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    Prof. Dr. Arne Heise: Statement zu "Finanzkrise und Staatsverschuldung"

    Geisteswissenschaft im Dialog – Hirngespinst Willensfreiheit?

    Statement zu "Finanzkrise und Staatsverschuldung"

    Prof. Dr. Arne Heise


    Statement

    Von allen Enden des politischen und akademischen Spektrums und aus allen Teilen der EU wird die Auflösung der Europäischen Währungsunion (EWU) in seiner gegenwärtigen Form gefordert, weil sie angeblich nicht den ökonomischen Interessen der Teilnehmerländer diene, stattdessen aber mit hohen, durch eine Auflösung der Währungsunion vermeidbaren Kosten verbunden wäre.

    Demgegenüber halten die politisch Verantwortlichen weiter am Projekt Euro fest. Die EU-Kommission glaubt sogar, das Europäische Economic Governance-System (EEGS), in welches der gemeinsame Währungsraum eingebettet ist, sei der institutionalisierte Garant realwirtschaftlicher Stabilität in einem nach der Weltfinanzkrise von 2008 – 2010 zweifellos instabiler gewordenen weltwirtschaftlichem Umfeld.

    Ich argumentiere, dass das EU Economic Governance-System im zurückliegenden Krisenfall versagt hat und den Euro zu einer Zwangsjacke macht, die einige Mitgliedsländer zu erdrosseln droht.

    Es ist der institutionelle Rahmen der Politikkoordinierung in der EU (und, vor allem, in der Eurozone) – das Europäische ‘Economic Governance-System’ (EEGS) also - , der systematisch einige Mitgliedsländer der Eurozone auf einen Entwicklungspfad zwingt, der ökonomisch suboptimal ist und sich als gesellschaftlich fatal erweisen könnte. Die Reformen des EEGS, die in duzenden von Notgipfeln des Europäischen Rates durchgedrückt wurden, haben zwar die Einfriedung der Krise bewirkt und fehlende Notfallinstitutionen wie den EFSF/ESM nachträglich geschaffen. Und doch hat die Krisenbekämpfung in der Eurozone nicht funktioniert – weder in der Verhinderung einer Stagnation, noch im Umgang mit den Haushaltsproblemen oder auch nur in einer Beruhigung der Finanzmärkte – , weil die Behandlung wesentlich darin bestand, die gleiche ‘Vorkrisen-Medizin’ nur in höherer Dosierung zu verabreichen.



    PSJ Metadata
    Arne Heise
    Statement zu "Finanzkrise und Staatsverschuldung"
    CC-BY-NC-ND 3.0
    Neuere Zeitgeschichte (1945-heute)
    PDF document heise_statement.doc.pdf — PDF document, 179 KB
    Prof. Dr. Arne Heise: Statement zu "Finanzkrise und Staatsverschuldung"
    In: Staatsschulden und Finanzkrise (Geisteswissenschaften im Dialog, 08.07.2014 Hamburg – Hotel Baseler Hof)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/gid/finanzkrise-und-staatsverschuldung/prof.-dr.-arne-heise-statement-zu-finanzkrise-und-staatsverschuldung
    Veröffentlicht am: 24.07.2015 02:00
    Zugriff vom: 20.01.2020 15:35
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