterschiedliche Zeitspannen im Land aufhalten. Beispiele für das bunte Mosaik der Zuwanderer sind TransmigrantInnen, illegale ArbeitsmigrantInnen, hochqualifizierte Arbeitskräfte, AsylbewerberInnen und Flüchtlinge. Unter all diesen zu- und durchwandernden Gruppen befinden sich auch immer mehr Menschen, die aus Deutschland in die Türkei abwandern.

Auch das deutsch-türkische Migrationsgeschehen verfügt über eine lange Geschichte. Diese Geschichte ist maßgeblich – aber auf keinen Fall ausschließlich (!) – durch das Anwerbeabkommen türkischer Arbeitskräfte von 1961 und den daraus resultierenden Entwicklungen und Politiken geprägt. So wird in der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte meist übersehen, dass deutsch-türkische Migrationsbewegungen von Anfang an nicht nur durch die Migration türkischer StaatsbürgerInnen nach Deutschland gekennzeichnet waren, sondern auch durch deren Rückkehr. Offizielle Schätzungen sprechen von rund vier Millionen türkischen StaatsbürgerInnen, die nach einer bestimmten Zeit in Deutschland heute wieder in der Türkei leben. Parallel zu den sich verändernden Migrationsbewegungen nach Deutschland in den letzten 50 Jahren und parallel zu den Veränderungen der türkischstämmigen Population in Deutschland hat sich dabei auch die sogenannte Remigration in die Türkei stark gewandelt.

Aber auch deutsche Staatsbürger ließen und lassen sich seit langen Jahren in der Türkei nieder. Wenngleich die Zahl von rund 90.000 bis 120.000 deutschen StaatsbürgerInnen in der heutigen Türkei im Vergleich zu den rund 2,5 Millionen Personen mit sogenanntem „türkischen Migrationshintergrund“ in Deutschland verschwindend klein ist, sind Migranten aus Deutschland im türkischen Kontext doch ebenfalls von großer Bedeutung. Deutschen StaatsbürgerInnen bilden in der Türkei heute eine der stärksten Minderheiten, unter den EU-BürgerInnen im Land stellen sie die größte Gruppe dar.

Zu den deutschen StaatsbürgerInnen in der Türkei zählen heute viele unterschiedliche Personengruppen: Bosporus-Deutsche, deren Vorfahren sich bereits im 19. Jahrhundert im ehemaligen Konstantinopel niederließen; entsandte MitarbeiterInnen deutscher Unternehmen oder Institutionen und ihre Familien; HeiratsmigrantInnen; Kinder aus deutsch-türkischen Ehen; RentnerInnen, die sich insbesondere an der Südküste niederlassen; sogenannte „Life-style MigrantInnen“; AustauschstudentInnen und in den letzten Jahren auch vermehrt deutsche StaatsbürgerInnen mit Migrationshintergrund Türkei.

PSJ Metadata
Barbara Pusch
Richtungswechsel?
Migration aus Deutschland in die Türkei
CC-BY-NC-ND 3.0
Neuere Zeitgeschichte (1945-heute)
Weltgeschichte
Sozial- und Kulturgeschichte
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Doç. Dr. Barbara Pusch: Richtungswechsel? Migration aus Deutschland in die Türkei
In: Einwanderungsland Deutschland? Migrationspolitik in lokaler Perspektive und globalem Vergleich (Geisteswissenschaften im Dialog, 03.06.2014, Köln – Fritz Thyssen Stiftung)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2014-06-03/pusch_richtungswechsel
Veröffentlicht am: 11.06.2014 15:30
Zugriff vom: 03.08.2020 20:29
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