Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

A. Pečar: Der Berliner Hof im Kontext der europäischen Fürstenhöfe

Kulturgeschichte Preußens - Colloquien 3 (2016)

Andreas Pečar

Der Berliner Hof im Kontext der europäischen Fürstenhöfe

Überlegungen zur Funktionalität fürstlicher Hofhaltung

Abstract:

In diesem Beitrag wird die Frage diskutiert, welche politische Funktion der preußische Königshof unter den drei Monarchen Friedrich I., Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. zu erfüllen hatte, und an welchen europäischen Vorbildern man sich dabei orientiert haben mochte. Der Vergleich des französischen Königshofes in Versailles und des Kaiserhofes in Wien zeigt zwei unterschiedliche Formen barocker Hofhaltung – im ersteren Falle stand die Selbstdarstellung des regierenden Königs Ludwig XIV. im Vordergrund, im letzteren Falle die Tradition der Dynastie sowie der Rang und die Würde des Kaiseramtes. In Preußen hatte nur Friedrich I. versucht, eine Hofhaltung zu etablieren, die dem neu errungenen Königsrang entsprach. Seine beiden Nachfolger entschieden sich hingegen dafür, nur noch zu besonderen Anlässen einen dem Rang eines Königs entsprechenden Aufwand zu treiben, sich ansonsten aber vom Hofgeschehen zu distanzieren und statt dessen alternative Formen der Selbstdarstellung zu pflegen.

1. Fragestellung

<1>

Fragt man nach den Besonderheiten der Hofhaltung in Berlin im 18. Jahrhundert, so dürfte die diskontinuierliche Entwicklungsgeschichte dieser Institution zu den hervorstechendsten Eigenschaften zählen. Die Geschichte des Hofes wurde in der Forschungsliteratur lange Jahre unmittelbar verknüpft mit den Biographien der regierenden Könige und deren Persönlichkeit.

<2>

Als Ort barocker Repräsentation und Prachtentfaltung diente der Königshof nur unter dem ersten Monarchen, König Friedrich I. Die höfische Repräsentation wurde dabei bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts als Ausdruck von dessen Eitelkeit und Verschwendungssucht verstanden, war also negativ konnotiert – ganz gemäß dem Urteil, das Friedrich II. in seiner Geschichte des Hauses Brandenburg über seinen Großvater fällte.1 Erst seitdem in der Geschichtswissenschaft Fragen der symbolischen Kommunikation und des Zeremoniells eine größere Aufmerksamkeit zuerkannt wird und deren spezifische Logik im Zentrum des Interesses steht, werden die Repräsentationsbemühungen Friedrichs I. und sein Griff nach der Königskrone in Preußen unabhängig von Charaktermängeln erklärt – als notwendiges Mittel, um den eigenen Rang in der europäischen Fürstengesellschaft zu festigen und damit zugleich Mitspracherechte in diesem Kreis zu beanspruchen.2

<3>

Auf den vermeintlichen Verschwender folgte dann Friedrich Wilhelm I., dessen Maßnahmen zur Reduzierung des Hofstaates und dessen Eingriffe in das höfische Rangreglement gleichfalls biographisch gedeutet wurden: mit der Sparsamkeit des Königs, mit dessen Abneigung gegen höfische Sitten, ja mit dessen vermeintlich pietistischer Gesinnung sowie seiner geradezu bürgerlich anmutenden Nüchternheit und Strenge. Wenn von Friedrich Wilhelm I. als Erfinder des "Preußentums" und der "preußischen Tugenden" die Rede ist, so hat der Hof dabei keinen Platz, ja es ist gerade die Absage an den Hof als Ort der Repräsentation und der politischen Interaktion, der vermeintlich das Wesen Preußens und seiner Herrschaft ausmacht. In der älteren Forschung wurde allenfalls unterschiedlich akzentuiert, was in Preußen an die Stelle des Hofes trat: die "Bürokratie" oder die Armee.3

<4>

Der Übergang von Friedrich Wilhelm I. zu Friedrich II. wurde wiederum als radikaler Bruch verstanden: zwar hat die Forschung auch Friedrich dem Großen wenig Neigungen zu höfischer Repräsentation und Prachtentfaltung nachgesagt, wohl aber wurden dessen musische Interessen – sein Flötenspiel, seine Investitionen in die Oper, seine Schriftstellerei und seine Rolle als roi philosophe – in Kontrast gesetzt zum antiintellektuellen Herrschaftsstil Friedrich Wilhelms I. und dessen grobianisch anmutender Geselligkeit.

<5>

Aus dieser biographischen Perspektive spielte der Hof nur unter Friedrich I. eine nennenswerte Rolle und wird für die nachfolgenden Herrscher entweder völlig ignoriert oder aber als Fremdkörper deklariert. Erst jüngere Untersuchungen von Wolfgang Neugebauer und Thomas Biskup machten darauf aufmerksam, dass es sich lohnt, die Institution des Hofes auch unabhängig von den politischen Präferenzen der jeweiligen Preußenkönige in den Blick zu nehmen.4 Es ist bezeichnend, was alles ignoriert wird, wenn man den Hof nur als Ausdruck eines bestimmten Herrschaftsstils versteht und nicht als Institution mit einer sozialen, politischen und symbolischen Eigendynamik. So wissen wir beispielsweise nach wie vor nicht gut Bescheid über die höfischen Amtsträger nach dem Tod des großen Kurfürsten, die wichtigsten Hofämter sowie die Ämtervergabepraxis. Für die Zeit des Großen Kurfürsten hat Peter Bahl hingegen eine grundlegende Untersuchung vorgelegt.5 Eine moderne Finanzgeschichte des Hofes steht ebenfalls aus; hier ist man gezwungen, auf ältere Untersuchungen zurückzugreifen.6 Allerdings haben neuere Forschungen zuletzt die persönlichen Finanzierungspraktiken Friedrichs II. in den Blick genommen.7

<6>

Diese angedeuteten Lücken können im vorliegenden Beitrag nicht geschlossen werden. Stattdessen möchte ich durch einen Vergleich der königlichen Hofhaltung in Berlin mit den beiden Referenzhöfen zu dieser Zeit in Europa – dem französischen Königshof in Versailles sowie dem Kaiserhof in Wien – der Frage nachgehen, ob sich im preußischen Fall grundlegende Unterschiede abzeichnen, die es erklären helfen, weshalb die Geschichte dieses Königshofs als fortlaufende Geschichte von Brüchen erzählt wird statt als Kontinuitätsgeschichte. In einem ersten Teil versuche ich daher, grundlegende Strukturelemente in Versailles und in Wien kurz zu skizzieren, um anschließend den preußischen Hof mit diesen beiden Fällen zu vergleichen. Ich werde mich dabei für die Höfe in Versailles und in Wien vorwiegend auf die Glanzzeit beschränken, d.h. die Jahre zwischen 1680 und 1740. Die Berliner Hofhaltung wird hingegen für die Herrschaftszeit von Friedrich III./I., Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. in den Blick genommen.

2. Größe und Umfang des Hofes

<7>

Was zeichnet diese beiden Höfe – Versailles und Wien – aus, dass sie nicht nur rückblickend von Wissenschaftlern, sondern bereits zeitgenössisch als Modell, als Maßstab einer vorbildlichen Hofhaltung wahrgenommen wurden? Zunächst einmal war es die schiere Größe, die diese beiden Höfe abhob von den anderen Höfen der Zeit. Jeroen Duindam hat in einer vergleichenden Untersuchung beide Hofstaaten genauer in den Blick genommen: Diese umfassten in den Jahren zwischen 1680 und 1740 jeweils um die 2.000 Mitglieder, in Frankreich etwas über dieser Zahl, in Wien etwas darunter, aber mit steigender Tendenz im Laufe des 18. Jahrhunderts.8 Sicherlich sagt bereits die Größe dieser beiden Höfe etwas über deren politische Bedeutung aus, gelang es doch sowohl dem französischen König als auch dem Kaiser, ranghohe Adlige in großer Zahl dazu zu bewegen, in königliche bzw. in kaiserliche Dienste zu treten, sich um höfische Ämter zu bemühen und die Residenz des Herrschers zum eigenen Lebensmittelpunkt zu machen.

<8>

Insbesondere die Entwicklung des französischen Hofstaates zeigt allerdings auch, dass die Größe allein noch keine zuverlässige Aussage über die politische Bedeutung eines Hofes, seine Integrationskraft und seine Ausstrahlung ist. Das größte Wachstum hatte der Hof des französischen Königs im 16. Jahrhundert unter König Heinrich III. zu verzeichnen, einem Herrscher zur Zeit der französischen Religionskriege, dem die Kontrolle über sein Königreich weitgehend entglitten war.9 Im Land kämpften von Spanien unterstützte Söldner und Truppen der katholischen Liga gegen Armeen hugenottischer Heerführer, die ihrerseits aus den Niederlanden und aus von protestantischen Reichsfürsten unterstützt wurden.10 Die immer größere Zahl von Hofämtern war der Versuch des Königs, vor allem die katholischen Kombattanten dadurch zu befrieden und auf die königliche Ausgleichpolitik gegenüber den Protestanten zu verpflichten, dass man ihnen gut dotierte Posten im königlichen Hofstaat verlieh. Diese Politik ist letztlich grandios gescheitert – der stetig expandierende Hofstaat – und die Nähe des Königs zu seinen "Mignons", seinen Liebchen – lieferte den Kritikern nur ein weiteres Argument, um die königliche Autorität abzulehnen.11 Die Größe des Hofes allein reicht also offenkundig nicht aus, um in der europäischen Fürstengesellschaft einen Maßstab zu setzen.

<9>

Dies wird noch dadurch eindrucksvoll bestätigt, dass derjenige Herrscher, der seinen Hof zu einem besonders leuchtenden und weithin wahrgenommenen Zentrum in Europa hat werden lassen – also Ludwig XIV. – diese Glanzwirkung nicht mit einer Vergrößerung des Hofstaates erreicht hat. Ganz im Gegenteil: Zu Beginn seiner Amtszeit hat er erst einmal den Rotstift angesetzt und zahlreiche Chargen wieder gestrichen, die seine Vorgänger ins Leben gerufen hatten. Es blieben dann etwas mehr als 2.000 Amtsträger im königlichen Hofstaat übrig, eine Größe, die der Hof bis zur französischen Revolution weitgehend beibehielt.12 Die zunehmende Finanzmisere, unter der Frankreich im 18. Jahrhundert zu leiden hatte, sie hatte ihren Ursprung nicht in den Kosten des Hofes. Es war die Armee und es waren vor allem die horrenden Kosten der zahlreichen Kriege, die Frankreich im Ancien Régime vor zunehmende Probleme stellte.

<10>

Der Kaiserhof hatte im 17. Jahrhundert zunächst eine viel bescheidenere Größe, doch näherte er sich im 17. Und im frühen 18. Jahrhundert – unter Leopold I., Joseph I. und Karl VI. – zunehmend der Marke von 2.000 Mitgliedern des Hofstaates an. Zumindest innerhalb des Reiches war der Kaiserhof, was seine Größe betraf, unangefochten an der Spitze.13 Selbst die Hofhaltung August des Starken umfasste weniger als 1.000 Hofmitglieder, und alle anderen Höfe deutscher Reichsfürsten konnten dem Kaiserhof erst recht nicht das Wasser reichen.

<11>

Nun haben Zahlen eine eigene Magie, sie suggerieren Präzision und Eindeutigkeit. Dabei waren die Verhältnisse an Fürstenhöfen selten eindeutig und klar geregelt. Wer in den Zahlen dieser Grafik auftaucht, der zählte zum Haushalt des Herrschers, zu seinem Hofstaat. Dies gilt übrigens auch für die Mitglieder der Hofkapelle, die alle unter dem Haushalt des jeweiligen Herrschers aufgelistet sind. Neben dem Haushalt des Herrschers gab es noch weitere Haushalte der Herrscherfamilie: einen seiner Gemahlin, einen für den Thronfolger, mitunter einen für die verwitwete Gemahlin des Amtsvorgängers etc. Die Funktion des Haushalts der Herrscherfamilie ist eine zentrale Funktion des Hofes, aber eben nur eine von mehreren. Der Hof war – zumindest in Versailles und in Wien – auch der zentrale Regierungsort, das Zentrum der Herrschaft. Und es gab zahlreiche wichtige Personen, die mit den Regierungsaufgaben betraut waren: die Mitglieder des Geheimen Rates oder des Geheimen Kabinetts in Wien oder des conseil privée in Versailles, die Mitglieder der Hofkanzleien, Finanzbehörden, Kriegsministerien usw., alle mit weiterem Personal.14 Dieser Personenkreis ist in den ca. 2.000 Hofmitgliedern nicht mit enthalten, obwohl all diese Personen täglich am Hof präsent waren, ebenfalls Zugang zum Herrscher hatten und ihre Arbeit zumeist in den Räumen der Residenz verrichteten. Hier kann man für Versailles noch einmal ca. 800 Personen mit hinzurechnen. Am Kaiserhof waren es zumindest einige hundert Personen, die in diesen Stellen tätig waren und am Hof weilten.15

<12>

3. Der Hof als politisches Zentrum

<12>

Nun hat diese Doppelfunktion des Hofes – als Ort der Regierung und des Haushalts – seit Max Weber Historiker und Soziologen immer wieder dazu verführt, darüber nachzudenken, seit wann sich diese beiden Funktionen einigermaßen klar voneinander trennen und unterscheiden lassen. Immer wieder wurden für das 16. oder das 17. Jahrhundert vermeintliche Revolutionen in der Regierungspraxis ausgemacht, in der sich die Regierung vom Hofstaat emanzipiert hätte, in der sich Logiken der Politik und der Verwaltung etablierten, die sich vom höfischen Verhalten abgrenzen ließen etc.16 Immer ging es bei solchen Deutungen letztlich darum, den Fürstenhaushalt als altertümlichen – Max Weber würde sagen, als "patrimonialen" – Bestandteil des Hofes zu trennen von der Regierung, der Bürokratie, der Verwaltung, also von Dingen, denen man modernisierende Schubkräfte zubilligte, denen man einen großen Anteil am "Staatsbildungsprozess" zuschrieb.17

<13>

Noch vor einigen Jahrzehnten sah man gerade zu Beginn der Herrschaft Ludwigs XIV. eine solche "Revolution" in der Regierungspraxis verwirklicht, da er im Jahre 1661 nicht nur die Selbstregierung verkündete, und da er seine "Minister", also seine politischen Amtsträger, nicht aus dem Kreis des Hochadels rekrutierte, sondern aus dem sogenannten Dienstadel, der noblesse du robe. Große Wissenschaftler wie Norbert Elias sahen hierin "Bürgerliche", die das politische Geschäft für sich monopolisierten, während dem hohen Adel nichts mehr blieb als Posten im Haushalt des Königs und der Königin, als Langeweile und Verschwendung, um die Tristesse am Hofe zu überspielen.18 Nach dreißig Jahren intensiver Hof-Forschung wissen wir heute, dass diese Deutung der historischen Realität von Versailles nicht gerecht wird. Stets waren es die alt hergebrachten Familien, die über die entscheidenden Kontakte und über die nötigen Ressourcen verfügten, um bei der Besetzung von Stellen ihren Einfluss geltend zu machen.19 Ohne Kontakte zu diesen Familien konnten auch die Minister der Robe nichts ausrichten, weshalb sie darum bemüht waren, so schnell wie möglich in den Hochadel einzuheiraten. Im 18. Jahrhundert waren es dann wieder beinahe ausnahmslos hochadelige Familien, die auch die politischen Amtsträger am Hof stellten. Eine Revolution hatte unter Ludwig XIV. und auch andernorts nicht stattgefunden. Haushalt und Regierung blieben an den europäischen Fürstenhöfen eng miteinander verzahnt. Von der Entstehung einer Bürokratie mit einer eigenen, funktionalen, gleichsam antipatrimonialen Logik war man bis weit in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts weit entfernt.

<14>

Der hohe Adel ging nach Versailles oder an den Kaiserhof nicht, weil er dazu gezwungen wurde oder weil er finanziell versorgt werden musste, um seiner eigenen Verarmung zu entgehen. Allem Gerede von einer Krise der Aristokratie zum Trotz – geht man nach den Äußerungen von Historikern, so war der Adel vom Spätmittelalter bis zum 19. Jahrhundert fortdauernd in der Krise gewesen – zumindest die großen Familien des Hochadels waren diejenigen mit den größten Einkünften, den meisten Besitzungen und den besten Kontakten. Wenn Mitglieder solcher Familien an den Hof gingen, dann deshalb, weil sie sich davon Vorteile erhofften. Und wenn die Herrscher diesen Personenkreis mit hohen Ämtern versorgten, dann deshalb, weil auch sie Vorteile darin sahen, wenn die einflussreichsten Familien an ihrem Hof vertreten waren. Diese letztlich einfache Überlegung gilt für Versailles in gleichem Maße wie für den Kaiserhof.20

<15>

Der Hof war also ein Kommunikationsort – ein point of contact (Geoffrey Elton) – zwischen der sozialen Elite des Landes und dem König.21 Er war ein Integrationsort, ermöglichte es den einflussreichsten Familien, ihre Interessen dort zu artikulieren. Dies diente dazu, das Land zu befrieden, da die ranghohen Familien in den hundert Jahren vor Beginn der Selbstregierung Ludwigs XIV. ihre Interessen gerne auch auf gewaltsame und kriegerische Weise durchzusetzen suchten – in den Religionskriegen ebenso wie in der Fronde, dem Adelsaufstand, vor dem sich der junge Ludwig XIV. persönlich in Sicherheit bringen musste. Die gelungene Integration des Hochadels am Hof war daher ein wichtiges Mittel der Friedenssicherung und außerdem ein Geschäft auf Gegenseitigkeit.22 Ähnliches lässt sich für den Hof der Habsburger in Wien auch sagen. Der Aufstand in Böhmen zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges und die Adelsrebellion in Ober- und in Niederösterreich zu Beginn der 1620er Jahren waren ebenfalls noch frisch in Erinnerung. Auch in Wien war die Integration des böhmischen, des ungarischen, des österreichischen, ja auch des Reichsadels ein Mittel der Friedensicherung und eine Möglichkeit, mit all diesen Gruppen zu kommunizieren.23 Sowohl in Versailles als auch in Wien war der Hof für den Adel ein Ort, um an den Entscheidungen des Königs mitzuwirken und Einfluss zu nehmen, und um an den Ressourcen des Hofes zum eigenen Vorteil zu partizipieren. Für den König bzw. den Kaiser war diese Teilhabe des Adels ein Mittel, seiner Autorität im ganzen Herrschaftsgebiet Geltung zu verschaffen, wozu er auf die Unterstützung der großen Adelsfamilien zwingend angewiesen war. Wir sollten uns vom Kunstwort "Absolutismus" nicht blenden lassen – Herrschaft war in diesen Zeiten ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, und der wichtigste Geschäftspartner des Herrschers war der ranghohe Adel seines Landes.

4. Der Hof als Ort der Herrschaftsrepräsentation

<16>

Diese politische Funktionsbestimmung des Hofes ist aber nur die eine Seite der Medaille. Der Hof sollte nicht nur nach innen wirken – als Mittel der Friedenssicherung und der Integration des Adels –, sondern er sollte auch nach außen ausstrahlen, in den Kreis der europäischen Fürstengesellschaft, also der anderen Herrscher Europas. Der Hof sollte den Herrscher repräsentieren, seinen Rang und seine Position in der Fürstengesellschaft deutlich machen. Hier war die Ausgangslage des französischen und des habsburgischen Hofes denkbar unterschiedlich. Und dementsprechend waren auch die Mittel unterschiedlich, die man zur Repräsentation jeweils heranzog.

<17>

Der französische Königshof spielte bereits traditionell in der obersten Liga der Fürstenhöfe. Paris war ein Magnet für den Hochadel des eigenen Landes, und so war genügend Nachfrage gegeben, damit eine auf den Hof bezogene Luxusindustrie im Land entstehen konnte, die an Qualitätsstandards international Maßstäbe setzte – bei Seidentapeten und Tapisserien, bei Goubelinwerkstätten, in der Möbelindustrie, in der Herstellung hochwertiger Textilien.24 Diese Produkte waren dann begehrt auch an anderen Höfen, wurden von Adligen bei ihren Grand Tours, ihren Bildungsreisen, die sie häufig nach Paris führten, in Augenschein genommen und dann nach Hause mitgenommen oder dort nachgeahmt. Es war zunächst der Lebensstil des Adels, der international anerkannt wurde.25 König Ludwig XIV. war in dieser Gesellschaft einer unter vielen, Primus inter Pares, doch noch nicht der Gestalter des Hoflebens, das sich im Louvre in weitgehend traditionell vorgeprägten Bahnen vollzog.

<18>

Die Gleichsetzung des französischen Königshofes mit seiner Person bewirkte er mit Hilfe eines Eklats. Er verließ die angestammte Königsresidenz in Paris, ja er ließ den Louvre teilweise als Baustelle zurück, und verlagerte die gesamte Residenz in die Peripherie. Er ließ ein kleines, unbedeutendes Jagdschloss in Versailles um ein vielfaches vergrößern, um dort die neue Residenz aufzubauen. Er nutzte die Creme de la Creme der französischen Künstler, Architekten und Gartenbauer, um sein Königsschloss auch ästhetisch zum Maßstab zukünftiger Schlossbauten zu machen. Der oberste Adel des Landes hatte ihm zu folgen, wenn er weiterhin von den Vorzügen der Hofmitgliedschaft partizipieren wollte. Ludwig XIV. ließ damit die unruhige Stadt Paris hinter sich, die für die Monarchen in den vergangenen hundert Jahren nur schwer zu kontrollieren war. Er vollzog damit aber auch einen Traditionsbruch, indem er die alt hergebrachte Residenz, in der seine Vorgänger alle residiert hatten, ersetzte durch eine Residenz, die er allein hat schaffen lassen und die ganz auf ihn und seine persönliche Gloire ausgerichtet war.26

<19>

Die Verherrlichung seiner persönlichen Gloire, nicht jedoch der Glorie seines Hauses, der Dynastie, rückte auch im Bildprogramm in Versailles ins Zentrum. Statt allegorischer Bilder, in denen sich die Tugenden der Dynastie spiegelten, zeigte er den Besuchern seine persönlichen Leistungen, seinen Vorrang, seine Größe.27 Zu sehen war der Beginn der Selbstregierung, waren militärische Leistungen, die allein dem König und seinen weisen Befehlen zugeschrieben wurden, war die Überquerung des Rheins, waren Leistungen des Königs für die Wissenschaft und die Künste, zu sehen war die Anerkennung des Vorrangs Frankreichs durch den spanischen Botschafter. Dieses Bildprogramm findet sich auch abgebildet auf den Vasen vor dem Schloss wie im Garten – die Monumentalisierung des regierenden Königs ist allgegenwärtig und war für die Hofmitglieder wie die Gesandten der europäischen Fürsten nicht zu übersehen.

<20>

Diese Neuausrichtung der Repräsentation enthielt Botschaften nach innen wie außen. Die Hofmitglieder hatten sich damit abzufinden, dass ihr Status und Rang, so herausgehoben er auch war, sich weit unter der Position des Königs befand. Während der Fronde gab es durchaus Mitglieder des Hochadels, die dies zu vergessen schienen wie den Fürsten Condé. Die europäischen Fürsten waren damit konfrontiert, dass Ludwig XIV. für sich den Vorrang beanspruchte, und dies mit durchaus aggressiven Mitteln durchzusetzen versuchte.28 In einer Gesellschaft von Monarchen, in der das diplomatische Zeremoniell nach dem Westfälischen Frieden die Gleichrangigkeit aller gekrönten Häupter betonte, war dies ein ungeheurer Affront. Zwar gelang es Ludwig XIV. nicht, seinen Anspruch dauerhaft durchzusetzen. Der von Ludwig XIV. bewusst herbeigeführte Eklat wurde allerdings sehr wohl wahrgenommen und stieß auf die entschiedene Abwehr seitens der anderen Monarchen.29

<21>

So sehr sich die Höfe in Versailles und in Wien ähnelten, wenn man deren Rolle als Ort der Integration der adligen Eliten des Landes in den Blick nimmt, so sehr unterscheiden sie sich in der Ausrichtung ihrer Repräsentation und ihrer Bildsprache. Am Kaiserhof gab es keinen Traditionsbruch, blieb die Residenz bis zum Tod Karls VI. die alte: die Hofburg in Wien, ein über die Jahrzehnte entstandenes Sammelsurium unterschiedlicher spätmittelalterlicher Burg- und Schlossbauten, die man notdürftig mit neuen Verbindungsbauten zusammenzufügen suchte.30 Während man heute in Versailles allenthalben die Spuren Ludwigs XIV. sehen kann, hat sich in den Schlossräumen der Wiener Hofburg von Leopold I. kein einziges Ausstattungsstück an Ort und Stelle erhalten, obwohl dieser Kaiser fast fünfzig Jahre dort regierte.31 In Wien traten die regierenden Kaiser alle hinter die Tradition des Herrscheramtes und hinter die Dynastie zurück. Gezeigt wurde die Pietas Austriaca, also die demonstrative Frömmigkeit des Hauses, auch dessen Sieghaftigkeit und Größe, aber stets als Attributen des Amtes und der Familie, nicht einer einzelnen Herrschergestalt.32

<22>

Auch dieser Traditionsfetischismus folgte bei näherem Hinsehen aber einem politischen Kalkül. Die bereits angesprochene Gleichheit aller gekrönten Herrscher Europas nach dem Westfälischen Frieden war ja vor allem für den Kaiser ein Verlust – er stand mit dem Kaisertitel an der Spitze der Ranghierarchie, und über einen sehr langen Zeitraum wurde dem Kaiser diese Vorrangstellung auch im Zeremoniell zugestanden. Dazu waren die anderen Monarchen Europas im Laufe des 17. Jahrhunderts immer weniger bereit. Vielmehr behandelten sie den Kaiser wie einen der anderen Monarchen Europas, und sie erwarteten, dass ihre Gesandten am Kaiserhof als gleichrangige Akteure empfangen wurden. Wenn man am Kaiserhof die Tradition hochhielt und alle Gesandten möglichst so traktierte wie zu früheren Anlässen, so war dies auch ein Mittel, den eigenen Präzedenzanspruch beizubehalten. Der kaiserliche Vorranganspruch speiste sich aus der Vergangenheit, weshalb diese Tradition auch weiterhin sichtbar bleiben sollte – im Zeremoniell ebenso wie in der Selbstdarstellung.33 Die Hofburg mochte den Ansprüchen barocker Baukunst nicht genügen. Sie ging aber in ihren Grundbestandteilen sichtbar auf diejenige Zeit zurück, als die Habsburger Mitte des 13. Jahrhunderts erstmals in Wien Fuß fassten und zu dieser Zeit auch erstmals die römische Königswürde innehatten. Dies sollte auch allen Besuchern stets sichtbar bleiben und damit den Anspruch auf die Kaiserwürde qua Tradition verdeutlichen.34

<23>

Versailles und Wien lieferten daher den Reichsfürsten ganz unterschiedliche Modelle der Hofhaltung. Woran orientierte man sich in Berlin? Was zeichnete den preußischen Hof – im Vergleich mit Versailles und mit Wien – aus, insbesondere seit der Königskrönung im Jahr 1701?

5. Der Hof Brandenburg-Preußens in Berlin

<24>

Für den Rang und den Status Kurbrandenburgs war der Westfälische Frieden noch weit mehr als für den Kaiser eine Zäsur. Zwischen den Höfen Europas hatte sich die Praxis herausgebildet, nur noch die gekrönten Häupter und die souveränen Republiken (die Niederlande und Venedig) für vollwertige Verhandlungspartner anzusehen und mit allen Ehren zu versehen.35 Der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm, gerne auch "Großer Kurfürst" genannt, mochte sich noch so sehr bemühen – zum Kreis der souveränen Herrscher zählte er nicht. Da er Mitglied des Reiches war und den Kaiser als Lehnsherren über sich akzeptieren musste, blieben ihm alle Zeichen der Gleichrangigkeit und der Anerkennung als politischer "Player" versagt.36 Besonders schmerzlich war dies bei den Friedensverhandlungen von Nimwegen (1679), zu denen die preußischen Gesandten als Unterhändler eines militärisch erfolgreichen Königs anreisten. Zu den Verhandlungen wurden sie aber kaum hinzugezogen. Am Ende blieben die militärischen Erfolge gegen Schweden ohne Nutzen – zeigte sich deutlich die Bedeutungslosigkeit der Position eines Kurfürsten in diplomatischen Verhandlungen.37 Ja es kam noch schlimmer: Auf einem Denkmal in Paris – am Place de Victoire – wurde 1685 eine Siegesstatue für Ludwig XIV. errichtet und Brandenburg am Denkmalssockel als eine von vier geschlagenen Mächten als bronzener Sklave in Ketten vorgeführt – trotz des Sieges in der Schlacht von Fehrbellin gegen die Schweden.38

<25>

Diese demonstrative Zweitklassigkeit der Kurfürstenwürde bewog Kurfürst Friedrich III., entschlossen die Königswürde anzustreben und aus dem Herzogtum Preußen eine Monarchie zu machen. Als Kurfürst des Reiches hatte er den Kaiser als Lehnsherrn über sich – als Herzog von Preußen konnte er sich aber von jeglichen Lehnspflichten gegenüber dem König von Polen frei machen. Dort war also die Rangerhöhung zum König möglich – auch mit Zustimmung des Kaisers, allerdings unter der Bedingung, dass die Lehnsbindung zwischen Kaiser und Kurfürst im Reich davon unberührt blieb.39 Im Jahr 1701 ließ sich Friedrich III. in Königsberg zum König in Preußen krönen – und war seitdem damit beschäftigt, diese Rangerhöhung zu einer Aufwertung des gesamten Herrschaftsgebiets zu nutzen. Statt seine Residenz in die "Hauptstadt der Monarchie", also nach Königsberg, zu verlagern, ging es ihm darum, den symbolischen Statusgewinn allen Abmachungen zum Trotz auf die brandenburgischen Kernlande zu transferieren. Berlin und nicht Königsberg wurde zur Königsresidenz ausgebaut. Das Berliner Schloss wurde im Zusammenhang mit der Königswürde in großem Stile neu gestaltet, sowohl der Größe als auch der Ausstattung nach eines Königsschlosses würdig.40 Auch im Bereich des Hofzeremoniells wurde der Neuanfang deutlich akzentuiert. 1702 führte man in Berlin ein Empfangsreglement für auswärtige Gesandte ein, das sich wesentlich am Reglement des dänischen Königshofes orientierte.41 In Dänemark hatte man nämlich ausdrücklich entschieden, den Kaiser bzw. dessen Gesandte nicht mehr anders traktieren zu wollen als die Gesandten der übrigen europäischen Gesandten. Leidtragende dieser von Preußen aufgegriffenen Neuerung waren insbesondere die Herrscher des Alten Reiches. Ihnen wurde deutlich zum Ausdruck gebracht, dass der preußische Herrscher sich nunmehr zu den europäischen Monarchen zählen durfte und sie nicht. Auch der Kaiser bekam dies zu spüren. Während die kaiserlichen Gesandten – nicht nur die Ambassadeure, sondern insbesondere die Gesandten zweiter Ordnung – darauf pochten, mit besonderer Ehrerbietung empfangen zu werden, beispielsweise mit dem Recht der ersten Visite seitens der Mitglieder des preußischen Hofes, war es fortan die preußische Position, die kaiserlichen Gesandten genauso zu traktieren wie die Gesandten aller anderen europäischen Monarchen auch.

<26>

Während der Kaiserhof geradezu manisch an der Tradition festhielt, um den eigenen Vorranganspruch in der europäischen Fürstengesellschaft so lange wie möglich aufrechterhalten zu können, bediente man sich in Berlin der gegenteiligen Strategie. Hier wurde der Neuanfang geradezu zum politischen Programm erhoben. Das Berliner Schloss wurde als Königsresidenz ausgebaut, weitere Schlösser im Umfeld der Residenz – auch das Schloss Charlottenburg – dienten gleichfalls dazu, den Qualitätssprung von einem Kurfürsten des Reiches zu einer souveränen Monarchie Europas unübersehbar werden zu lassen. Die Gründung eines Ritterordens am Tag vor der Königskrönung und der Akademie der Wissenschaften bereits im Juli des Jahres 1700 rundeten diese Investitionen in den neugewonnenen Status ab.42

<27>

Die zielstrebig verfolgte Politik Friedrichs III. / I., Weltniveau zu demonstrieren und zum Kreis der europäischen Monarchen aufzuschließen, war in vielerlei Hinsicht erfolgreich – auch wenn es den preußischen Königen auch nach der Königskrönung nur in seltenen Ausnahmefällen gelang, Botschafter anderer europäischer Monarchen in Berlin zu empfangen und damit ein sichtbares Zeichen der Anerkennung der neuen Königswürde zu erhalten.43 Im diplomatischen Austausch blieb Preußen das ganze 18. Jahrhundert hindurch eine Art Monarchie zweiter Klasse, achteten die alteingesessenen Königsdynastien darauf, den Unterschied zum frisch gekrönten Preußen immer wieder symbolisch zum Ausdruck zu bringen. Umso wichtiger war es Friedrich I., in der Selbstdarstellung der preußischen Monarchie mit den alt eingesessenen Monarchien gleichzuziehen und alle Zeichen königlicher Würde zur Verdeutlichung seines neu erworbenen Ranges einzusetzen. Für die Tagung zur Hofkapelle stellt sich hier die Frage, inwiefern auch sie dazu beitrug, diese Rangerhöhung zu unterstreichen, welche Veränderungen die Rangerhöhung für die Hofkapelle nach sich zog.44

<28>

In meiner kurzen Skizze über die Hofhaltung in Versailles und am Kaiserhof hatte ich zwei zentrale Funktionen der Hofhaltung benannt – die eines politischen Kommunikationsortes zwischen der sozialen Elite des Landes und dem Monarchen als Mittel der Integration und der Friedenssicherung und die eines Mittels der Repräsentation des eigenen Ranges gegenüber der europäischen Fürstengesellschaft. Es ist kein Zufall, dass beim Blick auf den Berliner Hof bislang nur von der Schaufensterfunktion nach außen die Rede war. In der Tat überlagerte die symbolische Funktion der Rangrepräsentation am Berliner Hof die Funktion zur Integration der sozialen Elite der von den Hohenzollern regierten Territorien bei weitem.

<29>

Dies zeigt sich vor allem mit Blick auf die Berliner Hofgesellschaft. Unter Prestigegesichtspunkten brauchte der frisch gekrönte preußische Monarch eine Hofgesellschaft, die aus möglichst hochrangigen Adeligen bestand, deren geburtsständische Abstammung das Prestige und den hohen Rang des preußischen Königs unterstrich und nicht konterkarierte. Die brandenburgische oder die preußische Ritterschaft – also die alteingesessene Adelselite des Landes – war für die symbolische Außenwirkung des Berliner Hofes nur wenig geeignet. Besser eigneten sich landfremde, möglichst reichsadlige Familien, Fürsten, Grafen und Freiherren. Hinzu kam schon traditionell die konfessionelle Komponente. Der landsässige Adel war fast ausnahmslos lutherisch, das Herrscherhaus der Hohenzollern aber kalvinistisch. Wollte man sich in seiner persönliche Umgebung daher mit Leuten derselben Konfession umgeben, war man gezwungen, seine Hofmitglieder jenseits der eigenen Landesgrenzen zu rekrutieren. Im Hofstaat der Monarchie übernahmen vorwiegend kalvinistische Mitglieder des Reichsadels die wichtigen Positionen: landsässige Adlige aus Brandenburg stellten im Geheimen Rat im Zeitraum von 1676 bis 1740 nie mehr als 28 % der Mitglieder.45 Damit gewann der preußische Hof an Glanz nach außen und auch an konfessioneller Geschlossenheit, aber er verlor seine mögliche Funktion als Kontaktzone zwischen dem Landesherrn und dem landsässigen Adel. Die Königswürde hatte den preußischen König nicht nur vom Kaiser, den Kurfürsten und Fürsten des Alten Reiches entrückt, sondern auch von der adligen Führungsschicht seines eigenen Territoriums. Als politischer point of contact, als Kontaktzone und Kommunikationszentrum zwischen Herrscher und Adel spielte der Hof eine nur sehr eingeschränkte Rolle. Die Herrschaft Friedrichs I. mochte viele Facetten gehabt haben, sie war aber bestimmt kein "höfisch-ludovizianische[r] Absolutismus", wie Peter Baumgart sie noch unlängst charakterisiert hatte.46 Der preußische Hof war im Unterschied zum Hof Ludwigs XIV. kein Herrschaftsinstrument, sondern eine auf Prestigemaximierung bedachte Theaterkulisse. Der Hof war in hohem Maße funktional, um den neu erworbenen Rang symbolisch zum Ausdruck zu bringen und damit die Chancen auf Durchsetzung des eigenen Geltungsanspruchs in der europäischen Fürstengesellschaft zu erhöhen. Dies war indes erkauft worden mit der Distanzierung des Herrschers vom landsässigen Adel, der Ritterschaft. Deren politische Integration war gegenüber der Notwendigkeit, den preußischen König mit ranghohen und damit prestigefördernden Adligen zu umgeben, offenkundig nachrangig.47

<30>

Diese Besonderheit des Berliner Hofes machte es dann auch für die beiden prominenten Nachfolger Friedrichs I., für den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und für Friedrich II., möglich, den Hof für jeweils eigene, ganz unterschiedliche symbolische Demonstrationen zu nutzen. Für beide Monarchen gilt, dass der Hof auch weiterhin seine Funktion erfüllte, ein Aushängeschild für Preußens Königswürde zu sein. Der preußische Hof blieb auch unter Friedrich Wilhelm I. weiterhin funktionsfähig als Bühne zum Empfang auswärtiger Gesandte und Fürsten. Auch leistete der Berliner Hof seine Dienste als Sitz der brandenburg-preußischen Zentralbehörden, der Finanzverwaltung, der Militärverwaltung (Kriegs- und Domänenkammer), der obersten Gerichtshöfe des Landes (das Oberappellationsgericht und das Kammergericht), der Geheimen Kriegskanzlei und der Geheimen Staatskanzlei.48 Hierzu zählte ferner das Berliner Schloss als Sitz des preußischen Hofes, mit seinen Hofämtern und Hofstäben – auch diese entsprachen unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. nun zwar nicht mehr den Dimensionen europäischer Hofstaaten, wohl aber dem Rang eines kurfürstlichen Hofes.49

<31>

Unabhängig von den täglichen Aufgaben und Leistungen des Hofes und seiner Mitglieder war die Botschaft, die Friedrich Wilhelm I. ebenso wie Friedrich II. nach außen trugen, die Selbstdistanzierung vom Hof. Zunächst war da der Eklat des Regierungsantritts, als Friedrich Wilhelm I. demonstrativ Teile des Hofstaates entließ und die Ausgaben zurückschraubte – von 400.000 auf ca. 200.000 Taler jährlich.50 Dies war zunächst eine Distanzierung von der Regierungszeit seines Vorgängers – aber zugleich auch ein erstes Zeichen der Distanzierung vom Hof selbst. In späteren Jahren entzog er sich dem Hof und der Residenz in Berlin, praktizierte er seine Kabinettregierung von Potsdam oder Wusterhausen aus. In Berlin waren die Hofmitglieder, in Berlin lagen die Zentralbehörden. Der König aber hielt sich persönlich von diesen Dingen fern. Statt dessen pflegte er abseits des Hofes eigene Formen der Geselligkeit, schuf er einen Kreis von Vertrauten um sich, mit denen er besondere Formen männlicher Vergemeinschaftung praktizierte, von denen das Tabakkollegium bereits Zeitgenossen den größten Eindruck machte.51 Diese gleichsam antihöfischen Formen der Kommunikation praktizierte der König mit einem kleinen Kreis von Auserwählten, die man durchaus in einem erweiterten Sinne als Favoriten bezeichnen kann, unter denen seine bedeutsamsten Berater und vor allem die hohen Offiziere mit integriert waren.

<32>

Unter Friedrich II. ist es wesentlich bei den von seinem Vater geschaffenen neuen Strukturen der Hofhaltung geblieben. Dieses Urteil muss auf den ersten Blick erstaunen. In der Forschung, insbesondere in den Biographien über Friedrich, werden weit stärker die Diskontinuitäten betont: die Abschaffung der männerbündischen Zechgelage im Tabakkollegium etwa, die der feinsinnigen Konversation mit Geistesgrößen in Sanssouci Platz machte, oder die Investitionen in die Oper in Berlin, die gerne als Beleg für die Kunstsinnigkeit des jungen Königs gewertet werden, oder die Bedeutungssteigerung der Akademie der Wissenschaften, der nach seinem Herrschaftsantritt auch international wieder größere Aufmerksamkeit zuteil wurde. Aber auch Friedrich brauchte zu seiner Rolleninszenierung eines Philosophen auf dem Thron zwingend die Distanzierung vom Hofstaat, vom Zeremoniell.52 Auch Friedrich II. regierte aus dem Kabinett und verkehrte mit seinen Ministern nur schriftlich, auch er weilte abseits der Residenz, in Potsdam. Der König hatte sich nicht nur seinen Untertanen, sondern auch den Adligen und den Ministern, ja sogar seinem eigenen Hofstaat, weitgehend entzogen. Das gesellige Leben am Hof und das gesellige Leben des Königs waren nur zu wenigen Zeitpunkten identisch.53 Stattdessen pflegte der König eine dezidiert antihöfische Form der Vergemeinschaftung, imitierte er in Sanssouci Kommunikationsformen des gelehrten Salons. Während im Tabakkollegium seines Vaters zugleich die wichtigsten und einflussreichsten Berater, Minister und Offiziere des Königs mit zugegen waren, separierte Friedrich II. diese beiden Sphären – politische Kommunikation und persönliche Interaktion – konsequent. Kaum ein Mitglied des persönlichen Umfelds von Friedrich war mit politischen Angelegenheiten betraut, und politische Belange bleiben in der Kommunikation, soweit wir wissen, konsequent ausgespart. Sanssouci war der bauliche Rahmen für diese Form der gegenhöfischen Gemeinschaft, aus politisch-funktionaler Sicht also kein klassisches Lustschloss und schon gar keine "Sommerresidenz".

<33>

Fragt man abschließend nach der Funktion der unter Friedrich II. genutzten Residenz- und Schlossbauten und nach deren politischer Semantik, so ergibt sich ein eigentümliches Bild. Die Residenz blieb weiterhin das Berliner Schloss, Ort aller diplomatischen Empfänge und Audienzen, Ort offizieller höfischer Veranstaltungen, Ort höfischer Festlichkeiten. Friedrich II. selbst allerdings trat bei diesen Veranstaltungen als Gast im eigenen Hause auf. Wie schon zur Zeit der Errichtung des Schlosses unter Friedrich I. war hier die Botschaft wesentlich gerichtet an die europäische Fürstengesellschaft. Die persönliche Distanzierung der Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. vom Hofgeschehen entkleidete den preußischen Hof dann vollständig von seiner Funktion als politischem Kontaktzentrum zur Integration des Adels aus den beherrschten Territorien. Stattdessen blieb der preußische Hof eine Bühne, die situativ immer wieder genutzt wurde, um den diplomatischen Erfordernissen der europäischen Fürstengesellschaft und den minimalen Erfordernissen eines geordneten Hoflebens nachzukommen.

<34>

Misst man also die 1701 erlangte Königswürde am Maßstab des Hoflebens in Berlin, wie es im 18. Jahrhundert praktiziert wurde, so wird man feststellen müssen, dass es zu keinem Zeitpunkt gelang, an die Hofhaltungen der alteingesessenen Monarchen aufzuschließen, wie sie in Versailles und Wien, aber auch in London, ja selbst in Stockholm etabliert waren. Eine politische Integrationsfunktion für die Einbindung des landsässigen Adels kam dem Berliner Hof nur sehr beschränkt zu. Und die symbolische Ausstrahlungskraft zur Repräsentation des eigenen Ranganspruchs wurde unter Friedrich I., vor allem aber unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II., insbesondere mit "fallweisem Prunk" bewerkstelligt, wie dies Wolfgang Neugebauer genannt hat, also mit einzelnen, herausgehobenen Hofereignissen. Die Strukturen des Hofes, seine Größe und seine Ausstrahlung konnten sich bestenfalls mit den Höfen der anderen Kurfürsten messen, und blickt man auf München und Dresden, so wird man selbst daran Zweifel anmelden müssen. Diese Defizite trugen mit dazu bei, dass Preußens Anspruch auf den Status als europäische Großmacht auch unter Friedrich II. noch von den meisten europäischen Regierungen eher belächelt wurde. Dem König selbst wurde aufgrund seiner antihöfischen Inszenierung aber durchaus Beifall zuteil, im Kreis der aufgeklärten Schriftsteller in Frankreich, aber auch in der englischen Publizistik.54 Man war im ausgehenden 18. Jahrhundert augenscheinlich sehr viel stärker dazu bereit, die persönliche Größe des Königs Friedrich zu akzeptieren als die Größe Preußens als Monarchie und als Großmacht. Die Nachfolger Friedrichs II. hatten dies dann ausbaden müssen – aber dies ist eine andere Geschichte.

Autor:

Prof. Dr. Andreas Pečar
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Geschichte
06099 Halle (Saale)
Email: andreas.pecar@geschichte.uni-halle.de



1 Johannes Kunisch: Friedrich der Große und die preußische Königskrönung von 1701, in: Ders.: Friedrich der Große in seiner Zeit. Essays, München 2008, 176-198 und 251-259; ferner Andreas Pečar: Die Masken des Königs. Friedrich II. von Preußen als Schriftsteller, Frankfurt a.M. / New York 2016, 41-43.

2 Barbara Stollberg-Rilinger: Höfische Öffentlichkeit. Zur zeremoniellen Selbstdarstellung des brandenburgischen Hofes vor dem europäischen Publikum, in: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte N.F. 7 (1997), S. 145-176.

3 Vgl. nur klassische Texte wie Gustav Schmoller: Der preußische Beamtenstand unter Friedrich Wilhelm I., in: Preußische Jahrbücher 26 (1870), 148-172, 253-270 und 538-555; Friedrich von Oppeln-Bronikowski: Die Baumeister des preußischen Staates, Jena 1934; Walter Hubatsch: Friedrich der Große und die preußische Verwaltung, Köln / Bonn 1973; und als neuere Untersuchungen Rolf Straubel: Beamte und Personalpolitik im altpreußischen Staat. Soziale Rekrutierung, Karriereverläufe, Entscheidungsprozesse (1763/86-1806), Potsdam 1998; Ders.: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten: 1740 – 1806/15, München 2009; Ders.: "Er möchte nur wißen, daß die Armée mir gehöret." - Friedrich II. und seine Offiziere: ausgewählte Aspekte der königlichen Personalpolitik, Berlin 2012.

4 Wolfgang Neugebauer: Vom höfischen Absolutismus zum fallweisen Prunk. Kontinuitäten und Quantitäten in der Geschichte des preußischen Hofes im 18. Jahrhundert, in: Klaus Malettke / Chantal Grell (Hg.): Hofgesellschaft und Höflinge an europäischen Fürstenhöfen in der Frühen Neuzeit (15.-18. Jahrhundert), Münster u.a. 2001, 113-124; Ders: Residenz – Verwaltung – Repräsentation. Das Berliner Schloss und seine historischen Funktionen vom 15. bis 20. Jahrhundert, Potsdam 1999; Thomas Biskup: Höfisches Retablissement, in: Friedrich der Große - eine perspektivische Bestandsaufnahme. Beiträge des ersten Colloquiums in der Reihe "Friedrich300" vom 28./29. September 2007, hg. von Michael Kaiser und Jürgen Luh (Friedrich300 - Colloquien, 1); URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich-bestandsaufnahme/biskup_retablissement (Zugriff vom: 15.03.2016).

5 Peter Bahl: Der Hof des Großen Kurfürsten. Studien zur höheren Amtsträgerschaft Brandenburg-Preußens, Köln u.a. 2001.

6 Vgl. Otto Behre: Geschichte der Statistik in Brandenburg-Preußen bis zur Gründung des Königlichen Statistischen Bureaus, Berlin 1905.

7 Ralf Zimmer: Friedrichs Gelder und Kassen. Die Rote Schatulle und das Journal bei der Königlichen Schatulle, in: Quellen und Dokumentationen zur preußischen Geschichte in der Zeit Friedrich des Großen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten; URL: http:/www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-quellen/zimmer_gelder (Zugriff vom: 15.03.2016); http://quellen.perspectivia.net/bestaende/spsg-schatullrechnungen/die-schatullrechnungen-friedrichs-des-grossen.

8 Vgl. Jeroen Duindam: Vienna and Versailles: the Courts of Europe's Dynastic Rivals, 1550-1780, Cambridge 2003; Ders : Vienna and Versailles. Materials For Further Comparison and Some Conclusions, in: zeitenblicke 4 (2005), Nr. 3, [13.12.2005]; URL: http://www.zeitenblicke.de/2005/3/Duindam/index_html (Zugriff vom: 15.03.2016).

9 Duindam: Vienna and Versailles (wie Anm. 8), 51f. Ferner Jacqueline Boucher: La cour de Henri III, Rennes 1986.

10 Vgl. hierzu Mack P. Holt: The French Wars of Religion, 1562-1629, Cambridge 1995, 102-148.

11 Vgl. hierzu Nicolas Le Roux: La Faveur du Roi. Mignons et Courtisans au temps de derniers Valois (vers 1547-vers 1589), Seyssel 2000.

12 Duindam: Vienna and Versailles (wie Anm. 8), 55f. Ferner Jacqueline Boucher: L'évolution de la maison du roi. Des derniers Valois aux premiers Bourbons, in : XVIIe Siècle 137 (1982), 359-379.

13 Duindam: Vienna and Versailles (wie Anm. 8), 73f. Andreas Pečar: Die Ökonomie der Ehre. Der höfische Adel am Kaiserhof Karls VI. (1711-1740), Darmstadt 2003, 31-70.

14 Für die hohen Hofchargen vgl. jetzt die mustergültige Untersuchung von Leonard Horowski: Die Belagerung des Thrones. Machtstrukturen und Karrieremechanismen am Hof von Frankreich 1661–1789, Ostfildern 2012.

15 Duindam: Materials (wie Anm. 8), <12> und Tabelle 2.

16 Vgl. nur die sogenannte "Tudor Revolution in Government", die Geoffrey Elton für die Regierungszeit Heinrichs VIII. von England ausgemacht hatte; Geoffrey R. Elton: The Tudor Revolution in Government, Cambridge 1953; dies wurde von David Starkey zurecht als Chimäre entlarvt; David Starkey: Court History in Perspective, in: ders. (Hg.): The English Court from the Wars of Roses to the Civil War, London 1987, 1-24, hier 11-19. Starkeys Kritik an Elton führte zu einer weiteren kontroversen Diskussion im Historical Journal 31 (1988), 425-434 (Elton) und 921-931 (Starkey).

17 Vgl. Wolfgang Reinhard: Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1999, Teil II (125-209); Mark Hengerer: Kaiserhof und Adel in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Eine Kommunikationsgeschichte der Macht in der Vormoderne (= Historische Kulturwissenschaft, 3). Konstanz 2004, Teil B (153-368).

18 Norbert Elias: Die höfische Gesellschaft. Untersuchungen zur Soziologie des Königtums und der höfischen Aristokratie, 6. Aufl., Frankfurt a.M. 1992, 277-310; Kritik daran bei Jeroen Duindam: Myths of Power. Norbert Elias and the Early Modern Court, Amsterdam 1995.

19 Vgl. nur Leonhard Horowski: Die Belagerung des Thrones (wie Anm. 14).

20 Horowski: Belagerung des Thrones (wie Anm. 14); Pečar: Die Ökonomie der Ehre (wie Anm. 13).

21 Geoffrey R. Elton: Tudor Government: The Points of Contact, in: Ders.: Studies in Tudor and Stuart Politics and Government, Bd. 3, Cambridge 1983, S. 3-57; vgl. ferner Pečar: Die Ökonomie der Ehre (wie Anm. 13), 13-19.

22 Vgl. Horowski: Belagerung des Thrones (wie Anm. 14), 32-54; Ronald G. Asch: Nobilities in Transition 1550-1700. Courtiers and Rebels in Britain and Europe, London 2003, 92-95.

23 Vgl. Pečar: Ökonomie der Ehre (wie Anm. 13), 7-19; Robert J. W. Evans: Das Werden der Habsburgermonarchie 1550-1700. Gesellschaft, Kultur, Institutionen, Leipzig 1986.

24 Zu diesem Aspekt Peter-Michael Hahn: Hofhaltung und Kulturtransfer nach Berlin-Cölln und Potsdam bis 1740. Zur Rezeption und Imitation höfischer Stilelemente, in: Jürgen Luh (Hg.): Preußen, Deutschland und Europa 1701 - 2001 (Baltic Studies, 8), Groningen 2003, 253-279, hier 258-260.

25 Vgl. nur Veronika Hyden-Hanscho: Reisende, Migranten, Kulturmanager. Mittlerpersönlichkeiten zwischen Frankreich und dem Wiener Hof 1630-1730, Stuttgart 2013; ferner Hahn: Hofhaltung und Kulturtransfer (wie Anm. 24).

26 Vgl. hierzu allg. Peter Burke: Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs, Frankfurt a.M. 1995.

27 Vgl. hierzu Gérard Sabatier: Le prince et les arts: stratégies figuratives de la monarchie française, de la Renaissance aux Lumières, Seyssel 2010; Ders.: Versailles ou la figure du roi, Paris 1999; Gérard Sabatier: Ikonographische Programme und Legitimation der königlichen Autorität in Frankreich im 17. Jahrhundert, in: Ronald G. Asch / Dagmar Freist (Hg.): Staatsbildung als kultureller Prozess. Strukturwandel und Legitimation von Herrschaft, Köln / Weimar / Wien 2005, 255-289, v.a.: 276-289.

28 Vgl. nur Arne Karsten: 'Nepotismum discussurus' - Die Korsenaffäre und ihre Auswirkungen auf die Nepotismus-Diskussion an der Kurie, in: Peter Burschel u.a. (Hg.): Historische Anstöße. Festschrift für Wolfgang Reinhard zum 65. Geburtstag, Berlin 2002, 263-290; Thomas H. von der Dunk: Das Deutsche Denkmal. Eine Geschichte in Bronze und Stein vom Hochmittelalter bis zum Barock, Köln / Weimar / Wien 1999, 315-387.

29 Hendrik Ziegler: Der Sonnenkönig und seine Feinde: die Bildpropaganda Ludwigs XIV. in der Kritik, Petersberg 2010.

30 Hellmut Lorenz: "…im alten Style glücklich wiederhergestellt…". Zur repräsentativen Rolle der Tradition in der Barockarchitektur Mitteleuropas, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 51 (1997), 475-483; Matthias Müller: Der Anachronismus als Modernität. Die Wiener Hofburg als programmatisches Leitbild für den frühneuzeitlichen Residenzbau im Alten Reich, in: Karen Lambrecht (Hg.): Krakau, Prag und Wien. Funktionen von Metropolen im frühmodernen Staat, Stuttgart 2000, 313-342.

31 Christian Benedik: Die herrschaftlichen Appartements. Funktion und Lage während der Regierungen von Kaiser Leopold I. bis Kaiser Franz Joseph I., in: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege 51 (1997), 552-570.

32 Hierzu klassisch Anna Coreth: Pietas Austriaca, München 1959. Vgl. ferner Franz Matsche: Die Kunst im Dienste der Staatsidee Karls VI. Ikonographie, Ikonologie und Programmatik des "Kaiserstils", 2 Bde., Berlin / New York 1981; Friedrich Polleroß: Tradition und Recreation. Die Residenzen der österreichischen Habsburger in der frühen Neuzeit (1490-1780), in: Majestas 6 (1998), 91-148; Ders.: "Pro decore Majestatis". Zur Repräsentation Kaiser Leopolds I. in Architektur, Bildender und Angewandter Kunst, in: Jahrbuch des Kunsthistorischen Museums Wien 4/5 (2003), 191-295; Ders.: "Dieses neue Rom, ein Wohn-Sitz Römischer Kayser". Zur historischen Legitimation des habsburgischen "Kaiserstils", in: Andreas Kreul (Hg.): Barock als Aufgabe (= Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung, 40), Wiesbaden 2005, 9-38; Ders.: "Wien wird mit gleichem Recht Neu=Rom genannt, als vormals Constantinopel". Geschichte als Mythos am Kaiserhof um 1700, in: Jahrbuch des Kunsthistorischen Museums Wien 11 (2009), 102-127.

33 Pečar: Ökonomie der Ehre (wie Anm. 13), 208-229 und 255-265.

34 Hellmut Lorenz: The Imperial Hofburg. The Theory and Practice of Architectural Representation in Baroque Vienna, in: Charles W. Ingrao (Hg.): State and Society in Early Modern Austria, West Lafayette 1994, 93-109.

35 Stollberg-Rilinger: Honores regii. Die Königswürde im zeremoniellen Zeichensystem der Frühen Neuzeit, in: Johannes Kunisch (Hrsg.), Dreihundert Jahre Preußische Königskrönung. Eine Tagungsdokumentation, Berlin 2002, S. 1-26.

36 Stollberg-Rilinger: Höfische Öffentlichkeit (wie Anm. 2).

37 Matthias Köhler: Strategie und Symbolik. Verhandeln auf dem Kongress von Nimwegen, Köln / Weimar / Wien 2011, 140f. und 329-331.

38 Ziegler: Der Sonnenkönig und seine Feinde (wie Anm. 29), 91-94. Zu den Protesten des brandenburgischen Gesandten in Paris, Ezechiel Spanheim, ebd. 103-111.

39 Zur Königskrönung vgl. Kunisch (Hg.): Dreihundert Jahre Preußische Königskrönung (wie Anm. 35); Jürgen Luh: "Elevation, Macht und Ansehen". Die politischen Ziele Friedrichs III./I., in: Frank Göse (Hg.): Im Schatten der Krone. Die Mark Brandenburg um 1700, Potsdam 2002, S. 13-30.

40 Hellmut Lorenz: Das barocke Berliner Stadtschloß. Königliche Architektur im europäischen Kontext, in: Johannes Kunisch (Hg.): Dreihundert Jahre preußische Königskrönung. Eine Tagungsdokumentation, Berlin 2002, S. 159-187; vgl. ferner Erich Konter: Das Berliner Schloß im Zeitalter des Absolutismus. Architektursoziologie eines Herrschaftsortes, Berlin 1991, 84-89.

41 Andreas Pečar: Symbolische Politik. Handlungsspielräume im politischen Umgang mit zeremoniellen Normen: Brandenburg-Preußen und der Kaiserhof im Vergleich (1700-1740), in: Jürgen Luh (Hg.): Preußen, Deutschland und Europa 1701 - 2001 (Baltic Studies, 8), Groningen 2003, S. 280-295, v.a. 288f. Vgl. ferner Arnold Berney: König Friedrich I. und das Haus Habsburg 1701-1707, München / Berlin 1927, 216-218; Ceremonialbuch für den königlich preußischen Hof, Berlin 1871, 11-16.

42 Katrin Joos: Gelehrsamkeit und Machtanspruch um 1700: die Gründung der Berliner Akademie der Wissenschaften im Spannungsfeld dynastischer, städtischer und wissenschaftlicher Interessen, Köln / Weimar / Wien 2012.

43 Vgl. nur die Weigerung Ludwigs XIV., nach dem Tod der preußischen Königin Sophie Charlotte an seinem Königshof tiefe Hoftrauer anzuordnen; Linda Brüggemann: Herrschaft und Tod in der Frühen Neuzeit. Das Sterbe- und Begräbniszeremoniell preußischer Herrscher vom Großen Kurfürsten bis zu Friedrich Wilhelm II. (1688-1797), München 2015, 160; ferner Thomas Biskup: Friedrichs Größe: Inszenierungen des Preußenkönigs in Fest und Zeremoniell 1740 – 1815, Frankfurt a.M. / New York 2012, 58-66. Vgl. auch Barbara Stollberg-Rilinger: Offensive Formlosigkeit? Der Stilwandel des diplomatischen Zeremoniells, in: Bernd Sösemann / Gregor Vogt-Spira (Hg.): Friedrich der Große in Europa. Geschichte einer wechselvollen Beziehung, 2 Bde., 2. Aufl., Stuttgart 2013, 354-371, hier 363. Allerdings ging es wohl weniger auf Friedrichs Initiative zurück, dass er keine Botschafter an andere Höfe entsandte, sondern es waren die europäischen Herrscher, die davon absahen, Botschafter an den Berliner Hof zu entsenden.

44 Vgl. hierzu Lena van der Hoven: Musikalische Repräsentationspolitik in Preußen (1688-1797). Hofmusik als Inszenierungsinstrument von Herrschaft, Kassel u.a. 2015, 35-102.

45 Frank Göse: Rittergut - Garnison - Residenz: Studien zur Sozialstruktur und politischen Wirksamkeit des brandenburgischen Adels 1648 – 1763, Berlin 2005, 211-221 und 331-341.

46 Peter Baumgart: Friedrich Wilhelm I. (1713-1740), in: Frank-Lothar Kroll (Hg.): Preußens Herrscher: von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II., München 2000, 134-159, hier: 140.

47 Vgl. hierzu auch Andreas Pečar: Vom politischen Nutzen des Schlossbaus in Brandenburg-Preußen, in: Wie friderizianisch war das Friderizianische? Zeremoniell, Raumdisposition und Möblierung ausgewählter europäischer Schlösser am Ende des Ancien Régime. Beiträge einer internationalen Konferenz vom 2. Juni 2012, hg. von Henriette Graf und Nadja Geißler (Friedrich300 - Colloquien, 6); URL: http://www.perspectivia.net/publikationen/friedrich300-colloquien/friedrich_friderizianisch/pecar_nutzen (Zugriff vom: 15.03.2016).

48 Neugebauer: Residenz – Verwaltung – Repräsentation (wie Anm. 4), 38-40 und 45-49.

49 Biskup: Höfisches Retablissement (wie Anm. 4).

50 Biskup: Friedrichs Größe (wie Anm. 43), 33-37.

51 Vgl. dazu jetzt Benjamin Marschke: Experiencing King Frederick William I. Pietist Experiences, Understandings, and Explanations of the Prussian Court, 1713-1740, in: Udo Sträter / Christian Soboth (Hg.): "Aus Gottes Wort und eigener Erfahrung gezeiget." Erfahrung - Glauben, Erkennen und Gestalten im Pietismus. Beiträge zum III. Internationalen Kongress für Pietismusforschung 2009, 2 Bde., Bd. 2, 679-699; Ders.: Princes' Power, Aristocratic Norms, and Personal Eccentricities: Le Caractère Bizarre of Frederick William I of Prussia (1713–1740), in: Jason P. Coy / Benjamin Marschke / David W. Sabean (Hg.): The Holy Roman Empire, Reconsidered, New York 2010, 49-70; Ders.: "Von dem am Königl. Preußischen Hofe abgeschafften Ceremoniel". Monarchical Representation and Court Ceremony in Frederick William I's Prussia, in: Randolph C. Head / Daniel Christensen (Hg.): Orthodoxies and Diversity in Early Modern Germany, Boston 2007, 227-252.

52 Vgl. hierzu jetzt Pečar: Masken des Königs (wie Anm. 1).

53 Biskup: Friedrichs Größe (wie Anm. 43), 37-40.

54 Vgl. nur Volker M. Schütterle: Großbritannien und Preußen in spätfriderizianischer Zeit (1763-1786), Heidelberg 2002; Manfred Schlenke: England und das friderizianische Preußen 1740-1763. Ein Beitrag zum Verhältnis von Politik und öffentlicher Meinung im England des 18. Jahrhunderts, Freiburg / München 1963; Isabelle Deflers: Faszination oder Abstoßung? Bilder des preußischen Militärs im Ausland, in: Bernd Sösemann / Gregor Vogt-Spira (Hg.): Friedrich der Große in Europa. Geschichte einer wechselvollen Beziehung, 2 Bde., Stuttgart 2012, Bd. 2, 256-270.

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/

PSJ Metadata
Andreas Pečar
Der Berliner Hof im Kontext der europäischen Fürstenhöfe
Überlegungen zur Funktionalität fürstlicher Hofhaltung
de
CC-BY-NC-ND 4.0
Frühe Neuzeit (1500-1789)
Preußen bis 1947
Politikgeschichte, Sozial- und Kulturgeschichte
17. Jh., 18. Jh.
Versailles, Wien, Kaiserhof, Repräsentation, Hofgesellschaft
1657-1786
Friedrich II., Preußen, König (118535749), Friedrich Wilhelm I., Preußen, König (118535978), Friedrich I., Preußen, König (118535730), Hof (4025453-7), Höfische Kultur (4122200-3), Repräsentation (4137492-7), Selbstdarstellung (4122349-4)
PDF document pecar_fuerstenhoefe.doc.pdf — PDF document, 356 KB
A. Pečar: Der Berliner Hof im Kontext der europäischen Fürstenhöfe
In: 450 Jahre Staatskapelle Berlin - eine Bestandsaufnahme: Die Entwicklung der Hofmusik von der kurfürstlichen Kapelle von Brandenburg zum Hoforchester des ersten Königs in Preußen. Beiträge des dritten Colloquiums in der Reihe "Kulturgeschichte Preußens - Colloquien" vom 16. bis 18. Oktober 2015, hg. von Lena van der Hoven (KultGeP - Colloquien 3)
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/kultgep-colloquien/3/pecar_fuerstenhoefe
Veröffentlicht am: 07.09.2016 12:25
Zugriff vom: 07.04.2020 10:08
abgelegt unter: