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U. Sträßner: Elisabeth von Dänemark und die Reformation in Brandenburg

KultGeP - Colloquien 2 (2016)

Ulrike Sträßner

Elisabeth von Dänemark und die Reformation in Brandenburg

Abstract

Der brandenburgischen Kurfürstin Elisabeth von Dänemark wird in der Forschung ein großer Einfluss auf die Reformation in Brandenburg zugesprochen. Teilweise wird sie gar zur Reformationsheldin oder Märtyrerin stilisiert. Als zentrale Belege für ihren reformatorischen Einfluss werden die Quellen zu den Ereignissen rund um ihr Bekenntnis zum Luthertum und ihre aufsehenerregende Flucht nach Sachsen und ihre hart verhandelte Rückkehr nach Brandenburg angeführt. Der Aufsatz erweitert das Quellenspektrum und hinterfragt anhand dessen diese traditionellen, sich stets wiederholenden Erzählmuster zur Lebensgeschichte Elisabeths von Dänemark sowie die daraus resultierende Bewertung ihrer Person. Dabei zeigt sich, dass die Frage nach dem Einfluss der Kurfürstin auf das Reformationsgeschehen in Brandenburg für ihre verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich betrachtet und beantwortet werden muss.

Einführung

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Elisabeth von Dänemark (1485–1555) ist insbesondere in der älteren landesgeschichtlichen Forschung zu Brandenburg-Preußen, die sich weitgehend auf männliche Akteure beschränkt, eine relativ bekannte und oft thematisierte Kurfürstin. Auf sie wird meist dann rekurriert, wenn es den vermeintlichen Makel der späten Reformation in Brandenburg zu kaschieren gilt. In den verschiedenen Publikationen des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts wird Elisabeth überwiegend in den Kontext einer landesgeschichtlich-patriotisch motivierten sowie eindeutig protestantisch geprägten Herrscherschau der regierenden Hohenzollern eingeordnet. Sie wird dort vorrangig in religiös bedingter und gerechtfertigter Opposition zu ihrem Ehemann Joachim I. (1484–1535) dargestellt und zu einer Reformationsheldin stilisiert.1

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In den wenigen Publikationen jüngerer Zeit, die sich mit Elisabeth von Dänemark befassen, wird sie dagegen meist herausgelöst aus dem landesgeschichtlichen Kontext behandelt und steht in einer Reihe mit anderen bedeutenden Frauen der Reformationszeit. Auffällig ist dabei, dass diese die Erzählmuster und Bewertungen aus der älteren Literatur übernehmen.2 Ein erneuter Blick in die Quellen fördert allerdings ein anderes Bild von Elisabeth und ihrer Rolle bei der Einführung der Reformation in Brandenburg zutage.3

Elisabeth von Dänemark im traditionellen Erzählmuster

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Die 1485 geborene dänische Königstochter Elisabeth kam 1502 mit knapp 17 Jahren durch ihre eheliche Verbindung mit dem nur unwesentlich älteren Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg nach Cölln an der Spree.4 Aus der anfangs harmonischen Ehe gingen die fünf Kinder Joachim (1505), Anna (1507), Elisabeth (1510), Margaretha (1511) und Johann (1513) hervor.

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Im Laufe der 1520er Jahre entfremdeten sich die Eheleute jedoch zunehmend voneinander.5 Während Kurfürst Joachim bemüht war, jeglichen reformatorischen Einfluss von seinem Fürstentum fernzuhalten,6 bekannte sich Elisabeth 1527 unter dem Einfluss ihres Bruders, König Christian II. von Dänemark, zum Luthertum indem sie sich das Abendmahl in beiderlei Gestalt reichenließ.7 Joachim war über das Handeln seiner Frau empört, gewährte ihr aber bis zum Osterfest 1528 Bedenkzeit. Nach deren Ablauf sollte Elisabeth wieder die Messe in althergebrachter Form besuchen. Zeitgleich berief Joachim eine Kommission aus Bischöfen, Äbten und Rechtsgelehrten ein, um zu beraten, was zu tun sei, wenn die Kurfürstin am Luthertum festhalte. Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass weder Scheidung noch Hinrichtung optimale Lösungen seien, und plädierte für eine dauerhafte Arrestierung.8

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Währenddessen mobilisierte Elisabeth ihre Verwandten, um ihren Mann zum Einlenken zu bewegen und einen Ausweg aus ihrer Bedrängnis zu finden. Vor Ablauf der Frist floh sie, während ihr Mann auf Reisen war, in der Nacht vom 24./25. März 1528 nach Torgau zu ihrem Onkel, Kurfürst Johann von Sachsen (1468–1532), der ihr zuvor Zuflucht angeboten hatte.9

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Joachims Forderung, der sächsische Kurfürst möge ihm seine Frau umgehend zurückschicken, wurde nicht erhört. Zahlreiche hochrangige Personen von katholischer und lutherischer Seite versuchten zwischen den Eheleuten zu vermitteln, waren aber erfolglos.10 Die unterschiedlichen und unnachgiebigen religiösen Einstellungen der Eheleute und ihre Forderungen aneinander führten letztlich zum Beziehungsabbruch.

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Zu Lebzeiten Johanns von Sachsen lebte Elisabeth an dessen Hof und wurde von ihm unterhalten, da sie – anders als erhofft und vielmals gefordert – aus Brandenburg keine finanziellen Mittel erhielt. Nach dem Tod des Kurfürsten im August 1532 lebte sie bei dessen Sohn Johann Friedrich I. (1503–1554), der sie jedoch nicht mehr im selben Maße zu unterhalten vermochte. Zunehmend beklagte sich Elisabeth bei ihren Söhnen und den brandenburgischen Ständen über ihre Mittellosigkeit und ihren schlechten Gesundheitszustand.11

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Auch nach dem Tod ihres Mannes 1535 kehrte Elisabeth trotz Bitten ihrer Söhne und erneuter Verhandlungen nicht nach Brandenburg zurück, da sie keine Einigung über ihre Religionsausübung in ihrem Wittum mit ihrem Sohn Joachim II. finden konnte. Allerdings verständigten sich Joachim II. und sein jüngerer Bruder Johann von Brandenburg-Küstrin darauf, der Mutter das im Ehevertrag festgesetzte Wittum auszuzahlen. So konnte sie eine eigene Hofhaltung in Schloss Lichtenburg bei Prettin einrichten.12 Während ihres Aufenthalts in Sachsen stand sie in engem Kontakt zu Luther und wohnte während einer Krankheit mehrere Monate bei ihm.13

Erst 1545 im Alter von 60 Jahren kehrte Elisabeth nach mehr als 17 Jahren Exil nach Brandenburg zurück. Ihre Söhne und somit auch das Land waren inzwischen lutherisch geworden. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie bis zu ihrem Tod im Juni 1555 überwiegend auf ihrem Witwensitz Spandau.14

Elisabeth von Dänemark im traditionellen Bewertungsmuster

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Diese in sich logisch und konsequent erscheinenden Lebensbeschreibung Elisabeths wurde in der Forschung mit einer Bewertung ihres Handelns verknüpft. In den Beiträgen aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert15 erfährt die Fürstin eine überwiegend positive Bewertung und wird im hagiografischen Stil zur Ikone der brandenburgischen Reformation stilisiert.16 So heißt es beispielsweise bei Carl-Julius Stanislaus Czilsky: "Ausgezeichnet durch Klarheit des Geistes, Glaubenseifer, Märthyrermuth und gediegene Frömmigkeit glänzte die hohe Frau [...] als ein hellleuchtendes Gestirn am Himmel der Reformation. Alle, die das Glück hatten, in den Kreis ihres Lebens zu treten, waren gerührt von ihrer Demuth, ihrer Sanftmuth, ihrem herzlichen Wohlwollen, erstaunt über ihre ausnehmende Schönheit, gefesselt durch den Reichthum ihrer Kenntnisse, besonders in der Gottesgelahrtheit. Was ihr ein Johann von Küstrin, ein Joachim II. hinsichtlich der Entfaltung des inneren Glaubenslebens, was ihr die Marken, über welche die Söhne geboten, zu verdanken haben, welchen Segen ihr belehrendes Wort, ihr stiller Wandel vor dem Herrn über einzelne Städte, vorzüglich Spandow, woselbst sie fast 20 Jahre lang ihren Wittwensitz hatte, ausbreitete, wer kann es beschreiben! Soviel ist gewiß, daß ohne Elisabeth [...] die Verbreitung der evangelischen Wahrheit in der Kur- und Neumark einen ganz anderen, viel stürmischeren und gefährlicheren, keineswegs so sicheren Gang würde genommen haben."17 Czilsky, der protestantischer Theologe, Schriftsteller und Lieddichter war, beschreibt Elisabeth hier nahezu als Himmelsgestalt und spricht ihr großen Einfluss auf den Verlauf der Einführung der Reformation in Brandenburg zu.

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Auch bei Georg Liebusch, der ebenfalls protestantischer Theologe und Historiker war, spielt der Einfluss der Kurfürstin auf die Reformation eine große Rolle. Er betont aber dabei ihre persönlichen Opfer: "Die Tage der Reformation haben in der Familie des Kurfürsten Joachim I. [...] ein Drama gesehen, einzig in seiner Art. Eine Fürstin verläßt um des evangelischen Glaubens willen ihren Gemahl, ihre Kinder, Heimath und Thron, während sich ihr Gemahl von der Wahrheit der neuen Lehre nicht überzeugen kann, und gerade in der Lauterkeit und Festigkeit der Ueberzeugungen Joachims und Elisabeths liegt das Tragische, das Anziehende. Unermüdet wirkt die verbannte Kurfürstin für des Evangeliums Sache und pflanzet und pfleget in unserem Vaterlande einen Keim, der ein Hauptfactor in seiner Größe geworden ist. [...] Und so trete denn zu dieser unserer Zeit in der Elisabeth eine fürstliche Heldin auf dem heiligen Gebiete des Glaubens vor unsere Seele: die zeige uns die Stigmata ihres tiefen Schmerzes und ihres langen Leidens [...]."18

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In dieser überaus positiven Bewertungstradition, in die sich noch weitere Autorinnen und Autoren einreihen, stehen auch zwei gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Denkmäler, die zwar nicht Elisabeth selbst gewidmet sind, auf denen sie aber dargestellt ist: zum einen das Denkmal Joachims II. auf dem Reformationsplatz in Spandau (1889) und zum andern das Mosaik in der Turmhalle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg (ab 1891). Am Sockel des Spandauer Denkmals befindet sich ein Bronzerelief, auf dem Elisabeth sitzend mit einem Buch auf dem Schoß und einem auf sie zulaufenden Kind, welches ihr Sohn Johann sein soll, dargestellt ist.19 Buch und Handhaltung Elisabeths deuten im Denkmalskontext eine religiöse Unterweisungs- bzw. Erziehungssituation an.20 Das Mosaik in der Gedächtniskirche zeigt Elisabeth, flankiert von ihren beiden Söhnen, in einem Fürstenzug der Hohenzollern. Beide Darstellungen weisen auf Elisabeth in ihrer Rolle als Mutter und Erzieherin hin, die die Lehren Luthers an ihre Söhne weitergibt und der daher in der brandenburgisch-preußischen Heilsgeschichte die Rolle einer einflussreichen Schlüsselfigur zugeschrieben wird.

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Etwas differenzierter und diskursiver ist die Bewertung des protestantischen Theologen und Schrifstellers Wilhelm Baur: "Elisabeth war eine Bekennerin. Es fehlen ihrem Wesen die weichen und lieblichen Züge. Ihr ganzes Leben steht in dem Dienste des Gedankens, daß sie selbst von dem Evangelium nicht weichen dürfe und daß sie seinen Sieg in den brandenburgischen Landen fördern müsse. Das innigste Band, das Menschen verbindet [...], war ihr nicht so theuer, daß sie darum den Bund ihrer Seele mit Christus aufgegeben hätte. Die mütterliche Treue, mit der sie für das Seelenheil ihrer Kinder besorgt war, empfing den Gottessegen, daß alle ihre Kinder [...] im evangelischen Glauben standen. Ihre lange Selbstverbannung galt dem Eingang des Evangeliums in der Mark. Man könnte das Zögern und immer neue Verhandeln kirchenpolitisch nennen, wenn es nicht richtiger wäre, es einfach als Gewissenhaftigkeit auszulegen."21

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Baur greift hier die zwei wesentlichen Argumentationslinien auf, die sich bei den Verhandlungen um Elisabeths Rückkehr nach Brandenburg gegenüberstanden: ehelicher Gehorsam gegen Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die Trennung der Eheleute wird hier göttlich legitimiert, indem ihr "von der göttlichen Wahrheit getroffene[s] Gewissen" dem "irrende[n] Gewissen des Gemahls"22 gegenübergestellt wird. Elisabeths Handlungen seien ebenfalls durch eben jenes Gewissen motiviert. Das explizite Verfolgen kirchenpolitischer Ziele spricht Baur der Kurfürstin ab.23

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Auch Ernst Helwing nimmt die positive Bewertungstradition auf, bewertet aber die Problematik von ehelicher Gehorsamspflicht und Glaubens- und Gewissensfreiheit anders: "Die Kurfürstin Elisabeth ist gewöhnlich nur als Glaubensheldin gepriesen; Niemanden [sic!] ist es eingefallen, dass [sic!] Unweibliche ihrer Bestrebungen hervorzuheben. Und dennoch muss ein unpartheiischer Sinn gestehen, dass ihr Verfahren nur aus einer gänzlichen Verkennung ihrer Stellung hervorgegangen sey. Sie konnte das Recht verlangen, welches jedem Menschen von Gott gegeben ist: unbeschränkt im Glauben und im Gewissen zu seyn; - wenn sie aber im Schlosse ihres Fürsten und Herrn heimlich und ohne dessen Zustimmung, ja wider dessen ausdrücklich ausgesprochenen Willen neue Formen des Gottesdienstes einführte, so konnte das nur durch Verführung der Unterthanen zur Widersetzlichkeit gegen den Landesherrn geschehen. Durch solchen strafbaren Ungehorsam und durch solche Aufreizung zum Widerstande trat sie die Pflichten der Hausfrau mit Füssen; die der Mutter verletzte sie, indem sie die Gemüther der Söhne dem Vaterherzen entfremdete. Dass unter solchen Verhältnissen ein Charakter, wie der Joachim's I., sein hausherrliches und väterliches Ansehn mit Nachdruck würde aufrecht erhalten haben, wenn die Kurfürstin sich nicht durch Flucht nach Sachsen einer harten Behandlung entzogen hätte, wird wohl niemand in Abrede stellen; dass er aber die Drohungen, die ihm in der ersten Aufwallung entschlüpften, würde verwirklicht haben, ist darum noch nicht gesagt. Als die Kurfürstin das Land verlassen hatte, unternahm er nichts Feindliches gegen sie; ja, zum Zeichen dass er unter allen Verhältnissen die Aeusserungen des Gefühls kindlicher Liebe achte, gestattete er seinen Söhnen, die Verbindung mit der Mutter fortwährend zu unterhalten."24

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Helwing gibt eindeutig dem Argument des ehelichen Gehorsams Vorrang und wirft der Kurfürstin vor, ihre eigene Position falsch eingeschätzt und ihre Pflichten als Ehe- und Hausfrau sowie als Mutter vernachlässigt zu haben. Er weist der Kurfürstin somit den häuslich-privaten Bereich zu und betrachtet sie vordergründig als Untertanin ihres Mannes. Ihr Handeln versteht er als Überschreitung der Grenze zum öffentlich-politischen Bereich.25 Helwing misst hier die kurfürstliche Familie des beginnenden 16. Jahrhunderts ganz offensichtlich an den Maßstäben des Geschlechter- und Familienbildes des 19. Jahrhunderts und verkennt, dass Elisabeth als dänische Königstochter und brandenburgische Kurfürstin in der Wahrnehmung ihrer Zeitgenossinnen und Zeitgenossen durchaus mehr war als Ehefrau ihres Mannes und Mutter ihrer Kinder.

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Die in jüngerer Zeit publizierten Aufsätze zu Elisabeth von Dänemark thematisieren die Fürstin herausgelöst aus dem landesgeschichtlichen Kontext und ausschließlich unter geschlechterspezifischen und reformationsgeschichtlichen Gesichtspunkten.26 So steht Elisabeth meist in einer Reihe mit Frauen wie Katharina von Bora, Anna Zwingli, Katharina von Mecklenburg und ihrer Tochter Elisabeth von Brandenburg und muss mit ihrer Lebensgeschichte den Beweis antreten, dass die Reformation keine reine "Männersache" gewesen sei.27 Dabei stützen sich diese neueren Aufsätze in ihren Lebensschilderungen der Kurfürstin auf die zuvor genannten älteren landesgeschichtlich orientierten Forschungsbeiträge und das darin zitierte Quellenmaterial.28 Sie folgen durchweg der positiven Bewertungstradition der älteren Forschung.

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So beschreibt Peter Freybe das reformatorische Engagement Elisabeths folgendermaßen: "Es waren besonders auch Frauen von Fürsten und Machthabern, die das neue Leben maßgeblich mitgestaltet haben. So ist mit der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg an eine Frau zu erinnern, der der reformatorische Glaube so zu Herzen gegangen ist, dass sie auch öffentlich dafür eintreten musste. Und das haben Frauen in der Reformationszeit zusammen mit ihren Männern und neben ihnen und – wenn es wie hier sein musste – auch ohne sie oder sogar gegen sie gelebt und gewirkt. Der persönliche Glaubensaufbruch führte diese Frauen dazu, neben dem privaten Umfeld auch den politischen Verantwortungsbereich neu zu prägen und zu gestalten. Und eben das hat Elisabeth gegen lebensbedrohliche Bedrängnis, Entsagungen und Entbehrungen auf dem Grund ihres evangelischen Glaubens bis ins hohe Alter durchgestanden und durchgetragen."29 Elisabeth wird auch hier zur Heldin der Reformation stilisiert. Dies verwundert im Prinzip nicht, da die entsprechenden Publikationen ja explizit das Ziel verfolgen, auf das Handeln von Frauen während der Reformationszeit hinzuweisen und sie gleichberechtigt neben männliche Akteure zu stellen.

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Sowohl der älteren landesgeschichtlichen als auch der jüngeren geschlechter- und reformationsgeschichtlich ausgerichteten Forschung ist gemein, dass Bekenntniswechsel und Flucht als Höhepunkte der Vita Elisabeths von Dänemark herausgestellt werden. Dies mag zum einen dem geschuldet sein, dass sich über Kindheit, Jugend und erste Ehejahre Elisabeths nur wenig quellenbasierte Aussagen treffen lassen. Hingegen können die näheren Umstände von Flucht, Rückkehrverhandlungen und Aufenthalt in Sachsen aus einer relativ großen Anzahl verschiedener Quellen gut nachvollzogen werden.30 Zum andern mag die Konzentration sowohl der älteren als auch der jüngeren Forschungsbeiträge auf Bekenntniswechsel und Flucht darin begründet liegen, dass Elisabeths Lebensgeschichte hervorragend geeignet scheint, um den beeindruckenden Erfolg der lutherischen Botschaft in den Anfangsjahren des Reformationsprozesses aufzuzeigen. Um die Perspektive bislang tradierter Erzähl- und Bewertungsmuster im Hinblick auf das Verhältnis der Kurfürstin Elisabeth zur brandenburgischen Reformation zu weiten, gilt es, sowohl Bekenntniswechsel, Flucht sowie Exils- und Witwenzeit kritisch zu analysieren.

Perspektivweitung Bekenntniswechsel

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Auffällig ist, dass die Fluchtmotive Elisabeths von Dänemark in der Forschungsliteratur diskutiert werden.31 Ihr Bekenntniswechsel hingegen wird als logische Konsequenz aus dem Kontakt mit der Lehre Luthers und des Einflusses ihres Bruders Christian II. und dessen Frau Isabella von Habsburg dargestellt.32 Da jedoch auch andere Menschen aus Elisabeths Umfeld diesen Kontakt hatten, und dennoch katholisch blieben, sollte die vermeintliche Logik des Erzählmusters hinterfragt werden.

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Ohne Zweifel besaß die lutherische Lehre große spirituelle Anziehungskraft. Das allein dürfte jedoch kaum ausreichen, um zu erklären, weshalb eine Person bereit ist, sich aus der Glaubens- und Gedankenwelt zu lösen, in der sie sozialisiert wurde. Für Elisabeth lässt sich nachweisen, dass sie durchaus in der katholischen Glaubenswelt verankert war und auch in diesem Sinn handelte. Sie stiftete mindestens einen Altar, ließ sich Reliquien schenken und tauschte mit Verwandten Gebetsbücher, Bibeln und Bilder ihrer persönlichen Schutzheiligen aus. Auf diese Weise bemühte sie sich, für sich und ihre Familie dauerhaftes Gebetsgedenken zu organisieren.33 Als Kritikerin kirchlicher Zustände erscheint sie in den Quellen dagegen nicht. Es stellt sich also die Frage nach Elisabeths Motivation für den Bekenntniswechsel.

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Ein Erklärungsmodell des Religionssoziologen Detlef Pollack bietet Anhaltspunkte zur Annäherung an diese Frage: "Oft geht die Einbindung in soziale Netzwerke, in denen die neue Weltsicht akzeptiert ist, der Konversion voraus", so Pollack. Wenn der Wechsel zu der neuen Weltdeutung erfolgt, stehe dahinter aber nicht selten der Versuch, in diesem Netzwerk Anerkennung und Wertschätzung zu erlangen. Dabei werde der Wechsel um so wahrscheinlicher, je höher die Bedeutung der Beziehungen des Konvertiten zu den Mitgliedern dieses Netzwerkes ist und je weniger wichtig andere soziale Beziehungen sind. "Konversion ist dann nicht selten eine Form des Abbaus von Spannungen zwischen der individuellen Perspektive auf die Welt und den Überzeugungen der sozial relevanten Gruppe." Aber auch dann werde es wohl nur zu Konversionen kommen, wenn die individuelle Authentizität ein hohes Gut für das Individuum darstellt. "Konversionen setzen also innere Konflikte, Reflexionen, Ambivalenzen und Spannungen voraus, und sie sind wohl vor allem ein Mittel zum Abbau dieser inneren Spannungen, woraus sich der oft unterkomplexe Charakter der eingenommen [sic!] Welt- und Selbstsicht erklärt."34

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In der Zeit zwischen 1524 und 1527 gab es in Elisabeths Umfeld zahlreiche Konflikte, Ambivalenzen und Spannungen. Seit 1524 hielt sich ihr Bruder Christian II. mit seiner Familie des Öfteren in Berlin auf, nachdem er nach einer Auseinandersetzung mit dem dänischen Adel aus seinem Land geflohen war. Anfangs wurde er recht herzlich am Cöllner Hof aufgenommen und dort mit seiner Familie standesgemäß unterhalten. Kurfürst Joachim I. half dem Schwager auch mit größeren Summen aus, wurde aber zunehmend ungeduldig als sich abzeichnete, dass Christian II. bei den Rückgewinnungsversuchen seiner Krone nicht erfolgreich war und eine Rückzahlung des Geldes in weite Ferne rückte. Dies führte auch zu Spannungen zwischen Elisabeth und ihrem Mann, die sich uneinig darüber waren, wie weit verwandtschaftliche Solidarität zu reichen habe. Es zeugt von geschwisterlicher Solidarität und von Elisabeths Selbstverständnis, dass sie immer wieder für ihren Bruder aktiv wurde, bei ihren Verwandten um Unterstützung für ihn warb und 1526 mit Erlaubnis ihres Mannes nahezu ihren gesamten Besitz an Christian II. verpfändete, damit er ein Heer aufstellen und unterhalten könne.35

<23>

Im selben Zeitraum gab es auch wesentliche Veränderungen im näheren Lebensumfeld der Kurfürstin. So heirateten in den Jahren 1524 und 1525 drei ihrer Kinder: der älteste Sohn Joachim und die beiden Töchter Anna und Elisabeth.36 Letztere verließen nach der Hochzeit den elterlichen Hof. Das Frauenzimmer dürfte also merklich leerer geworden sein. Alltägliche Erziehungsaufgaben hatte Elisabeth demnach nur noch gegenüber der Tochter Margarethe. Der jüngste Sohn Johann dürfte mit 11 Jahren bereits in der Obhut eines männlichen Erziehers gewesen sein.37 Das absehbare Ende der Erziehungsaufgaben erforderte eine Standortbestimmung und Neuorientierung Elisabeths innerhalb ihrer familiären und höfischen Aufgabenbereiche als Fürstin.

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Im unmittelbaren Zentrum des Hofes – also an der Seite ihres Mannes Joachim – stand Elisabeth Mitte der 1520er Jahre offenbar nicht mehr. Joachims I. flexibles Verständnis von ehelicher Treue gefährdete ihre Position als einflussreiche Gattin zunehmend. Insbesondere während seines allseits bekannten Verhältnisses mit der verheirateten Bürgerin Katharina Hornung scheint sich Joachim aus der ehelichen Gemeinschaft zurückgezogen zu haben.38 Indem er Tisch und Bett nicht mehr mit seiner Gemahlin teilte, verweigerte er ihr den gebührenden Respekt.39 Hatten sich die Eheleute beispielsweise noch 1509/10 gemeinsam im Interesse der hohenzollernschen Hausmachtpolitik bei König Jacob IV. von Schottland für die Ernennung ihres Schwagers Albrecht zum Erzbischof eingesetzt,40 so wird spätestens 1527 deutlich, dass sich die Eheleute in ihren Zielen und Weltanschauungen weit von einander entfernt hatten.

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Als besonders spannungsreich und ambivalent dürfte Elisabeth auch die religionspolitische Situation im Reich, die sie zeitlebens mit starkem Interesse verfolgte und kommentierte, wahrgenommen haben. Während sich ein Teil ihrer Herkunftsfamilie – darunter ihr Bruder Christian, ihr Onkel Kurfürst Johann von Sachsen und ihr Cousin Herzog Albrecht in Preußen – schon seit geraumer Zeit zum Luthertum bekannte, trat ihr Mann als vehementer Verteidiger des Katholizismus auf. Kurfürst Joachim war zwar keineswegs blind gegenüber dem Reformbedarf in Kirchenangelegenheiten, wollte diesen Prozess jedoch durch die Bestimmungen eines Konzils eingeleitet wissen. Zudem bedrohte die vom Nachbarterritorium Sachsen ausgehende Reformation unmittelbar die hart erarbeitete führende Position der Hohenzollern in Reich und Kirche.41

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Während Joachim also damit beschäftigt war, gegen die Verbreitung der Schriften Luthers in seinen Territorien vorzugehen, hatte seine Gemahlin durch ihre lutherischen Verwandten direkten Zugang zu eben jenen Schriften.42 Im Studium der neuen Lehre fand sie offenbar eine sinnstiftende und anregende Beschäftigung. Die Möglichkeit einer unmittelbaren Beziehung zu Gott ohne priesterliche Vermittlung kam ihrem Selbstverständnis als Königstochter entgegen. Sich wie ihre Verwandten an die Spitze dieser neuen Bewegung zu stellen und reformatorisch in Brandenburg zu wirken, versprach größtmögliche Anerkennung durch ihre Herkunftsfamilie sowie auch gegebenenfalls die Rückgewinnung eines bedeutenden Einflussbereichs am eigenen Hof.43

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Mit ihrem Bekenntniswechsel an Ostern 1527 entschied sich Elisabeth für die Interessen ihrer Herkunftsfamilie und unterlief die Hausmachtpolitik ihres Mannes. Ob Joachim den Sinneswandel seiner Gemahlin nicht wahrnahm oder nicht wahrnehmen wollte, bleibt unklar. Seine folgende Reaktion auf Elisabeths Bekenntnis zum Luthertum zeigt jedoch, dass er sich fest auf ihre Loyalität verlassen hatte und ernsthaft überrascht war. Er stufte es als ernstzunehmende Gefahr für seine Politik ein und war nicht gewillt, ihr hinsichtlich ihrer Religionsausübung Sonderrechte einzuräumen.44

<28>

Aus Elisabeths Perspektive stellt sich die Frage, ob sie die Hoffnung hegte, durch ihre Konversion ihren Mann zu einem Abweichen von seinem harten Kurs gegen die Lutheraner zu bewegen und Brandenburg gemeinsam mit ihm der Reformation zuzuführen, oder ob sie es ganz bewusst darauf anlegte, eine Eskalation der Situation und eine Veränderung in der ehelichen Gemeinschaft herbeizuführen. Deutlich wird jedoch, dass ihr Bekenntnis zum Luthertum ohne den Rückhalt und Schutz ihrer Herkunftsfamilie und ohne ihr Bewusstsein für ihre königliche Herkunft nicht denkbar ist. Dies zeigt sich vor allem auch daran, dass ihre Verwandten so großen Druck auf Kurfürst Joachim ausüben konnten und ihm wenige Mittel blieben, um seine Frau zur Rücknahme ihres Bekenntnisses zu bewegen.45 Freilich standen hinter dem Einsatz der protestantischen Verwandten für die brandenburgische Kurfürstin zu diesem Zeitpunkt nicht nur familiäre und religiöse Solidarität, sondern auch die Hoffnung über Elisabeth den Einflussbereich der lutherischen Partei auszudehnen.46

Perspektivweitung Flucht

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Ähnlich wie die Konversion wird auch Elisabeths Flucht nach Sachsen in der Forschung als vorrangig religiös motiviert und als logische Konsequenz vor dem Hintergrund des Seelenheils der Fürstin dargestellt.47 Sie selbst rechtfertigt ihre Flucht gegenüber ihrem Onkel Kurfürst Johann von Sachsen und anderen fürstlichen Verwandten auch in diesem Sinne und beklagt, dass sie seit längerer Zeit Beschwernis und Bekümmernis durch ihren Mann erleide und sich trotz ihrer Bemühungen um ein einträchtiges und friedliches Leben keine Besserung eingestellt habe. Durch den Einfluss 'böser Leute' sei ihr Mann Willens, zum Nachteil ihres Gewissens, Seelenheils und Leibs zu handeln. All ihre Versöhnungsangebote und die Vermittlungsversuche ihres Bruders seien gescheitert, sodass sie: "derhalben auß angezeigter fürfallender noth, seint wir hochlich verursacht, zu errettung unser selen und gewissen, wie wir für got uns schuldig erkennen, auch dabey on menschliche forcht und blodigkeit und sonnsten, mehr bewegungen uns von unnserm hern und gemalh, auch unnser beider seits kindern, welchs wir doch als got weys, und leichtlich zu gleubenn ist, mit gar hochschmerzlichem bekomerten herzenn und grossem trubsall gethan zu wennden, unnd also von unnserm lieben herrn und brudern könig Cristiern zu Denmarck als wir uns Inn die reyß begeben angenohmen und gefordert, dardurch wir uns zu eur lieb, als zu unnserm lieben herrenn und hochvertraueten auch bluts verwandten freundt, Inn dieser unnser hochstenn nott, begebenn".48

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Elisabeths Flucht als radikaler und mit Sicherheit aufsehenerregender Schritt ist angesichts der von Joachim I. angedrohten dauerhaften Arrestierung nachvollziehbar, zumal die Möglichkeiten ihrer Verwandten, sie nach Ablauf des Ultimatums vor den angekündigten Repressionen des Ehemanns zu schützen, gering waren. Anders als es die Beteiligten unmittelbar nach der Flucht zu suggerieren suchten, war die Flucht keine spontane Verzweiflungstat, sondern eine länger durchdachte Option, die Kurfürst Johann von Sachsen angeboten hatte.49 Elisabeth konnte also davon ausgehen, dass sie mithilfe ihrer Verwandten auch außerhalb Brandenburgs ein standesgemäßes Leben führen konnte. Ob sie das dauerhaft beabsichtigte, ist schwer zu sagen.

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Vordergründig scheint es ihr darum gegangen zu sein, sich in einer scheinbar ausweglosen Situation wieder Handlungsspielräume zu verschaffen. Berbig weist hier in seinem in der Forschung wenig beachteten Aufsatz auf eine zentrale Quelle hin.50 Es handelt sich um ein Gutachten zur Flucht Elisabeths, das von protestantischer Seite zu ihrer Verteidigung in den Rückkehrverhandlungen erstellt wurde. Darin wird auf Grundlage der Bibel und des geltenden katholischen Kirchenrechts dahin gehend argumentiert, dass nicht Elisabeth sich durch ihre Flucht schuldig gemacht hätte. Vielmehr habe ihr Ehemann durch seine Geisteshaltung (Aberglaube), den andauernden Ehebruch sowie seine Entfernung von Tisch und Bett lange zuvor die eheliche Gemeinschaft aufgelöst.51 Das Gutachten lässt den Schluss zu, dass die unterschiedliche religiöse Einstellung der beiden Ehepartner nur eines von vielen Problemen war und Elisabeth sich zwischen 1527/28 in einer Situation befand, die sie für sich selbst als regierende Kurfürstin und Landesmutter als äußerst schädlich und inakzeptabel einstufte.

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So deutlich wie aus dem kirchenrechtlich argumentierenden Gutachten geht der Ehekonflikt des brandenburgischen Kurfürstenpaares aus keiner anderen Quelle hervor. Elisabeth selbst deutet das Konfliktpotenzial in ihren Rechtfertigungsschreiben nur an, weil sie offenbar davon ausging, dass ihre Verwandten um ihre Situation wussten. In den Instruktionen für die Räte, welche die Modalitäten einer potenziellen Rückkehr aushandeln sollten, findet sich unter Elisabeths Bedingungen an zweiter Stelle die Forderung nach Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft.52 Erst an vierter und letzter Stelle fordert sie einen eigenen Prediger und Gewissensfreiheit.53 Ihre Rückkehr hing also vorrangig von der Bereitschaft ihres Ehemanns, sein Fehlverhalten einzustellen, ab. Kurfürst Joachim I. ging auf keine der Bedingungen seiner Frau ein und berief sich darauf, dass sie ihm ehelichen Gehorsam schuldig sei und der sächsische Kurfürst sie ihm ausliefern müsse, weil es die Solidarität unter erbverbrüderten Fürsten so geböte.54 Es verwundert daher nicht, dass sich die sächsisch-lutherische Seite fortan auf das Seelenheilargument fixierte. Es erwies sich als das wirkmächtigste Gegenargument. Zudem hielt Kurfürst Johann entgegen, dass er auf Basis der Erbverbrüderung nicht zur Auslieferung verpflichtet sei.55

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Dass der sächsische Kurfürst hier nicht allein aus verwandtschaftlicher und religiöser Solidarität seiner Nichte Zuflucht anbot, sondern durchaus auch politische Interessen verfolgte, wird ebenfalls deutlich. Durch Elisabeths Flucht gewann die lutherische Partei enorme Aufmerksamkeit im Reich sowie die Option, die eigene Machtposition auszuweiten. Während Kurfürst Johann von Sachsen als Beschützer der geflohenen, schutzlosen brandenburgischen Kurfürstin unter den dem Luthertum zuneigenden Fürsten einen großen Imagezugewinn verzeichnet haben dürfte, wurde der auf katholischer Seite stehende brandenburgische Kurfürst in Misskredit gebracht und von der lutherischen Partei stark unter Druck gesetzt, seine Religionspolitik zu überdenken.56

Perspektivweitung Exils- und Witwenzeit

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Die Verhandlungen über ihre Rückkehr unmittelbar nach der Flucht zeigen darüber hinaus, dass Elisabeth, gestärkt durch ihr Umfeld in Sachsen, unnachgiebig gewisse religiöse Handlungsspielräume in Brandenburg für sich forderte.57 Dabei konnte sie zwar das Argument ihres Seelenheils erfolgreich gegen die Pflicht zum Gehorsam gegenüber ihrem Gatten einsetzen, letztlich saß aber im "Stellungskrieg" der Eheleute Joachim am längeren Hebel. Er ließ sich bis zu seinem Tod 1535 nicht auf Elisabeths Forderungen ein und sanktionierte ihren Ungehorsam mit Verweigerung der Auszahlung ihres Jahrgeldes. Dies brachte Elisabeth spätestens 1532, nach dem Tod ihres Onkels Johann von Sachsen, in arge finanzielle Bedrängnis.58

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Auf das komplizierte Verhältnis Elisabeths zu ihren Söhnen Kurfürst Joachim II. und Johann von Brandenburg-Küstrin deutet, dass sie angesichts ihrer Finanzlage 1535 nicht umgehend nach Brandenburg zurückkehrte. Durch ihre Abwesenheit vom Cöllner Hof sahen sich Mutter und Söhne deutlich seltener. Zudem war der Loyalitätskonflikt zwischen den Eltern mit dem Tod des Vaters nicht automatisch beendet. Kurfürst Joachim I. hatte nämlich testamentarisch verfügt, dass seine Territorien katholisch bleiben sollten und verlangt, dass seine Söhne dies auch gegenüber dem Kaiser zusicherten. Die kaiserliche Partei bestand dementsprechend darauf, dass Elisabeth nur zurückkehren dürfe, wenn sie wieder katholisch würde.59 Die verwitwete Kurfürstin beharrte jedoch ihrerseits im Fall ihrer Rückkehr auf freier Religionsausübung für sich und forderte sogar ihre Söhne dazu auf, sich gegen väterlichen Willen und Kaiser zu stellen.60

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Der jüngere Sohn Johann, der nach dem Tod seines Vaters den kleineren Landesteil Küstrin geerbt hatte, bekannte sich 1537 zum Luthertum und reformierte sein Territorium zügig.61 Inwieweit die Ermahnungen seiner Mutter diesen Schritt begünstigten, ist schwer zu ermitteln. Belegbar ist jedoch, dass sie sich freute und Johann bei seinen Reformvorhaben unterstützte. Sie stellte den Kontakt zu Luther und anderen Reformatoren her und vermittelte ihm auf sein Bitten geeignete Prediger.62

<37>

Weitaus schwieriger war es für Elisabeth, Einfluss auf ihren ältesten Sohn, Joachim II, zu nehmen.63 Dieser bemühte sich zwar, der Mutter den gebotenen Respekt zu zollen, weigerte sich aber, sie als Ratgeberin und übergeordnete religiöse Autorität zu akzeptieren. Die Heirat mit der Katholikin Hedwig Jagiellonica, Tochter des polnischen Königs, im September 1535 erschwerte das Verhältnis zusätzlich.64 Elisabeths Versuche, ihn durch mütterliche Ermahnungen zum Luthertum zu drängen, hatten nicht den gewünschten Erfolg.

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Den Zeitpunkt seines Bekenntniswechsels im November 1539 wählte Joachim II. mit Bedacht, und zwar vordergründig aus politischen Motiven und aus Rücksicht auf die katholischen Mitglieder seiner Familie.65 Elisabeth verschwieg ihm ihre Unzufriedenheit nicht und erinnerte beständig an seine Pflichten als Sohn.66 Immer wieder gab sie ihm deutlich zu verstehen, dass er ihrer Ansicht nach bezüglich der Einführung der Reformation in Brandenburg nicht konsequent genug war, und verknüpfte die Bedingungen für ihre Rückkehr mit Reformanforderungen, die Joachim II. umsetzen sollte.67 Meist zeigte sich der Sohn davon unbeeindruckt und suchte die Mutter mit Kompromissangeboten zu beschwichtigen.

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An ihren Anmerkungen zum Entwurf der Kirchenordnung von 1539, die von den Wittenberger Reformatoren bereits akzeptiert worden war, zeigt sich exemplarisch, wie Elisabeth Einfluss auf ihren Sohn zu nehmen versuchte: "Zum andern befinden wir gleichwoll aus E. l. gestalter Kirchordnung, vast hinden am Ende, das bey E. l. In den Kirchen, etzliche ubrige geprenge, spectacula, procession und festor daran godt kein gefallen hat die auch In godlichem wort nicht gegründet, besonder demselben zugege[n] sein, welliche ane ergernis der Christenheit und ane sondern nachteill des heilige godlichen worts nicht mogen gehalten, darumb sie auch billich vormiden und abgeschafft werden solten, wie wir dan als zuvor auch, aus Mutterlicher trew, E. l. selbst zum pesten gantz freundtlich Bitten."68

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Dem entgegnete Joachim II.: "Uf den andern articul etlich[er] Ceremonien und gesenge halber, befind[en] wir d[a]z bej e. l. vil eingetrage[n] und weitlenufftig[e] bericht bescheen, sey, do wir doch hoffen e. l. einem Jden od[er] allen geistern nit glaub[en] werd[en]. Wie auch El. selbs und do sie anhere zu uns komen and[er]n bescheid sehen und finden werd[en]. Wir hab[en] El. hievor mündlich und schriftlich vermeldet, d[a]z wir ye der nit sein woll[en], dem mit gesenge od[er] geprenge[n], dem Gotlich[en] were zu wid[er] od[er] d[a]z der Christenheit ergerlich sein mocht, handeln lass[en]. Wollen dabey gedenk[en] wie zupleib[en] und soll uns Gott d[er] almechtig auch dauer behüt[en]. Das aber etlich mher Ceremonien hier als mit Passionen ad[er] Evangelisch[en] Historien als an Palmtage die Marterwoch[en] durch aus uferstehung und himmelfort Christi und Sendung des hey. geists am Pfingstage dan in d[er] Wittembergisch[en] Kirch[en] gehalt[en] werd[en], geschiht umb keiner ergerung willen Sond[ern] d[a]z dj unverstendig Jugent neb[en] der lere und beicht sovil bas den verstand fassen und in gedechtnus behalt[en] kan, wie dan, davon Jd[er] zeit genugsamer beicht uf d[er] Canzel zuvor beschiht und wir es davor acht[en] unser versen und d[er] alt[en] meynung in dies[en] ding[en] auch also gewes[en]. So hoff[en] wir auch d[a]z niemand ursach hab darob sich zuergern. Und wirdet auch alhir der Wittembergisch[en] Kirch[en] von M[a]g[ister] Eisleb[en] ad[er] nemands nichts zu wid[er] geleret, und sind unsers vorstands in den hauptarticuln des glaubens, der Lehr, d[er] Justification und brauch des hochwirdig[en] Sacraments mit Inen einig. Wie wir auch unser Kirchenordnung mit Irem Rath stellen und eher sie außgange[n] durch sie rewidiren lass[en]. D[a]z wir Nun in allerm brauch d[ie] Ceremonien mit Inen nit gleichmessig sein, Irret Je die haupt articul nit, davon auch rein und lauter gepredigt wirdt und genugsamer bericht beschiht, So seind wir auch desfals mit dem brauch d[er] Ceremonien so wenig an dj Wittembergische als an d[ie] Römische Kirch[en] gebunden und sein doch bey den alt[en] an etlich[en] ort[en] und Lendern die Ceremonien auch nit gleich gehalt[en] werd[en] und do sie d[ie] hauptarticul einig gewes[en] hab[en] sie dj Ceremonien so dem wort Gottes nit zuwid[er] gewes[en] auch gescheen lass[en]."69

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Kaum thematisiert in der älteren und nur gelegentlich in der neueren Forschungsliteratur angerissen wird Elisabeths reformatorischer Einfluss auf ihre Töchter.70 Für Anna und Margaretha können hier aufgrund der wenigen zur Verfügung stehenden Forschungsarbeiten nur schwer Aussagen getroffen werden.71 Die Tochter Elisabeth, Herzogin von Braunschweig-Calenberg-Göttingen, ist besser erforscht.72 Wie ihre Schwester Margaretha besuchte sie ihre Mutter des Öfteren in Sachsen. Es liegt nahe, dass sie bei diesen Aufenthalten Kontakt mit lutherischen Predigern hatte und auf diese Kontakte bei ihren eigenen Reformvorhaben zurückgreifen konnte. Herzogin Elisabeth wurde zu einer der engagiertesten lutherischen Fürstinnen ihrer Zeit und stand in ähnlich konsequenter Weise wie ihre Mutter für ihr Bekenntnis ein.73

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Als Elisabeth 1545 wieder nach Brandenburg zurückkehrte, war der Prozess der Umwandlung in ein lutherisches Territorium in vollem Gang.74 In ihrem Wittum Spandau hat sie zum ersten und einzigen Mal in ihrem Leben die Möglichkeit erhalten, in lutherischem Sinn eigenständig zu wirken. In der Literatur wird dies oft als "segensreich" bezeichnet. Wie dies jedoch konkret aussah, wird nur verhältnismäßig vage beschrieben und ist anhand von Quellen schwer zu belegen.75 So finden sich beispielsweise keine direkten Hinweise auf karitatives Engagement oder Einwirken auf die städtische Politik in Spandau.76 Da der Magistrat in Spandau das Patronatsrecht über die Kirche innehatte, ist davon auszugehen, dass die religiösen Gestaltungsmöglichkeiten auf Elisabeths unmittelbares höfisches Umfeld beschränkt waren.77 Die Stelle des Hofpredigers hatten nacheinander Nicolaus Medler, Sebastian Stieglitz und Andreas Bochow inne.78 Belegen lässt sich, dass sie Georg Buchholzer als Prediger schätzte und gelegentlich nach Spandau einlud.79 Buchholzer war es wahrscheinlich auch, der die Texte für eine kurz vor Elisabeths Tod entstandene Gesangsordnung zusammenstellte. Das in kräftigen Farben gestaltete brandenburgisch-dänische Allianzwappen weist Elisabeth als Auftraggeberin dieser Handschrift aus.80 Ihre Briefe aus den letzten Lebensjahren zeugen von der pessimistischen und jenseitsorientierten Weltsicht einer sich einsam fühlenden, gealterten und schwermütigen Fürstin. Krankheiten, chronischer Geldmangel und Einsamkeit sind die dominierenden Themen ihrer Korrespondenzen.81

Schlussbetrachtung und Perspektivweitung Verhältnis zur Reformation

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Elisabeth von Dänemark war eine standesbewusste und einflussreiche Fürstin, deren konsequentes Handeln auch heute noch beeindruckt. Ihr Bekenntnis zum Luthertum lässt sich unter Berücksichtigung ihres Lebensumfelds Mitte der 1520er Jahre als Ausweg aus einer Lebenskrise deuten. Auf diese Weise gelang es ihr, sich im Spannungsfeld zwischen ihrer Herkunftsfamilie und der Dynastie ihres Ehemannes neu zu verorten. In der neuen Lehre erkannte sie offenbar eine Sinnhaftigkeit, die sie in ihr stark vom Standesbewusstsein als dänische Königstochter geprägtes Selbstbild integrieren konnte. In ihrem sich beständig verändernden höfisch-familiären Umfeld boten ihr die neuen Glaubensgrundsätze Halt. Die Rückbesinnung auf das Evangelium und das Festhalten an dessen Wortlaut gaben ihr eine klare Richtschnur für moralisches Handeln, eine Grundlage zur kritischen Bewertung des Lebenswandels ihres Mannes und die Legitimation, etwas an ihrer ehelichen Situation zu ändern. Gegen die Pflicht zum Gehorsam gegenüber ihrem Ehemann konnte sie immer wieder – unterstützt durch ihr Verwandtschaftsnetzwerk – erfolgreich das Argument ihres Seelenheils ins Feld führen.

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Mit ihrer religiös interpretierten und aufsehenerregenden Flucht traf sie ihren Mann empfindlich, stärkte die Position der Lutheraner gegenüber dem katholischen Lager und nötigte auf Reichsebene zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit der lutherischen Position. Inwieweit Elisabeths Flucht auch für die Untertanen Motivation und Inspiration war und zur Verbreitung der Reformation beigetragen hat, ist bislang nicht erforscht.82

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Laut dem Urteil ihrer Zeitgenossinnen und Zeitgenossen war Kurfürstin Elisabeth eine theologisch gut gebildete Frau, die sich intensiv mit theologischen Fragen und Texten auseinandersetzte. Die andauernde Beschäftigung mit der lutherischen Lehre sowie die persönliche Erfahrung, alles hinter sich gelassen zu haben und in eine relative Ungewissheit aufgebrochen zu sein, prägten Elisabeth nachhaltig und führten zu einer Radikalisierung in Glaubensfragen und in ihrer Haltung gegenüber anderen Menschen. Zum Teil war sie sogar lutherischer als der Reformator selbst und beeindruckte mit ihrer Bekenntnisstärke ihre Mitmenschen.83 Ihr Ruf als "Lichtgestalt der Reformation" erscheint in dieser Hinsicht nachvollziehbar. Der ihr unterstellte enorme Einfluss auf ihre Söhne – insbesondere auf Joachim II. – lässt sich anhand der Quellen nur bedingt nachweisen. Ihre Bedeutung bei der Verbreitung der Reformation in Brandenburg liegt vor allem in ihrer Rolle als Kontakt- und Vermittlungsperson zwischen den Wittenberger Reformatoren und ihren Verwandten. Als Vorbild im Glauben war sie beispielsweise für ihre Tochter Elisabeth wahrscheinlich wesentlich bedeutsamer als für ihre Söhne.

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Elisabeth von Dänemark hat durch ihre Flucht und ihre späte Rückkehr mehr oder weniger freiwillig darauf verzichtet, sich in der Rolle einer Landesmutter für ihren Glauben einzusetzen. Stattdessen verfolgte sie die Strategie, aus der Ferne Einfluss zu nehmen und die Umsetzung ihrer Reformideen zur Bedingung für ihre Rückkehr zu machen. Erfolgreich war sie damit nur sehr bedingt. Sie wurde zu einer Idealistin mit hohen moralisch-religiösen Ansprüchen, zeigte wenig Verständnis für diplomatische und politische Erwägungen und mied Kompromisslösungen.

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Elisabeths beharrliche Versuche, Einfluss auf die Religionspolitik ihres Sohnes zu nehmen, zeigen, dass ihr die Reformation in Brandenburg durchaus am Herzen lag. Im sächsischen Exil und in ihrer Position als kurfürstliche Witwe in Spandau waren ihre Möglichkeiten, gestalterisch nach ihren Vorstellungen aktiv zu werden – im Gegensatz zu manch regierender Fürstin und vormundschaftlichen Regentin – jedoch sehr begrenzt. Ihr Anteil an der Einführung der Reformation in Brandenburg ist somit vordergründig mentaler Art, und weniger auf der handlungspolitischen Ebene zu suchen.

Autorin:

Ulrike Sträßner
E-Mail: straessn@uni-potsdam.de



1 Vgl. Wilhelm Baur: Elisabeth, Kurfürstin von Brandenburg, die Bekennerin. Ein Vortrag zum Besten des Kirchenbauvereins in Berlin am 11. November 1872 gehalten, in: Deutsche Blätter (1873), 521-540; Georg Berbig: Ein Gutachten über die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg, in: Archiv für Reformationsgeschichte (1910/11), 386-394; Carl Julius Stanislaus Czilsky: Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg. Ein geschichtliches Lebensbild aus der Reformationszeit, Berlin 1859; Carl Friedrich Goeschel: Elisabeth Kurfürstin zu Brandenburg nebst ihrer Tochter und Enkelin gleichen Namens. Zur Nachfeier des dreihundertjährigen Reformatins-Jubiläums in der Mark Brandenburg, Berlin 1839; Ruldolf von Jacobi: Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg, in: Hohenzollernjahrbuch (1909), 155-196; Ernst Daniel Martin Kirchner: Die Churfürstinnen und Königinnen auf dem Throne der Hohenzollern, im Zusammenhange mit ihren Familien- und Zeit-Verhältnissen, Bd. 1, Berlin 1866; Georg Liebusch: Elisabeth von Dänemark, Kurfürstin von Brandenburg. Ein Lebensbild. Unveränderter Nachdruck der Originalausgabe aus dem Jahr 1873, Bremen 2013; Adolph Friedrich Riedel: Die Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg in Beziehung auf die Reformation, in: Zeitschrift für preußische Geschichte (1865), 65-100; Friedrich Wagner: Der Schatz der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg, in: Hohenzollernjahrbuch (1902), 70-101; Friederike Bornhak: Die Fürstinnen auf dem Throne der Hohenzollern in Brandenburg-Preußen, Altenburg 1907.

2 Vgl. Roland Bainton: Frauen der Reformation. Von Katharina von Bora bis Anna Zwingli. 10 Portraits, Gütersloh 1995; Peter Freybe: Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg (1485-1555), in: Antje Leschonski (Hg): Anna, Lily und Regine. 30 Frauenporträts aus Brandenburg-Preußen, Berlin 2010, 12-16; Iselin Gundermann: Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg – Luthers Anhängerin am Berliner Hof, in: Peter Freybe (Hg): Frauen fo(e)rdern Reformation. Elisabeth von Rochlitz, Katharina von Sachsen, Elisabeth von Brandenburg, Ursula Weida, Argula von Grunbach, Felicitas von Selmnitz, Wittenberg 2004, 58-76; Kirsi Stjerna: Woman and the Reformation, Blackwell 2009.

3 Siehe auch Ulrike Sträßner: Elisabeth von Dänemark und die Reformation in Brandenburg, in: FRAUENSACHE. Wie Brandenburg Preußen wurde, hg. von der Generaldirektion der Preußischen Stiftung Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Ausstellung, Berlin, Schloss Charlottenburg, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, 2015, Dresden 2015, S. 222-229.

4 Die Hochzeit fand in Stendal statt, da in Berlin die Pest ausgebrochen war. Die Ehe mit Elisabeth brachte einen Sukzessionsanspruch auf Teile der Herzogtümer Holstein und Schleswig ein. Zugleich mit Elisabeth und Joachim heiratete auch dessen Schwester Anna den Erbprinzen Friedrich von Norwegen.Vgl. Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1), 218f.; Riedel: Die Kurfürstin (wie Anm.1), 66f.; Bornhak: Die Fürstinnen (wie Anm. 1), 89; Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 62f.

5 Es gibt unterschiedliche Auffassungen, wann sich die Eheleute genau voneinander entfernten. Während Liebusch die Entfremdung auf 1515 datiert, sieht Stjerna diese erst durch das Bekenntnis Elisabeths ausgelöst. Von einer allmählichen Entfremdung ist bei Bornhak und Göschel zu lesen. Jacobi beraumt den Bruch zwischen den Eheleuten dagegen äußerst plausibel in den 1520er-Jahren an, was durch die bei Berbig zitierte Quelle unterstützt wird. Vgl. Liebusch: Elisabeth von Dänemark (wie Anm. 1), 16; Stjerna: Woman (wie Anm. 2), 89; Bornhak: Die Fürstinnen (wie Anm. 1), 91f.; Goeschel: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 14; Jacobi: Die Flucht (wie Anm. 1), 158f.; Berbig: Ein Gutachten (wie Anm. 1), 381f.

6 Vgl. Paul Steinmüller: Einführung der Reformation in die Kurmark Brandenburg durch Joachim II., Halle 1903, 21-26; Lothar Vossmeyer: Brandenburgs Kurfürsten der Reformationszeit. Drei Hohenzollern-Porträts, Berlin 2014, 78-79; Robert Stupperich: Die Eigenart der Reformation in der Mark Brandenburg, in: Hans-Ulrich Delius / Max-Ottokar Kunzendorf / Friedrich Winter (Hg.): "Dem Wort nicht entgegen..." Aspekte der Reformation in der Mark Brandenburg, Berlin 1988, 13-30, hier: 15f.; Daniel Matthias Stefan Freudenreich: Kurfürst Joachim I. Katholik aus Kalkül? in: Thomas Fischbacher (Hg.): Die Hohenzollern in Brandenburg. Gesichter einer Herrschaft, Regensburg 2015, 60-71, hier: 63f., 69f.

7 Laut älterer Literatur soll ein Wittenberger Geistlicher Elisabeth das Sakrament in beiderlei Gestalt gereicht haben. Jacobi weist darauf hin, dass es dafür keinen Quellenbeleg gibt. Ebenso wenig ist belegt, dass Elisabeths Tochter, Elisabeth von Brandenburg (verh. Herzogin von Braunschweig-Calenberg), Joachim I. vom erfolgten Bekenntniswechsel erzählte. Vgl. Jacobi: Die Flucht (wie Anm. 1), 160, 162f.; Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 66.

8 Vgl. Codex diplomaticus Brandenburgensis (CDB), III/3, Berlin 1861, 359-362. Elisabeth an Kurfürst Johann (15. Oktober 1527). Die Kommission bestand aus den Bischöfen von Lebus, Havelberg und Brandenburg, den Äbten von Lehnin, Zinna und Chorin sowie zwei Rechtsgelehrten.

9 Vgl. CDB, III/3 (wie Anm. 8), 363f. Kurfürst Johann an Elisabeth (14. Februar 1528): "[...] so wollen wyr vnns hiemit gegen e. L. aus cristlicher pflicht vnd als der vetter erboten haben, das wyr e. L. als der freundt yn dem vnsern vnnd so es e. L. gefelligk, zu colditz gern beherbergen vnnd nach vnserm vermügen mittaylen wollen, so wyr auch von e. L. verstendiget werdenn, wen vnd wo e. L. anzukomen bedacht, wollen wyr vnuermarckt vnd yn gantzer geheym vnd beye pflichten verordenn, das e. L. dahin komen, gebracht vnnd angenomen werden sollen."

10 Vgl. Sächsisches Hauptstaastsarchiv Dresden (SächsHStA), 10.024 GR, Loc. 7235/1. Die Archivalie enthält u.a. Schreiben Herzog Georgs von Sachsen, Landgraf Philipps von Hessen, Kardinal Albrechts und König Ferdinands I., aus welchen die Vermittlungsbemühungen und -strategien zu erkennen sind. Eine teilweise Auswertung des Archivmaterials und Beschreibung der Verhandlungen findet sich bei Riedel. Vgl. Riedel: Die Kurfürstin (wie Anm. 1.), 75-81.

11 Vgl. Riedel: Die Kurfürstin (wie Anm. 1), 81; Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1), 248-251; Liebusch: Elisabeth von Dänemark (wie Anm 1.), 43; Stjerna: Woman (wie Anm. 2), 92; Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 68.

12 Vgl. Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1), 257-260, 267-272; Jacobi: Die Flucht (wie Anm. 1), 180f.; Liebusch: Elisabeth von Dänemark (wie Anm. 1), 51-54; Riedel: Die Kurfürstin (wie Anm. 1), 87f.

13 Vgl. Jacobi: Die Flucht (wie Anm 1.), 179; Bornhak: Die Fürstinnen (wie Anm. 1), 105f.; Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 1), 68-70; Bainton: Frauen der Reformation (wie Anm. 2), 127. Aus einem Brief Luthers wird Elisabeths schlechte psychische Verfassung während ihres Aufenthaltes in seinem Haus deutlich: "[...] Sie ist ein Kind und bleibt (sorge ich) ein Kind, iedeo nihil est, quod furiosus gladium et puer pecuniam. [...]". Martin Luther: Dr. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. Briefwechsel, Bd. 8, Weimar 1938, 138f.

14 Vgl. Riedel: Die Kurfürstin (wie Anm. 1), 96-100; Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1), 272-274, 280-282; Baur: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 537; Liebusch: Elisabeth von Dänemark (wie Anm. 1), 77f., 80-82; Bornhak: Die Fürstinnen (wie Anm. 1), 110-113; Freybe: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 16; Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 71-73; Stjerna: Woman (wie Anm. 2), 94.

15 Vgl. Anm. 1.

16 Vgl. Claudia Opitz-Belakhal: Geschlechter-Geschichte, Frankfurt / Main 2010, 151-153. Hier zur Problematik der hagiografischen Darstellung unter geschlechtergeschichtlicher Perspektive.

17 Czilsky: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 1), III. – Angemerkt sei, dass Elisabeth 20 Jahre lang Witwe war. Allerdings verbrachte sie nur 10 Jahre ihrer Witwenschaft in Spandau.

18 Liebusch: Elisabeth von Dänemark (wie Anm. 1), 3f.

19 Vgl. Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 73. Auf dem Relief ist im Hintergrund ein weiteres, auf dem Boden sitzendes Kind zu sehen. Gundermann deutet die beiden Kinder als das Brüderpaar Joachim und Johann, andere Beschreibungen erwähnen das zweite Kind überhaupt nicht. Sollte es sich tatsächlich um das Brüderpaar handeln, so hätte der Künstler, Erdmann Encke, den Altersunterschied Joachims und Johanns von 8 Jahren in seiner Darstellung nicht berücksichtigt, die zwei sehr junge Kinder zeigt. Möglicherweise handelt es sich auch um eine der beiden jüngeren Töchter Elisabeths.

20 Das Denkmal wurde 1889 zum 350. Gedenktag der Einführung der Reformation in Spandau errichtet und erinnert an die erste Abendmahlsfeier Joachims II. in der Spandauer Nikolaikirche am 1. November 1539.

21 Baur: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 539f.

22 Baur: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 523.

23 Durch die Relativierung bzw. das Absprechen politischer Motive im Handeln Elisabeths treten deutlich die bei Baur vorherrschenden Geschlechterrollenbilder des 19. Jahrhunderts zutage. Politisch motiviertes Handeln von Frauen wird hier als unweiblich gekennzeichnet. Zur Problematik vgl. Katrin Keller: Frauen in der höfischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts. Amtsinhabe und Netzwerke am Wiener Hof, in: zeitenblicke 4 (2005), Nr. 3. http://www.zeitenblicke.de/2005/3/Keller/index_html#d47157e331 <19.07.2015>.

24 Ernst Helwing: Die Geschichte der Mark Brandenburg vom Tode des Markgrafen Waldemar bis zum Regierungsantritte des Kurfürsten Georg Wilhelm, Bd. 1, Abt. 2, Lemgo 1834, 607f.

25 Zur Problematik der Trennung von "öffentlich" und "privat" in der Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts vgl. Keller: Frauen (wie Anm. 23); Opitz-Belakhal: Geschlechter-Geschichte (wie Anm. 16), 104-109.

26 Vgl. Anm. 2.

27 Diesem Anliegen hat sich auch das im Rahmen der Reformationsdekade vom "Evangelische Frauen in Deutschland e. V." (EfiD) ins Leben gerufene Online-Projekt "500 Jahre Reformation: Von Frauen gestaltet" verpflichtet. Darunter auch ein Aufsatz zu Elisabeth vgl. Ulrike Sträßner: Elisabeth von Dänemark. Kompromisslose Idealistin im Exil, 2015. http://www.frauen-und-reformation.de/?s=bio&id=135 <27.07.2015>

28 Die neueren Aufsätze beziehen sich zudem kaum auf weiteres Archivmaterial. Zudem merkt Gundermann zu Recht an, dass es bislang keine moderne Biografie zu Elisabeth von Dänemark gibt. Vgl. Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 73.

29 Freybe: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 12. Auffällig ist hier, dass Freybe – wie auch die älteren Arbeiten – ebenfalls von einer Trennung von politischem und privatem Bereich ausgeht. Die gedachte Trennung von domestic und political findet sich auch bei Stjerna. Vgl. Stjerna: Woman (wie Anm. 2), 107.

30 Ein Großteil der umfangreichen Archivbestände zu Flucht und Rückkehrverhandlungen befindet sich im sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden (SächsHStA, 10.024 GR, Loc. 07235/01) und im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin (GStA PK, BPH, Rep. 29, Nr. T1, Vol. I und II).

31 Besonders ausführlich diskutiert Jacobi, inwieweit die Untreue Joachims I. als Fluchtmotiv gesehen werden kann und entscheidet letztlich, dass es keinen Beleg dafür gibt und aus den Quellen lediglich der "Konflikt auf kirchlichem Gebiete" nachzuweisen sei. Vgl. Jacobi: Die Flucht (wie Anm. 1), 158f. Der zwei Jahre später erschienene Aufsatz Berbigs stellt eine entsprechende Quelle vor, die das Ehebruchmotiv stärkt. Vgl. Berbig: Ein Gutachten (wie Anm.1), 384-394.

32 Vgl. Baur: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 526f.; Liebusch: Elisabeth von Dänemark (wie Anm. 1), 20-23; Wagner: Der Schatz (wie Anm. 1), 78f.; Riedel: Die Kurfürstin (wie Anm. 1), 67; Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1), 231, 238; Göschel: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 13, 17; Bornhak: Die Fürstinnen (wie Anm. 1), 92f.; Jacobi: Die Flucht (wie Anm. 1), 160; Stjerna: Woman (wie Anm. 2), 90; Bainton: Frauen (wie Anm. 2), 122.

33 Vgl. Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau (LHASA, DE), Z 6, Nr. 199, Elisabeth an Fürstin Margarethe von Münsterberg. Aus Elisabeths Briefen geht hervor, dass sie mit Margaretha Gebetsbücher, Gebete und Heiligenbilder austauschte. Das brandenburgische Kurfürstenpaar stiftete gemeinsam mit Margaretha und ihrem Mann offenbar auch ein Kirchenfenster mit den Schutzheiligen der Eheleute. Vgl. GStA PK, BPH Rep. 28, Nr. V 5a. Elisabeth an Kardinal Albrecht (13. Oktober 1518). Elisabeth bedankt sich bei ihrem Schwager für eine Kreuz-Reliquie. Zu Elisabeths religiöser Prägung vgl. auch Georg Schuster / Friedrich Wagner: Die Jugend und Erziehung der Kurfürsten von Brandenburg und Könige von Preußen, Bd. 1, Berlin 1906, 328-336. Zum von Elisabeth gestifteten Altar in Mittenwalde vgl. Mathias Müller: Ordenslehre und Fürstenmemoria. Bildform und Bildkonzept des domikanischen Altarretabels von Mittenwalde bei Berlin, in: Ernst Badstübner / Peter Knüvener / Adam S. Labuda / Dirk Schumann (Hg): Die Kunst des Mittelalters in der Mark Brandenburg. Tradition – Transformation – Innovation, Berlin 2008, 348-362, hier: 359, 361.

34 Detlef Pollack: Überlegungen zum Begriff und Phänomen der Konversion aus religionssoziologischer Perspektive, in: Ute Lotz-Heumann / Jan-Friedrich Missfelder / Matthias Pohlig (Hg): Konversion und Konfession in der Frühen Neuzeit, Heidelberg 2007, 33-55, hier: 54.

35 Insbesondere Wagner geht auf das Verhältnis zwischen Elisabeth und ihrem Bruder Christian II. ein und beschreibt detailliert ihre im Juli 1526 an ihn verpfändeten Schmuckstücke im Wert von 24.000 Gulden. Vgl. Wagner: Der Schatz (wie Anm. 1), 72f., 76, 79-81; vgl. auch Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 63f. Auch anhand zahlreicher Archivbestände ist nachweisbar, dass Elisabeth bei ihren Verwandten in Brandenburg, Preußen und Mecklenburg finanzielle und militärische Hilfe für ihren Bruder organisierte. Vgl. in Auswahl GStA PK, XX. HA. OBA, Nr. 19877, 19958, 26195, 26219, 26253, 26348, 26521, 26559; GStA PK, I. HA, Rep. 11 Dänemark, Nr. 1210; Landeshauptarchiv Schwerin (LHAS), 2.11-2/1 Acta externa, Nr. 489, 511.

36 Joachim II. (1505–1571) heiratete am 6. November 1524 Magdalena von Sachsen (15071534). Nach deren Tod heiratete er am 1. September 1535 die polnische Königstochter Hedwig Jagiellonica (1513–1573). Die Tochter Anna (1507–1567) heiratete, nachdem sie zuerst eine geistliche Laufbahn eingeschlagen hatte, am 17. Januar 1524 Herzog Albrecht VII. von Mecklenburg (1488–1547). Die Tochter Elisabeth (1510–1558) heiratete am 7. Juli 1525 Herzog Erich I. von Braunschweig-Calenberg-Göttingen (1470–1540). 1546 heiratete sie Graf Poppo XII. von Henneberg (1513–1574).

37 Vgl. Gerrit Deutschländer: Dienen lernen, um zu herrschen. Höfische Erziehung im ausgehenden Mittelalter (1450-1550), Berlin 2012, 68; Jill Bepler: Die Fürstin als Betsäule. Anleitung und Praxis der Erbauung am Hof, in: Morgen-Glantz. Zeitschrift der Christian-Knorr-von-Rosenroth-Gesellschaft 12 (2002), 249-264, hier: 253. Prinzen wurden in der Regel bis zum siebenten Lebensjahr im Frauenzimmer erzogen, danach unterstanden sie nicht mehr dem unmittelbaren religiösen Einfluss ihrer Mütter.

38 Vgl. Gerhard Ebeling: Luthers Seelsorge an seinen Briefen dargestellt, Tübingen 1997, 143-146; Helmut Neuhaus: Die brandenburgischen Kurfürsten im Jahrhundert der Reformation (1499-1598), in: Frank-Lothar Kroll (Hg.): Preußens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II., 1. Aufl., München 2006, 52-73, hier: 61. Im März 1525 ging Joachim I. eine Beziehung zu der verheirateten Katharina Hornung ein. Sie gebar ihm mehrere Kinder. Der Kurfürst verwies ihren Ehemann Wolf Hornung, nachdem er seine Frau im Streit verletzt hatte, des Landes. Luther ergriff Partei für den verstoßenen Ehemann und griff Joachim I. öffentlich für den Missbrauch seiner landesherrlichen Macht an. Eine detailierte Schilderung des Streitverlaufs findes sich bei Zimmermann. Vgl. Paul Zimmermann: Der Streit Wolf Hornungs mit Kurfürst Joachim I. von Brandenburg und Luthers Betheiligung an demselben, in: Zeitschrift für preußische Geschichte und Landeskunde 20 (1883), 310-343.

39 Vgl. Berbig: Ein Gutachten (wie Anm. 1), 382. Berbig beruft sich in seinem Aufsatz auf eine Quelle aus der Universitätsbibliothek Jena, die vor ihm offenbar niemand entdeckt hatte. Bei der Quelle handelt es sich um ein Gutachten zur ehelichen Situation des brandenburgischen Kurfürstenpaares: "[...] In dem das er [Joachim I.] ein gute Zeit zuvor sich von bethe vnd tisch auch der beywonung vnd gewonnlicher freuntlicher gemeinschafft gesundert vnd enthalten, [...]". Ausführlicher dazu siehe unter 'Perspektivweitung Flucht'.

40 Vgl. GStA PK, I. HA, Geheimer Rat, Rep. 11, Nr. 10017. Korrespondenz des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg und seiner Gemahlin Elisabeth mit dem König Jacob IV. von Schottland wegen dessen Unterstützung des Markgrafen Albrecht von Brandenburg bei seiner Bewerbung um die Kardinalswürde 1509/10.

41 Vgl. Anm. 5; Ernst Gadow: Joachim I. und seine Söhne in ihrem Verhältnis zur Reformation, Potsdam 1873, 1-3.

42 Vgl. Liebusch: Elisabeth von Dänemark (wie Anm. 1), 29; Bornhak: Die Fürstinnen (wie Anm. 1), 92-94; Jacobi: Die Flucht (wie Anm.1 ), 161f.; Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1), 231, 237f.; Stjerna: Woman (wie Anm. 2), 90; Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 66.

43 Vgl. Sonja Domröse: Frauen der Reformationszeit. Gelehrt, mutig und glaubensfest, Göttingen 2010, 8. Domröse verweist hier auf das enorme emanzipatorische Potenzial der reformatorischen Bewegung in der Anfangsphase. – Wartenberg zeigt den Einfluss von Reformation und Konfession auf die Stellung und das Selbstbewusstsein einer Fürstin am Beispiel der Herzogin Elisabeth von Sachsen. Vgl. Günther Wartenberg: Herzogin Elisabeth von Sachsen als reformatorische Fürstin, in: Martina Schattkowsky (Hg.): Witwenschaft in der Frühen Neuzeit. Fürstliche und adlige Witwen zwischen Fremd- und Selbstbestimmung, Leipzig 2003, 191-202. – Zu religionspolitischen Betätigungsfeldern von Fürstinnen vgl. Daniel Gehrt/ Vera von der Osten-Sacken: Einleitung, in: Dies. (Hg.): Fürstinnen und Konfession. Beiträge hochadliger Frauen zu Religionspolitik und Bekenntnisbildung, Göttingen 2015, 10f.

44 Vgl. Freudenreich: Kurfürst Joachim I. (wie Anm. 6), 70; Riedel: Die Kurfürstin (wie Anm. 1), 68-70; Jacobi: Die Flucht (wie Anm. 1), 161f.; Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1), 242; Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 67.

45 Insbesondere ihr Bruder Christian II., ihr Sohn Joachim und ihre Schwiegersöhne Herzog Erich I. von Braunschweig-Calenberg-Göttingen und Albrecht VII. von Mecklenburg setzten sich für eine Bedenkzeit für die Kurfürstin ein. Vgl. Liebusch: Elisabeth von Dänemark (wie Anm. 1), 31; Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1), 239, 241.

46 Vgl. Anm. 41. Zeitgleich griff Luther Joachim I. wegen der Hornung-Affäre an.

47 Vgl. Jacobi: Die Flucht (wie Anm. 1), 159; Freybe: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 14; Stjerna: Woman (wie Anm. 2), 91; Heide Wunder: Fürstinnen und Konfessionen im 16. Jahrhundert, in: Daniel Gehrt / Vera von der Osten-Sacken (Hg.): Fürstinnen und Konfession. Beiträge hochadliger Frauen zu Religionspolitik und Bekenntnisbildung, Göttingen 2015, 15-34, hier: 22f.

48 SächsHStA, 10.024 GR, Loc. 7235/1, "Copie des schreybens so die Marggreffin an den Churfürsten zu Sachssen gethan hat" (Donnerstag nach Letare 1528). Dieselbe Archivalie enthält weitere Briefe, in denen sich Elisabeth in ähnlichem Wortlaut auch gegenüber Herzog Georg von Sachsen (2. April 1528) und ihrem Schwager Erzbischof Albrecht von Mainz (1. April 1528) rechtfertigt.

49 Vgl. Anm. 8. – Vor diesem Hintergrund ist Elisabeths in ihrem Verteidigungsschreiben erklärte Bereitschaft in Armut zu leben, als Versuch zu verstehen, die Flucht als spontane Tat darzustellen. Vgl. SächsHStA, 10.024 GR, Loc. 07235/1, "Copie des schreybens so die Marggreffin an den Churfürsten zu Sachssen gethan hat" (Donnerstag nach Letare 1528): "[...] Im vhall aber so euer lieb ob diesem unserm ansuchen und bitt, beschwerung tragen würdenn, als wir doch uns bey Eur lieb zugeschehen gar nit vorsehenn, so haben Eur lieb zu bedencken, das wir verursacht unnd gedrungen, uns in das elend nachdem willen des almechtigen gots zu begeben [...]". – In den Rückkehrverhandlungen machte Joachim I. weniger Kurfürst Johann, sondern vordergründig König Christian II. für die Flucht seiner Frau verantwortlich.

50 Berbigs Aufsatz und damit auch die Quelle aus der Universität Jena wird auch in der neueren Forschung zu Elisabeth nicht entscheidend einbezogen. Vgl. Berbig: Ein Gutachen (wie Anm. 1), 384-394.

51 Vgl. Berbig: Ein Gutachen (wie Anm. 1), 391. "[...] So hat sich auch der marggraf nit allain durch den Ehebruch aus der ehe gescheiden, Sundern hat auch die furstin mit der thadt vnd ane vorgehendt erkenthnus der kirchen, wie Ime doch gebürth hette, [...] lange zuvor vnd eher dan sich Ire gnaden von Berlin gewandt hat, spolirt und entsatzt, In dem das er ein gute Zeit zuvor sich von bethe vnd tisch auch der beywonung vnd gewonnlicher freuntlicher gemeinschafft gesundert vnd enthalten, Sundern do er vor auf dem schlos gewonth, gessen, sein wesen vnd wonung gehabt, vnd geschlaffen, hat er bey zwaien Jaren, wie man sagt, In einem andern haus, die Harnisch Camer gnant, In der stat Coln, sein wesen und wonung gehabt, darinn mittags vnd abents gessen, geslaffen, vnd ist zu der fürstin auch am tag wenig vnd selten, aufs sloss komen. Vnd domit das sich die furstin nun von Berlin begeben, hat sy Iren hernn [...] nit spolirt, Sundern sie ist lange vor Irem abreisen durch Iren hern spolirt geswest. Vnd dieweil dasselbig offentlich ist vnd durch den Marggrafen nit kann verneint, Solt es etwo zu weithern reden komen, würde man Ime antzeigen, welchs das andre spolirt, vnd also auch rem possessorii unschickerlich gehandelt hette. [...]".

52 Vgl. SächsHStA, 10.024 GR, Loc. 7235/1, "Nach vilgehapter untterrede habenn des Churfürstenn zu Sachssen Rethe [...]" (Mittwoch nach Misericordia Domini 1528): "[...] das unser gnedigster herr der Churfürst zu Brandenburg vorsicherung mache seiner Kurf. g. Gemahell unnser g. frawe Elichenn zu bette unnd Tische bey zuwanen und sich sonst allenthalben gegenn Irer f. g. freuntlich haltenn, unnd erzeigenn wie sein Kurf.g. vor gott unnd der weltt zuthun schuldigk unnd solcher gotlicher unnd Cristlicher stanndt erfordertt." An erster Stelle steht die Forderung nach Straffreiheit für Elisabeth und alle an der Flucht beteiligten Dienerinnen und Diener. An dritter Stelle wird standesgemäße fürstliche Unterhaltung für Elisabeth gefordert.

53 Vgl. SächsHStA, 10.024 GR, Loc. 7235/1, "Nach vilgehapter untterrede habenn des Churfürstenn zu Sachssen Rethe ..." (Mittwoch nach Misericordia Domini 1528): "Zum vierden das Iren f. g. nachgelassen würde einen prediger zuhabenn, der Ir das gotlich wortt prediget unnd das Ire f. g. das hochwirdige Sacrament, nach der einsazung Cristi entpfahen mochte, So offte sie durch die gnade gottis darzu bewagenn würde."

54 Vgl. SächsHStA, 10.024 GR, Loc. 7235/1, "Copie der Antwort Marggraf Joachim zu Brandenburgk" (Montag nach Judica 1528): "Bitten wir nochmals, freuntlich Eur lieb woll unser freuntlich verwanthnus und erbeynung nach, uns unser gemahell, mit entwanther habe, cleydern und cleynotenn, so der konig, und sie von hier gebracht, auch iren thur knecht, und Ju[n]ckfrawen so uns mit eyden und pflichten verwanth zustellenn, und frey und unvorhindert volgen lassen, sie auch von irem eigen willen und irthumb apweyßenn, als wir uns zu E l freuntlich versehenn."

55 Vgl. SächsHStA, 10.024 GR, Loc. 7235/1, "Des Churfürsten zu Sachssen unsers gnedigsten Herrn antwort ..." (Donnerstag nach Judica 1528): "[...] das wir wie gesucht ist worden, unser muhme sampt iren dienern zustellen, ader dieselbigen dermassen verpintlich zuhalten schuldig sein solenn, domit man irer liebd. und die selbige[n] bei uns zu wissen, des aber wir uns unpflichtig und darfür, das es uns verweyßlich sein wolte, achten theten, So weren wir unbeschwert, gege[n] seiner lieb, vermoge den angezognen beruffen und geschwornen erbeynung und vor unsern vettern, oheimen, bruder, und schwagern, den fürsten derselbig[en] Erbeynung, umb das, ader was sein lieb unserthalben beschwert zu sein vormeynte, zu gepürlicher handlung unnd weysung zukomen und dieselbig[e] zugewart[en]".

56 Vgl. Michael Höhle: Universität und Reformation. Die Universität Frankfurt (Oder) von 1506 bis 1550, Köln 2002, 303f.; Vossmeyer: Brandenburgs Kurfürsten (wie Anm. 6), 86f. – Parallel zu den Ereignissen von Konfessionswechsel und Flucht Elisabeths beschuldigte Luther Kurfürst Joachim I. in mehreren Druckschriften der Hurerei und suchte somit dessen Ansehen im Reich zu schmälern.

57 Vgl. SächsHStA, 10.024 GR, Loc. 7235/1 (wie Anm. 10). In den Rückkehrverhandlungen mit Joachim I. steht die Forderung nach freier Religionsausübung an vierter Stelle. In den Rückkehrverhandlungen mit den Söhnen ist eben diese Forderung eng und gleichwertig mit der Forderung nach der Einräumung ihres Witwensitzes verbunden.

58 Vgl. GStA PK, BPH, Rep. 29, Nr. T 1, Vol. 1. Elisabeth an ihre Söhne (Sonntag nach Mauritii 1534): "[...] Dan wyr zu ein pfennigs zu unser enthaltung und notturfft kein Radt wissen, haben so lange geburget, auch unser glewbiger bishieher nhu lenger dan ein Jar auffgehalten das wyr nicht weitter kommen Izo woll uns auch nymants meher burgen, Musten also zu ewigem unglawben und verderb gedeien und in solcher bekumernuß unsers gemuts untergehen [...]".

59 Vgl. SächsHStA, 10.024 GR, Loc. 7235/1. König Ferdinand an Kurfürst Joachim II. und Markgraf Johann (4. September 1535): "[...] So ist hiemit aber mals In Namen hochgedachter kay[serlicher] M[ayestä]t. unnd fur unns selbst unnser gnedigs und f. ersuchen, E. L. wollen in allewege unnd vor allenn dingen Ehe eur lieb gedachter irer gueter obbemelte leypzucht einraumen oder ihr lib in das Churfürstenthumb Brandeburgk wesentlich widerumb kommen lassen vonn Irer lieb gewisse zusagung und versicerhung nemen damit e.l. wol vorward sey, das ir lieb an den orten irer leibzucht [...] unnd sunst fur Ihr p[er]son unnd auch d[er] Jhenen irer Lieb underthanenn [...] sich der Ordnunngen und satzungen der Römischen Kirchenn unnd derselbigenn loblichen ungesetzt[en] unnd herbrachtenn Ceremonien [...] allennthalb gemäß halte [...]".

60 Vgl. SächsHStA, 10.024 GR, Loc. 7235/1. Erklärung Elisabeths aus Anlass des angekündigten Besuches ihres Sohnes (undatiert, vor 1545): "[...] Do auch villeicht auf anregenn unnd anhalten unser misgunstigen ader sunst aus eigener bewegenis von Roe[misch] kay[serlicher] und kö[niglicher] Ma[jestä]t., dem Babst ader sonst Jemants wehre, der oder welliche dieselbenn sein mochtten Irenn liebden bevehlich oder Mandatt, würden zukommen, das Ire liebden, solch aufrichtung, haltung und brauchung, des Evangelii unnd gottes worts In unserm leibgut genzlich abstellen, Unnd In den alten und Bebstlichen standt wiedderumb bringen solten, das Ire liebden demselben bevehlich der wieder gott und sein heilwertigs wort, were kein gehorsam leisten, Sonder uns auf unserm leibgutt bei unser Religion hanthaben, schützen und vorteidigen sollen [...]".

61 Vgl. Felix Escher: Das Kurfürstentum Brandenburg im Zeitalter des Konfessionalismus, in: Ingo Materna / Wolfgang Ribbe (Hg.): Brandenburgische Geschichte, Berlin 1995, 231-290, hier: 264; Gadow: Joachim I. (wie Anm. 41), 7; Vossmeyer: Brandenburgs Kurfürsten (wie Anm. 6), 137f.

62 Vgl. GStA PK, BPH, Rep. 29, Nr. T 1, Vol. I. Elisabeth an Markgraf Johann (Freitag nach Exaudi 1537): "[...] Nachdem uns Euer Lieb jungst zu Torgau angelanget, und gebetenn, Das wir E. L. wegen denn Erwirdigenn unnd hochgelartenn Ern Martinum Luther der heyligen schrift doctor umb einenn gutenn Ewangelischenn Prediger, denn E. L. in derselb[en] Landenn, auch zu anrichtung gotlicher Ceremonyen gebrauchenn wolt[en] anzulangenn und zubittenn. Als wollenn wir E. L. nicht vor haltenn, das wir den obgemeltenn Doctor, derwegenn angelanget, Auch unns mit Ime darvon müntlichenn unterredet, unnd vormerckenn sovil, das Er E. L. unnd derselbenn Landenn unnd Leuten seins höchstenn vormügens, vornemlich zu erkentnis christlicher warheitt gerne dienenn will [...]".

63 Zum nicht unproblematischen Verhältnis zwischen Elisabeth und ihrem ältesten Sohn vgl. Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1), 266; Riedel: Die Kurfürstin (wie Anm. 1), 89f.; Baur: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 533; Stjerna: Woman (Anm. 2), 93.

64 Vgl. Riedel: Die Kurfürstin (wie Anm. 1), 87; vgl. Bauer: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 533.

65 Vgl. Escher: Das Kurfürstentum (wie Anm. 61), 269-271; vgl. Vossmeyer: Brandenburgs Kurfürsten (wie Anm. 6), 115; vgl. Stupperich: Die Eigenart (wie Anm. 6), 17.

66 GStA PK, BPH, Rep. 29, Nr. T1, Vol. II. Elisabeth an ihren Sohn Kurfürst Joachim II. (Dienstag Johannis Baptist Juni 1545): "Hetten aber dennoch auch dafur gehalten, E. l. solte uns billicher gelauben und zufall geben haben, dan denen Leutten, so E. l. nicht so lange als uns gekandt, auch nicht E. l. dermassen wie wir, zugethan und vorwandt sein. So gibt es Ir dennoch die natur das ein mutter mit Irem kindt, mher dan andere leutte trew meinet, Zu deme sind wir Ir auch des vernünfftigen und Christlichen verstandes, nhun mher bey menigklich so uns kennen, dermassen beruffen, das wir umb unser gerüchts willen bey godt und den menschen Ir auch nicht gerne ethwas E. l. Ratten wolten, daraus E. l. anders dan ere und heill erfolgen solt. Uber das Ist nicht allein Christlich und furstlich besonder auch naturlich, das sich mutter und kinder mit aller freundschafft zu samen halten. Derwegen wir es dan, warlich an uns in keinem wege gedencken erwinden zu lassen und so wir auch nuhn mher anders nichts dan gottes abforderung von dieser welt zu gewartten haben, dencken wir gentzlich unser leben also zubeschliessen, das wir fur godt und allen auserwelten vorhoffen eine trewe Mutter zubefunden und erkandt zu werde[n]."

67 Vgl. GStA PK, BPH, Rep. 29, Nr. T1, Vol. I und II. Aus den Rückkehrverhandlungen mit den Söhnen geht deutlich hervor, dass Elisabeth die Option auf Rückkehr effektiv als Druckmittel einzusetzen wusste.

68 GStA PK, BPH, Rep. 29, Nr. T1, Vol. II. (undatiert), Blatt 187-188.

69 GStA PK, BPH, Rep. 29, Nr. T1, Vol. II. (undatiert), Blatt 189-192.

70 Vgl. Stjerna: Woman (wie Anm. 2), 96, 107. Der mütterliche Einfluss wird eher aus Perspektive der Töchter (z. B. Elisabeth von Brandenburg) betrachtet, während in den Elisabeth-Darstellungen selbst ihr Einfluss auf ihre Söhne verstärkt thematisiert wird.

71 Im Rahmen meines Dissertationsprojektes ist eine genauere Untersuchung der Briefwechsel E.s mit ihren Töchtern vorgesehen. Die relevanten Archivbestände befinden sich in Dessau (LHASA, DE, Z 6, Nr. 200) und Schwerin (LHS, 2.11-2/1 Acta externa, Nr. 1924).Vgl. Ulrike Sträßner: Herrschaftliche Handlungsfelder und -Möglichkeiten von brandenburgischen Kurfürstinnen im 16. und 17. Jahrhundert, Diss., voraussichtlich 2017.

72 Vgl. Inge Mager: Das Vermächtnis der Laientheologin Elisabeth von Calenberg-Göttingen (1510-1558) für die Untertanen und für ihre Kinder, in: Daniel Gehrt / Vera von der Osten-Sacken (Hg.): Fürstinnen und Konfession. Beiträge hochadliger Frauen zu Religionspolitik und Bekenntnisbildung, Göttingen 2015, 150-168; dies: Elisabeth von Brandenburg – Sidonie von Sachsen. Zwei Frauenschicksale im Kontext der Reformation von Calenberg-Göttingen, in: Niedersächsische Landeszentrale für Politische Bildung (Hg.): 450 Jahre Reformation im Calenberger Land, Laatzen 1992, 23–32; Stjerna: Woman (wie Anm. 2), 96-108; Andrea Lilienthal: Die Fürstin und die Macht. Welfische Herzoginnen im 16. Jahrhundert: Elisabeth, Sidonia, Sophia, Hannover 2007; Susanne Rode-Breymann: Elisabeth von Calenberg: eine Frau schreibt sich in die Geschichte ein, in: Günter Katzenberger / Stefan Weiss (Hg.): Musik in und um Hannover. Peter Schnaus zum 70. Geburtstag, Hannover 2006, 27-37; Anneliese Sprengler-Ruppenthal: Die Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen und der Landgraf Philipp von Hessen, in: Dies: Gesammelte Aufsätze. Zu den Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts, Tübingen 2004, 251-277; Merry Wiesner: Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg (1510-1558), in: Kerstin Merkel / Heide Wunder (Hg.): Deutsche Frauen in der Frühen Neuzeit. Dichterinnen, Malerinnen, Mäzeninnen, Darmstadt 2000, 39-48.

73 Vgl. Mager: Elisabeth von Brandenburg (wie Anm. 72); hier: 23f.; vgl. Domröse: Frauen der Reformationszeit (wie Anm. 43), 101f.; vgl. Stjerna: Woman (wie Anm. 2), 96-107; vgl. Historischer Verein für Niedersachsen (Hg.): Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg 1510-1558. Herrschaft - Konfession - Kultur, Hannover 2011.

74 Vgl. Steinmüller: Einführung der Reformation (wie Anm. 6), 82-101.

75 Vgl. Czilsky: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 1), 345; Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1), 272f.; Baur: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 387; Göschel: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 22; Liebusch: Elisabeth von Dänemark (wie Anm. 1), 81f.; Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 71; Freybe: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 16. – Überwiegend ist von einem täglichen Hausgottesdienst, an dem auch die Spandauer Bürgerinnen und Bürger teilnehmen durften, sowie von täglichen Bibelstudium der Kurfürstin die Rede. Zudem hat E. offenbar weiterhin in regem Austausch mit lutherischen Predigern gestanden. Die Autorinnen und Autoren belegen diese Ausführungen für dieses religiöse Wirken Elisabeths in Spandau jedoch nicht mit Quellen. Bei meinen Archivrecherchen in den Korrespondenzen Elisabeths habe ich bislang ebenfalls keine Quelle finden können, anhand derer sich entsprechende Aussagen treffen ließen.

76 Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht zwangsläufig, dass sie in diesen Handlungsfeldern nicht aktiv war.

77 Vgl. Adolph Müller: Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg, Berlin 1839, 273. – Das Patronatsrecht in Spandau hatte seit 1541 der Magistrat.

78 Vgl. Lothar Noack / Jürgen Splett: Bio-Bibliographien. Brandenburgische Gelehrte der Frühen Neuzeit. Mark Brandenburg mit Berlin-Cölln 1506-1640, 46; Kirchner: Die Churfürstinnen (wie Anm. 1) 272; Gundermann: Kurfürstin Elisabeth (wie Anm. 2), 71. – Medler war Elisabeths Hofprediger in Lichtenberg gewesen und folgte ihr nach Spandau bis er kurz darauf nach Braunschweig berufen wurde. Bei Baur ist fälschlicher Weise von Dr. Nicolaus Wedler die Rede. Vgl. Baur: Elisabeth Kurfürstin (wie Anm. 1), 387.

79 Vgl. Noack /Splett: Bio-Bibliographien (wie Anm. 78), 45f.; Adolf Laminski: Georg Buchholzer. Erster evangelischer Pfarrer in Buckow, Schöna und Arnswalde sowie Propst an St. Nicolai in Berlin, in: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte 50 (1999), 62-112, hier: 76.

80 Vgl. Andreas Tacke: "Johann Tewbern von Liebenwerde, Buchschreijber". Zu einer vergessenen Berliner Handschriftengruppe aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, in: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte 39 (1958), 33-43, hier: 37f.

81 Vgl. GStA PK, BPH, Rep. 29, Nr. T1, Vol. II. Elisabeth an ihren Sohn Markgraf Johann: (Donnerstag nach Margaretha 1547): "[...] auch f gelipter sun wyr setzens in keynen zweyfel E l trag[en] gut wyssen das uns E l die verscheynen ostern termin nach zwthun schuldich ist und E l habe uns disse lange zeyt her so ganz trostlos und Elendt in grosser dotliche kranckheyt so trostlos und Erbarmlich gelassen habe das wyr sulche schentliche armut in unsser alder habe dulden müssen das wyr nit eynen heller nach spein nun auff erden habe gehapt da wyr Eyne beschen würze in unsser munde in unsserm grosse vorschuchung zw laubsall uns myt zw erkwickung gehapt wen uns got aus gnaden sunderlich nut erhalden hetten so were es nit wunder das uns das herze im liebe fur jamer und Elendt in zwe gesprungen werde doch habe wyr solchs neben anderm got befeheln und Ergeben müssen die weil die sachen bys an her sych der massen erhalden begeren wyr f von E l sie wullen furderlich dar zwthun und vorschaffen damyt wyr unvorzücklych sulche suma vorgnuget werden wo aber nyt soo kunen und wyssen wyr uns keynes weges lenger auff zw halden sunder werden uns Irer bryffe und sygel nach müsse halden ader hunger sterben was E l hyr inne zwthun bedacht seyn des wulle sie sych kegen uns myt antwordt vornemen lassen [...]".

82 Die von Helwing unterstellte "Aufreizung zum Widerstande" gegen den Landesherrn scheint sich zumindest nicht in verstärkt offenem oppositionellen Aktivismus der Untertanen niedergeschlagen zu haben. Möglicherweise verstärkte jedoch ihr beispielhaftes Handeln die bereits einige Jahre zuvor aus den Nachbarterritorien eingesickerten reformatorischen Impulse. Eine Untersuchung der Ebene zwischen Kurfürstin Elisabeth und ihren Untertanen fehlt bislang.

83 Vgl. Jacobi: Die Flucht (wie Anm. 1), 178; Riedel: Die Kurfürstin (wie Anm. 1), 84; Vossmeyer: Brandenburgs Kurfürsten (wie Anm. 6), 86.

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Ulrike Sträßner
Elisabeth von Dänemark und die Reformation in Brandenburg
Beiträge des zweiten Colloquiums in der Reihe „Kulturgeschichte Preußens - Colloquien“ vom 10. und 11. Oktober 2014, hg. von Jürgen Luh und Julia Klein (KultGeP - Colloquien, 2)
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Frühe Neuzeit (1500-1789)
Brandenburg
Kirchen- und Religionsgeschichte
Neuzeit bis 1900
1500-1600
Brandenburg (4007955-7), Reformation (4048946-2), Elisabeth Brandenburg, Kurfürstin (128983574)
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U. Sträßner: Elisabeth von Dänemark und die Reformation in Brandenburg
In: Perspektivweitung – Frauen und Männer machen Geschichte. Beiträge des zweiten Colloquiums in der Reihe „Kulturgeschichte Preußens - Colloquien“ vom 10. und 11. Oktober 2014, hg. von Jürgen Luh und Julia Klein (KultGeP - Colloquien, 2)
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Veröffentlicht am: 15.02.2016 16:40
Zugriff vom: 06.06.2020 22:22
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