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A. Rose, "Butterbemme, Kartoffeln und Soldaten"

KultGeP - Colloquien 1 (2014)

Andreas Rose

"Butterbemme, Kartoffeln und Soldaten"

Preußen-Deutschland aus britischer Sicht (1800-1871/1914)

Abstract

Im Folgenden geht es zunächst um die ersten, eher unbekannten Eindrücke und Annäherungen an das für die Briten eher unbekannte Preußen nach dem Ende des alten Reiches, wie es sich zunächst in einzelnen Reiseberichten widerspiegelte. 1 Nach den vornehmlich kulturell und weniger politisch motivierten Schilderungen beschäftigt sich der Beitrag mit der allmählichen Politisierung des Blickwinkels seit den 1830er Jahren, der ein zunehmendes britisches Interesse and Preußen-Deutschland markiert. Zum Abschluss, wird drittens, auf einige Einschätzungen insbesondere während der Reichseinigung eingegangen. Die bekannte Geschichte imperialer Streitigkeiten, wirtschaftlicher und maritimer Rivalitäten nach der Reichsgründung ist dabei an anderer Stelle nachzulesen. 2

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Nachdem Otto von Bismarck kurz vor seiner Ernennung zum preußischen Ministerpräsidenten im Sommer 1862 von einer Reise aus London zurückkehrte, schrieb er seiner Frau Johanna: "Es war recht schön da, aber über Preußen wissen die englischen Minister weniger wie [sic] über Japan und die Mongolei". 3 Der schottische Politiker Sir Mountstuart Grant Duff wollte vier Jahre später ebenfalls ein weitreichendes Desinteresse der Briten am Kontinent im Allgemeinen und an Deutschland im Besonderen erkannt haben. 4 Doch entsprach dies nicht den Tatsachen. Wie Frank Lorenz Müller feststellte, deutete Bismarcks Bericht von seiner Zusammenkunft mit Lord Palmerston und Earl Russell nicht auf eine Ignoranz gegenüber den Deutschen, der deutschen Frage oder spezifischer preußischer Umstände hin, sondern lediglich auf eine wesentlich andere Wahrnehmung hin. 5 Ein genauerer Blick auf das Geschehen verrät nämlich, dass die von Bismarck in London angesprochenen Themen des preußischen Parlamentarismus vor dem Hintergrund des Heeres- und Verfassungskonfliktes sowie dem nicht leicht durchschaubaren preußisch-österreichischen Verhältnis im Rahmen der deutschen Frage 6 , die auch für Deutsche sehr komplex und nur schwer verständlich waren, an der Themse wohl wirklich nicht durchblickt worden waren. 7 Er zeigt aber ebenso, dass sich sowohl der Premier als auch der Außenminister durchaus eine dezidierte Meinung gebildet hatten und sich für die preußischen Belange wie auch die preußische Position im Mächtegefüge interessierten. 8 Auch die von Grant Duff festgestellte Gleichgültigkeit erscheint bei näherer Betrachtung eher als die Selbstvermarktung eines Abgeordneten 9 im britischen Unterhaus, beziehungsweise eines leidenschaftlichen Reisenden, Kosmopoliten und Publizisten. 10

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Die Forschungen zu den anglo-deutschen Beziehungen im 19. Jahrhundert sind heute von der Epoche nach der Reichsgründung geprägt. Jahrzehnte wurde vor allem nach den Ursachen der intensivierten Rivalität des frühen 20. Jahrhunderts gesucht und die sogenannte "German Revolution", wie Benjamin Disraeli die Reichseinigung im Unterhaus beschrieb, als Ausgangspunkt gewählt. 11 Aus der Perspektive der Katastrophen des 20. Jahrhunderts dominerte lange ein gewisses bipolares Interpretationsmuster, geprägt von einem anglo-deutschen Antagonismus und der später entwickelten Zwei-Deutschland-Theorie . Danach unterschieden englische Betrachter Deutschlands zwischen dem kulturellen Land der Dichter und Denker, wie sie es aus den Schilderungen der Madame de Staël her kannten und dem militaristischen Potsdam seit der Zeit der Einigungskriege, unterschieden. 12 Typische Vertreter dieser Sicht unterschätzten Anfang der 1930er Jahre sogar eine Nazidiktatur, um einer erneuten "Junker-Junta" zu entgehen, 13 und keine geringere als Maggie Thatcher äußerte 1989/90 mehr als nur Vorbehalte, um den ihrer Ansicht nach unverbesserlichen preußisch-deutschen Nationalcharakter die Wiedervereinigung zu verwehren. "Zwei Mal", so die eiserne Lady im Dezember 1989, "haben wir sie geschlagen, jetzt sind sie wieder da". 14 Die historische Forschung hat seither jedoch verstärkt die Asymmetrien, Ambivalenzen und Komplexitäten anglo-deutscher Beziehungsmuster im langen 19. Jahrhundert herausgearbeitet. Von der einen, der typischen britischen Perspektive auf Preußen-Deutschland kann dabei keine Rede sein. 15

"Travelling in Frederick's Land"

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Um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert erregte Preußen-Deutschland vor allem das Interesse britischer Gelehrtenkreise. Während auf dem Gebiet der Pädagogik Deutschland schon lange eine Vorrangstellung genoss und England seine Schulanstalten nach den Prinzipien August Hermann Franckes ausrichteten, begeisterte nun die kantische Philosophie und deutsche Literatur viele englische Intellektuelle aus dem Norwich Kreis, zu dem Henry Crabb Robinson, William Wordsworth, Samuel Taylor Coleridge, Robert Southey, William Taylor u.a. gehörten. Ihre Übersetzungen Herders, Lessings und Schillers erwiesen sich nach Ansicht Peter Watsons sogar noch einflussreicher als der auch in England bekannte Bericht Germaine de Staëls De L'Allemagne von 1810. 16 1800 wurde eigens die englische Zeitschrift The German Museum or Monthly Repository of Literature of Germany ins Leben gerufen, die das wachsende Interesse an Deutschland bediente. Seit 1819 erschien im Blackwood's Magazine eine monatliche Kolumne, um den Lesern neue Werke aus Deutschland unter dem Titel Horae Germanicae vorzustellen. 17

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Die größten Vermittler deutschen Denkens im viktorianischen England waren ohne Frage Samuel Taylor Coleridge und Thomas Carlyle. Obwohl auch die Ideen von Henri de Saint Simon und Auguste Comte einen tiefgreifenden Einfluss auf viktorianische Denkmuster ausübten, hinterließ die deutsche Philosophie doch vor allem dank Coleridges und Carlyles den nachhaltigsten Eindruck. Mit ihren Artikeln über Kant und Fichte in der Edinburgh Review begeisterten sie Anfang der 1830er Jahre ihre Leserschaft, darunter so namhafte Persönlichkeiten wie George Eliot und George Henry Lewes. Letzterer legte, von Carlyle inspiriert, nach zahlreichen Reisen nach Deutschland 1855 die erste Goethe Biographie überhaupt vor.. 18 Drei Jahre später veröffentlichte Carlyle seine zweibändigen Biographie Friedrichs des Großen und übte damit großen Einfluss auf viktorianische Biographen aus. 19

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Die weniger literarisch oder philosophisch zu begeisternde britische Öffentlichkeit dagegen verband Deutschland und insbesondere Preußen vor allem mit Friedrich dem Großen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand auf den britischen Inseln geradezu ein wahrer Friedrichkult. Hunderte von Artikeln beschäftigten sich in der englischen Presse wie auch in den Periodika mit seinem Leben, seinen militärischen, ökonomischen und politischen Traktaten und den Anekdoten über ihn. Frühzeitig ins Englische übersetzt inspirierten Friedrichs Schriften dank seiner auch für Großbritannien wichtigen militärischen Erfolge die englischen Militärs sehr stark. 20 Im Alltag konnte man auf Tassen und Krügen Schriftzeilen finden, die "Frederick the Great" Respekt zollten. Die Verehrung Friedrichs des Großen noch zu dessen Lebzeiten ging so weit, dass der deutsche Lehrer und Schriftsteller Karl Philipp Moritz 1782 aus London berichtete, dass der preußische König derart von der Londoner Bevölkerung in den Himmel gelobt werde, dass sie sich viel lieber ihn als den ungeliebten Georg III. als ihren Herrscher wünschten. 21

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Diese Verehrung Friedrichs II. übertrug sich jedoch nicht auf Preußen selbst. Der preußische Staat erschien nachdenklicheren Stimmen als Kunstprodukt seiner Herrscher, nicht als natürlich gewachsener Staat. Später, nach der verheerende Niederlage gegen Napoleon bei Jena und Auerstedt im Oktober 1806 wurde es dann mit dem antiken Theben verglichen. Wie Theben, so die Vermutung, werde auch Preußen bald von selbst zugrunde gehen. 22 Umso überraschter gab sich die britische Presse, als Preußen 1813 "Charakter" bewies und sich auf die Seite der Napoleon-Gegner schlug.

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Der neu entdeckte Respekt für Preußen erreichte einen ersten Höhepunkt als General Gebhard Leberecht von Blücher auf dem Schlachtfeld von Waterloo, dem Herzog von Wellington entscheidend zu Hilfe eilte, um den verhassten Korsen ein für allemal aus Europa zu vertreiben. "A Tyrant famed for deed or Arms" hieß es etwa in einer eher mittelmäßigen, aber offenbar bekannten Ballade von 1816. 23 Obwohl Wellington selbst in seinen 1834 veröffentlichten Despatches den Eindruck zu erwecken suchte, dass er die Schlacht auch ohne Blücher siegreich gestaltet hätte, so ahnten offenbar nicht wenige seiner Landsleute, dass der "eiserne Herzog" hier eher Opfer seiner eigenen Eitelkeit geworden war und die Wahrheit eher flexibel ausgelegt hatte. 24 Ganz gleich aber, wer nun mehr zum Sieg über Napoleon beigetragen hatte, Preußen hatte sich in den Augen der britischen Öffentlichkeit erstmals als wertvoller Waffenbruder erwiesen: Es hatte schließlich nicht zuletzt geholfen, Horatio Nelson, den Nationalhelden schlechthin, zu rächen.

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Noch während der napoleonischen Kriege begann für viele Briten das "Zeitalter des Vagabundierens" durch den von Krieg gebeutelten Kontinent. 25 Diejenigen aber, die sich nun aufmachten, um das Land Friedrichs des Großen und eines möglichen Verbündeten aus der Nähe zu betrachten, schienen zunächst enttäuscht, wenn nicht gar erschrocken, über die Kargheit des Landes, in dem selbst die Pferde zuweilen so ausgemergelt und klapprig schienen, das sie nicht einmal einen Schatten warfen. 26 Manchen fiel es anfangs sogar schwer, Brandenburg, das Herz Preußens, überhaupt zu finden. Schuld daran waren zum einen die amateurhaften englischen Kartographen. Während sie sich mit aller Akribie und Genauigkeit der Kartierung der sieben Weltmeere zuwandten, zeichneten sie Mitteleuropa noch immer als große zusammenhängende Waldgebiete, die beinahe an die Schilderungen des Tacitus erinnerten. Preußen erschien darin als kaum definierbarer Teil eines unregelmäßigen und völlig chaotischen Flickenteppichs mit unzähligen Klein- und Kleinstregionen.

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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden deshalb zunächst viele Karten des 30jährigen Krieges reproduziert bevor man sich an eine detailgetreue Darstellung der mitteleuropäischen Geographie machte. Noch 1864, als die Vielfalt Mitteleuropas längst auch auf den britischen Inseln geläufig war, verzichtete der renommierte Royal Atlas noch immer darauf, die einzelnen Glieder des Deutschen Bundes dazustellen. Er begnügte sich mit einer Karte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Eine exakte Kartierung Deutschlands erfolgte erst mit der Gründung des Kaiserreiches 1871. 27

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Von dem ungenügenden Kartenmaterial abgesehen, machten aber auch die Verhältnisse vor Ort jede Reise zum Erlebnis. Selbst wenn in der Umgebung Berlins die Straßenbeschilderung und Wegweiser üppiger wurden, so verzweifelten nicht wenige Besucher an den verwirrenden Meilenangaben, die entweder alte oder neue preußische Meilen bezeichneten. Als wahres Ärgernis erwiesen sich die schlechten Straßenverhältnisse: "It is impossible for an Englishman who has never left his own country, to form any notion of the Prussian roads [...] I cannot say if we moved by land or by water [...]. To complain would be useless; moreover, the most terrible joltings, every minute threatening a general dislocation, would hazard the repining tongue being severed by the teeth." 28

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Für 30 englische Meilen, so berichtete John Carr von seinen ersten Besuchen in Preußen noch vor der Kontinentalsperre, benötige man bei diesen Bedingungen über dreizehn Stunden. Allein ein Ausflug von Berlin Mitte zum Schloss Sanssouci dauere leicht über vier Stunden. 29 Wie wenig Preußen auf Touristen eingestellt war, wurde den Besuchern bei den preußischen Gasthäusern offenbar. Wiederholt findet sich in den Schilderungen Verwunderung darüber, wie einfach bzw. ärmlich doch die preußischen "Inns" ausgestattet seien. Immer wieder müsse man sich auf größere Schlafsäle für beiderlei Geschlechter mit Betten aus Stroh einstellen, was geradezu an mittelalterliche und alles andere als "sittsame" Gelage erinnere. 30

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Noch 1820 berichtete Thomas Hodgskin von Kindern, die in der Regel unterernährt seien, und beklagte zudem eine Verlotterung der Sitten. Die Preußen machten sich offenbar keinerlei Gedanken über ihre geschlechtlichen Beziehungen! Nicht genug, dass sich verheiratete Paare offenbar um illegitime Kinder kümmerten. Hodgskin stellte empört fest, dass Paare sogar ohne kirchlichen Segen zusammenlebten. "Such is the state in some of the most enlightened parts of Germany." 31 Darüber hinaus beklagte er sich wiederholt über unbefestigte Straßen, Gasthäuser, die diesen Namen nicht verdienten, über deren ärmliche Ausstattung und die kargen Malzeiten dort, die in der Regel aus Butterbemme, Kartoffeln, Bier und schlechtem Kaffee 32 bestünden. "The reader will remember that I was not more than seventy miles from Berlin, that I was on a high road, and that houses of public entertainment had neither beds nor anything to eat. Such is the state of the dominions of the great Frederick." 33

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Das bescheidene Verpflegungsangebot, auch dies ist eine Konstante in den Berichten, stand stets im umgekehrten Verhältnis zur durchweg festgestellten Zufriedenheit, Herzlichkeit, mit der man aufgenommen wurde, sowie zum Fleiß und der schnellen Auffassungsgabe der Gastgeber. Auch wenn die Preußen kaum etwas außer Kartoffeln zu sich nähmen, legten sie bei deren Zubereitung einen bewundernswerten Einfallsreichtum an den Tag. 34 Für die Preußen, so ist zu lesen, gäbe es keinen Sonntag. Jeder Tag sei ein Arbeitstag. Jederzeit präsent seien zudem die Polizisten und Soldaten des Königs. Während erstere vor allem Ausländer wiederholt nach ihrer Identität und ihren Absichten befragten und in jedem Gasthaus anzutreffen seien, würde das Straßenbild nicht nur der zahlreichen Garnisonstädte, sondern auch der Metropolen Königsberg und Berlin von Soldaten geprägt. 35

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Vor der Schlacht bei Jena und Auerstedt gab die militärische Präsenz und der allseits zu beobachtende Drill noch Anlass zur Mythenbildung, was die militärischen Fähigkeiten Preußens anbelangte. So meinte etwa John Carr durch eigenhändige Zeitmessung festgestellt zu haben, dass der gemeine preußische Soldat dank des Drills und der verbesserten Technik der Musketen selbst mit dem minderwertigen preußischen Pulver inzwischen in der Lage sei, "to load and fire twelve times in one minute". 36 Tatsächlich war das weiter von der Wahrheit entfernt als die damaligen Musketen schießen konnten. Wenn überhaupt, so brachte es ein geübter Infanterist auch mit dem neuartigen Nodhardt Gewehr ab 1801 auf nicht mehr als vier bis fünf Schuss in der Minute und dies auch nur unter Idealbedingungen und niemals im Gefecht. Hier war eine Schussfrequenz von einem Schuss in der Minute die Regel. 37

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Anders als dies vielleicht zu erwarten wäre, gab die militärische Präsenz auf Preußens Straßen bis in die 1830er Jahre hinein noch keinen Anlass zur Kritik. Trotz zahlreicher Kontrollen betonen die britischen Reisenden in ihren Berichten weniger die mit der Polizei- und Militärpräsenz einhergehende Gängelung ihrer Freizügigkeit als vielmehr die in Preußen spürbare Sicherheit. 38 Den Untertanen des preußischen Königs selbst, so schloss bereits Carr, lägen Raubüberfälle und offene Gewalt ohnehin nicht. Sie "stibitzen lieber durch Erpressung". 39 Dass die weit herumgekommenen britischen Globetrotter offenbar größere Risiken einzugehen gewohnt waren, zeigte sich daran, dass sie auf ihren Touren zur Verwunderung der Preußen stets schwer bewaffnet waren. Angesichts der niedrigen Kriminalitätsrate in ihrem Land führten die Preußen diese seltsame Gewohnheit, so konnte man den britischen Berichten entnehmen, auf eine besondere Eigenart der Inselbewohner zurück: sich wohl die Freiheit herauszunehmen, zu jeder Tages- und Nachtzeit freiwillig aus dem Leben zu scheiden. 40

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Als krassen Widerspruch zum ärmlichen Charakter der sandigen brandenburgischen Provinz erlebten die englischen Besucher die preußischen Metropolen Königsberg, Potsdam und Berlin. Alle drei Städte könnten es ohne Mühe mit den glänzenden Kapitalen Europas aufnehmen. 41 Selbst der kritische Hodgskin zeigte sich beeindruckt von den "rechtwinkligen" Straßenzügen Potsdams, den "prächtig gestrichenen und dekorierten Häuserzeilen" der Stadt an der Havel, die ihn an seine Heimat erinnerte. Alles schien ihm sehr teuer und liebevoll erbaut, und er bezweifelte, ob die Verschwendungssucht der französischen Monarchen mit derjenigen mithalten könne, die die Hohenzollern in Potsdam und Berlin angesichts der ansonsten überall in der Provinz spürbaren Armut an den Tag legten. 42

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Schon Carr hatten die Unterschiede zwischen Provinz und Spreemetropole fasziniert. Das Berliner Porzellan, bekannte er, sei fast so schön wie das sächsische. 43 Für Hodgskin bestand nach dem Besuch von Potsdam und Berlin keinerlei Zweifel: "There are no monarchs in Europe, who, in proportion to the extent and wealth of their dominions, have built so much and so splendidly." 44 Geradezu fasziniert blickte er auf das Übermaß an Bildung, das er in Berlin mit seiner Universität, den Museen, den Galerien und den wissenschaftlichen Gesellschaften überall zu spüren schien. 45 Demgegenüber stand ein auffallend unkritischer politischer Raum. Nur zwei Zeitungen für nahezu 180.000 Einwohner seien viel zu wenig, um am politischen Leben teilzunehmen. Der preußische Monarch herrsche seiner Ansicht nach deshalb absoluter als jedes andere deutsche Staatsoberhaupt. 46

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Die noch eher zaghaften politischen Reflexionen, die sich hier zur Zeit der Demagogenverfolgung ein Jahr nach den Karlsbader Beschlüssen bereits andeuteten, mischten sich seit den 1830er Jahren regelmäßig unter die gewohnten Landschaftsschilderungen und Legendenerzählungen wie man sie noch aus dem 18. Jahrhundert kannte. Edmund Spencer, der Deutschland Anfang der 1830er und Mitte der 1860er Jahre bereiste, wie auch andere, die nun im Vormärz nach Preußen kamen, interessierten vor allem der auffallend nichtrevolutionäre Charakter der preußischen Bevölkerung, die Rolle Preußens innerhalb "der deutschen Frage" und gegenüber Österreich, die angestrebte Zollunion und natürlich ihre Konsequenzen für Großbritannien sowie die preußische Stellung im internationalen Mächtegefüge gegenüber Frankreich und Russland. 47

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Besonders aufschlussreich ist ein Vergleich der Eindrücke Spencers in seinen Sketches of Germany and the Germans aus dem Jahre 1836 mit seinen Eindrücken in den Travels in France and in Germany 1866, dreißig Jahre später. Seine ersten Feststellungen bestätigen noch einmal die bereits geschilderten Beobachtungen von einer ärmlichen Provinz mit überraschend prachtvollen Metropolen, wobei er Berlins Unter den Linden sogar die schönste Straße Europas nannte 48 . Die Preußen schilderte er als ein äußerst genügsames Volk, bei dem ihm besonders die ärmlich gekleideten Frauen auffielen, die "prototypes of the witches in Macbeth" zu sein schienen. 49 Anders als bei seinen Vorgängern machte er nun aber ein regelrechtes preußischen Unterdrückungssystem aus, angefangen bei einer durchgehenden Pressezensur über aufwendig und teuer gestaltete Meilensteinen, für die allein die Bevölkerung aufzukommen habe, bis hin zu einem ausgeklügelten Spitzel- und Polizeisystem. Spandau sei ein einziges, riesiges Gefängnis. 50 Preußen repräsentiere "the Sparta of Germany". Jeder, vom König und seinen Söhnen bis hin zum einfachen Bauern, sei ein Soldat. Das allgemeine Bildungsniveau sei deshalb zwar vergleichsweise hoch. Gleichzeitig würde das Militär aber enorme Kosten verschlingen. Das sei nur möglich, weil auch die Frauen derart gut qualifiziert seien, viele Aufgaben zu übernehmen. Den Hauptgrund für die hohe militärische Bereitschaft Preußens erkannte er indes nicht in dem Willen zum Aufstieg in den Rang einer Großmacht, sondern ausschließlich in dem Willen zur Selbsterhaltung. "The Rhenish provinces lie open to France; her possessions on the Baltic and in Poland to Russia; and Silesia to Austria." 51

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Neben der unglücklichen geopolitischen Lage meinte Spencer vor allem in der finanziellen Abhängigkeit das größte Problem Preußens zu erkennen. "The pay of the military appears low, [...] the country being poor, the enormous expenses incurred in supporting such a vast military establishment press heavily upon the people. [...] Two hundred and twenty thousand [soldiers] [...] in case of war, may be augmented by mustering the landwehr, to half a million [...] may appear an undue proportion out of a population of twelve millions and a half. [...]." Aber Preußen befände sich auch in einer außergewöhnlich "unglücklichen geopolitischen Situation": " As a natural consequence of her weakness she has severely thrown herself into the arms of her powerful neighbour, Russia." 52 Hier deutete sich bereits die halbhegemoniale Stellung 53 des späteren Kaiserreiches an, zumal sich die Nähe zum Zarenreich auch bei der gemeinsamen Unterdrückung der Polen offenbarte. Während Preußen stets bestrebt sei, nach außen seine Eigenständigkeit zu erreichen und zu erhalten, sei seit der französischen Julirevolution ein weiteres Moment zum preußischen Horizont innerhalb Deutschlands hinzugekommen. So habe die gemeinsame Unterdrückung der Polen mit Russland der preußischen Rolle innerhalb Deutschland einen Bärendienst erwiesen. Sie habe der preußischen Regierung derart viel Kredit in der Bevölkerung gekostet, dass die Regierung sich sogar gezwungen sah, zum alten Spitzelsystem aus der Zeit der Karlsbader Beschlüsse zurückzukehren und die Zensur zu verschärfen. 54

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Doch man solle sich nicht täuschen, so Spencer, bei aller Ordnung wäre es ungerecht den Preußen oder allen Deutschen einen Hang zur Illiberalität vorzuwerfen. Die Preußen seien ganz sicher nicht Sklaven eines Despoten, auch wenn es sich bei dem preußischen Regierungssystem noch immer um Absolutismus handele : "Yet public opinion acts as a controlling influence upon its exercise, preventing and restraining its abuse, hence, even an isolated act of tyranny would be certain of exciting such a commotion as might endanger the existence of the Hohenzollern dynasty." 55 Der Tod des gegenwärtigen Monarchen, so höre man aller Orten, würde das Signal zu Aufbruch eine Volksbewegung geben, zumal der Kronprinz nicht zuletzt wegen seiner Russophilie alles andere als populär sei. Während bei Hofe und in der Regierung ganz klar der russische Einfluss dominiere, seien die Engländer umso beliebter in der Bevölkerung. 56 Nicht zuletzt deshalb seien Preußen und England im Grunde genommen "natürliche Alliierte". 57 Was die innerdeutschen Verhältnisse anlangte, so glaubte Spencer fest daran, dass Preußen in nicht allzu ferner Zukunft die deutsche Frage lösen werde. 58

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Beide Bilder, das Bild des natürlichen Alliierten und das der deutschen Vormacht, griff Spencer dreißig Jahre später wieder auf. Kritik an den inneren Verhältnissen des Hohenzollernstaates sucht man nun vergebens. Fast scheint es, als habe Spencer sich von einer nationalen Aufbruchstimmung in Deutschland mitreißen lassen. Jeder, der Deutschland besuche, zweifele nicht daran, dass Preußen the "state of hope for a united Fatherland" sei. Aus jedem Gespräch höre er heraus, dass ein Krieg mit Österreich unweigerlich bevorstehe, und England sehne sich schon lange nach einem starken protestantischen Verbündeten auf dem Kontinent. 59 Preußen, dessen "heroische Vorväter uns bei Waterloo gegen Napoleon beigestanden haben", habe nun mit Bismarck "den richtigen Mann am richtigen Ort". 60 Spencer klang bereits 1865 wie Max Weber in seiner vielzitierten Freiburger Antrittsvorlesung von 1895, 61 wenn er prophezeite, man müsse den günstigen Augenblick der sogenannten Krimkriegskonstellation zu nutzen: "The country must take a place among the most powerful empires of the world. The French value money more than military glory and Russia is crippled by the Crimea." 62

Preußen – Despotie mit Zukunft

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Die Einschätzungen und Prophezeiungen aus den Reisebeobachtungen Edmund Spencers entsprachen der allgemeinen Entwicklung in der britischen Perzeption Preußens bzw. Deutschlands. Während man sich in den 1830er und 1840er Jahren zunehmend Sorgen um dessen politische Verfasstheit und innere Entwicklung machte, avancierte das Land in den 1850er und 1860er Jahre zu einem machtpolitischen Faktor und potentiellen Verbündeten gegen Frankreich und Russland. Die preußisch-deutsche Innenpolitik rückte dagegen sowohl in den Reiseberichten als auch in der Presseberichterstattung und den Gesandtschaftsberichten allmählich in den Hintergrund. 63 Hatte Lord Byron unmittelbar nach der Schlacht von Waterloo noch die Grabstätten der französischen Generäle Marceau und Hoche als Symbole für den republikanisch-französischen Anspruch auf das Rheinland interpretiert, betrachtete Edward Bulwer Lytton den Rhein 1834 selbstverständlich als deutschen Fluss, als Ursprung der jungen deutschen Nation :"As the Rhine flows, so flows the national genius." 64 In John Murray's Fremdenführern wird der Rhein noch vor der Rheinkrise von 1840 ganz selbstverständlich als "deutscher Strom" beschrieben. 65 Die internationale Funktion des deutschen Reichs begann in den Augen der Briten das politisch-konstitutionelle Ideal des Staatsgebildes zu überlagern.

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Nach der trügerischen Ruhe der 1820er Jahre konzentrierten sich die britischen Beobachtungen in den 1830 und 1840er Jahren zunächst auf die Existenz einer liberal-nationalen Oppositionsbewegung, die man in London vornehmlich als revolutionäre Bedrohung wertete. 66 Der Deutsche Bund erschien Großbritannien diesbezüglich zu schwach und unentschlossen, und auch was die Vormacht Österreich anging, zeigte man sich eher resigniert. Statt die politisch-partizipatorischen Bewegungen in fruchtbare Bahnen zu lenken, befürchtete Palmerston, dass das rigide Metternichsche System erst recht zu einer Implosion des Deutschen Bundes führen könne. Ziel Metternichs, klagte Palmerston 1832, sei es nicht, die "Revolution in Schach zu halten, sondern überall despotische Macht zu errichten". 67 Preußen erschien dagegen als Hoffnungsschimmer, trotz aller parlamentarischen Defizite und polizeistaatlicher Methoden. Die Beobachter betonten im Vergleich zu Österreich Preußens "liberalen Charakter" und charakterisierten den Hohenzollernstaat als "guardian of protestantism, the model of administration, and the patron of science." 68 "The American people are educated far beneath the standard which democracy requires, the German people generally, and the Prussians in particular far too high for the purpose of despotism." 69

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Den konservativen Revolutionsgegnern erschien Preußen sogar als einzige Hoffnung gegen das revolutionäre Frankreich auf der einen und das despotische Österreich auf der anderen Seite. Schließlich sei die liberale Demokratie ein Element, welches sich in "England allmählich entwickele, in Frankreich auf eruptive Weise und in Preußen auf chirurgische Weise". 70 Nur wenn die Demokratie sich selbst überlassen sei und sich unkontrolliert Bahn breche, werde sie gefährlich. Palmerston riet deshalb, dass "divide et impera" die Regierungsmaxime der Zeit sein müsse. 71 "The people of Germany are not like those of France, easily excited and almost as easily appeased. They may yield to superior forces for the moment, but I much doubt, when that force is withdrawn, the same scenes of disorder will not recur, unless some central authority is established which the people will be willing to respect [...] so long as Prussia can keep on imposing forces on foot, tranquility may be preserved." 72

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Eine Revolutionierung Deutschlands, wie sie seit dem Hambacher Fest von 1832 oftmals diskutiert wurde, sollte nach britischer Ansicht auf jeden Fall verhindert werden. Die Revolution von 1848/49 wurde mehrheitlich mit Argwohn statt mit freudiger Erwartung beäugt. 73 Obwohl Preußen wirtschaftlich bereits dank des Zollvereins hoch geschätzt wurde, 74 traute man Berlin machtpolitisch allerdings noch nicht viel zu. "No Nation is in a better state to repel aggression than Prussia, and none, I should say at the same time, was less disposed or less fit to act aggressively." 75 "Should Russia and France unite Prussia is lost", 76 hieß es 1836, und 1850 bemerkte man noch immer: "Prussia does not know her own intentions." 77 Das Satireblatt Punch machte sich sogar regelrecht über die notorische Angst Preußens vor Russland lustig. 78

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Wenngleich Preußen seit dem Sieg über Napoleon gemeinhin als große Nation geführt werde, so müsse man doch mit Blick auf dessen internationale Stellung zu dem Urteil kommen: "Prussia is nought". 79 Während das Zarenreich ohne Frage ein "wahrer Bär" sei, so sei Preußen höchstens "a For Bear". 80 Insbesondere der Punch entwickelte zu dieser Zeit eine auffallend große Lust, sich auch auf Kosten des preußischen Königshauses lustig zu machen. 1841 hieß es etwa, dass sich Preußen derart im russischer Abhängigkeit befände, dass der preußische Monarch sogar beim Zaren um Erlaubnis frage, wenn er Champagner trinke wolle. 81 Dass mit dem unberechenbaren preußischen "weathercock" 82 außenpolitisch nichts anzufangen sei, machte auch anlässlich der preußischen Neutralität während des Krimkrieges wieder die Runde. Für den Punch war König Friedrich Wilhelm IV. in Anlehnung an die Champagnermarke Veuve Clicquot schlichtweg der gemütlich "King Clicquot", der jeglichen Schwierigkeiten aus dem Wege gehe. 83 Dass der Punch dann im Oktober 1914 natürlich schon immer vor Preußen als internationalem Störenfried gewarnt haben wollte, ist fraglos der Weltkriegspropaganda geschuldet. 84

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Nachdenklichere Stimmen wussten aber sehr wohl, dass es sich dabei nicht um bloße Gemütlichkeit und Passivität handelte, sondern um Kalkül. Den Beobachtern war schnell klar, dass es nicht im preußischen Interesse sein würde, Frankreich und Großbritannien gegen Russland beizustehen. Zum einen, weil Russland der direkte Nachbar war. Zum anderen, weil jede Ablenkung Russlands im östlichen Mittelmeer eine Entlastung an der preußischen Grenze und bezüglich der deutschen Frage bedeutete. 85 "Those are to blame who sought assistance and support from Prussia in the hours of danger." 86 Darüber hinaus glaubten die britischen Deutschlandkenner, dass sogar eine Stärkung Russlands im preußischen Sinne sein würde, da dies mit einer Schwächung des deutschen Rivalen Österreich einher gehen würde. Noch sei Österreich die wesentlich unabhängigere Großmacht, da Preußen schon aufgrund seiner Interessen im Baltikum zum Zarenreich neigen müsse. Das Zarenreich sei die einzige Macht, die Preußen von außen zur Führung in Deutschland verhelfen könne. 87

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Daran änderten auch die monarchischen Bande nichts, die Berlin und London verbanden: 1856 war Victoria oder Vicky, die Tochter der britischen Queen und des Prinzen Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm vermählt worden. Ganz im Gegenteil. Wie in so vielen Großfamilien sollten die engen Verbindungen von nun an, statt für ein größeres Verständnis zu sorgen, immer wieder zu persönlichen Verletzungen und zu Missverständnissen führen. Dies belastete das bilaterale Verhältnis auf außerordentlich emotionale Weise. Ein originäres Problem von Beginn an war die Asymmetrie der beiden Herrscherhäuser – und wie sie wahrgenommen werden wollten. Während die Hohenzollern zweifellos eine Chance darin erblickten, zur britischen Monarchie aufzuschließen, war das britische Königshaus darauf bedacht, die Distanz und seinen Führungsanspruch aufrechtzuerhalten. So hielt die Times, die Preußen noch immer dessen Neutralität im Krimkrieg anlastete, die Verbindung für nicht standesgemäß. Queen Victoria tat ihr übriges dazu, indem sie auf eine Hochzeit in London bestand, obwohl die Zeit eine Vermählung in Berlin oder Potsdam verlangt hätte. 88

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Für die junge Victoria war das Leben am preußischen Hof von Anfang an schwierig. 89 Zu einem Problem wurde der Alltag der Prinzessin aber insbesondere durch die fortschrittliche Erziehung ihrer Eltern. Ihr Vater hatte seine Tochter dazu angeleitet, aus ihrem Herzen keine Mördergrube zu machen, und er hatte sie stets darin bestärkt, für ihre Meinungen, auch ihre wenig erwünschten politischen Meinungen, wortreich einzutreten. Von ihrer Mutter hatte sie mit auf den Weg bekommen, dass Bescheidenheit eine zu vernachlässigende Attitüde sei. Immer wieder erinnerte Queen Victoria ihre Tochter daran, dass sie eben nicht nur die Frau des preußischen Thronfolgers sei, sondern in erster Linie die Tochter der englischen Königin, der ein ganzes Weltreich zu Füßen läge: sie sei Princess Royal. 90

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Für ein erst siebzehnjähriges Mädchen in einem kleinen, fremden Land, das noch immer von vielen ihrer Landsleute als "semi-barbaric" wahrgenommen wurde, war das sicher keine leichte Bürde. 91 Dass sie ihre Aufgaben als preußische Kronprinzessin unter diesen Vorzeichen mehr schlecht als recht bewältigen würde, ahnte vor allen der preußische Ministerpräsident, Otto von Bismarck. Wenn sie "die Engländerin zuhause ließe und eine Preußin würde, kann Sie ein Segen für das Land werden. Wenn nicht, sah er den Hof von Engländern umgeben". 92 Charles Lowe, der Korrespondent der Times in Berlin, kam zu einem ähnlichen Befund. Wenn Sie weniger talentiert und perfekt in ihrer Ausbildung gewesen wäre und weniger deutlich jeden ihre Überlegenheit hätte spüren lassen, hätte sie weitaus mehr am Berliner Hof erreichen können. 93 Bescheidenheit und Weitsicht gehörten aber Mitte des 19. Jahrhunderts nicht zum Kanon der europäischen Prinzen- und Prinzessinnenerziehung. Hinzu kam, dass ihre Eltern ihr ein gehöriges Maß an Misstrauen gegenüber dem preußischen Hof mitgegeben hatten, etwa, dass sie ihre persönlichen Dinge stets unter Verschluss halten solle. 94

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Kein Wunder also, dass sie kaum etwas Positives von ihrer neuen Heimat zu berichten wusste: "Sie können sich nicht vorstellen, wie langweilig, melancholisch und sonderbar mir hier alles vorkommt, da ich von Ihnen allen und meinem geliebten England getrennt bin", hieß es etwa in einem Brief aus dem Jahre 1871. 95 Die Bevölkerung, der das alles nicht verborgen blieb, sah in ihr nie die Frau ihres künftigen Monarchen, sondern bloß "die Engländerin". Und sie selbst pflegte dieses Image nach Kräften. Der jungen Vicky ging so ziemlich alles auf die Nerven, der kalte Winter in Berlin, das karge alte Schloss, deutsche Stiefel, der Mangel an Badezimmern, dünne Silberteller, langweilige Etikette und nicht zuletzt Bismarck, den sie regelrecht verachtete. 96

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Große Bewunderung hegte sie lediglich für die preußischen Truppen. 97 Überraschend, fast schon wie eine Liebeserklärung, wirkte ihre Charakterisierung der Preußen während des Krieges gegen Österreich: "Ich muss sagen, dass die Preußen eine höher stehende Rasse sind, soweit Intelligenz und Menschlichkeit, Erziehung und Herzensgüte in Frage kommen. [...] Ich weiß sehr gut, dass sie unliebenswürdig erscheinen und sich auch schlecht benehmen können, dass sie ihre kleinen Absonderlichkeiten besitzen, aber im Herzen sind sie prächtige Menschen. Dagegen begehen die so reizenden und liebenswürdigen Österreicher barbarische Grausamkeiten, die mir die Haare zu Berge stehen lassen." 98 Letztlich galt Preußen auch ihr, dass zeigen ihre beständigen Einmischungen in die Politik Bismarcks und die Versuche, eine "liberale Kronprinzenpartei" zu etablieren, als eine Despotie mit liberaler Zukunft. 99

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Ein solches Muster findet sich auch in der schon erwähnten Betrachtung Mountstuart Grant Duffs von 1866. Wenn überhaupt ein Staat Deutschland in eine prosperierende Zukunft an der Seite Englands führen könne, dann Preußen. Dass bedeutete nicht, dass man in London einen preußisch-österreichischen Konflikt herbeisehnte, auch wenn man bereits 1849 einen "offenen Bruch für unvermeidlich" hielt. 100 Palmerston war vielmehr davon überzeugt, dass die deutsche Einheit zwar unter preußischer Führung organisiert werden müsse, dass aber Preußen dennoch in engster Allianz mit Österreich verbündet bleiben müsse, um sich zu verteidigen. 101

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Zu Beginn der 1860er Jahre wurde Preußen endgültig als Großmachtfaktor wahrgenommen, und wieder machte die Zuschreibung des "natural ally" die Runde. 102 Erstmals war 1862, also noch vor dem deutschen Krieg von 1866, auch von Deutschland als Einheit die Rede, der Preußen ohne Frage vorstehe. Obwohl man es im Gegensatz zu Frankreich und England verfassungsrechtlich noch als "unconstitutional", getragen von einem "paternal despotism" beschrieb, 103 war von nun an nicht mehr von "King Clicquot" die Rede, sondern nur noch vom "preußischen Adler". Der stolze preußische Adler wurde nun sogar in einem Atemzug der britischen Bulldogge genannt. 104

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Entscheidend dazu beigetragen hatte Otto von Bismarck. In London galt dieser als "Mann der Tat", der wisse was er wolle und dies auch mit allen Mittel zu erreichen suche. "Wickedness" wurde nun zu den bereits genannten positiven Eigenschaften der Genügsamkeit, Ordnungsliebe und der Disziplin als neuer Charakterzug der Preußen hinzugefügt. 105 Und so waren die ersten Reaktionen auf den deutsch-französischen Krieg von Verständnis geprägt. Preußen, so die englische Presse weitgehend übereinstimmend, habe dem arroganten Frankreich endlich eine Lektion erteilt, sich nicht fortwährend in die Angelegenheiten anderer Nationen einzumischen. 106 Die von Historikern bis heute so gern debattierten Kriegsursachen der Julikrise von 1870 gestalteten sich aus dem englischen Blickwinkel des Punch überraschend banal und eindeutig: "France committed a crime in attacking Germany." 107 Für Premier William Ewart Gladstone bestand kein Zweifel, dass König Wilhelm die Unverschämtheiten des Grafen Benedetti bei der Unterredung in Bad Ems auf keinen Fall hätte durchgehen lassen können. 108 So gesehen stand auch für ihn fest, wer die größere Verantwortung für die Eskalation trage.

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Solche Beobachtungen aus politischer Perspektive trafen sich mit denen der Schlachtenbummlerin Rose F. Hill, die es sich nehmen ließ, auch während des Krieges Deutschland einen Besuch abzustatten. In ihrer Reiseschilderung berichtete sie vom glorreichen Einzug der preußischen Truppen in Berlin 1871. Angesteckt vom Enthusiasmus der Berliner, aber nicht unreflektiert, betonte sie, dass es bei allem Verständnis für Frankreich vollkommen eindeutig sei, wer den Krieg vom Zaun gebrochen habe:"Be it ever remembered that Germany was forced into the war. The cruel work was thrust upon her, and she would have been wanting for honour, as well as in common sense, if she had refused to do that work." 109 Damit aber nicht genug, machte Hill kein Geheimnis daraus, dass sie überzeugt davon war, dass wenn Frankreich den Krieg gewonnen hätte, die Friedensbedingungen für Deutschland viel härter ausgefallen wären als die Bedingungen des Frankfurter Friedens. 110

"The German Revolution"

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Die deutsche historische Forschung nimmt die Gründung des Deutschen Reiches regelmäßig zum Anlass, auf eines der berühmtesten Zitate in diesem Zusammenhang überhaupt hinzuweisen. 111 Am 9. Februar 1871 attackierte der konservative Oppositionsführer im Unterhaus, Benjamin Disraeli, die Regierung Gladstone für deren Passivität während des deutsch-französischen Krieges und bezeichnete den als "deutsche Revolution": "This war represents the German Revolution, a greater political event than the French Revolution of last century [...] Not a single principle in the management of our foreign affairs, accepted by all statesmen for guidance [...] any longer exists. There is not a diplomatic tradition which has not been swept away. You have a new world, new influences at work, new and unknown objects and dangers with which to cope, [...]. The balance of power has been entirely destroyed, and the country which suffers most, and feels the effects of this great change most, is England." 112 Disraelis Landsleuten stellten sich Krieg und Gründung des Deutschen Reichs dagegen weitaus weniger dramatisch dar: Von einem ärmlichen Land und traditionell Verbündeten hatte sich Preußen-Deutschland seit Beginn des 19. Jahrhunderts zu einer modernen Großmacht und einem attraktiven Reiseziel entwickelt.

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Der deutsch-französische Krieg war noch nicht zu Ende, da rief schon der führende englische Reiseveranstalter Thomas Cook die britischen Touristen dazu auf, ihre Koffer zu packen und ihre Ferien wieder am Rhein zu verbringen: "'To the Rhine, to the Rhine!' was short time since the popular cry of Paris, supplemented by 'A Berlin, a Berlin'; the German refrain was 'Nach Paris'; and while the Rhine has been unseen by the army called by its name, the victorious Germans are on the eve of realization of what appeared, [...] an enthusiastic [...] dream. Tourist first took alarm on the banks of the Rhine and fled to Paris; now the tide has rolled back; the Rhine is free and Paris blockaded." 113 Nach dem Sieg über Frankreich kam es zu einer wahren Reisewelle ins Kaiserreich, die bis 1914 anhielt. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich dabei die Schlachtfelder der letzten Kriege, Denkmäler preußischer Heerführer sowie, nach wie vor, die ländliche Provinz. 114 Erst der Weltkrieg, so bemerkte Richard Scully kürzlich, habe das allgemein positiv bewertete Urlaubsland mit einem Schlag ins Gegenteil verkehrt. 115

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Mit dem wiederholten Hinweis auf den vermeintlichen Weitblick Disraelis soll vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs zum einen oftmals suggeriert werden, dass London mit seiner Passivität zwischen 1864 und 1871 den größten Fehler seiner Geschichte begangen habe, und zum anderen auf eine Kontinuität zwischen 1871 und 1914 verwiesen werden, die einer differenzierteren Analyse nicht standhält. 116 Bei genauerer Betrachtung belegt die Überbetonung des Disraeli-Zitates jedoch eher eine deutliche Unkenntnis über die britische Weltsicht und inneren Gemengelagen. Schließlich drückte Disraeli mit seiner politischen Bewertung keineswegs ein Mehrheitsempfinden aus. Vielmehr oblag es ihm als Oppositionsführer die Regierungspolitik zu attackieren, und so wollte er sich an sein ausdrückliches Lob für die Nicht-Interventionspolitik 1866 im Februar 1871 nicht mehr erinnern. 117 Darüber hinaus haben wir gesehen, dass sich sowohl liberale als auch konservative Regierungen seit den 1840er Jahren eine größere machtpolitische Rolle Preußens wie auch Gesamtdeutschlands als Gegengewicht zu Frankreich und Russland erhofft hatten. Auch die Einigung Deutschlands unter preußischer Führung war stets die erhoffte – und indirekt geförderte – Lösung. Die Konsequenzen daraus blieben bis auf weiteres kontrovers. 118 Dezidierte Liberale wie Freeman, Bryce und Grant Duff erwarteten beispielsweise, dass die Deutschen, die wie die Engländer die besondere Fähigkeit zur Freiheit ohne Anarchie besäßen, den vergiftenden Einflüssen des "Bismarckianism" widerstehen würden und dass der militaristische, reaktionäre und unmoralische Machtstaat die Amtszeit Bismarcks kaum überdauern werde. 119 Auch Gladstone räumte ein, dass es eine machtpolitische Veränderungen gegeben habe, aber diese müsse keineswegs zum Schaden Englands sein. 120

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Die parlamentarische Kraftmeierei Disraelis ist daher zu einem guten Teil der bis heute unzureichend erforschten streitlustigen Debattenkultur des Unterhauses und seiner Funktion als Oppositionsführer geschuldet. 121 Noch wichtiger aber erscheint, dass das erwähnte Zitat ausschließlich verkürzt und völlig aus seinem Gesamtkontext gerissen wiedergegeben wird. In der überaus langen Rede ging es mitnichten um Deutschland als eine neue kontinentale Bedrohung – das Kaiserreich wurde an keiner weiteren Stelle erwähnt. Vielmehr ging es um die weitergehenden weltpolitischen Bezüge der Reichsgründung. Statt eines deutschen Hegemons in Europa fürchtete Disraeli um negative Rückwirkungen für das Empire. Russland, so gab er sich sicher, werde sich nun von Zentraleuropa abwenden und in Asien expandieren. Hinzu käme der Ausfall Frankreichs, nicht wie man meinen könnte als europäische Großmacht, sondern als potentieller englischer Partner in Nordamerika gegen die jungen und zunehmend forsch auftretenden Vereinigten Staaten. 122 England hätte somit in Zukunft sowohl mit einer erhöhten amerikanischen als auch russischen Gegnerschaft zu seinen weltpolitischen Interessen zu tun. Es ist hier nicht der Ort, diese systemischen Zusammenhänge näher zu erläutern. Für die englische Perspektive auf Deutschland ergeben sich daraus aber immerhin zwei wesentliche Erkenntnisse:

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Erstens wurden Preußen und Deutschland seit Mitte des Jahrhunderts vor allem als willfähriger Partner gegen Russland und weitgehend passives Gegengewicht gegen Frankreich gesehen, was mit der Gründung eines deutschen Reichs aus Sicht Disraelis aber anders werden würde. Denn dann werde das Reich aus Selbsterhaltungsgründen wieder näher an Russland heranrücken müssen oder zumindest eine Gegenleistung für seine Neutralität oder sein Wohlwollen verlangen. England müsse sich dessen bewusst werden und seine Außenpolitik danach überdenken und neu gestalten. Dies könne auf drei Wegen passieren. Entweder müsse London bereit sein, Berlin für dessen machtpolitische Kooperation zu entlohnen und helfen das neue Reich in das vorhandene Staatensystem zu integrieren, oder London müsse selbst stärker werden, oder London müsse auf seine ärgsten Rivalen Frankreich und Russland zugehen, was letztlich nur auf Kosten des Kaiserreiches geschehen könne.

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Zweitens, und dass ist für den Betrachtungswinkel bisheriger und künftiger Forschungen zur britischen Außenpolitik vor 1914 mindestens ebenso relevant, begriff sich Großbritannien – das unterstrich Disraeli ein Jahr später noch einmal im Kristallpalast 123 – weniger als Mitglied der europäischen Pentarchie, denn als Weltmacht in Europa, die die kontinentalen Entwicklungen stets in einen größeren globalen Zusammenhang setzte, sie mitunter imperialen Erwägungen unterordnete bzw. für diese instrumentalisierte und immer weniger bereit war, für den kontinentalen status quo aktiv einzutreten. 124 Die bisherige Deutung einer europäischen Balance of Power-Politik Londons sowie das typische Aktion-Reaktionsschema, wie man es vom Paradigma des anglo-deutschen Gegensatzpaares als Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges her gewohnt ist, ist daher, um britisches Außenverhalten zu verstehen, insgesamt zu kontinentaleuropäisch- bzw. zu d eutschlandzentriert ausgerichtet.

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Ein Blick zurück auf die britische Wahrnehmung Preußen-Deutschlands im 19. Jahrhundert macht die wechselnden Perzeptionen und die ihnen zugrunde liegenden Motivlagen deutlich. Sie kann dazu beitragen, die Ausgangslage der Beziehungen des Britischen Empires und des Deutschen Reichs von 1871 noch einmal in Erinnerung zu rufen, um diese Beziehungen nicht vorschnell, wie es so oft und 2014 gerade wieder geschieht, allein aus Antagonismus im Vorfeld der Ersten Weltkriegs zu erklären. Denn die "deutsche Revolution" von 1871 gab sowohl dem Deutschen Reich als auch Großbritannien und den übrigen europäischen Staaten bis 1914 viele Chancen, die europäische Politik zu gestalten.

Autor:

Dr. Andreas Rose
Rheinische-Friedrich-Wilhelms Universität Bonn
Institut für Geschichtswissenschaften
Abteilung Neuzeit
Konviktstrasse 11
53113 Bonn
arose@uni-bonn.de


1 Zu den Reisen im 18. Jahrhundert vgl. Frauke Geyken: Gentlemen auf Reisen. Das britische Deutschlandbild im 18. Jahrhundert, Frankfurt a.M. 2002.

2 Etwa bei: Paul M. Kennedy: The Rise of the Anglo-German Antagonism 1860-1914, London 1980. Zum britischen Hintergrund vgl. u.a. Andreas Rose: "The writers, not the sailors" - Großbritannien, die Hochseeflotte und die 'Revolution der Staatenwelt', in: Sönke Neitzel und Bernd Heidenreich (Hrsg.): Das Deutsche Kaiserreich 1890-1914, Paderborn u.a. 2011, 221-240

3 Zit. nach: Otto von Bismarck: Werke in Auswahl, hg. von Gustav A. Rein et al., Bd. 2: Das Werden des Staatsmannes 1815-1862, Teil 2: 1854-1862, Darmstadt 2001 [künftig zit. als: WA],

4 Mountstuart Grant Duff: Studies in European Politics, London 1866, 201. Außer Odo Russell, schrieb Grant Duff noch 1876, gäbe es keinen Deutschlandexperten im Foreign Office. Mountstuart E. Grant Duff: The Pulse of Europe, in: Contemporary Review 28 (Juli 1876), 338-364, 348. Grant Duff setzte sich seit 1861 für eine Professionalisierung des diplomatischen Dienstes ein. Vgl. Report from the Select Committee on Diplomatic Service, London 1861, House of Commons Papers, Nr. 459.

5 Frank L. Müller: Britain and the German Question. Perceptions of Nationalism and Political Reform, 1830-63, London 2002, 1.

6 Bismarck, Bericht an König Wilhelm I., 8.7.1862, zit. nach: WA, Nr. 196, 442-444.

7 Größtes Manko der englischen Perspektive war dabei wohl die Fehleinschätzung hinsichtlich der liberalen Kräfte, die keineswegs, wie von Palmerston gehofft, förderlich für einen preußisch-österreichischen Ausgleich waren. Siehe Bismarck, Bericht an König Wilhelm I., 8.7.1862, zit. nach: WA, Nr. 196, 442-444.

8 Nicht von ungefähr fragte Palmerston Bismarck nach dessen Position gegenüber Frankreich und Russland. Siehe Bismarck, Bericht an König Wilhelm I., 8.7.1862, zit. nach: WA, Nr. 196, 442-444.

9 Vgl. z.B. Grant Duff im Unterhaus über das deutsche Schulwesen, 9.7.1875, Hansard Parliamentary Debates, 3rd Series, Bd. 225, Sp. 1267-1276.

10 Vgl. Grant Duff: The Pulse (wie Anm. 4), 338-364.

11 Im Folgenden werden Preußen und Deutschland weitgehend synonym verwandt, wie es auch bei Zeitgenossen während des 19. Jahrhunderts zunehmend üblich wurde, zumindest solange sie nicht dezidiert von anderen deutschen Landesteilen sprachen.

12 Exemplarisch: Kennedy: Antagonism (wie Anm. 2).

13 Zit. nach: Andreas Rose: Die Fleet Street und das Ende Weimar-Deutschlands – Britische Pressestimmen zum Fall der ersten Deutschen Republik und dem Aufstieg Hitlers, 1930-1933, in: Jürgen Luh et al. (Hg.): Preußen, Deutschland und Europa, 1701-2001, Groningen 2003, 216-233, 217.

14 Geppert, in Luh et al. (wie Anm. 13), 234-250, 246.

15 Vgl. Richard Scully: British Images of Germany. Admiration, Antagonism and Ambivalence 1860-1914, Basingstoke 2012.

16 De L'Allemagne von Madame de Staël wurde 1813 in der Edinburgh Review in Auszügen abgedruckt. The Edinburgh Review 22/43 (1813), 198-238.

17 Vgl. Peter Watson: Der Deutsche Genius. Eine Geistes- und Kulturgeschichte von Bach bis Benedikt XVI., München 2010, 334-336. Die Serie lief bis 1828. Siehe Blackwood's Magazine im Periodicals Archive Online.

18 Watson: Genius (wie Anm. 19), 337

19 Zu Coleridge, Carlyle, Lewes und Eliot und Deutschland vgl. Rosemary Ashton: The German Idea. Four English Writers and the Reception of German Thought, 1800-1860, Cambridge 1980.

20 Bereits eine rudimentäre Recherche in den einschlägigen britischen Periodika zwischen den 1740er Jahren und dem ersten Weltkrieg ergab über 2600 Treffer an Aufsätzen über den Preußenkönig im Periodicals Archive Online. Darunter u.a.: Anon.: Art. 18. The Prussian Campaign. A poem: celebrating the achievements of Frederick the Great, in the years 1756-57, in: The Critical review, or, Annals of literature 6 (Juli 1758), 81-83; Anecdotes and Particulars of Frederick the Great late King of Prussia, in: New London Magazine, 1785-1789 2/17 (Oktober 1786), 511-513.

21 Carl Philipp Moritz: Travels in England in 1782, London 1924, 65, 118.

22 Anon.: A Cursory View of Prussia from the Death of Frederick II. To the Peace of Tilsit, in: The Monthly Review or Literary Journal 59 (1809), 351-356, 352

23 The Tyrant famed for deeds of Arms, written by a Lady, and dedicated to Field Marshal Prince Blucher, in: Monthly Magazine 41/283 (May 1816), 344. Vgl. Anon.: The Life and Campaigns of Field-Marshal Prince Blucher of Wahlstatt, from the Period of his Birth, down to his Second Entry into Paris, in 1815; comprehending not only authentic Biographical Incidents of the leading Military Characters of both the French and Confederate Armies, but much novel interesting Matter, in: Monthly Review, or, Literary Journal, 79 (Feb. 1816), 125-135.

24 Andrew Roberts: Napoleon and Wellington, London 2002, 212, 307-209.

25 Anon.: Voyages and Travels, in: The Annual Review and History of Literature 2 (Jan. 1803), 1-3; Anon.: Travels and Travellers, in: Dublin University Magazine 22/128 (August 1843), 154-176, 154; Zum "Reisezeitalter" vgl. auch: Colin Dyer, The European as experienced by travellers in 1792, in: European Studies 22/1 (1992), 39-70.

26 John Carr: Northern Summer or Travels round the Baltic through Denmark, Sweden, Russia, Prussia and Parts of Germany in the year 1804, Hertford 1806, 301.

27 Scully: British Images of Germany (wie Anm. 15), 15-16.

28 Carr: Northern Summer (wie Anm. 28), 282-283; vgl. Thomas Hodgskin, Travels in the North of Germany, 2. Bde., Edinburgh 1820, Bd. 1, 71

29 Hodgskin: Travels (wie Anm 30), Bd. 1, 71.

30 Hodgskin, Travels (wie Anm. 30), 61.

31 Hodgskin, Travels (wie Anm. 30), 61.

32 Dabei handelte es sich wohl um den seit der Kontinentalsperre als Muckefuck bekannten Getreidekaffee.

33 Hodgskin, Travels (wie Anm. 30), 116.

34 Anon.: ART. V. Travels through France and Germany, in the Years 1815, 1816, and 1817; comprising a View of the Moral, Political, and Social State of those Countries; interspersed with numerous Historical and Political Anecdotes, derived from Authentic Sources, in: Edinburgh Review 8 (1817), 371-390, 387.

35 Carr: Northern Summer (wie Anm. 28), 45, 115; Edward Spencer: Sketches of Germany and the Germans: including a Tour in parts of Poland, Hungary, and Switzerland. By An Englishman resident in Germany, London 1836, 106.

36 Carr: Northern Summer (wie Anm. 28), 292.

37 Vgl. dazu etwa Georg Ortenberg: Waffen der Revolutionskriege 1792-1848, Bonn 1988, 55.

38 Hodgskin, Travels (wie Anm. 30), 83.

39 "Prussians pilfer in the shape of extortion and for a pistol they present a bill". Carr: Northern Summer (wie Anm. 28), 290.

40 "Having seen many Englishmen travel through their country with a moveable arsenal of arms in their carriages, united to the received opinion that suicide prevail more in England than in any other country, they conclude that the preparation is not against robbers, but to furnish their owner with a choice of death". Zit nach: Carr: Northern Summer (wie Anm. 28), 290.

41 Carr: Northern Summer (wie Anm. 28), 302.

42 Hodgskin: Travels (wie Anm. 30), 80.

43 Carr: Northern Summer (wie Anm. 28), 69.

44 Hodgskin: Travels (wie Anm. 30), 80.

45 Hodgskin, Travels (wie Anm. 30), 85.

46 Hodgskin, Travels (wie Anm. 30), 85.

47 Vgl. Edward Bulwer-Lytton: Pilgrims of the Rhine, London 1834; Spencer, Sketches of Germany (wie Anm. 37); Adolphus Slade: Travels in Germany and Russia, including a Steam Voyage, by the Danube, from Vienna to Constantinople, in: The Gentleman's Magazine: and historical review (1840), 115-133; Anon.: The Fermentation of Europe by the Economist, London 1848; Anon.: Germany unmasked, London 1848; Bisset Hawkins: Germany. The Spirit of her History, Literature, Social Condition and National Economy, London 1838.

48 Spencer: Sketches (wie Anm. 37), 55-58.

49 Spencer: Sketches (wie Anm. 37), 55-58.

50 Spencer: Sketches (wie Anm. 37), 5, 28-29, 49-51.

51 Spencer: Sketches (wie Anm. 37), 30, 88-90.

52 Spencer: Sketches (wie Anm. 37), 90.

53 Ludwig Dehio, Deutschland und die Epoche der Weltkriege, in: Historische Zeitschrift 173 (1952), 77-94, 80.

54 Spencer: Sketches (wie Anm. 37), 93.

55 Spencer: Sketches (wie Anm. 37), 94-95.

56 Spencer: Sketches (wie Anm. 37), 94-95.

57 Spencer: Sketches (wie Anm. 37), 141.

58 Spencer: Sketches (wie Anm. 37), 147.

59 Edmund Spencer: Travels in France and Germany in 1865 and 1866, 2 Bde., London 1866, Bd. 2 86.

60 Spencer, Travels (wie Anm. 59), Bd. 2, 87.

61 "Wir müssen begreifen, dass die Einigung Deutschlands ein Jugendstreich war, den die Nation auf ihre alten Tage beging und seiner Kostspieligkeit halber besser unterlassen hätte, wenn sie der Abschluss und nicht der Ausgangspunkt einer deutschen Weltmachtpolitik sein sollte." Max Weber, zit. nach: Wolfgang J. Mommsen: Max Weber und die deutsche Politik 1890-1920, 3. Aufl. Tübingen 2004, 74.

62 Mommsen: Weber (wie Anm. 63), 74.

63 Zu den Gesandtschaftsberichten vgl. Markus Mößlang et al. (Hg.): British Envoys to Germany, bislang 4 Bde., Cambridge 2000-2010.

64 Bulwer-Lytton: The Pilgrims (wie Anm. 49), 102.

65 Jennifer Speake (Hg.): Literature of Travel and Exploration, Bd. 3, New York 2003, 1006.

66 Frank L. Müller: "The Enlightened Views of the Prussian Monarch": Preußen als Hoffnungsträger britischer Reformvorstellungen für Deutschland 1830-1863, in: Jürgen Luh et al. (Hg.): Preußen, Deutschland und Europa, 1701-2001, Groningen 2003, 197-215, 199.

67 Müller: Enlightened Views (wie Anm. 66), 205.

68 Vgl. "Each day the necessity of submitting to the supremacy of Prussia is felt more strongly", Cowley an Palmerston, 8.7.1849, zit. nach: Mößlang: Envoys (wie Anm. 65), Bd. 3, 72.

69 Besprechung von: J. Venedey, Preussen und Preussenthum, Mannheim 1839, in: Westminster Review 37/1 (Januar 1842), 134-172, 155.

70 Westminster Review (wie Anm 71), 138.

71 Zit. nach: Müller: Enlightened views (wie Anm. 68), 205.

72 Cowley an Palmerston, 8.7.1849, zit. nach: Mößlang: Envoys (wie Anm. 65), Bd. 3, 72-73, 73.

73 Müller: Enlightened Views (wie Anm 68), 200.

74 Anon.: The Prussian commercial league, in: The British and Foreign review 1/2, (Oktober 1835), 544-562.

75 Russell an Palmerston, Juni 1836, zit. nach: Mößlang: Envoys (wie Anm. 65), Bd. 2, 145-148, 147.

76 Russell an Palmerston, 28.12.1836, ebd., 151-154, 153.

77 Cowley an Palmerston, 12.8.1850, zit. nach: Mößlang: Envoys (wie Anm. 65), Bd. 3, 88-90, 90.

78 The Punch, Vol. 1, 1841, 115.

79 The Punch (wie Anm. 78), 129.

80 The Punch (wie Anm. 78), 266.

81 The Punch (wie Anm. 78), 360.

82 The Punch (wie Anm. 78), 387.

83 The Punch, Vol. 31, 1856, 39.

84 The Punch and the Prussian Bully, London 1914.

85 Vgl. etwa: Russell an Palmerston, 28.12.1836, zit. nach: Mößlang: Envoys (wie Anm. 65), Bd. 2, 151-154, 154.

86 Cowley an Palmerston, 7.10.1850, zit. nach: Mößlang: Envoys (wie Anm. 65), Bd. 3, 94-96, 96.

87 Anon.: Our Policy towards Prussia and Austria, in: Bentley's Micellany, 35 (1.1.1854), 625-639, bes. 625. Vgl. dazu die Stellungnahme Lord Russells gegenüber Prinz Albert vom April 1850, zit. nach: Müller, Enlightened Views (wie Anm 68), 212.

88 John Van der Kiste: Dearest Vicky, Darling Fritz. Queen Victoria's eldest daughter and the German Emperor, Gloucestershire 2001, 27.

89 Vgl. Rainer von Hessen (Hg.): Victoria Kaiserin Friedrich (1840-1901). Mission und Schicksal einer englischen Prinzessin in Deutschland, Frankfurt 2002.

90 Queen Victoria and Victoria, 6.6.1858, zit. nach: Hannah Pakula, An uncommon woman. The Empress Frederick, New York 1995, 106.

91 Vgl. zu diesem Zusammenhang Van der Kiste: Dearest Vicky, Darling Fritz (wie Anm 90), bes. 37-47.

92 Bismarck an Leopold von Gerlach, 8.4.1856, zit. nach Van der Kiste: Dearest Vicky, Darling Fritz (wie Anm 90), 28.

93 Van der Kiste: Dearest Vicky, Darling Fritz (wie Anm 90), 28.

94 Karina Urbach: Queen Viktoria. Eine Biographie, München 2011, 140-141

95 Sir Frederick Ponsonby (Hg.): Briefe der Kaiserin Friedrich, Berlin 1929, 17-18.

96 Ponsonby: Briefe (wie Anm. 9 5 ), 17; Van der Kiste Van der Kiste: Dearest Vicky, Darling Fritz (wie Anm 90), 38.

97 Ponsonby: Briefe (wie Anm. 9 5 ), 68.

98 Ponsonby: Briefe (wie Anm. 9 5 ), 68-69.

99 Frank L. Müller: Der 99-Tage Kaiser. Friedrich III. von Preußen, Prinz, Monarch, Mythos, Berlin 2013, 56, 100.

100 Cowley an Palmerston, 8.7.1849, Mößlang: Envoys (wie Anm. 65), Bd. 3, 72-73.

101 Westmorland an Palmerston, 19.7.1849, Mößlang, (wie Anm. 65), Bd. 3, 148.

102 Times, 13.4.1860.

103 The Punch, Vol. 43, 1862, 185.

104 The Punch, Vol. 50, 1866, 185.

105 The Punch, (wie Anm. 104), 201.

106 The Times, 15.7.1870; The Economist, 16.7.1870; The Spectator, 16.7.1870; Daily News, 16.7.1870. Zu den Pressestimmen vgl. Dora Neill Raymond: British Policy and Opinion during the Franco-Prussian War, New York 1967, 67-86.

107 The Punch, Vol. 60, 1871, 254.

108 William E. Gladstone: Gleanings of Past Years 1851-1877, Foreign, New York, 1879, 217.

109 Rosa F. Hill: To, at and from Berlin, London 1871, 40.

110 Hill; To, at and from (wie Anm. 109). Die kontrafaktische Frage nach den eventuellen Friedensbedingungen Frankreichs im Falle eines Sieges über Deutschland ist bislang von der Forschung ignoriert worden.

111 Vgl. Klaus Hildebrand: Das vergangene Reich. Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Hitler, Stuttgart 1995, 14; Volker Ullrich: Die nervöse Großmacht 1871-1918. Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreiches, 2. Aufl., Frankfurt a.M. 2010, 27.

112 Benjamin Disraeli, 9.2.1871, Hansard Parliamentary Debates 3rd Series, Vol. 201, Sp. 70-96, 81.

113 Thomas Cook: Routes to the Continent, Letter to the Editor, in: The Times, 13.9.1870, 3.

114 Scully: British Images of Germany (wie Anm. 15), 59.

115 Scully: British Images of Germany (wie Anm. 15), 45.

116 Vgl. Hildebrand: Das vergangene Reich (wie Anm. 111), 14; Ullrich: Die nervöse Großmacht (wie Anm. 111), 27.

117 Vgl. W.F. Moneypenny/G.E.Buckle: The Life of Benjamin Disraeli, Earl of Beaconsfield, Bd. 4, London 1916, 467.

118 Vgl. Klaus Hildebrand: Die Reichsgründung im Urteil der britischen Politik, in: Francia 5 (1977), 399-424, 401-409, 413-416.

119 E. A. Freeman: Four Ox ford Lectures, London 1888, 46; J. A. L. Fisher: James Bryce, 2 Bde., London 1927, Bd. 1, 311, Bd. 2, 126-127; Grant Duff, Studies, 250-251.

120 William E. Gladstone: Gleanings from past Years, 1851-1877, New York 1879, 198-200.

121 Bis heute konzentriert sich die britische Politikgeschichte vornehmlich auf den sogenannten "official mind"- bzw. "high politics"-Ansatz, der davon ausgeht, dass die Entscheidungsträger Westminsters i.d.R. immun von der englische Presse bzw. öffentlichen Debatten handelten. Ausnahme jüngst:

122 Benjamin Disraeli, 9.2.1871, Hansard Parliamentary Debates 3rd Series, Vol. 201, Sp. 70-96, 89.

123 H. Viebrock (Hg.): Benjamin Disraeli im Kristallpalast am 24.6.1872, Wiesbaden 1968.

124 Als Zäsur für die Bereitschaft zur aktiven Unterstützung der europäischen Pentarchie kann u.a. das Ende der Mittelmeerentente von 1896, spätestens aber der pro-russische Kurs unter Edward Grey ab 1907 angesehen werden.

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PSJ Metadata
Andreas Rose
"Butterbemme, Kartoffeln und Soldaten"
Preußen-Deutschland aus britischer Sicht (1800-1871/1914)
CC-BY-NC-ND 3.0
Frühe Neuzeit (1500-1789), Neuzeit / Neuere Geschichte (1789-1918)
Deutschland / Mitteleuropa allgemein, Großbritannien, Preußen bis 1947
Kultur- und Mentalitätsgeschichte, Politikgeschichte, Sozial- und Kulturgeschichte
19. Jh., 20. Jh.
4011882-4 4022153-2 4047194-9 4020517-4 4020526-5 4071769-0
1800-1914
Deutschland (4011882-4), Großbritannien (4022153-2), Preußen (4047194-9), Geschichte (4020517-4), Geschichtsbewusstsein (4020526-5), Geschichtsbild (4071769-0)
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A. Rose, "Butterbemme, Kartoffeln und Soldaten"
In: Perspektivwechsel – Ein anderer Blick in die Geschichte Brandenburg-Preußens. Beiträge des ersten Colloquiums in der Reihe „Kulturgeschichte Preußens - Colloquien“ vom 11. Oktober 2013, hg. von Jürgen Luh (KultGeP - Colloquien, 1)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/kultgep-colloquien/1-2014/rose_butterbemme
Veröffentlicht am: 06.10.2014 16:26
Zugriff vom: 07.04.2020 07:51
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