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M. Leibetseder: Protestantische Klangwelten?

Kulturgeschichte Preußens - Colloquien 3 (2016)

Mathis Leibetseder

Protestantische Klangwelten?

Musik im Beziehungsgeflecht des kurbrandenburgischen Hofes der Reformationszeit

Abstract:

Der Beitrag untersucht die Musikpflege am Hof des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg (1535-1571). Ausgehend von Joachims Vorliebe für Chöre und Chormusik einerseits und von der Rekrutierung von Organisten und Trompetern andererseits, wird aufgezeigt, dass der Musikbetrieb dieses Hofs fest eingebunden war in protestantische Netzwerke. Diese umfassten neben dem Nordosten des Alten Reichs auch das Herzogtum Preußen. Darüber hinaus wird verdeutlicht, dass der Hof auch mit der Universitätsstadt Frankfurt an der Oder in Austausch trat. So war die Musikpflege unter Joachim II. letztlich weniger stark von dessen Onkel Kardinal Albrecht von Mainz beeinflusst, als bislang angenommen.

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Möchte man auf die 450jährige Geschichte der Staatskapelle Berlin zurückblicken, so darf Kurfürst Joachim II. von Brandenburg nicht fehlen. Er gilt gemeinhin als Gründer der kurbrandenburgischen Hofmusik, weshalb schon Curt Sachs sein Werk über "Musik und Oper am kurbrandenburgischen Hof" – bis heute das Standardwerk zu diesem Thema – mit ihm beginnen ließ. "Die fünf Hohenzollern, die vor ihm den Kurhut getragen hatten," so Sachs, "hatten kaum Beziehungen zur Musik".1 Ausschlaggebend für die musikalische Sozialisation des jungen Kurfürsten sei einerseits die Musikkultur des Kaiserhofs Maximilians I. gewesen, andererseits aber das Beispiel und Vorbild seines Onkels Kardinal Albrecht.

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Ganz besonders interessierten Sachs jedoch die Anfänge der Hofmusik, die er in der Erasmuskapelle im Schloss bzw. im Neuen Stift zu Berlin-Cölln vermutete, sowie deren Personal. So erstellte er prosopographische Übersichten, die bis heute für die Forschung grundlegend geblieben sind.2 Die Mehrzahl der Choralisten und Instrumentalisten lokalisierte Sachs am Dom, lediglich die Hofkunstpfeifer, also das Bläserensemble, am Hof. Insgesamt hatte die Hofmusik unter Joachim II. nach Sachs jedoch einen nahezu "ausschließlich vokalen Charakter"3 – was ja innerhalb dessen liegt, was wir für die höfische Musik der Renaissancezeit ohnehin erwarten.

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Spätere Forschungen haben ganz überwiegend an Sachs angeknüpft,4 dessen Forschungen fortgeführt und vertieft, gelegentlich auch differenziert,5 vor allem aber auch unsere Kenntnisse zur Musikgeschichte im Umkreis des in Berlin-Cölln angesiedelten Hofwesens erweitert.6 Zwar spielt die Frage nach möglichen Bezugs- und Vergleichspunkten der kurbrandenburgischen Hofmusik in diesem Zusammenhang meist eine gewisse Rolle, ins Zentrum der Forschungen wurde sie bis heute jedoch nicht gerückt. Angesichts der Tatsache, dass die Quellenbasis für das Musikleben am Hof zu Berlin-Cölln bis zum Tode Joachims II. 1571 äußerst überschaubar ist, erscheint dies jedoch einer der wenigen gangbaren Wege, um zu einem besseren Bild dessen zu gelangen, was eben dieses Musikleben prägte. Genau diese Frage nach der Einbindung der kurbrandenburgischen Hofmusik in lokale, regionale und internationale Kontexte sowie nach den sich daraus ergebenden Austausch- und Transferprozessen möchte ich im Folgenden stellen.

Zum Verflechtungsprofil des kurbrandenburgischen Hofes

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Das Reich war im 16. Jahrhundert ganz wesentlich eine Anwesenheitsgesellschaft, die sich in der face-to-face Situation persönlicher Kommunikation entfaltete. Die kurbrandenburgische Residenzstadt Berlin-Cölln war jedoch kein Ort der Reichspolitik. Keiner der Kaiser, kein rex romanorum kam im 16. Jahrhundert (auch später nicht) an die Spree. An der Reichspolitik teilzunehmen hieß für Joachim II. vor allem zu reisen nach Nürnberg, Worms, Speyer, Augsburg oder wo auch immer die Musik gerade spielen mochte. Wenn Joachim dem Kaiser gelegentlich schrieb, er sei "den orthen etwas weit entsessen", so entbehrte das nicht jeglicher Plausibilität.7 Vielmehr verwies er auf eine strukturelle Grundbedingung Kurbrandenburgs, die aus der spätmittelalterlichen Verfasstheit des Heiligen Römischen Reichs herauswuchs.

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Dies soll aber nicht heißen, dass der Hof zu Berlin-Cölln in der politischen Landschaft des Reichs kein wichtiger Ort war. Vielfach kamen Besucher fürstlichen Standes hierher, vielfach ließen sich fremde Räte in diplomatischen Missionen an der Spree blicken. Wenn wir nach den Besuchern fürstlichen Standes fragen, so stoßen wir hauptsächlich auf zwei Netzwerke, in welche der Berliner Hof eingebunden war. Dabei handelte es sich einerseits um Besucher, die selbst, wie Joachim, dem Haus Brandenburg angehörten. Das Haus Brandenburg, von dem neben den eigenen Besitztümern vor allem das Erzbistum Mainz, die fränkischen Markgrafentümer Ansbach und Kulmbach sowie das säkularisierte Deutschordensgebiet in Preußen beherrscht wurde, stellte im 16. Jahrhundert für die kurbrandenburgische Politik einen sehr wichtigen Handlungsrahmen dar.

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Andererseits war es jedoch schon das erklärte Ziel des Kurfürsten Albrecht Achilles im 15. Jahrhundert gewesen, die Mark Brandenburg mit Freunden zu umgeben. So treffen wir, wenn wir den Beziehungssträngen des Berliner Hofes folgen, auf intensive Bindungen zu anderen Höfen im Norden bzw. Nordosten des Reiches. Dies gilt insbesondere für Kontakte zu Mecklenburg, Anhalt und Braunschweig sowie für das herzogliche und kurfürstliche Sachsen. Zudem war man mit den Häusern Sachsen und Hessen seit langem durch Erbeinungen verbunden, weshalb man auch den Kasseler Hof diesem Kreis zurechnen muss. Damit ist freilich noch nichts über die jeweilige Qualität der Beziehungen, über etwaige Klientelbildungen oder Ähnliches gesagt, was für meine weitere Argumentation auch nicht notwendig ist. Es genügt hier, die wesentliche Koordinaten des kurbrandenburgischen Beziehungsnetzes festzuhalten, und diese heißen zusammenfassend Ansbach, Mainz und Königsberg einerseits sowie Schwerin, Wolfenbüttel, Dessau, Dresden, Wittenberg, Torgau und Kassel andererseits.

Joachim II. und der Chor der Stiftskapelle zu Berlin-Cölln

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Was Joachim II. betrifft, so gehören Prunkliebe, Kunstsinnigkeit, aber auch eine besondere Wertschätzung für die Musik seit dem 19. Jahrhundert zu den wenigen historiographischen Gewissheiten über diesen Kurfürsten, wenngleich diese in jüngster Zeit mehr als Ausfluss des zeitgenössischen Repräsentationsbetriebs denn als individuelle Neigungen gesehen werden.8 Zu den am meisten zitierten Belegen für diese Aussage zählt ein Selbstzeugnis Joachims aus dem Jahre 1563, in welchem er behauptet, bereits als Knabe von Kardinal Albrecht und seinen Eltern zum Kirchengesang herangezogen worden zu sein.9 Als Beispiele führt er das Incipit des Agnus Dei und des Hymnus Gloria an, also zwei Bestandteile der Messe. Daneben bestätigen chronikalische Aufzeichnungen, dass Joachim II. insbesondere Choräle wertzuschätzen wusste, diese gerne selbst laut mitsang und in der Kirche selbst die Kapelle leitete.10

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Bestätigt werden die retrospektiv angelegten Quellen durch einen weiteren Beleg, der erst in den letzten Jahren zum Vorschein gekommen ist. 1520 wandte sich Joachim (II.) mit einem Schreiben an den Fürsten Johann IV. von Anhalt-Dessau, welcher in den vorangegangenen Jahren gemeinsam mit Joachim am kurbrandenburgischen Hof erzogen und unterrichtet worden war und deshalb zu den engsten Vertrauten des Kurprinzen gerechnet werden darf. Der abwesende Kurfürst hatte seinen Sohn erstmals in Berlin-Cölln als Statthalter zurückgelassen.

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Das fragliche Schreiben trägt schelmische Züge. Der Kurprinz unterzeichnete mit dem Titel eines "Königs von Berlin", eines "noch nicht promovierten Baccalaureus der Rechte" sowie des "obersten Sangmeisters im grünen Gemach".11 Wie können wir diese Worte deuten? Beim Sangmeister bzw. Kantor handelte es sich, im Gegensatz zum Musicus, um einen Praktiker, einen Gesangslehrer oder Chorleiter,12 wie es ihn in der Kapelle des im Berliner Schloss angesiedelten Erasmusstifts gegeben haben dürfte. Zumindest in späteren Jahren wurde dort neben dem Kantorat auch ein Sukzentorat (Stellvertreter) unterhalten.13 Darauf scheint Joachims Formulierung vom "obersten Sangmeister" zu rekurrieren. Schwer einzuordnen ist die Ortsbezeichnung "im grünen Gemach", denn ein solches ist der Berliner Schlossgeschichte bislang nicht geläufig.

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Insgesamt scheint der Tenor der drei Titel leicht zu entschlüsseln. Der "König von Berlin" sowie der "noch nicht promovierte Baccalaureus" deuten an, dass den Kurprinzen der Vater ohne Machtbefugnisse an der Spree zurückließ. Seine Erziehung war noch nicht abgeschlossen, Joachim durfte noch keine Herrschaftsrechte ausüben. Alles was ihm in dieser Situation blieb, war, etwas zu tun, was er gerne tat, nämlich die Stiftskapelle zu dirigieren. Die Kapell-Leitung wird gewissermaßen zur Chiffre einer begrenzten, spielerischen Form der Herrschaftsausübung. Als Denkfigur liegt dem eine Parallele zwischen Kapell-Leitung und Herrschaftsausübung zugrunde. Das ist durchaus nicht abwegig, wenn man bedenkt, dass das politische Tagesgeschäft im 16. Jahrhundert ganz wesentlich im Zusammenspiel zwischen dem Herrscher und einer kleinen Schar fürstlicher Räte betrieben wurde.14

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Die Quelle belegt einmal mehr, dass die Anfänge der brandenburgischen Hofmusik, wie schon Curt Sachs meinte, in der Kapelle der Stiftskirche zu Berlin-Cölln zu suchen sind. Dort muss also bereits am Ende der Regierungszeit Joachims I. ein mit Kantor und Sukzentorat ausgestattetes Vokalensemble bestanden haben, das in einem vermutlich im Schloss liegenden grünen Gemach angesiedelt war. Wurden diese Sänger auch zur Hofmusik herangezogen? Dies ist durchaus nicht unwahrscheinlich, quellenmäßig belegen lässt sich eine solche Praxis jedoch erst für das frühe 17. Jahrhundert.15 So kann vermutet werden, dass die Hofmusik spätestens seit den 1520er Jahren ebenfalls von den Vokalisten des Stiftes bestritten wurde.

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Bekannt dagegen sind zwei der Kantoren des Stifts: 1536 ein Sangmeister Finke und um die Jahrhundertmitte Jakob Stendal, der zugleich Stiftsdekan war.16 Über die Anzahl der Choralisten wissen wir allerdings kaum etwas. Sachs hat dazu widersprüchliche Indizien zusammengetragen und diskutiert, jedoch letztlich ohne eindeutigen Befund. So spricht ein nach paläographischem Befund auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zu datierendes Reglement des Erasmusstifts davon, dass die Domherren, Vikare und Chorschüler auf den Kantor achten sollen, damit sie nicht zu langsam singen und die Töne richtig treffen.17 Dies erinnert an die Kritik, die Joachim anlässlich seines Glaubensbekenntnisses an den Geistlichen der Stiftskirche übte. So hätten sie die "psalmen nacheinander weg gesungen, das man die wort nicht verstanden".18

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Interessant an der ersten Aussage erscheint vor allem die Zusammensetzung des Chors, der, wie damals üblich, offenbar aus erwachsenen Männern, den Domherren und Vikaren, sowie den Chorschülern, also vermutlich Knaben vor dem Stimmbruch, bestand.19 Die Anzahl der Knaben ist jedoch genauso ungewiss wie die der Choralisten selbst. Zwei überlieferte Paramenten-Inventare aus den Jahren 1537 und 1538 führen für die sogenannten Alleluja-Knaben jeweils zwei Gewänder in unterschiedlichen liturgischen Farben auf.20 Es ist also durchaus möglich, dass nur zwei Knaben eingesetzt wurden. Dies wäre keinesfalls ungewöhnlich gewesen. Wie Richard Wistreich nachgewiesen hat, gehörten den Kapellen des 16. Jahrhunderts typischerweise zwischen zwei und sechs Knaben an, die in der polyphonen Gesangspraxis dann die Diskantpartien übernahmen.21

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Das Niveau dieser Kapelle muss nicht grundsätzlich schlecht gewesen sein, wie das soeben paraphrasierte Reglement anzudeuten scheint. Denn Möglichkeiten zur Rekrutierung geeigneter Knaben gab es im Grunde sowohl lokal als auch regional in ausreichendem Maße. So bestanden in Berlin-Cölln, aber auch in anderen kurbrandenburgischen Landstädten Lateinschulen, an denen Sänger rekrutiert werden konnten.22 Denn einschlägige Forschungen haben längst erwiesen, dass Gesangsunterricht ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts an diesen Schulen war.23 Wie diese im Repräsentationsbetrieb der Zeit eingesetzt wurden, kann anhand eines kurzen Beispiels verdeutlicht werden.

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Anfang des Jahres 1523 reiste Joachim noch als Kurprinz aus Nürnberg, wo das Reichsregiment tagte, nach Berlin-Cölln zurück. Über diese Reise sind wir durch eine Reiserechnung recht gut unterrichtet.24 Wer sie analysiert, wird erkennen, dass der Kurprinz als Mittelpunkt eines umfangreichen Gefolges reiste, das Teile des kurfürstlichen Hofes umfasste. Die Trinkgelder, die in den Rechnungen verzeichnet sind, zeigen uns, dass zu Joachims Einzug gerade in den kleineren Städten regelmäßig der Schulmeister mit den Schülern aufgeboten wurde, um die Gäste mit Gesangsdarbietungen zu empfangen.

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Dies war namentlich in Forchheim, Coburg, Gräfenthal, Saalfeld, Weißenfels und Wittenberg der Fall. In Bamberg und Leipzig spielten dagegen Pauker bzw. Trommler und Pfeifer auf. Offenbar war die Musikkultur in den genannten Städten gut genug, um sich vor dem hochrangigen Gast nicht völlig zu blamieren. Weshalb sollte dies an den Lateinschulen Kurbrandenburgs anders gewesen sein? So kann man vermuten, dass sich die Stiftskapelle letztlich in eine lokale bzw. regionale Musikkultur einfügte. Über deren Niveau sind wir letztlich freilich nicht näher unterrichtet.

Organisten im Netzwerk des Hofes

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Die Chorknaben des kurbrandenburgischen Hofes wurden also möglicherweise an den Lateinschulen rekrutiert, während ansonsten die Stiftsherren als Vokalisten dienten. Dagegen wurden die Instrumentalisten über die Netzwerke des Hofes gewonnen. Doch welche Netzwerke nutzte Joachim II. zu diesem Zweck? Verließ er sich auf seine Beziehungen zu Kardinal Albrecht von Mainz? Diese Frage soll am Beispiel der Organisten und Trompeter dargestellt und diskutiert werden, da hier die Quellenlage vergleichbar günstig ist.

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Die Orgel spielte in der Kirchenmusik seit langem eine zentrale Rolle. Schon im Spätmittelalter gab es in vielen kurbrandenburgischen Kirchen Orgeln. Bei den Reformatoren des 16. Jahrhunderts genoss die Orgel zunächst keinen besonders guten Ruf, galt sie doch als Spezifikum der vorreformatorischen Messe.25 Dennoch wurden Orgeln in Mitteldeutschland überall dort, wo sie verfügbar waren, im Laufe der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den protestantischen Gottesdienst integriert.26 Dies galt auch für Kurbrandenburg und die Kirchen und Kapellen unter landesherrlichen Patrozinium. Sowohl das Domstift zu Berlin-Cölln, die Erasmuskapelle im dortigen Schloss und die Kapelle des beliebten Jagdschlosses in Grimnitz waren mit Orgeln ausgerüstet.27

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Auch sonst erfreuten sich die Orgeln bei den Fürsten der Reformationszeit anhaltender Beliebtheit, und zwar als Ersatz für den (polyphonen) Chorgesang: "Neben dem Singen spielte auch das Beherrschen der Orgel eine nicht zu vernachlässigende Rolle, vor allem in den Kirchen, wo es keine ältere Chortradition gab oder die nötigen finanziellen Mittel nicht zur Verfügung standen. Das virtuose Orgelspiel ersetzte vielfach offenbar die polyphone Vokalmusik. "28

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Traf dies auch auf den kurbrandenburgischen Hof zu? Ein Indiz, das diese Schlussfolgerung nahelegt, ist ein Inventar aus dem Jahre 1557, in dem die Tabulatoren aufgeführt sind, welche dem Organisten Johann Hornburg übergeben wurden.29 Darin sind nicht nur Tabulatoren von Chorälen aufgeführt, sondern auch von französischen und italienischen Motettensammlungen sowie von deutschen Tenorliedern. Komponisten werden in diesem Zusammenhang nicht aufgeführt – mit der Ausnahme des Andreas Ornitoparchus. Daraus mag man schließen, dass das Orgelspiel ein beliebter Rezeptionskanal für die zeitgemäße Polyphonie war. Auch dies ist keine kurbrandenburgische Besonderheit. "Wie schon vor der Reformation", so der Musikhistoriker Manfred Schuler, "spielte der Organist im frühprotestantischen Gottesdienst auf der Orgel Motetten. "30

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Für die Regierungszeit Joachims II. sind insgesamt sechs Organisten namentlich bekannt,31 von denen 1536 und 1542 nur je einer, später aber in der Regel stets drei gleichzeitig bestallt waren.32 Für fünf dieser Organisten lassen sich aus verschiedenen Quellen Mosaiksteinchen zusammenfügen, welche deren Positionierung in den Netzwerken des kurbrandenburgischen Hofes erkennen lassen.

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Der wohl erste Organist, den Joachim II. engagierte, war ein gewisser Hans Goppel bzw. Joppel. Im April 1535 wandte sich Joachim schriftlich an Herzog Georg (den Bärtigen) von Sachsen, den Vater seiner verstorbenen ersten Ehefrau, und bat ihn darum, eben diesen Hans Goppel zu ihm zu schicken. Joachim war zu diesem Zeitpunkt noch Kurprinz – sein Vater starb erst im Sommer desselben Jahres – und gerade mit den Planungen für seine zweite Hochzeit beschäftigt. Die polnische Prinzessin Hedwig war seine Braut.

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Dies ist nicht zuletzt deshalb ein aufschlussreiches Detail, weil die Hochzeit in Krakau stattfinden sollte, Joachim also offenbar plante, eigene Musiker oder zumindest einen eigenen Organisten mitzubringen. Aufgrund seiner Ehe mit der verstorbenen Tochter Georg des Bärtigen war Joachim mit dem Dresdner Hof vertraut, hatte ihn wiederholt besucht, und kannte den Organisten Goppel daher vermutlich aus eigener Anschauung. Georg teilte dem Kurprinzen im selben Atemzug mit, dass Goppel sich strafbar gemacht habe, indem er sich "eynn Lange zeyth vnß vnersacht vonn weyb vnndt kindt außheymisch gemacht"33 habe. Zwar verlangte Herzog Georg, sein Schwiegersohn möge Goppel nach seiner Hochzeit nach Dresden zurückschicken, doch schließlich finden wir ihn dann doch als Organisten in Berlin.

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Die Krakauer Hochzeit war ein großes Ereignis für das Haus Brandenburg. Zu den zahlreichen Gästen zählte auch Herzog Albrecht von Preußen, ein weitläufiger Verwandter des mittlerweile den Kurhut tragenden Joachim II. Der Herzog war es gewesen, der die Hochzeit mit der polnischen Prinzessin eingefädelt hatte. Zählte der Preußenherzog zu jenen, welche den entliehenen Organisten Hans Goppel in Krakau aufspielten hörte?

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Mit Sicherheit lässt sich diese Frage nicht beantworten. Auffällig ist jedoch, dass Herzog Albrecht im darauffolgenden Jahr einen jungen Organisten namens Albrecht Buchs ausgerechnet zu Goppel in die Lehre schickte.34 Ob dieser damals bereits in Berlin war, lässt sich nicht mit Sicherheit klären, denn die erhaltenen Abschriften der herzoglichen Schreiben aus den Jahren 1536 und 1537 an Goppel nennen dessen damaligen Dienstort nicht.35 Erst weitere Schriftwechsel aus dem Jahr 1539 belegen eindeutig, dass Goppel nach 1536 in den Dienst Joachims II. eingetreten war. Darin berichtete Goppel dem hessischen Landgrafen als kurbrandenburgischer Organist über das Verhalten der Räte in Dresden nach dem Tod Herzog Georgs von Sachsen.36

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In demselben Jahr versuchte Herzog Albrecht von Preußen sogar Goppel abzuwerben, denn seine neue Schlosskirche in Königsberg wollte er "mitt dem besten vnnd bestendigstenn"37 versehen. Goppel sollte nach Königsberg kommen, um "die Orgel zuversuchenn vnnd wes nach dabey zuthun, dasselbig helfenn ins werg zu bringenn".38 Landgraf Philipp von Hessen war ihm jedoch zuvor gekommen und hatte Joachim seinen Organisten bereits abgejagt. Wie es scheint, war es Joachim II. gelungen, mit Goppel zumindest für eine gewisse Zeit ein echtes Talent an seinen Hof zu locken.

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Als Goppel 1540 mit erst dreißig Jahren in Kassel starb, lobte ihn Johann Meckbach, der Leibarzt des Landgrafen, in einem Brief an Eobanus Hessus überschwänglich als Musiker, der seinesgleichen in Deutschland nicht hätte.39 Dabei konnte Goppel in Berlin wohl nie das Amt eines Hoforganisten erlangen. In den Schreiben Herzog Albrechts wurde er jedenfalls stets lediglich als "Organist"40 bezeichnet. (Albrecht Buchs scheint übrigens erst 1541 nach Königsberg zurückgekehrt und dort später außerordentlich geschätzt worden zu sein. Seine Besoldung war Ende der 1540er Jahre doppelt so hoch wie die des Kapellmeisters.41)

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Noch einen zweiten Organisten warb Joachim II. in Dresden an, allerdings erst zwanzig Jahre später. Dabei handelte es sich um Jacob Mors,42 der aus einer Antwerpener Orgelbauerfamilie stammte und seit 1548 zunächst in Schwerin als Hof- und Domorganist tätig war, bevor er zum 1. Januar 1554 als Hoforganist nach Dresden ging. Noch vor Ablauf der auf sechs Jahre angesetzten Dienstzeit wechselte Jacob Mors dann jedoch in kurbrandenburgische Dienste, wo er bis 1585 nachweisbar ist.

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Die näheren Begleitumstände des Übertritts in kurbrandenburgische Dienste sind in seinem Fall leider nicht bekannt. Ganz allgemein wird man jedoch auf die anhaltend engen Beziehungen zwischen den Höfen zu Berlin-Cölln und Dresden einerseits, aber auch zwischen Berlin-Cölln und Schwerin andererseits hinweisen können. So erbat sich Joachim II. 1559 aus Schwerin Hieronymus und Antonius Mors, zwei Brüder seines Hoforganisten Jacob, die dann im Folgejahr tatsächlich längere Zeit in Berlin weilten, um dort eine neue Orgel zu bauen.43

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Nicht nur zwischen benachbarten Höfen zirkulierten Organisten, sondern auch zwischen dem Hof und den Landstädten. Dies gilt zumindest für Frankfurt an der Oder, wo insbesondere die Marienkirche mit der angeschlossenen Lateinschule eine Stätte der Musikpflege darstellte.44 Seit den 1540er Jahren war für den Berliner Hof der Organist Leonhard Franck tätig, bevor dieser an die Frankfurter St. Marienkirche wechselte, wo er zwischen 1554 und 1559 nachgewiesen ist.45

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Dieser Austausch funktionierte aber auch in entgegengesetzte Richtung. Hornburg war möglicherweise ab 1552 an der Marienkirche beschäftigt, bevor er 1554 die Stelle eines kurfürstlichen Organisten in Berlin-Cölln antrat.46 Dieser Organist scheint sich eines ähnlich guten Rufs erfreut zu haben wie vor ihm Hans Goppel, denn 1564 schickte Herzog Albrecht von Preußen wiederum einen Organisten nach Berlin, diesmal den jungen Andres Schultz, um ihn dort unterrichten zu lassen. Hornburg bezog von Herzog Albrecht dafür ein vergleichsweise hohes Honorar von 104 Reichstalern Lehr- und Kostgeld für zwei Jahre.47 Auf Bitten Hornburgs konnte Schultz schließlich sogar noch ein zusätzliches Jahr in Berlin bleiben, um seine Fähigkeiten weiter zu vervollkommnen.48 Als die Ausbildung 1569 endlich abgeschlossen war, hatte man in Königsberg jedoch keine Verwendung mehr für Schultz, denn sein Förderer Herzog Albrecht war zwischenzeitig verstorben.49

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Erfolgreicher war Hornburg selbst, der 1573 von Kurfürst Johann Georg von Brandenburg "von dato an ferner vf zeitt vnnd lauf seines lebens" eine Bestallung "zu vnserm HoffOrganisten" erhielt.50 Verbindungen unterhielt Hornburg in späteren Jahren zu Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, Bischof von Halberstadt, der ihm 1582 15 Taler verehrte51 und ihn 1596 als einen von 53 berühmten Organisten zur Einweihung der Kirche in seiner bischöflichen Residenz Gröningen einlud.52

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Über Hornburgs Vorgänger Hans Kellner ist dagegen sehr wenig bekannt – zu wenig, um über dessen Einbindung in die Netzwerke des kurbrandenburgischen Hofes etwas aussagen zu können. Aufschlussreich ist jedoch ein Schreiben, dass er am 4. November 1554 an den Hamburger Organisten Valentin Pralle schickte.53 Darin bat Kellner seinen Korrespondenzpartner, ihm seine Meinung zu einer beigefügten (nicht erhaltenen) Motette mitzuteilen, und ihm möglichst etwas Neues von Clemens non Papa zukommen zu lassen. Dies allein schon ist ein singuläres Zeugnis für das Interesse des kurbrandenburgischen Hofes an der zeitgenössischen Musikentwicklung, galt der genannte doch als einer der wichtigsten Komponisten seiner Zeit.

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Dieses Schreiben ist seit langem bekannt,54 es geht daraus jedoch noch mehr hervor, als von Sachs mitgeteilt. So zeigt die Grußadresse, dass Kellner und Pralle mehrfach miteinander korrespondierten, weshalb das Schreiben auch eines von wenigen Zeugnissen für die Netzwerke ist, welche die Musiker selbst unterhielten. Zudem ließ Kellner Pralle wissen, dass er mit demselben Boten an den ebenfalls in Hamburg ansässigen Orgelbauer Jacob Scherer ein Schreiben gesandt hatte. Dies lässt insofern aufhorchen, als die Scherer-Werkstatt wiederholt in der Mark Brandenburg Orgeln baute.

Trompeter im Netzwerk des Hofes

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Die zweite Gruppe von Instrumentisten, auf die hier eingegangen werden soll, sind die Hoftrompeter. Sie waren mehr als bloße Herolde, die im Rahmen der höfischen Kommunikation eingesetzt wurden. Sie waren gut ausgebildete Musiker, die mehrere Instrumente beherrschten.55 Die Sonderstellung der Trompeter geht nicht zuletzt aus der Tatsache hervor, dass sie zu den wenigen Musikern gehörten, die dem Hof (und nicht der Stiftskapelle) angehörten.56

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Von der Mitte der 1540er Jahre bis mindestens 1564 standen die Trompeter Jacob Schultz, Peter Siebert und Georg (Jörg) Bremssendall in Joachims Diensten. Als vierter Trompeter diente zunächst ein gewisser Asmus, ab 1549 dann Dietrich Stohn. Außerdem ist in demselben Zeitraum ein Zinkenist namens Heinrich am kurbrandenburgischen Hof nachgewiesen.57 Diese fünf Personen machten den Kern des kurbrandenburgischen Bläserensembles aus. Der Organist Hornberg verwaltete unter seinen Tabulaturen auch "2 Trommeter Bucher"58 des Andreas Ornitoparchus, doch weitere dürften wohl vorhanden gewesen sein.

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Eine wesentliche Ausweitung erfuhr das Trompeterensemble unter Joachim II. nur temporär, und zwar ein einziges Mal anlässlich der Feldhauptmannschaft, die ihm auf dem Speyerer Reichstag 1542 für einen Kriegszug gegen die Osmanen in Ungarn angetragen wurde. In der Bestallungsurkunde wurden dem Kurfürsten nicht nur Soldzahlungen in Höhe von 2.400 Gulden monatlich in Aussicht gestellt, sondern auch die Unterhaltung eines umfangreichen Gefolges (200 Pferde), darunter auch zwölf Trompeter, ein Heerpauker und ein Herold mit Knecht.59 Diese Aufzählung ist durchaus aufschlussreich, zeigt sie doch zugleich die Nähe der Trompeter zu den Herolden wie auch die Emanzipation ersterer gegenüber letzteren.

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Die Namen60 dieser zwölf Trompeter sind der musikhistorischen Forschung bereits seit längerem bekannt, allein der Bezug zum Türkenfeldzug war ihr bislang entgangen. Im Dunkeln blieb daher auch, dass es sich bei den zwölf Trompetern nicht um die gewöhnliche Stärke des Bläserensembles handelte. Vielmehr hatte Joachim es aus gegebenem Anlass aufgestockt. Das Reichskriegsvolk, dem Joachim als Feldhauptmann vorstand, setzte sich aus den Kontingenten der Reichskreise zusammen sowie aus den Mitgliedern des hohen Reichsadels, welche diese anführten. Dementsprechend groß war Joachims Bedürfnis, sich vor den mit ihm in den Krieg ziehenden Standesgenossen durch das umfangreichste Gefolge und das – vermutlich – größte Bläserensemble wirksam in Szene zu setzen.

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1542 tauchen auch die Trompeter Amus, Schultz und Siebert erstmals am kurbrandenburgischen Hof auf. Wurden sie im Vorfeld des Türkenkrieges, vielleicht sogar auf dem Speyerer Reichstag angeworben? Wir wissen es nicht. Denn über Herkunft und Rekrutierung der Trompeter lässt sich nur ausnahmsweise einmal etwas aussagen. So kam Dietrich Stohn aus Weimar.61 Immerhin lässt die lange Verweildauer der vier genannten Trompeter auf eine starke Bindung an Ort und Dienstherrn schließen. Indizien sprechen jedoch dafür, dass die Trompeter aus Familien stammten, die über Generationen als Musiker tätig waren. Trompeter mit den Familiennamen Siebert und Bremssendall finden sich noch 1585 in der kurbrandenburgischen Hofkapelle.62

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Außerdem führt Joachims Hofstaatsverzeichnis aus den 1540er Jahren einen Musiker namens Hans Baumeister auf, der von seinem Vater, einem Trompeter in den Diensten des Magdeburger Erzbischofs, zwischen 1555 und 1558 an den Dresdner Hof zu Antonio Scandelli zur Ausbildung als Zinkenist gegeben wurde. Was aus Baumeister später wurde, ist jedoch nicht bekannt. Nach Berlin-Cölln scheint er jedenfalls nicht zurückgekehrt zu sein.63

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Neben den vier "fest" bestallten Trompetern hielten sich wohl noch einige weitere nur temporärin Berlin-Cölln auf, möglicherweise im Rahmen ihrer Ausbildung in Berlin-Cölln aufhielten. Darauf deutet auch ein Schreiben des Herzogs Adolf von Schleswig-Holstein hin, der Joachim II. 1552 bat, er möge ihm schnellstens zwei Trompeter nach Gottorf schicken, da er "beuorn anderen fursten (inmassenn wir dann daruon berichtet) mit gute thrumpetern versehenn sein".64 (Dass es sich dabei nicht um reine Courtoisie handelte, geht aus einem gleichzeitigen Schreiben des Herzogs an Joachims Sohn, den Erzbischof von Magdeburg, hervor, worin er diesem ebenfalls um einen Trompeter bat, jedoch ohne dies zu begründen.65) Ein solches Anliegen hatte freilich nur dann Aussicht auf Erfolg, falls der Kurhof über das vierköpfige Bläserensemble hinaus Trompeter unterhielt. Ob Joachim dem Anliegen des Herzogs entsprach, ist jedoch nicht überliefert.

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Im kurfürstlichen Repräsentationsbetrieb spielten die Trompeter eine zentrale Rolle. Regelmäßig wurden sie von ihren Dienstherren auf Reisen mitgenommen und als Gesandte, Boten oder Herolde eingesetzt. So erbat sich Kurprinz Johann Georg 1555 von seinem Vater die Trompeter für einen ungenannten Anlass.66 Wie wichtig die Trompeter gerade für die Repräsentation in der Fremde waren, erkennen wir, wenn wir für einen Augenblick ins Jahr 1547 springen.

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Hinter uns liegt der Schmalkaldische Krieg, Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen befindet sich bereits in Gefangenschaft, nur das Schicksal des zweiten Hauptmanns des Schmalkaldischen Bundes, das des Landgrafen Philipp von Hessen, ist noch ungewiss. In dieser Situation traten Herzog Moritz von Sachsen und Kurfürst Joachim II. von Brandenburg als Vermittler auf; der Landgraf kapitulierte schließlich, die Unterwerfung unter den Kaiser sollte in Halle vonstatten gehen. Deshalb sehnte man Joachims Ankunft in Halle herbei.

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In der Stadt wimmelte es vor Spaniern aus dem kaiserlichen Gefolge. Überall hatten sie sich einquartiert, wie Joachims Gesandte berichteten, so dass kaum noch Unterkünfte aufzutreiben waren. Während der Kurfürst selbst nämlich noch im kaiserlichen Feldlager vor Wittenberg gebunden war, hatte er bereits seinen Rat Christoph von der Strassen und seinen Kanzler Johann Weinlöb zwecks Vorbereitung seiner Ankunft nach Halle geschickt.67 Strassen und Weinlöb buchten Joachim und sein Gefolge schließlich im "Goldenen Ring" ein – mit Unterbringungsmöglichkeiten für 40 Pferde.68 Joachim wollte den großen Auftritt und suchte zur passenden akustischen Untermalung seines Einzugs noch händeringend nach einem Trompeter. Doch vor Ort war man mehr am baldigen Eintreffen des Kurfürsten interessiert, weshalb der Marschall des Herzogs von Alba zum Verzicht auf derlei Brimborium riet.69 Wie dies ausging, muss ungeklärt bleiben.

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Diese kleine Episode zeigt nicht nur, wie wichtig, ja geradezu unverzichtbar die Trompeter im höfischen Repräsentationsbetrieb schienen; sie zeigt uns auch, dass diese zuweilen heftig gesucht waren. Gerade weil sie letztlich doch gut ausgebildete Musiker waren, waren sie gefragte Leute und aus Sicht des Hofes gewissermaßen ein Luxusgut, das, wie andere Luxusgüter auch, zwischen den Höfen zirkulierte.

Akademische Musikpflege - Zur Vernetzung von Hof und Universität

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Wie bereits gezeigt, spielten bei der Musikpflege nicht nur die Beziehungen zwischen den Höfen, sondern auch zwischen dem Hof und dem städtischen Bereich eine wichtige Rolle. In Frankfurt bestand mit der 1504 gegründeten Universität jedoch noch eine zweite Einrichtung, die für die Musikkultur der Mark Brandenburg wichtig war. Sie trug wesentlich dazu bei, dass sich Frankfurt an der Oder im 16. Jahrhundert zu einem Zentrum der Musikpflege im Nordosten des Heiligen Römischen Reichs entwickelte. Hier wurden viele Musiker ausgebildet, die später einschlägige Stellungen in der Mark Brandenburg, aber auch in umliegenden Territorien, namentlich in Schlesien bekleideten.70 Außerdem siedelte sich mit Johann Eichhorn ein Drucker in Frankfurt an der Oder an, der eine ganze Reihe von Tabulaturbüchern herausbrachte – nicht zuletzt für die an den Höfen der Zeit sehr beliebte Laute.71 Der bürgerschaftliche Anteil an dieser Musikkultur drückte sich in dem 1530 durch Jodocus Willich gegründeten "Convivium musicum"aus, eine der ersten derartigen Zusammenschlüsse im frühneuzeitlichen Europa.72

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Noch als Kurprinz hatte Joachim begonnen, sich um die Entwicklung der Viadrina zu sorgen, und 1535 einen Besuch Melanchthons in Berlin-Cölln dazu genutzt, sich von diesem in dieser Angelegenheit beraten zu lassen.73 Auch nach dem Herrschaftsantritt verließ sich Joachim auf Melanchthon, wenn es darum ging, neue Professoren für seine Universität zu gewinnen.

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So wurde in der Folge eine ganze Reihe an Wittenberger Gelehrten nach Frankfurt an der Oder berufen, darunter auch der flämische Josquin-Schüler Adrian Petit Coclico, der 1546 nach Frankfurt an der Oder kam, wo er "zum professorj musice artis der vniuersitet" zugeordnet wurde.74 Er folgte Johannes Volckmar, der zuvor ohne einen solchen Titel am Pädagogium Vorlesungen zur Musik gehalten hatte.75 Eine gewisse Nähe zum Kurfürsten war wohl vorhanden, denn im November 1546 besuchte er diesen in Berlin-Cölln, um die Auszahlung seines seit einem dreiviertel Jahr rückständigen Gehalts zu erbitten.76 Außerdem soll Joachim dem Flamen die Scheidung von seiner ehebrüchigen Frau in Aussicht gestellt haben.77

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Möglicherweise waren es gerade die Verbindungen zum Haus Brandenburg, die Coclico suchte. Denn indem er eigene Kompositionen nach Königsberg schickte, diente er sich Herzog Albrecht als Musiker an. Nach einem Zwischenspiel in Stettin nahm ihn Herzog Albrecht 1547 tatsächlich in seine Dienste auf.78 Was Kurbrandenburg betrifft, war er als Flame zusammen mit dem Sänger Giselinus Furnerius, der 1564 an den Hof kam, und dem bereits erwähnten Organisten Jacob Mors einer der wenigen in Brandenburg wirkenden Musiker, welche die damals führende Musikkultur der flämisch-burgundischen Höfe Westeuropas aus eigener Anschauung gekannt haben dürften.

<50>

Der kurbrandenburgische Hof bemühte sich jedoch nicht nur über die Beziehungen zur Wittenberger Universität einschlägige Experten zu rekrutieren, diese suchten auch von sich aus die Nähe zum Kurhof. Ein Beispiel hierfür ist Nikolaus Listenius, der aus Hamburg stammte, in Wittenberg studiert hatte und seit 1536 als Lateinschullehrer in Salzwedel tätig war. 153779 veröffentlichte er bei Georg Rhau in Wittenberg unter dem Titel "Musica Nicolai Listenii" ein Werk, das zu einem der erfolgreichsten Musiklehrbücher des 16. Jahrhunderts wurde. Es war für fortgeschrittene Schüler bestimmt und brachte die methodische Neuerung, die "mensurale Notation dadurch einzuführen, daß dasselbe Beispiel zuvor choraliter notiert wird. "80

<51>

Eine Nähe zur Dynastie der Hohenzollern stellte Listenius dadurch her, dass er sein Werk durch ein vorangestelltes Schreiben dem Kurprinzen Johann Georg widmete. Dass Gelehrte einen Text nicht an den aktuellen Herrscher, sondern an dessen Nachfolger adressiert wurden, war nicht ungewöhnlich. So hatte der Wittenberger Gelehrte und Schwiegersohn Melanchthons Georg Sabinus 1532 Joachim II. ebenfalls noch während dessen Kurprinzenzeit eine Schrift zugedacht.81

<52>

In seiner Widmung wies Listenius eingangs darauf hin, dass es gut und richtig sei, wenn sich Fürsten dem Studium der Musik hingeben.82 Johann Georg sei nun alt genug, um von der Süße des Gesangs ergriffen zu werden. Überhaupt seien die Gelehrten der Meinung, dass es gerade den höchsten der Fürsten anstehe, sich in der Musik zu unterrichten und mit dieser bekannt zu machen.

<53>

Als Beispiel führte Listenius den "rex et propheta" David an, der bei Joachim II. wie in der Reformationszeit überhaupt hoch im Kurs stand. Fort fuhr Listenius mit einem anverwandelten Zitat aus der Vitalians-Vita – Vitalian war ein Papst des 7. Jahrhunderts, dem man die Einführung der Orgel in den Gottesdienst zuschrieb –, wonach die Musikausübung bei allen Völkern und in allen Zeitaltern nicht als überflüssiges Spiel, sondern als Weg zu innerer Ruhe, zur Erkenntnis göttlicher Harmonie sowie zum rechten Verständnis der himmlischen Lehre betrachtet wurde.

<54>

Als zweites Beispiel für den Zusammenhang zwischen Herrschaft und Musik führte Listenius Homers Achilles an, der auf der Cythara gespielt habe. Indem er dies tat, erinnerte Listenius freilich an den Spitzenahn des Hauses Brandenburg, an den Kurfürsten Albrecht Achilles, der im 16. Jahrhundert als Beispiel für die Verbindung von Herrschaft und Rittertum immer wieder bemüht wurde. Mit der Cythara wurde zudem auf das nicht zuletzt Apoll, dem Gott der Musik und der Dichtkunst, zugeschriebene, und gerade deshalb an den Höfen der Renaissance sehr beliebte Lautenspiel hingewiesen. Achilles habe durch seine Musikausübung den vorbildlichen Männern gehuldigt, und dadurch das Streben nach Tugendhaftigkeit befördert.

<55>

Nach dieser humanistisch inspirierten Anknüpfung an Rollenvorbilder und dynastische Traditionen, welche an die Argumentationsmuster von Fürstenspiegeln erinnern, lobte Listenius, dass der Kurprinzen an das Beispiel der höchsten Könige (David und Achilles) anknüpfe und gleich seinen unmittelbaren Vorfahren, den beiden Joachims, die Musik studiere. Auf diese Weise erklärt Listenius die Musikpflege praktisch zur Familientradition.

<56>

Mit dieser Widmung wird der Autor wohl die Nähe, vielleicht sogar die Förderung des Kurhauses gesucht haben. Gewiss setzte Listenius den Kurprinzen, humanistischen Gepflogenheiten entsprechend, vom Erscheinen des ihm zugedachten Werkes in Kenntnis.83 Denn erst dies stellte sicher, dass die Widmung ihr Ziel nicht verfehlte. So wird die "Musica" dem Hof wohl bekannt gewesen sein. Ob sie im Rahmen der Prinzenerziehung eingesetzt wurde, wissen wir aber nicht. Der Zeitpunkt des Erscheinens scheint jedoch gut gewählt, denn Johann Georg hatte das zwölfte Lebensjahr erreicht und seine schulische Unterrichtung war gewiss bereits fortgeschritten. Listenius Widmungsschreiben selbst legt freilich diesen Kontext nahe oder drückt zumindest die Hoffnung aus, das Buch werde für die Unterweisung des Kurprinzen genutzt werden.

Fazit

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Den Grad der Institutionalisierung und Professionalisierung der Hofmusik unter Joachim II. wird man nicht überschätzen dürfen. Mit drei Organisten, einem Kern von vier Trompetern und einem Zinkenisten sowie der zumindest temporären Bestallung eines Harfenspielers bzw. Lautenspielers84 war zwar eine ganze Reihe professioneller Musiker in Berlin-Cölln tätig, aber als Sänger standen wohl lediglich Stiftskleriker und Chorknaben zur Verfügungen, die an Lateinschulen oder am Stift selbst erzogen und geschult worden waren.

<58>

Die Tatsache, dass selbst die professionellen Musiker nicht in einer Institution zusammengefasst wurden, sondern teils an der Stiftskirche, teils am Hof tätig waren, wirkte sich auf die musikalische Praxis vermutlich kaum aus. So spielte man sowohl im kirchlichen als auch im höfischen Rahmen gemeinsam auf. Zumindest der aus Organisten und Trompeter bestehende personelle Kern der Stifts- und Hofmusik wies seit den 1540er Jahren eine recht hohe Kontinuität auf. Die Beteiligung musikalischer Laien von Stift und Hof war keinesfalls ungewöhnlich. Insgesamt entspricht dieses Ineinander einer von musikalischen Laien und Experten getragenen Hofmusik dem (noch geringen) Professionalisierungsgrad der durch Diskontinuitäten geprägten Musikkultur der Renaissancezeit. Erst in den 1570er Jahren kam es zu einem weiteren Institutionalisierungsschub, der nicht zuletzt in den Entwürfen für Kapellordnungen ihren Ausdruck fand.

<59>

Die von Sachs konstatierte Vorbildwirkung des Neuen Stifts in Halle beschränkte sich wohl weitgehend auf Liturgie und Musikpflege im Neuen Stift zu Berlin-Cölln, prägte jedoch nicht die Musikpflege des Hofes insgesamt. Für die Rekrutierung der Musiker war der Beziehungsstrang nach Mainz unwichtig. Zum Tragen kam hier die Verflechtung des kurbrandenburgischen Hofes mit anderen Höfen, vor allem mit Dresden und Königsberg, aber auch mit Schwerin und Wolfenbüttel. Wichtig waren auch Verbindungen zu den Universitäten in Frankfurt an der Oder und in Wittenberg sowie zur Frankfurter Marienkirche.

<60>

Schwer zu beantworten bleibt freilich die Frage nach dem Niveau der Hofmusik unter Joachim II. Mit der gebührenden Vorsicht wird man jedoch davon ausgehen können, dass die engen Verflechtungen und Austauschbeziehungen mit den Höfen der Nachbarterritorien auf diesem Gebiet eine vereinheitlichende Wirkung hatten. Das Fluktuieren von Musikern, aber auch das gemeinsame Musizieren bei höfischen Festen trug sehr wahrscheinlich dazu bei, dass sich zumindest regional ein gewisser musikkultureller Standard etablierte, hinter den auch der Berliner Hof nicht eklatant zurückfiel.

<61>

Über eine Hofkapelle, die zahlenmäßig an jene in Dresden oder Königsberg85 heranreichte, verfügte Joachim jedoch zu keinem Zeitpunkt seiner Herrschaft. Obgleich vergleichsweise klein, besaß Joachims Ensemble einen guten Ruf. Namentlich die Organisten und die Trompeter, die Joachim anwarb, waren auch an den mit Berlin verflochtenen Höfen bekannt und geschätzt. So wuchs die Hofmusik unter Joachim II. in ein dezidiert protestantisches Netzwerk hinein.

Autor:

Dr. Mathis Leibetseder
Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
Archivstraße 12-14
D-14195 Berlin
mathis.leibetseder@gsta.spk-berlin.de


1 Curt Sachs: Musik und Oper am kurbrandenburgischen Hof, Berlin 1910, 19.

2 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 133-136.

3 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 30.

4 Meines Erachtens hat sich bislang lediglich Achim Beyer: Die kurbrandenburgische Residenzenlandschaft im "langen 16. Jahrhundert" (=Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, 65), Berlin 2014, 155-159 gegen die von Sachs' vertretene Auffassung gewendet. Für ihn ist die Kunstsinnigkeit Joachims II. nichts weiter als eine historiographische Legende. Nach Vergleichen mit dem Höfen des Kaisers, Bayerns und Kursachsens gelangt Beyer zu dem Schluss, die kurbrandenburgische Hofmusik habe im 15. und 16. Jahrhundert allenfalls den Minimalanforderungen des höfischen Repräsentationsbetriebs genügt. Das kurbrandenburgische Instrumental- und Vokalensemble konnte ihm zufolge bestenfalls "repräsentativer Heroldsfunktionen" (157) erfüllen, mehr aber nicht. Weder in der Hofkirche noch am Hof selbst, und zwar weder im Alltag noch in festlichem Rahmen konnte nationalen, geschweige denn internationalen Standards genügt werden. Insgesamt fallen Beyers Ausführungen sehr knapp aus, beziehen neuere Forschungen nicht ein, ja, diskutieren nicht einmal das von Curt Sachs vorgelegte Material in seiner gesamten Breite.

5 Zu denken wäre vor allem an Martin Ruhnke: Beiträge zu einer Geschichte der Deutschen Hofmusikkollegien im 16. Jahrhundert, Berlin 1963, 159-178. Ruhnke ermöglicht nicht nur die nähere Einordnung des Berliner Musiklebens aufgrund einer vergleichsweise breiten Datenbasis, sondern versucht sich auch erstmals an einer historisch-kritischen Diskussion der ersten, meist auf 1570 datierte Hofmusikordnung, die ihm zufolge erst nach 1571 entstanden ist. Die Hofmusikordnung(en) des 16. Jahrhunderts sind überliefert in Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (künftig GStA PK), I. HA GR, Rep. 36 Hof- und Güterverwaltung, Nr. 2396.

6 Heinrich Grimm: Meister der Renaissancemusik an der Viadrina. Quellenbeiträge zur Geisteskultur des Nordosten Deutschlands vor dem Dreißigjährigen Kriege, Frankfurt (Oder) / Berlin 1942; Klaus Wolfgang Niemöller: Untersuchungen zu Musikpflege und Musikunterricht an den deutschen Lateinschulen vom ausgehenden Mittelalter bis um 1600 (=Kölner Beiträge zur Musikforschung LIV), Regensburg 1969, 45-65; Wolfgang Jost / Hans-Günter Ottenberg / Martin Schieck: Das Frankfurter Musikleben im Zeitalter der Reformation. Projektdokumentation und Ausstellungskatalog (=Frankfurter Jahrbuch 2006), Jacobsdorf 2006. Zum Musikunterricht an den Lateinschulen allgemein: Martin Kinzinger: Varietatis puerorum. Unterricht und Gesang in Stifts- und Stadtschulen des späten Mittelalters, in: Martin Kintzinger / Sönke Lorenz / Michael Walter (Hg.): Schule und Schüler im Mittelalter. Beiträge zur europäischen Bildungsgeschichte des 9. bis 15. Jahrhunderts, Köln / Weimar / Wien 1996, 299-326.

7 Ursula Machoczek (Bearb.): Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe: Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., Bd. 18: Der Reichstag zu Augsburg 1547/48, Teilband 1, hrsg. von der Historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 2006, Nr. 9, 141; dieses Wort fiel freilich in einem bestimmten Argumentationszusammenhang: Joachim wollte erreichen, dass der Kaiser ihn früher zum Reichstag einlud. Dahinter stand das Ringen um den Vorrang, denn Joachim ging es darum, möglichst gleichzeitig und in der gleichen Form wie der sächsische Kurfürst zu den Reichstagen eingeladen zu werden. Zu diesem Aspekt allgemein: Barbara Stollberg-Rilinger: Des Kaisers alte Kleider. Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reichs, 2. Aufl., München 2013.

8 Johannes Schultze: Die Mark Brandenburg, 4. Band: Von der Reformation bis zum Westfälischen Frieden (1535-1648), Berlin 1964, 11-12; Zur Relativierung der älteren Forschungsmeinung z.B. Wolfgang Neugebauer: Die Hohenzollern, Band 1: Anfänge, Landesstaats und monarchische Autokratie bis 1740, Stuttgart / Berlin / Köln 1996, 85.

9 GStA PK, I. HA GR, Rep. 2, Nr. 1, Bl. 77 VS-102 RS, hier: Bl. 80 RS – 81 VS; Bekenntnis Kurfürst Joachims II (1563). Edition: Paul Steinmüller (Hg.): Das Bekenntnis Joachims II., in: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte 17 (1904), 237-246, hier: 239.

10 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 20; Sachs bezieht sich auf Friedrich Holtze (Hg.): Creusingers Märkische Fürsten-Chronik, Berlin 1886 (=Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, 23), 1-205, hier: 168 und Andreas Musculus: Leichenpredigt jnn der Sepultur, des … Joachim Marggraffen zu Brandenburg, … [Leichenpredigt auf Kurfürst Joachim II. von Brandenburg], Frankfurt an der Oder 1571, Lage C iii.

11 Gerrit Deutschländer: Dienen lernen, um zu herrschen. Höfische Erziehung im ausgehenden Mittelalter (1450-1550) (=Hallische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit 6), Berlin 2012, 206.

12 Kintzinger: Varietas puerorum (wie Anm. 6), 310-312.

13 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 22.

14 Siehe hierzu: Mathis Leibetseder: Räte und liebe Getreue. Zur Frage nach dem politischen Kern der brandenburgischen Hof- und Landesverwaltung zu Beginn des 16. Jahrhunderts, in: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 65 (2014), 89-115.

15 GStA PK, I. HA Geh. Rat, Rep. 2, Nr. 1, Bll. 165 VS – 171 RS; Consistorialen bedenken, wegen einer kirchen ordnung im domb (1609).

16 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 22 und 133.

17 GStA PK, I. HA GR, Rep. 2, Nr. 1, B. 6 VS – 11 RS; Artikel des Domstifts zu Cölln an der Spree (o.J.), hier: insbes. Artikel 3-5. Edition: Nikolaus Müller: Die Statuten des Neuen Stifts zu Halle a. S. und des Doms zu Köln-Berlin und Bruchstücke des Breviarius dieser Kirchen, in: Jahrbuch für brandenburgische Kirchengeschichte 2/3 (1906), 233-336, hier: 334.

18 Steinmüller (Hg.): Das Bekenntnis Joachims II. (wie Anm. 9), 240.

19 Richard Wistreich: Who sings the 'cantus'?: children as performers of secular music in the early modern period, in: Jahrbuch für Renaissancemusik 10 (2013), 167-168.

20 Nikolaus Müller: Die Gründung und der erste Zustand der Domkirche zum hlg. Kreuz in Köln-Berlin und das Neue Stift in Halle a. S., in: Jahrbuch für brandenburgische Kirchengeschichte 2/3 (1906), 68-232, hier: 213 und 218.

21 Wistreich: Who sings (wie Anm. 20), 168.

22 Niemöller: Untersuchungen (wie Anm. 6), 45-65.

23 Kintzinger: Varietas puerorum (wie Anm. 6).

24 GStA PK, BPH, Rep. 30 Nr. C 1.

25 Manfred Schuler: Orgelspiel und Organist in Mitteldeutschland nach der Reformation, in: Jürgen Heidrich / Ulrich Konrad (Hg.), Traditionen in der mitteldeutschen Musik des 16. Jahrhunderts. Symposiumsbericht Göttingen 1997, Göttingen 1999, 89-104, hier: 91-92.

26 Schuler: Orgelspiel und Organisten (wie Anm. 26), 102.

27 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 24.

28 Jörg Bölling: Kinder, Chöre, Curricula : zur Institutions- und Bildungsgeschichte von 'pueri cantores', in: Jahrbuch für Renaissancemusik 10 (2013), 93-109, hier: 103.

29 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 199-201.

30 Schuler: Orgelspiel und Organist (wie Anm. 26), 97.

31 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 133-135; Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 160.

32 Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 178.

33 Jadatz, Heiko / Winter, Christian (Bearb.), Akten und Briefe zur Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen, 4. Bd.: 1535-1539, Köln / Weimar / Wien 2012, Nr. 2768, 134.

34 GStA PK, XX. HA, Ostpr. Fol. 27, 469-470; Herzog Albrecht von Preußen an Hans Goppel (o.O.; 1536-08-20); siehe hierzu auch Maria Federmann: Musik und Musikpflege zur Zeit Herzog Albrechts. Zur Geschichte der Königsberger Hofkapelle in den Jahren 1525-1578, Kassel 1932, 118.

35 Neben dem im Anm. 34 genannten Schreiben siehe GStA PK, XX. HA, Ostpr. Fol. 28, 65-66; Herzog Albrecht von Preußen an Hans Buchs (Königsberg, 1537-04-17); ebd., 66-67; Herzog Albrecht an Hans Goppel (Königsberg, 1537-04-17).

36 Walter Heinemeyer (Bearb.): Politisches Archiv des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen. Inventar der Bestände, 3. Bd.: Staatenabteilung Oldenburg bis Würzburg (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 24,1), Marburg 1954, 212, Nr. 2579.

37 GStA PK, XX. HA, Ostpr. Fol. 28, 409-410; Herzog Albrecht an Hans Goppel (o.O., 1539- 07-15); ebd. 435-436; Herzog Albrecht an Hans Goppel (Königsberg, 1539-09-08).

38 GStA PK, XX. HA, Ostpr. Fol. 17, 23; Herzog Albrecht von Preußen an Kurfürst Joachim II. von Brandenburg (Königsberg, 1539-07-14)

39 Ewald Gutbier: Hans Goppel, optimus musicus der Hofmusik in Kassel, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde 75/76 (1964/65), 135-138.

40 GStA PK, XX. HA, Ostpr. Fol. 28, 409; Herzog Albrecht an Hans Goppel (o.O., 1539-07-15).

41 Federmann: Musik und Musikpflege (wie Anm. 35), 119-120.

42 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 135; Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 188.

43 Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 188.

44 Karlheinz Schäfer: Märkisches Bildungswesen vor der Reformation, Berlin 1928, 70.

45 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 134; Grimm: Meister der Renaissancemusik (wie Anm. 6), 163.

46 Grimm: Meister der Renaissancemusik (wie Anm. 6), 161-162.

47 GStA PK, XX. HA, Ostpr. Fol. Nr. 32, 266–268; Herzog Albrecht von Preußen an Johann Hornburg (Neuhaus, 1564-10-10).

48 GStA PK, XX. HA, Ostpr. Fol. Nr. 32, 530-531; Herzog Albrecht von Preußen an Johann Hornburg (o.O., 1567-01-12); ebd., 552-553; ders. an dens. (o.O., 1567-03-18); ebd., 569-571; ders. an dens. (o.O., 1567-05-04); ebd., 673-675 VS; ders. an dens. (o.O., 1568-03-10).

49 Federmann: Musik und Musikpflege (wie Anm. 35), 123-124.

50 GStA PK, I. HA GR, Rep. 36 Hof- und Güterverwaltung, Nr. 2546, Bl. 1 VS. Horneburg wurden 100 Taler Besoldung, 60 Taler Kostgeld, Hofkleidung und Talglichter für die Orgel in Aussicht gestellt. Er hatte die Orgel im Domstift zu spielen, aber nach Belieben des Kurfürsten auch andernorts. Außerdem verwaltete er die Instrumente.

51 Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 62.

52 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 134.

53 Joseph Ludewig de Bouck: Ein Brief des Organisten Johann Kellner zu Cöln an der Spree an den Hamburgischen Organisten Valentin Pralle nebst einigen Musikalien und Notizen von der Hand der Letzteren, auf der Hamburgischen Stadtbibliothek aufgefunden und mitgetheilt, in: Serapeum. 20 (1856), 202-207. https://books.google.de/books?id=fVMDAAAAYAAJ&pg=RA2-PA202#v=onepage&q=pralle&f=false (eingesehen am 18. Mai 2016). (eingesehen am 18. Mai 2016)

54 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 25. Siehe auch Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 286.

55 Beyer: Residenzenlandschaft (wie Anm. 5), 156 sucht gerade an den Trompetern die These festzumachen, dass die kurbrandenburgische Hofmusik im 16. Jahrhundert einen Niedergang erlitten hätte. So sieht er die Tatsache, dass der 1508 bestallte Cunz Kolbe verpflichtet wurde, auch andere Instrumente zu spielen, als Beleg für die chronische Mittelknappheit der Kurfürsten. "Not macht bekanntlich erfinderisch! " lautet seine Schlussfolgerung. Das Ganze kann man freilich auch völlig anders interpretieren, nämlich als Beleg dafür, dass der bestallte kurfürstliche Trompeter ein ausgebildeter Musiker war, der mehrere Instrumente beherrschte.

56 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 27.

57 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 135-136; Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 176.

58 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 201.

59 GStA PK, BPH, Rep. 30 F1, Bll. 13 VS – 28 VS; Bestallung des Kurfürsten Joachim II. als Oberster Feldhauptmann im Krieg gegen die osmanischen Truppen in Ungarn (Speyer, 1542-04-11).

60 Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 176.

61 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 136.

62 Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 177.

63 Sachs: Musik und Oper (wie Anm. 1), 135.

64 GStA PK, I. HA GR, Rep. 36 Nr. 2428; Herzog Adolf von Schleswig-Holstein an Kurfürst Joachim II. von Brandenburg (Brandenburg/Havel, 1552-06-28).

65 GStA PK, I. HA GR, Rep. 36 Nr. 2428; Herzog Adolf von Schleswig-Holstein an Erzbischof Friedrich von Magdeburg ([Brandenburg/Havel], 1552-06-28). Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 203-207 kann für die Zeit vor 1574 keine Musiker am Gottorfer Hof nachweisen.

66 GStA PK, I. HA GR, Rep. 21, Nr. 46, Fasz. 2; Matthias von Saldern an Kurprinz Johann Georg von Brandenburg (Cölln/Spree, 1555-12-22).

67 GStA PK, I. HA GR, Rep. 39 Nr. 29, Bl. 72 VS – 75 RS; Christoph von der Strassen und Johann Weinlöb an Kurfürst Joachim II. von Brandenburg (Halle, 1547-06-11).

68 GStA PK, I. HA GR, Rep. 39 Nr. 29, Bl. 77 RS; Christoph von der Strassen und Johann Weinlöb an Kurfürst Joachim II. von Brandenburg (Halle, 1547-06-15).

69 GStA PK, I. HA GR, Rep. 39 Nr. 29, Bl. 79 VS; Christoph von der Strassen und Johann Weinlöb an Kurfürst Joachim II. von Brandenburg (Halle, 1547-06-15).

70 Jost / Ottenberg / Schieck (Hg.): Frankfurter Musikleben (Anm. 6), 96.

71 Jost / Ottenberg / Schieck (Hg.): Frankfurter Musikleben (Anm. 6), 98.

72 Hans-Günter Ottenberg: Umrisse des Frankfurter Musiklebens im Zeitalter der Reformation, in: Jost / Ottenberg / Schieck (Hg.): Frankfurter Musikleben (Anm. 6), 25-39, hier: 31.

73 Michael Höhle: Universität und Reformation. Die Universität Frankfurt (Oder) von 1506 bis 1550 (=Bonner Beiträge zur Kirchengeschichte 25), Köln 2002, 387.

74 GStA PK, I. HA GR, Rep. 51, Nr. 9a vol. 2; Kurfürst Joachim II. von Brandenburg an die Universität Frankfurt an der Oder (Cölln/Spree, 1546-11-10); siehe auch Höhle: Universität und Reformation (wie Anm. 73), 492; Marcus van Crevel: Adrianus Petit Coclico. Leben und Beziehungen eines nach Deutschland emigrierten Josquinschülers, Den Haag 1940, 172.

75 Höhle: Universität und Reformation (wie Anm. 74), 492.

76 Höhle: Universität und Reformation (wie Anm. 74), 492; GStA PK, I. HA GR, Rep. 51, Nr. 9a vol. 2; Kurfürst Joachim II. von Brandenburg an die Universität Frankfurt an der Oder (Cölln/Spree, 1546-11-10).

77 Crevel: Coclico (wie Anm. 75), 172.

78 Crevel: Coclico (wie Anm. 75), 177-228.

79 Oft wird 1533 nach Robert Eitner: Art. "Listenius, Nicolaus", in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), 778–779, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Listenius,_Nicolaus&oldid=2429121 (Version vom 2. Dezember 2015, 06:48 Uhr UTC) [Version vom 2. Dezember 2015, 06:48 Uhr UTC] als Jahr der Ersterscheinung angegeben. Die damals erschienene Schrift ist jedoch nicht identisch mit der "Musica".

80 Niemöller: Untersuchungen (wie Anm. 6), 54, Anm. 49.

81 Georg Sabinus / Ulrich von Hutten: Descriptio reditvs illvstris principis ac domini D. Ioachimi II. Marchionis Brandenburgensis [etc.] depulsis Turcis Anno M. D. XXXII/Panegyricus de illvstrissimo principe ac domino d. Alberto Electore Card. Archiepiscopo Moguntino [etc.], o.O. [1532].

82 Benutzte Ausgabe: Nikolaus Listenius: Mvsica. Nicolai Listenii, ab avthore denuo recognita, multisque nouis regulis & exemplis adaucta, Nürnberg 1541.

83 So teilte Philipp Melanchthon am 24. Juni 1539 in einem Schreiben mit, er habe ihm die Schrift De Ecclesiae Autoriate & de veterum scriptis libellus gewidmet; GStS PK, XX. HA, HBA Herzogliches Briefarchiv, A4 Kasten 200.

84 Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 176.

85 Ruhnke: Beiträge (wie Anm. 5), 146-147 und 219.

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Mathis Leibetseder
Protestantische Klangwelten?
Musik im Beziehungsgeflecht des kurbrandenburgischen Hofes der Reformationszeit
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Frühe Neuzeit (1500-1789)
Preußen bis 1947
Musikgeschichte
16. Jh.
Kurfürst Joachim II. von Brandenburg, Netzwerke, Hofmusik, Organisten, Trompeter
1535-1571
Herzogtum Preußen (4137053-3), Musikpflege (4128827-0), Hofmusik (4025520-7), Staatskapelle Berlin / Preussens Hofmusik (16174508-8), Joachim Hektor II., Brandenburg, Kurfürst (118557556)
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M. Leibetseder: Protestantische Klangwelten?
In: 450 Jahre Staatskapelle Berlin - eine Bestandsaufnahme: Die Entwicklung der Hofmusik von der kurfürstlichen Kapelle von Brandenburg zum Hoforchester des ersten Königs in Preußen. Beiträge des dritten Colloquiums in der Reihe "Kulturgeschichte Preußens - Colloquien" vom 16. bis 18. Oktober 2015, hg. von Lena van der Hoven (KultGeP - Colloquien 3)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/kultgep-colloquien/3/leibetseder_klangwelten
Veröffentlicht am: 07.09.2016 12:25
Zugriff vom: 07.04.2020 10:25
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