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Prof. Dr. Dr. h.c. Assman: Statement

Geisteswissenschaft im Dialog – Im Gedenkjahr nichts Neues? Der Erste Weltkrieg und die Zukunft Europas

Prof. Dr. Dr. h. c. Aleida Assmann

Statement

Die Franzosen und Engländer sind 1918 mit ganz anderen Gefühlen aus dem Krieg herausgegangen, den sie beide bis heute ‚den Großen’ nennen. Obwohl sie die Sieger waren, stand ihre Erinnerung vor allem im Zeichen der Trauer. Sie haben auch nicht 100 Jahre gewartet, um sich an diesen Krieg zu erinnern: jährlich wird in beiden Nachbarstaaten, aber auch in Belgien, Kanada, Australien oder New Zealand  der 11. November, Tag des Waffenstillstandes 1918 an der Westfront mit Schweigeminuten begangen. Die Deutschen dagegen eröffnen just an diesem Tag ihre Karnevalsaison. Der 1. Weltkrieg wurde von den Deutschen nach 1945 vergessen, weil er zuvor in viel zu starker Erinnerung geblieben war – in einer gefährlichen Erinnerung, die Hass mobilisierte und in eine Fortsetzung des Ersten Weltkrieges mündete. Das Gedenkjahr 1914-2014 bietet für die Deutschen die Chance, ihre Erinnerungen an die Ersten Weltkrieg wieder neu zu entdecken und sie dabei auch zu ‚europäisieren’. An dieser Umperspektivierung haben Ausstellungen, die Medien und gerade auch die Historiker einen wichtigen Anteil.

PSJ Metadata
Aleida Assmann
Statement
PDF document assman_statement.doc.pdf — PDF document, 175 KB
Prof. Dr. Dr. h.c. Assman: Statement
In: Im Gedenkjahr nichts Neues? Der Erste Weltkrieg und die Zukunft Europas(Geisteswissenschaften im Dialog, 16.09.2014, Berlin - Deutsches Historisches Museum)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/2014-09-16/assman_statement
Veröffentlicht am: 16.02.2016 12:20
Zugriff vom: 26.01.2020 12:22
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