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    M. Strobel: Wilhelm Friedrich Ernst Bach als Kammercembalist, Kapellmeister und Musiklehrer der Königinnen Friederike Luise und Luise.

    Kulturgeschichte Preußens - Colloquien 6 (2018)

    Magdalena Strobel

    Wilhelm Friedrich Ernst Bach als Kammercembalist, Kapellmeister und Musiklehrer der Königinnen Friederike Luise und Luise

    Beleuchtung seines Wirkens innerhalb der preußischen Hofmusik

    Abstract

    Wilhelm Friedrich Ernst Bach (1759-1845) war der letzte musikalische Vertreter der berühmten Musikfamilie und zugleich der letzte direkte männliche Nachfahre Johann Sebastian Bachs. Seine Ausbildung erhielt er unter anderem bei seinem Vater Johann Christoph Friedrich und bei seinem Onkel Johann Christian in London. Der erfolgreichen Aufführung seiner Festkantate Westphalens Freude anlässlich des Besuchs König Friedrich Wilhelms II. 1788 in Minden folgte die Berufung Wilhelm Bachs an den preußischen Hof, wo er von 1789 bis etwa 1810 als Kapellmeister und Kammercembalist der jeweils amtierenden Königin sowie als Musiklehrer derselben und der königlichen Kinder beschäftigt war. Bachs Tätigkeit am Hof lässt sich in Ermangelung beschreibender Dokumente nur ansatzweise rekonstruieren. Ziel dieses Beitrages ist es, Erkenntnisse hierüber aus der Beleuchtung seines Werkes, seiner finanziellen Situation, seiner Beziehungen zu Musikerkollegen und seines öffentlichen Wirkens zu gewinnen.

    <1>

    Wilhelm Friedrich Ernst Bach kam am 24. Mai 1759 als zweites von neun Kindern und ältester von vier Söhnen Johann Christoph Friedrich Bachs und Lucia Elisabeth (geborene Münchhausen) zur Welt und wurde am 27.Mai 1759 auf den Namen seines Paten Graf Wilhelm Friedrich Ernst von Schaumburg-Lippe getauft. Erst kurz zuvor am 18. Februar 1759 war Johann Christoph Friedrich offiziell zum Konzertmeister der Bückeburger Hofkapelle ernannt worden. Seine Frau Lucia war als Hofsängerin tätig.

    <2>

    Wilhelm Bach erhielt eine Violin- und Klavierausbildung, in Stadthagen durch Kantor Christian Friedrich Geyer, dann durch seinen Vater. Zwischen 1778 und 1782 studierte er bei seinem Onkel Johann Christian Bach in London. Dieser führte seinen Neffen in das gesellschaftliche Leben der Stadt ein. William, wie er sich in England nannte, soll in angesehenen Familien unterrichtet und sogar teilweise die Unterrichtsstunden seines Onkels in der königlichen Familie übernommen haben.1 Sein opus 1 Six Sonates Pour le Clavecin ou Piano forte2 widmete er Friedrich August, Herzog von York und Albany, dem zweiten Sohn Georgs III. von Großbritannien und Königin Charlottes, deren Musiklehrer Johann Christian Bach war.

    <3>

    Nach dem Tod Johann Christian Bachs am 1. Januar 1782 begab sich Wilhelm, der offenbar keine geeignete Anstellung in England finden konnte, auf Reisen, konzertierte in Paris, den Niederlanden, Norddeutschland3 und hielt sich, eigenen Angaben zufolge, einige Zeit bei seinem Onkel Carl Philipp Emanuel Bach in Hamburg auf.4

    <4>

    Wohl um 1784 kehrte er in die Heimat zurück, wo er im nahe gelegenen Minden als Dirigent des 'Liebhaber-Concerts' wirkte und auch eigene Werke zu Gehör brachte. Als solches erklang anlässlich des Besuchs König Friedrich Wilhelm II. am 5. Juni 1788 die Festkantate Westphalens Freude ihren vielgeliebten König Friedrich Wilhelm bey sich zu sehen5, die den Monarchen so sehr begeisterte, dass er Wilhelm Friedrich Ernst 1789 an den preußischen Hof berief. Die Übersiedlung Bachs nach Berlin muss wohl in der zweiten Märzhälfte des Jahres 1789 stattgefunden haben.6

    <5>

    Offensichtlich war Wilhelm Bach nicht erschöpfend über seine Anstellungsverhältnisse informiert worden, denn wie in seinem Nekrolog zu lesen ist, übernahm er "unbekannt mit den damaligen Verhältnissen des preuß. Hofes und indem er die Kapelle der Königin mit der des König für identisch hielt, das Engagement der Königin, bei welcher er, wegen Abwesenheit des Königs in Potsdam, früher zur Vorstellung gelangt war."7

    <6>

    Wie Bach selbst in einem Brief an Wilhelm Christian Müller in Bremen (Berlin, 14. Mai 1830) schrieb, erhielt er "nach des Kapellmeisters Kalkbrenners8 Abgang den Posten als Kapellmeister der Königin Mutter9 und wurde zugleich Lehrer der regierenden Königin und sämtlicher Geschwister des Königs."10 Zu Bachs Schülern zählten demnach während seiner Dienstzeit Königin Friederike von Preußen, Kronprinz Friedrich Wilhelm III.,11 Prinz Friedrich Ludwig Karl von Preußen, die Prinzessinnen Friederike Louise Wilhelmine und Auguste Christine Friederike von Preußen sowie die Prinzen Friedrich Heinrich Karl und Friedrich Wilhelm Karl von Preußen; mit dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms III. im Jahr 1797 wurde Bach Kapellmeister und Lehrer der Königin Luise von Preußen und der königlichen Kinder.12

    <7>

    Dass Bach die Königinwitwe Elisabeth Christine unterrichtet haben soll, wie Hannsdieter Wolfahrt angibt,13 wird von Ulrich Leisinger angezweifelt, da diese 1789 bereits fast 70 Jahre alt war.14 Dokumente, die Auskunft über konkrete Arbeitsumstände und Tätigkeitsbereiche Bachs geben, sind nicht erhalten. Einige Rückschlüsse können jedoch aus seinem Werk gezogen werden.

    Werkübersicht

    <8>

    Insgesamt sind 152 Werke von Wilhelm Friedrich Ernst Bach erhalten bzw. nachweisbar (14 weitere Werke mit zweifelhafter Zuschreibung), die sich wie folgt aufteilen15:

    <9>

    Clavier-Werke: 52, Incerta: 12

    Davon
    - Sonaten: 7
    - Variationen: 4
    - Walzer: 7
    - Märsche: 6
    - Kleinere Stücke: 28

    <10>

    Kammermusikwerke: 32, Incerta: 1

    Davon
    - Sonaten für Clavier und Violine: 10
    - Trios (Clavier, Violine, Violoncello): 7 (davon 1 verschollen)
    - Quartette (Clavier, Streicher): 1 (verschollen)
    - Werke größerer Besetzung: 14 (davon 3 verschollen)

    <11>

    Orchesterwerke: 8

    Davon
    - Ouvertüren: 2 (davon 1 verschollen)
    - Sinfonien: 3
    - Konzerte: 1
    - Intermezzi: 2 (beide verschollen)

    <12>

    Oratorien: 1

    <13>

    Liturgische Kirchenmusik: 1 (fraglich; verschollen)

    <14>

    Geistliche Gelegenheitswerke: 2 (beide verschollen)

    <15>

    Weltliche Arien, Kantaten und Bühnenwerke: 21, Incerta: 1

    Davon
    - Weltliche Arien: 11 (davon 8 verschollen)
    - Kantaten: 8 (davon 5 verschollen)
    - Bühnenwerke: 2 (beide verschollen)

    <16>

    Vokalwerke ohne Orchesterbegleitung: 34

    Davon
    - Lieder: 15 (davon 1 verschollen)
    - Ensembles: 19 (davon 1 verschollen)

    <17>

    Bearbeitungen fremder Werke: 1

    <18>

    Der überwiegende Teil der Werke entstand in Bachs Berliner Zeit (1789–1845), lediglich sieben Clavier-Werke, sechs Incerta und sechs Kammermusik-Werke sind aus seiner Zeit in London (1778–1782) erhalten, weitere sechs Kammermusik-Werke, zwei Trauer-Kantaten, vier weltliche Kantaten und ein Lied stammen mit Sicherheit aus seiner Zeit in Minden/Bückeburg (etwa 1782–1789). 17 Werke sind bisher zeitlich nicht einzuordnen.

    <19>

    Einige Kompositionen befanden sich in der Privatbibliothek des Königshauses und wurden 1862 in die Musiksammlung der königlichen Hausbibliothek16 aufgenommen. Sie dienten wohl längere Zeit für das Musizieren am Hof.

    <20>

    In dem von Georg Thouret 1895 verfassten Katalog der Musiksammlung auf der Königlichen Hausbibliothek im Schlosse Berlin sind folgende Werke verzeichnet:

    <21>

    <22>

    Drucke:

    <23>

    Ein wesentlich größerer Teil der von Wilhelm Friedrich Ernst Bach komponierten Werke befand sich in autographer Form im Besitz der Familie.17 In den Jahren 1883 und 1884 verkaufte der Musiker und Musiksammler Carli Zoeller 26 Werke, die aus diesem Besitz gestammt haben müssen, an die British Museum Library.18 Wann und wie die Kompositionen an Carli Zoeller gelangten, ist nur teilweise nachvollziehbar. So ist anzunehmen, dass Zoeller einige Autographe Wilhelm Bachs bei der Versteigerung des Nachlasses Joseph Müllers erwarb.19 Dieser war vor seinem Tod 1880 Bibliothekar an der Königlichen Hochschule für Musik zu Berlin gewesen und hatte eine eigene Sammlung angelegt, die einen Teil der Original-Manuskripte Bachs enthielt, welche sich heute in der British Library befinden.20

    <24>

    Möglicherweise bestand eine Bekanntschaft zwischen Müller und Zoeller, der Student an der Königlichen Hochschule für Musik zu Berlin gewesen war. Wahrscheinlich hatte die nach dem Tod der Ehefrau Wilhelm Bachs, Wilhelmine Susanna, im Jahr 1862 einzige noch lebende Tochter Caroline die Manuskripte zusammen mit dem im Zuge der 1843 erfolgten Einweihung des Bach-Denkmals angefertigten Bildnis ihres Vaters geerbt und diese unter anderem an Müller verkauft. Das Bildnis wurde nach Carolines Tod im September 1871 an die Sing-Akademie zu Berlin übergeben; einen Nachweis für die Übernahme von Kompositionen gibt es allerdings nicht.21

    Unterricht und Aufführungen am Hof

    <25>

    Auf welche Klavierliteratur Wilhelm Bach beim Unterrichten zurückgriff, ist weitgehend unklar. Ausdrücklich als Unterrichtswerke ausgewiesene, in ihrer Zuweisung unsichere22, Kompositionen erschienen lediglich in Wilhelm Bachs Londoner Zeit (und danach) unter den Titeln Four Progressive Lessons for the Harpsichord or Piano Forte and two Duetts for two Performers on the Harpsichord or Piano Forte (London: Longman & Broderip, um 1782) und Five Sonatas for the Harpsichord or Piano Forte and one Duett (London: Napier, um 1785).

    <26>

    Die Anzahl der vorliegenden, von Wilhelm Bach komponierten Sonaten, Walzer, Märsche, Variationen und kleinere Stücke für das Clavier ist übersichtlich. Etwa die Hälfte dieser Werke entstand den Papieren oder Druckdaten nach erst um die Jahrhundertwende bzw. gegen Ende seiner Amtszeit (um 1806/07).

    <27>

    In der Bibliothek Friedrich Wilhelms II.23befand sich die Abschrift von Bachs Amusement pour le piano forte (bestehend aus drei Sonatinen) mit Widmung an Königin Friederike Luise sowie Six Waltzer pour Le Piano Forte und ein Tempo di minuetto à Quatres Mainsfür das Clavier. (Diese Werke sind in Thourets Katalog unter den Signaturen KHM 175, KHM 172 und KHM 174 aufgeführt.) Daneben ist der Druck seines Opus 2: Trois sonates pour le clavecin ou piano forte accompagnées d'un violonaus der Zeit um 1790 erhalten, ebenfalls Königin Friederike Luise gewidmet. Ein Werk mit Widmung an die nachfolgende Königin Luise ist übrigens nicht überliefert.

    <28>

    Die Clavier-Werke sind nicht umfangreich, technisch wenig anspruchsvoll und wurden eventuell auch im Unterricht musiziert. Ein eher humoristisches Werk Das Dreyblatt. | fürs Forte Piano | und | Sechs Hände könnte ebenfalls im Unterricht und in Privatkonzerten zur Unterhaltung der Königin gespielt worden sein. Bach schreibt auf der Titelseite: Der Herr welcher die Mittelstimme spielt, sezt sich etwas mehr | zurück, als die beyden ihm zur Seite sizenden Damen, deren | Arme über den Seinigen müssen gehalten werden, so wie der | enge Raum für 3 Persohnen etwas Zusammenschränkung | erfordert.24

    <29>

    Erhalten ist der Text zu einer von Bach vertonten Geburtstagskantate für Königin Friederike Luise von Claude Étienne Le Bauld-de-Nans, ehemaliger Schauspiellehrer der Königin und von dieser mit einer Rente begünstigt. Es handelt sich um eine Folge von Duetten und Arien unter dem Titel LE BOUQUET DE LA FAMILLE ROYALE, AU JOUR ANNIVERSAIRE DE LA NAISSANCE DE SA MAJESTÉ LA REINE DE PRUSSE. LE 16. OCTOBRE 1789. ENÉCUTÉ EN MUSIQUE DANS LES APPARTEMENTS DE S.M. À MONBIJOU, PAR LL. AA. RR. MESDAMES LES PRINCESSES WILHELMINE ET AUGUSTE.25

    <30>

    Es ist anzunehmen, dass Wilhelm Bach, der am Beginn seiner Amtszeit stand, die Gesangspartien mit den beiden Prinzessinnen Friederike Louise Wilhelmine und Auguste Christine Friederike einstudierte. Konkrete Hinweise zur Aufführung des Werkes finden sich in den zeitgenössischen Berliner Tageszeitungen nicht.26

    <31>

    Ein anschaulicheres Beispiel für Wilhelm Bachs pädagogisches Wirken stellt wohl sein Concerto buffo dar, ein Werk für Bass, Orchester und die (Effekt-)Instrumente Leyer, Papagenoflöte, Kuckuck, Knarre, Maultrommel, Trompete und Trommel. Der Gesangssolist – von Bach als Kapellmeister bezeichnet (möglicherweise er selbst) rezitiert nach einer Orchesterouvertüre die Worte: "Jezt meine werthen Freunde höret! Daß Niemand meine Andacht störet lauscht es wird nach Apollos Taktik bewundrungswürdige Musik im ächten Pleno aufgeführet [...]"27 nacheinander werden die Effektinstrumente vorgestellt. Auf der autographen Titelseite schreibt Bach die Anweisung: "Kapellmeister in einem mit | Notenpapier besetzten Kleid | Allongen Perücken, und en escarpin. | Musici, in langen, alten, bis am | Halse zugeknöpften Mänteln, verschiedener | Farben, mit großen runden Hütchen. || (mit heller Tinte:) NB. | Die Kinderinstrumente | spielen so lange das | Zeichen % dauert, und | hören beym Eintreten | der Pausen auf. [...]."28

    <32>

    Es liegen zwei Fassungen des Werkes in Form von autographen Partituren vor.29 Die Papiere beider Quellen enthalten das Wasserzeichen FW MESCHMANN, was auf eine Entstehung nach 1804/05 (gegen Ende der Amtszeit Bachs) schließen lässt. Womöglich wurde die Kantate unter Mitwirkung der zu diesem Zeitpunkt noch relativ jungen königlichen Kinder König Friedrich Wilhelms III. und Königin Luises musiziert. Des Weiteren ist ein handschriftlicher Klavierauszug des Concerto buffo für Singstimme (Discant), Effektinstrumente und Klavier aus der selben Zeit als Abschrift erhalten, welche eine Einstudierung und Aufführung des Werkes im kleineren Umfang ermöglichte.30

    <33>

    Wilhelm Bach schrieb eine Reihe von Werken für Vokalensemble mit Clavierbegleitung, die zur Unterhaltung der Königin aufgeführt worden sein könnten. In seinem Duetto Comico beispielsweise philosophieren ein Dichter und ein Komponist über die Schönheit der Kunst, wobei sie immer wieder durch einen "Abrufer" aus der Fassung gebracht werden, der im Berliner Dialekt Aufforderungen wie "Parischen koft" oder "grüne Ale, Ale, Ale" dazwischenruft.31 In Der Vorsatz für vier Singstimmen und Clavier auf ein Gedicht von Christian Felix Weisse schwelgen die Solisten in verschiedenen Wunschvorstellungen, von deren Umsetzung sie aus Angst vor allen möglichen kuriosen Konsequenzen jedoch sogleich wieder Abstand nehmen.32 Weitere humoristische Vokalensembles tragen die Titel Der Pfad des Lebens33, Das Gesetzbuch34, Freude, Friede, Hoffnung,35 Ruf zur Freude36 und Die Ruhe des Lebens.37 Mit heiteren, gefälligen Melodien und zuweilen auf humorvolle Weise dramatisierten Passagen deutet Bach die Texte aus. Möglicherweise trug er eine der Gesangsstimmen selbst vor, am Clavier begleitend.38

    <34>

    Im kammermusikalischen Bereich sind neben Sonaten für Violine und Clavier vor allem Werke für größere Besetzung mit Bevorzugung von Blasinstrumenten, erhalten, darunter zwei Sextette für 2 Hörner, Klarinette, Violine, Viola und Violoncello39, eine Fantasie für 2 Hörner, Flöte, Klarinette, 2 Violinen, Viola und Violoncello in Es-Dur40, 2 Märsche für Trompete, 2 Oboen, Klarinette und 2 Fagotte in Es-Dur und 5 Pieces de parade für 2 Hörner, 2 Klarinette und 2 Fagotte in Es-Dur.41

    <35>

    Dass Wilhelm Bach vermutlich nicht die musikalischen Voraussetzungen zur Aufführung größerer Orchester- und Bühnenwerke hatte und diese für eine kleinere Besetzung bearbeitete, wird am Beispiel seiner Sinfonie in C-Dur deutlich. Sie liegt in Form von autographen Partituren als Orchesterfassung und als Fassung für Violine und Clavier in der British Library vor, wohin sie vermutlich aus Bachs privater Sammlung verkauft wurden.42 Stimmenabschriften der Fassung für Violine und Clavier für den Gebrauch am Hof befanden sich demgegenüber als Reinschrift in der Königlichen Hausbibliothek Berlin.43

    <36>

    Eine Sinfonie in C-Dur von Wilhelm Bach ist ebenfalls im Musikalieninventar des Schlosses Bückeburg44nachgewiesen, im Verzeichnis der Neüesten Simphonien, Quartetten und Quintetten […] eingetragen d 30sten December 1799 […],45die unter Kapellmeister Pierre Ange Wagny46weiterhin Verwendung fanden.47Ob es sich dabei um eine der beiden Fassungen des oben besprochenen Werkes, oder neben einer zweiten Sinfonie in C-Dur48um eine dritte Komposition handelt, bleibt unklar. Auffällig ist jedoch, dass Bach der regierenden Fürstin Juliane von Schaumburg-Lippe über die 1790er Jahre hinweg einige Musikalien zukommen ließ.49 Er wollte sich wohl bei ihr in Erinnerung halten und sandte am 21. November 1795 sogar ein Bewerbungsschreiben zur Übernahme des durch den Tod Franz Christoph Neubaurs am Bückeburger Hof freigewordenen Konzertmeisteramtes an die Fürstin.50 Diese ließ ihm mitteilen, dass die Stelle bereits einige Wochen zuvor an Wagny, den Kammerdiener ihres Vaters, vergeben worden sei.51

    <37>

    In einem neuen, 1846 erstellten und 1865/66 revidierten Inventar52 ist unter anderem das Oratorium Vater Unser von Wilhelm Bach verzeichnet, das aufgrund der Entstehung des vertonten Textes nicht vor 1805 angefertigt worden sein kann.53 Offenbar blieben Bachs Bemühungen an einer Verbindung zum Bückeburger Hof bestehen, möglicherweise begünstigt durch die finanziellen Unsicherheiten, die sich um die Jahrhundertwende ergaben und die sich durch die Aussetzung seiner Diensttätigkeit um die Zeit des vierten Koalitionskrieges (1806/07) verschärften.

    Besoldung

    <38>

    Angaben über Lohnzahlungen an Wilhelm Bach sind erst für seine letzten Dienstjahre zu finden. So quittierte Bach beispielsweise am 1. Januar 1805 den Erhalt von 10 Reichstalern "festgesetztes monathliches Traitement als Klavier Lehrer".54 Wie hoch die Dienstbezüge zu Beginn seiner Amtszeit waren und wie sich seine Besoldung entwickelte, lässt sich bislang nicht nachvollziehen. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Einschränkungen der Ausgaben am Hof und also auch die Kürzung des Kapelletats durch den neuen, seit November 1797 herrschenden König Friedrich Wilhelm III., sich auch auf die Besoldung Wilhelm Bachs auswirkten. In Anbetracht dessen ist es nicht verwunderlich, dass sich Bach, der in seiner musikalischen Laufbahn kaum Werke in den Druck gebracht hatte, um die Jahrhundertwende bemühte, kurze Klavierstücke und klavierbegleitete Lieder in musikalischen Zeitschriften zu veröffentlichen und sich damit dem Berliner Musikleben zuwendete. So brachte Bach zunächst im Selbstverlag, graviert bei Hummel in Berlin, um 1798 eine Auswahl [7] deutscher und [2] französischer Lieder und Arietten heraus. Außerdem erschienen 12 Klavierstücke in dem von Friedrich Franz Hurka 1799 herausgegeben Musikalischen Journal (Berlin: Günther, ab April 1799 Maas), ein Lied in der Liedsammlung Blumenkranz dem neuen Jahrhundert geflochten, veröffentlicht um 1799 (Berlin: Rellstab), fünf Lieder in der ebenfalls von Hurka herausgegeben, um 1803 erschienenen Auswahl maurerischer Gesänge und 11 Klavierstücke in der Zeitschrift Monats-Früchte für Clavier und Gesang (Berlin: Werckmeister, 1803-1806). Als Einzeldrucke wurden in Berlin beim Verlag Werckmeister 1806 das Lied Berlinade oder Lindenlied und 1809 das Rheinweinlied (auf einen Text von Carl Friedrich Müchler) veröffentlicht.

    <39>

    Offenbar war Wilhelm Bach auf finanzielle Hilfe durch seine Mutter angewiesen: Am 25. November 1801 lieh Lucia Bach 400 Reichstaler zur Unterstützung des Sohnes und musste sich damit selbst verschulden.55 Hintergrund für Wilhelm Bachs prekäre Lage war vermutlich der Tod seiner ersten Frau Charlotte Philippina Henrietta geborene Elerdt56, die im November 1801 gestorben war. Die noch sehr jungen Töchter Carolina Augusta Wilhelmine Bach57 und Juliana Friederika Ernestine Bach58 mussten versorgt werden. Wenig später, am 2. August 1802, ehelichte Bach Wilhelmine Susanne geborene Albrecht, mit der er eine Tochter, Augusta Wilhelmine Bach,59 und einen Sohn, Friedrich Wilhelm Ludwig Bach,60 hatte.61

    <40>

    Die finanziellen Schwierigkeiten verstärkten sich wohl in der Zeit des vierten Koalitionskrieges (1806/07). Am 23. August 1805 wurde Wilhelm Bach in der St. Johannis-Loge 'Zu den drei Seraphim im Oriente zu Berlin' mit dem Zusatz "Kapellmeister a. D." affiliiert.62 Für die Jahre bis 1805 sind im Pensionsetat des Hofstaatspersonals allerdings keine Eintragung über Pensionszahlungen an Bach zu finden, die auf ein Aussetzen seiner Diensttätigkeit hindeuten. Die Flucht des Hofstaates und damit die offenkundige Beendigung der Tätigkeit des Kapellmeisters erfolgte erst im Oktober 1806.63 Entsprechend findet sich in den Verzeichnissen des Hofstaatspersonals für den Pensionsetat 1798 – 1809 unter "Nachweisung | von | Abgang und Zuwachs | bey dem | Pensions-Etat | pro 1806/7." ein Wilhelm Bach betreffender Eintrag: "Zuwachs […] Bedienstete der Königin Frau Mutter Majestät. […] Der Cammer Musicus Bach Berlin || 320 [Rthl]."64Im "Verzeichnis | der in Berlin lebenden Musiker von den Kapellen des Prinzen Heinrichs | von Rheinsberg Pr. H. und der Königin Frau Mutter Majestät." ist angegeben, wie hoch die monatliche Pension der zugehörigen Musiker war.65 So erhielt Bach 26 Reichstaler. Eine Angabe zum Zeitumfang der Auszahlungen ist der Akte nicht zu entnehmen. Augenscheinlich wurde die Pensionszahlung an Bach nachfolgend ausgesetzt oder reichte nicht aus, um den Lebensunterhalt der Familie zu bestreiten, denn im Februar 1809 musste er seinen Austritt aus dem 'Musicalischen Collegium' der 'Großen Nationalen Mutterloge'66 aufgrund von finanziellen Unzulänglichkeiten erklären.67

    <41>

    Am 15. Oktober 1809 schrieb Bach aus Berlin einen Brief an den preußischen Finanzminister, den Geheimen Staatsrat und Oberpräsidenten Karl Sigmund Franz Freiherr vom Stein zum Altenstein, dessen Verbleib leider unbekannt ist. Unter Lot 678 in Leo Liepmannssohns Katalog zur Autographen-Versteigerung Nr. 64, die am 23./24.Mai 1934 stattfand, wird der Brief aufgeführt und beschrieben als "Sehr interessanter Brief, in dem Bach ausführlich seine Verhältnisse schildert u. seine Notlage darstellt."68

    <42>

    Fragwürdig ist, ob Wilhelm Bach nach Rückkehr des Hofstaates im Dezember 1809 seinen Dienst wiederaufnahm, bevor seine Amtszeit mit dem Tod Königin Luises am 19. Juli 1810 wohl endgültig beendet war.

    <43>

    Offensichtlich bestand zwischen Bach und seinem ehemaligen Schüler Prinz Friedrich Heinrich Karl von Preußen ein gutes und langanhaltendes Verhältnis. Es ist anzunehmen, dass er ihn über seine Notlage informierte, denn der Prinz gewährte ihm eine großzügige Pension.69 Im Nekrolog auf W. Bach heißt es dazu: "[...] Prinz Heinrich […] blieb ihm sogar noch während seiner langjährigen Abwesenheit in Rom stets gewogen, nahm an seinem Geschick lebhaften Antheil und gab ihm vielfache Beweise seiner besondersten Gnade und Gewogenheit, welche sich auch ietzt durch Gewährung lebenslänglicher Pension auf die beiden hinterlassenen Töchter und auf die Witwe erstreckt. Vor einigen Jahren z.B. erinnerte der Prinz ihn an den Anfang seines Musikunterrichts vor 50 Jahren aus ganz eigener Bewegung, verdoppelte ihm damals seine Pension und gab ihm Zusicherung, diese Pension nach seinem Tode ungeschmälert auf seine Familie übergehen zu lassen."70 Robert Eitner gibt in seinem Biographisch-Bibliographischen Quellen-Lexikon an, die Kinder Friedrich Wilhelms II. hätten Wilhelm Bach eine Pension von 300 Reichstalern ausgesetzt.71 Belegende Dokumente sind nicht erhalten.

    <44>

    Im Nekrolog heißt es weiter: "Auch der Prinz Wilhelm hat ihn mit gleicher Huld geschätzt. Zu dem Jubiläum des Prinzen Heinrich im vorigen Jahr hat B. ihm noch im Alter von 87 Jahren eine Jubel-Ouvertüre zugeeignet."72

    <45>

    Tatsächlich widmete Bach sein Divertissement: Menuet. à Quatres Mains avec | VII. Variations pour le Piano Forte73 Prinzessin Wilhelm von Preußen, die als Maria Anna Amalie von Hessen-Homburg im Jahre 1804 Wilhelm, den jüngsten Sohn Friedrich Wilhelms II. und Königin Friederike Luises geheiratet hatte. Interessanterweise liegen zu diesem Werk zwei Autographe vor: 1) eine Reinschrift des Werkes (ohne Widmung und unter dem Titel Tempo di Minuetto à Quatres Mains), die an die Bibliothek Friedrich Wilhelms II. überging und also in dessen Regierungszeit (bis 1797) entstanden sein muss und 2) die unter dem oben wiedergegebenen Titel erwähnte Arbeitspartitur mit Widmung, die unter Beachtung des Wasserzeichens W MESCHMANN nicht vor 1804 entstanden sein kann und auf der Titelseite die Widmung sowie die unvollständige Angabe "Au Bureau de Musique de..." enthält. Augenscheinlich wollte Bach das Werk veröffentlichen, ein gedrucktes Exemplar lässt sich jedoch nicht nachweisen. Ob Maria Anna Amalie, die ein enges Verhältnis zum Königspaar hatte und sich nach Königin Luises Tod um die königlichen Kinder kümmerte, selbst Unterricht bei Bach erhielt, ist fraglich.

    <46>

    Offenbar hatte Wilhelm Bach auch weiterhin Kontakt zu Prinzessin Friederike Louise Wilhelmine von Preußen, seit 1815 Königin der Niederlande und zu Prinzessin Auguste Christine Friederike von Preußen, ab 1821 Kurfürstin von Hessen. Diese waren als Solistinnen in der oben erwähnten, von Wilhelm Bach vertonten und am 16. Oktober 1789 aufgeführten Geburtstagskantate für Königin Friederike Luise mit dem Titel Le Bouquet de la Famille Royale aufgetreten. Um 1821 erschienen in Berlin beim Verlag Schlesinger die XII grandes variations sur un air allemand populaire: (Gestern Abend war Vetter Michel da); pour le piano-forté composée et dediés à Sa Majesté la Reine d'Hollande et à Son A. R. Madame la Princesse Electorale de Hesse par W. Bach.74 Im Gegensatz zu den meisten wohl im pädagogischen Kontext entstandenen Werken ist diese Komposition technisch anspruchsvoll und erinnert hierin an seine Grande Sonate pour le Pianoforte75, die 1778 in einem von seinem Onkel geleiteten (Privat-)Konzert am Hannover Square, London aufgeführtwurde.

    Beziehungen zu Musikerkollegen und öffentliches Wirken

    <47>

    Über Beziehungen Wilhelm Bachs zu Musikerkollegen des höfischen Dienstes gibt es nur wenige Anhaltspunkte. Im Nachlass des Hofkapellmeisters Johann Friedrich Reichardt befanden sich Manuskripte von einer Arie, einem Rondo und einer Trauerkantate76 von Wilhelm Bach. In seinem 1791 erschienenen Artikel Aussterben der Familie Bach erwähnt er Wilhelm Bach, den "Claviermeister bey der regierenden Königinn von Preussen".77

    <48>

    Zu Friedrich Franz Hurka, Sänger der Hofoper, scheint Bach ein gutes Verhältnis gehabt zu haben. Hurka gab (nach seiner Pensionierung) 1799 das oben erwähnte Musikalische Journal mit eigenen Liedern und insgesamt 12 Klavierstücken von Bach heraus.78 Die Verbindung der beiden dürfte durch das gemeinsame Interesse an der Freimaurerei bestärkt worden sein. Hurka, der selbst einer Loge angehörte, fungierte 1803 als Herausgeber der Auswahl maurerischer Gesänge, in der fünf Lieder von Wilhelm Bach abgedruckt sind.

    <49>

    Auch zu Johann Ignaz Ludwig Fischer, Bassist an der italienischen Hofoper zu Berlin und ebenfalls Freimaurer, gab es eine Verbindung. In der Aufführung von Bachs Singspiel Der Theaterprinzipal (nach einer lyrischen Posse von Karl Alexander Herklots) in einem am 19. Mai 1808 im Theatersaal zu Berlin stattfindenden Konzert trat Fischer als Solist auf.79

    <50>

    Wilhelm Bach arbeitete außerdem mit drei weiteren Sängern der Berliner Hofoper zusammen: Die autographen Stimmen zu seinem klavierbegleiteten Vokalensemble Erinnerung an Schillers Sterbetag für drei Tenor-, eine Bassstimme und Clavier tragen die Namen [Karl Joseph] Ambrosch80, [Franz Wilhelm Christian] Labes81 und [Friedrich Ernst Wilhelm] Greibe.8283

    <51>

    Zu Beginn seiner Amtszeit in Berlin versuchte sich Wilhelm Bach bekannt zu machen. So brachte er seine Kantate Westphalens Freude im Klavierauszug 1791 in den Druck mit Widmung an seine Schüler, die königlichen Kinder. Am 2. Mai 1791 führte er im Konzert der Musikliebhaber seine Kantate Colma. Eine Episode aus den Gedichten Ossians wieder auf.84

    <52>

    Neben den oben besprochenen Abdrucken von Klavierstücken und Liedern Bachs in musikalischen Zeitschriften müssen, laut Angaben des Komponisten,85 auch sein Oratorium Vater Unser für Tenor, Bass, vierstimmigen Chor und Orchester und die Kantate Columbus oder die Entdeckung von Amerika86 für Tenor, Bass, vierstimmigen Chor und Orchester im Druck (womöglich als Klavierauszüge) erschienen sein.

    <53>

    Für Wilhelm Bach, dem spätestens mit der Beendigung seiner Dienstzeit am preußischen Hof die musikalischen Mittel für die Aufführung umfangreicher Werke fehlten, stellte das 'Musicalische Collegium' der Großloge 'Zu den drei Weltkugeln', dem er am 3. Juni 1810 erneut beitrat87, eine Gelegenheit dar, seine Kantate Columbus in einem Konzert für die Logenmitglieder und deren Familien sowie Freunde am 28. Oktober 1810 aufzuführen.88

    <54>

    Die autographe Titelseite zu Bachs umfangreichstem Werk, einer Ballet Pantomime, bestehend aus einer Ouvertüre mit 43 Tanzsätzen, enthält den Vermerk "Berlin: 28 Du Septembre 98".89 Ob es sich hierbei um ein Aufführungsdatum handelt, ist unklar. In der zeitgenössischen Presse finden sich keine Anhaltspunkte zu einer Aufführung; eine Reinschrift sowie Aufführungsmaterialien sind nicht erhalten, lediglich die autographe Partitur, die zahlreiche Korrekturen und Ergänzungen, sowie Änderungen in der Nummerierung enthält. Jedoch sind hier einige Nummern Tänzern und Tänzerinnen des Balletts des Königlichen Hoftheaters, wie z.B. [Etienne oder Albert] Lauchery, [Margarethe Redewin] Clauce und [Federico] Duponcelle, zugewiesen, was darauf hindeutet, dass eine Aufführung zumindest angedacht war.

    <55>

    Wilhelm Bach setzte sich auch für die Aufführung der Werke seines Vaters Johann Christoph Friedrich Bach in Berlin ein. So liegt eine Bearbeitung des Oratoriums Die Kindheit Jesu vor, die aufgrund des Wasserzeichens (J. Fournier) nicht vor 1790 und damit in Bachs Berliner Zeit entstanden sein muss.90 Für eine andere Aufführung reduzierte Wilhelm Bach das Werk auf Eingangs- und Schlusschor. Lediglich die Singstimmen sind zum Teil unvollständig erhalten.91 Der Zeitpunkt der Aufführung ist bislang unklar.

    <56>

    Im September 1792 bat Johann Christoph Friedrich Bach den Verleger Johann Gottlob Immanuel Breitkopf um Rücksendung seiner Kantate Mosis Mutter und ihre Tochter (Jochebeth und Myriam), für den Fall, dass diese nicht im Druck erscheinen sollte, da sein Sohn in Berlin ihn darum in einem Brief gebeten hatte.92 Ob ein Brief Wilhelm Bachs aus Berlin an Breitkopf & Härtel vom 15. Januar 1805, eine "Dringende Musikalienbestellung" betreffend, sich ebenfalls auf Werke seines Vaters bezog, lässt sich nicht klären. Der Brief ist verschollen.93

    <57>

    Mit dem Erhalt einer sicheren Pension scheint sich Wilhelm Bach aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen zu haben. Lediglich drei Drucke seiner Werke sind aus der Zeit nach 1810 erhalten, so 2 Lieder in der von Friedrich Maurer herausgegebenen Neuen Auswahl von Maurer-Gesängen mit Melodien vorzüglicher Componisten (Berlin: Maurer, 1814), ein Rundgesang für Fröhliche (Berlin, um 1820) und die oben besprochenen XII Grandes Variations sur un air allemand populaire (Berlin: Schlesinger, um 1821). Wenige Jahre vor seinem Tod trat Wilhelm Bach als letzter direkter männlicher Nachfahre Johann Sebastian Bachs noch einmal in Erscheinung, als er am 23. April 1843 an der feierlichen Einweihung des Denkmals für seinen Großvater in Leipzig als Ehrengast teilnahm.94 Felix Mendelssohn Bartholdy, der sich um die Wiederentdeckung und Aufführung der Werke Johann Sebastian Bachs bemüht und auch das Denkmal gestiftet hatte, hatte nicht um die Existenz des Bach-Enkels gewusst.95 Verbindungen Wilhelm Bachs zu anderen Beförderern der Bach-Renaissance lassen sich ebenfalls nicht nachweisen.

    Zusammenfassende Bemerkungen

    <58>

    Wilhelm Friedrich Ernst Bachs Wirken als Kammercembalist, Kapellmeister und Musiklehrer der Königinnen Friederike Luise und Luise sowie der königlichen Kinder lässt sich in Ermangelung beschreibender Dokumente nur andeutungsweise nachvollziehen. Von seinen erhaltenen Kompositionen ist lediglich ein Bruchteil in die Bibliothek des Königshauses übergegangen, mehrheitlich Claviermusik. Ob seine kammermusikalischen Werke, die Sinfonien und Vokalwerke, die sich in seinem Privatbesitz befanden, tatsächlich zur Aufführung am Hof gelangten, noch dazu über die Privaträume der jeweils regierenden Königin hinaus, muss offenbleiben. Über Bachs öffentliches Wirken als Musiker und Komponist geben nur sehr wenige Dokumente Auskunft. Auch lassen sich kaum Zeugnisse zur Zusammenarbeit Bachs mit Musikerkollegen, überwiegend Sänger an der Berliner Hofoper, nachweisen. Die Verbindungen zwischen den Musikern scheinen vor allem durch das gemeinsame Interesse an der Freimaurerei bestärkt worden zu sein.

    <59>

    Die Anlage der meisten Klavier- und Vokalkompositionen als gefällige Gebrauchsmusik ohne hohe technische Ansprüche, lässt darauf schließen, dass Wilhelm Bach im höfischen Kontext nicht die Möglichkeiten hatte, sich als ernstzunehmender Komponist zu profilieren. Die übersichtliche Anzahl an Werken, die im Rahmen seiner dortigen Tätigkeit entstanden sein müssen, zeigt überdies, dass er als Komponist wenig gefordert war. Bemühungen zur Veränderung seiner Lage, die sich in Zusendungen von Kompositionen an den Bückeburger Hof und in der Bewerbung um das dortige Kapellmeisteramt in den ersten Jahren seiner Berliner Zeit widerspiegeln, scheint Bach bis zum Ende seiner Amtszeit fortgeführt zu haben. Zudem sah er sich um die Jahrhundertwende aufgrund von Kürzungen des Kapelletats durch den neuen Regenten Friedrich Wilhelm III. offensichtlich finanziellen Problemen ausgesetzt, die sich in der Zeit des Koalitionskrieges noch verstärkten. Er wandte sich der bürgerlichen Öffentlichkeit zu und brachte Lieder sowie kurze Klavierstücke in Journalen heraus. Mit dem Erhalt einer sicheren Pension scheint Bach die Bemühungen um einen Ortswechsel und um die Wahrnehmung seiner Person in der Öffentlichkeit aufgegeben zu haben.

    <60>

    Überhaupt sind kaum Kompositionen erhalten, die nach seiner Amtszeit entstanden. Der Schwerpunkt seiner musikalischen Aktivitäten verlagerte sich allem Anschein nach auf seine Tätigkeit im 'Musicalischen Collegium' der 'Großen Nationalen Mutterloge'. Den Schwierigkeiten, die für Wilhelm Bach als Kapellmeister am preußischen Hof entstanden, steht seine Tätigkeit als Pädagoge gegenüber. Die augenscheinlich langanhaltende Verbindung Bachs zu einigen seiner ehemaligen Schüler und Schülerinnen, den königlichen Kindern, zeigt, dass diese ihn vor allem als Musiklehrer und als Menschen geschätzt haben müssen.

    <61>

    Wilhelm Friedrich Ernst Bach starb 86jährig am 25. Dezember 1845. Die Inschrift auf seinem Grabkreuz erinnert an "de[n] letzte[n] Enkel Johann Sebastian Bachs, […] Kapellmeister der Königin Louise und Musiklehrer ihrer Kinder".96

    Informationen zur Person

    M. A. Magdalena Strobel
    Forschungsprojekt Bach-Repertorium
    Wissenschaftliche Hilfskraft
    Bach-Archiv Leipzig
    Thomaskirchhof 16
    04109 Leipzig
    E-Mail: strobel@bach-leipzig.de



    1 Vgl. Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrgang 23 (1845), Teil 2, Weimar 1847, 981–984, hier: 982.

    2 Das Werk mit dem Titel SIX SONATES | Pour le | CLAVECIN ou PIANO FORTE | Accompagnées d'un VIOLON. | très humblement dediées | A. S. A. R. MONSEIGNEUR le DUC de YORK | Evèque d'Osnabrug. &c. | et Composées Par | W. BACH. | Oeuvre Premiér. [...] erschien 1786 im Verlag J. J. Hummel in Berlin. Nachgewiesene Exemplare: D-RH; CH-Gpu.

    3 Vgl. Neuer Nekrolog (wie Anm. 1), 982.

    4 Vgl. Brief Wilhelm Friedrich Ernst Bachs an Wilhelm Christian Müller, Berlin am 14. Mai 1830, in: Biblioteka Jagiellońska, Berol. Varnhagen Sammlung 25, Bach.

    5 Der Titel der autographen Partitur in A-Wn Mus. Hs. 2119 lautet: Kantate | auf | die Rückkunft des Königs | Partitur. || W Bach. Der Originaldruck, erschienen 1791 in Rinteln bei Anton Heinrich Bösendahl, trägt den vollständigen Titel Westphalens Freude | ihren vielgeliebten | König Friedrich Wilhelm | bey sich zu sehen. | Eine Cantate | in Musik gesetzt und in Minden | vor Sr. Majestät dem Könige | aufgeführt | auch | in einen Clavierauszug gebracht | von | Wilhelm Bach, | Kapellmeister in Diensten der regierenden Königin Majestät | von Preußen; nachgewiesene Exemplare: D-Kl, GB-Lbl.

    6 Vgl. Ulrich Leisinger (Hg.): Johann Christoph Friedrich Bach. Briefe und Dokumente (= Leipziger Beiträge zur Bach-Forschung 9), Hildesheim (u.a.) 2011, 237 (II:86), 239 (II:89): Aus einem am 14. März 1789 geschriebenen Brief Johann Christoph Friedrich Bachs an einen unbekannten Empfänger (J. F. Hering?) in Berlin geht hervor, dass Wilhelm Friedrich Ernst Bach bald möglichst nach Berlin kommen wird. In einem zweiten Brief vom 2. April gibt der Vater eine Empfehlung für den zum Zeitpunkt des Schreibens bereits in Berlin ansässigen Sohn.

    7 Vgl. Neuer Nekrolog (wie Anm. 1), 982.

    8 Christian Kalkbrenner (1766–1806) war 1787/88 zum Kapellmeister der Königin Friedrike Luise von Preußen ernannt worden und trat 1790 die Stelle des Kapellmeisters am Hof des Prinzen Heinrich von Preußen in Rheinsberg an.

    9 Hierbei handelt es sich wohl um Königin Friederike Luise von Preußen.

    10 Brief Wilhelm Friedrich Ernst Bachs an Wilhelm Christian Müller, Berlin am 14. Mai 1830, in: Biblioteka Jagiellońska, Berol. Varnhagen Sammlung 25, Bach.

    11 Ob und in welchem Umfang Kronprinz Friedrich Wilhelm III., zu Bachs Amtsantritt beinahe 19 Jahre alt, von diesem unterrichtet wurde, ist fragwürdig.

    12 In Anbetracht der tatsächlichen Dienstzeit Bachs (bis etwa 1806) ist es wahrscheinlich, dass Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen (ab 1840 König Friedrich Wilhelm IV.), Prinz Wilhelm von Preußen (ab 1861 König und ab 1871 Kaiser Wilhelm I.), Prinzessin Friederike Luise Charlotte Wilhelmine von Preußen und Prinz Friedrich Carl Alexander von Preußen zu seinen Schülern und Schülerinnen zählten.

    13 Vgl. Hannsdieter Wohlfahrt: Wilhelm Friedrich Ernst Bach (1759–1845), in: Schaumburg-lippische Mitteilungen 16 (1964), 27–32, hier: 29.

    14 Vgl. Ulrich Leisinger (Hg.): Wilhelm Friedrich Ernst Bach – Der letzte musikalische Enkel Johann Sebastian Bachs, in: Johann Christoph Friedrich Bach (1732–1795). Ein Komponist zwischen Barock und Klassik. Eine Ausstellung im Niedersächsischen Staatsarchiv in Bückeburg, Schloß vom 8. Juni bis 11. August 1995. Katalog bearbeitet von Ulrich Leisinger, Bückeburg 1995 (Veröffentlichungen der niedersächsischen Archivverwaltung. Inventare und kleinere Schriften des Staatsarchivs in Bückeburg 4), 71–82, hier 75 bzw. 82, Fußnote 28.

    15 Das thematisch-systematische Verzeichnis der musikalischen Werke Wilhelm Friedrich Ernst Bachs (BR-WFEB), bearbeitet von Magdalena Strobel, hg. vom Bach-Archiv Leipzig (= Bach-Repertorium, Bd. 7) befindet sich im Druck.

    16 Die Privatbibliotheken verschiedener preußischer Herrscher wurden hier zusammengeführt. Die Musiksammlung wird seit 1925 staatlich verwaltet.

    17 Vgl. Neuer Nekrolog (wie Anm. 1), 983.

    18 Nach Zusammenlegung mit anderen Bibliotheken 1972/73 heute British Library.

    19 Die Versteigerung der Musikalien fand ab dem 4. Dezember 1882 in der Buchhandlung Leo Liepmannssohns in Berlin statt. Vgl. KATALOG der MUSIKALISCHEN BIBLIOTHEK des verstorbenen Dr. Joseph Müller Bibliothekar der Königl. Hochschule für Musik zu Berlin. Zweite Abteilung: Hymnologie und praktische Musik. Die Versteigerung gegen sofortige baare Zahlung in Deutscher Reichswährung findet am Montag den 4. Dezember 1882 und folgende Tage von 10 – 2 Uhr in der Buchhandlung von Leo Liepmannssohn Berlin, W. Markgrafenstrasse 52 statt., Berlin: Leo Liepmannssohn, 1882.

    20 Der Auktionskatalog enthält 9 Einträge zu folgenden, Autographen Bachs, die in Umfang und Beschreibung überwiegend den Quellen in GB-Lbl entsprechen: Die Kindheit Jesu (Bearbeitung des Oratoriums Johann Christoph Friedrich Bachs durch Wilhelm Friedrich Ernst Bach), Vater Unser, Columbus, oder die Entdeckung von Amerika, Duetto comico – Der Dichter und der Komponist, Der Pfad des Lebens, Concerto buffo, Sinfonie in G-Dur und "Diverse kleinere Instrumental- und Gesangs-Kompositionen", Vgl. Katalog der musikalischen Bibliothek (wie Anm. 20), S. 55, Nr. 865 (1–9).

    21 Zur Geschichte des Porträts vgl. Brigitte Huber: "Ehre dem würdigen Haupt, das einen so geweihten Namen trägt!". Zur Wiederentdeckung des Porträts von Wilhelm Friedrich Ernst Bach (1759–1845), in: Bach-Jahrbuch 101 (2015), 205–231.

    22 Beide Drucke tragen als Verfasserangabe "Mr. Bach". Die Zuweisungen an Johann Christian Bach durch Charles Sanford Terry werden von Ernest Warburton und anderen stark angezweifelt. Sie geben Wilhelm Friedrich Ernst Bach als wahrscheinlichen Komponisten an. Vgl. Charles Sanford Terry: John Christian Bach, London 1929, 2. Aufl. mit einem Vorwort von H. C. Robbins Landon, London 1967, 350/8–351/7 und 356/5 (nur Abschrift des Allegro aus Sonate 5); Ernest Warburton (Hg.): Johann Christian Bach. The Collected Works, Bd. 48.1, Thematic Catalogue, New York / London 1999, 464f. und 467f.

    23 Vgl. D-B KH M 6810a: I. Katalog der Musikalien. [nachträglich: F. W II.]. Verzeichnet sind folgende Werke: Amusement (es handelt sich wohl um KH M 175), Sinfonia (heute D-B KH M 171?), Six Walzer (heute D-B KH M 172) und Tempo di menuetto, a 4 mains (heute D-B KH M 174).

    24 Autograph in GB ̶ Lbl Add MS 32045.

    25 Der vollständige Titel des Librettos lautet: LE BOUQUET | DE | LA FAMILLE ROYALE, | AU | JOUR ANNIVERSAIRE DE LA NAISSANCE | DE | SA MAJESTÉ | LA REINE DE PRUSSE. | LE 16. OCTOBRE 1789. | ENÉCUTÉ EN MUSIQUE DANS LES APPARTEMENTS DE S.M.| À MONBIJOU, | PAR | LL. AA. RR. MESDAMES LES PRINCESSES | WILHELMINE ET AUGUSTE. || La Musique est de M. BACH, Maître de Chapelle; & M. Ie | Professeur LE BAULD DE NANS, Pensionnaire de S. M., | est l'auteur des paroles. || BERLIN, | chez PIERRE BOURDEAUX, Imprimeur. | M. DCC. LXXXIX. – Nachgewiesenes Exemplar: LV-Rg R W2/ 1547 I (31).

    26 Vgl. Christoph Henzel: Das Konzertleben der preußischen Hauptstadt 1787–1792 im Spiegel der Berliner Presse, in: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz (2006/07), 42–116, hier: 91ff.

    27 Autographen Partituren in GB-Lbl Add MS 32081 (2) und GB-Lbl Add MS 39845.

    28 Autographe Partitur in GB-Lbl Add MS 39845.

    29 Autographen Partituren (wie Anm. 23).

    30 Handschriftlicher Klavierauszug in GB-Lbl Add MS 32081 (1).

    31 Autographe Partitur und Stimmen zu Bachs Duetto Comico. Der Dichter und der Komponist für Tenor, Bass, eine "Abrufer-Stimme" und Clavier in GB-Lbl Add MS 32044.

    32 Autographe Stimmen zu Der Vorsatz für vier Singstimmen und Clavier in GB-Lbl Add MS 32044 (1).

    33 Autographe Partitur und Stimmen in GB-Lbl Add MS 32044 (8).

    34 Autographe Stimmen in GB-Lbl Add MS 32044 (5).

    35 Autographe Partitur und Stimmen in GB-Lbl Add MS 32044 (9).

    36 Autographe Stimmen in GB-Lbl Add MS 32044 (4).

    37 Autographe Stimmen in GB-Lbl Add MS 32044 (3).

    38 Vgl. Leisinger: Wilhelm Friedrich Ernst Bach (wie Anm. 14), 78: Die Anmerkung Ulrich Leisingers, die Aufführungsmaterialien zu Bachs Vokalensembles für ein bzw. zwei Tenöre, Bass und Klavier hätten sich nur aus Partitur und Tenorstimmen zusammengesetzt, was zeige, dass der Pianist (evtl. Wilhelm Bach) auch den Vortrag der Bassstimme übernahm, lässt sich nur bedingt bestätigen.

    39 Autographe Stimmen zu einem Divertimento. Sestetto in GB-Lbl Add MS 32043; handschriftliche Partitur und Stimmen zu einem Sestetto in D-B Mus. ms. Bach P 1136 und Mus. ms. Bach St 177.

    40 Handschriftliche Stimmen in D-B Mus. ms. Bach St 339.

    41 Autographe Stimmen zu 2 Marches et 5 Pieces de Parade in D-B KH MM 332.

    42 Orchesterfassung in GB-Lbl Add MS 32042, Fassung für Violine und Klavier in GB-Lbl Add MS 32043.

    43 Stimmenabschriften in D-B KH M 171.

    44 D-BÜC F2 Nr. 728: Inventaria über sämtliche im Schloße Bückeburg befindliche alten und neuen Musicalien nach dem Alvabeth verzeichnet. aufgenommen vom Concertmeister Wagny im Monath December 1799. Die Werke gelangten mehrheitlich 1935 an das Staatliche Institut für Musikforschung, kehrten nach kriegsbedingter Verlagerung jedoch nicht zurück.

    45 D-BÜC F2 Nr. 728, [Teil III].

    46 Wagny war seit Oktober 1795 Kapellmeister am Bückeburger Hof.

    47 Vgl. Leisinger: Johann Christoph Friedrich Bach (wie Anm. 6), 473.

    48 Der autographe Stimmensatz zu einer zweiten Sinfonie in C-Dur befindet sich heute (unvollständig) in D-LEb 56926 – Kulukundis I.6 WFEB 2.

    49 Neben der erwähnten Sinfonie sind neun Arien/Lieder, zwei Partiten für Blasinstrumente, ein Divertimento, eine Sinfonie und zwei Intermezzi von Wilhelm Friedrich Ernst Bach im Musikalieninventar des Schlosses Bückeburg (1799) verzeichnet.

    50 Eigenhändiges Schreiben Wilhelm Friedrich Ernst Bachs an Fürstin Julia zu Schaumburg-Lippe vom 21. November 1795 in D-BÜC F 1 A XXXV 20b. Nr. J2. Bach begründet seine Bewerbung damit, dass die Sehnsucht nach seiner Heimat seine "sonst angenehme" Lage in Berlin überwiegen würde. Dem Schreiben legte er einige Kompositionen bei, für die er als Dank 2 Friedrich d'or erhielt. Vgl. Konzept des Antwortschreibens in D-BÜC F 1 A XXXV 20b J2: "Aufsatz zu einer Antwort an H. W. Bach in Berlin" vom 10. Dezember 1795.

    51 Abfertigungsvermerk der Fürstin Juliane von Schaumburg-Lippe auf Bachs Bewerbungsschreiben in D-BÜC, F 1 A XXXV 20b. Nr. J2 und Konzept des Antwortschreibens an Bach in D-BÜC, F 1 A XXXV 20b J2.

    52 D-Bim, ohne Signatur: "Verzeichnis der zum Nachlaß der Hochseligen Prinzeßin Caroline zu Schaumburg-Lippe Durchlauchten gehörigen Musikalien", Bd. III, fol. 3r–6r.

    53 Textdichtung von Siegfried August Mahlmann: Gebet der Kinder zu ihrem ewigen Vater. Laut Biographie der Ausgabe von 1839 entstand die Dichtung im Sommer des Jahres 1805. Vgl. August Mahlmann's sämmtliche Schriften. Nebst Mahlmann's Biographie. Erster Band. Gedichte. I., Leipzig: F. Volckmar 1839, XVIIf.

    54 Vgl. Heinrich Miesner: Urkundliche Nachrichten über die Familie Bach in Berlin, in: Bach-Jahrbuch 29 (1933), 157–165, hier: 160.

    55 Vgl. Wagener-Fimpel, Silke: Als einzige noch überlebende Tochter des vormahligen Konzertmeisters Bach… Bemerkungen zu den Lebensumständen der Familie des "Bückeburger" Bach, in: Schaumburg-Lippische Mitteilungen 33, Bückeburg 2001, 79–98, hier: 87.

    56 Dez. 1780–9. Nov. 1801.

    57 14. Dez. 1800–13. Mai 1871.

    58 8. Sept. 1801–28. Okt. 1807.

    59 6. Dez. 1805–12. Feb. 1858.

    60 10. Nov. 1807–26. Aug. 1808.

    61 Die Töchter Wilhelm Bachs blieben kinderlos.

    62 D-Bga, F.M. 5.2 B 55 Nr. 254, S. 19. Wilhelm Bach war in Minden Mitglied der Loge 'Wittekind zur Westfählischen Pforte zu Minden' gewesen. Am 25. Juni 1783 wurde er erstmals in der Mitgliederliste der Loge verzeichnet. Vgl. Karlheinz Gerlach: Die Freimaurer im alten Preußen 1738–1806. Die Logen zwischen mittlerer Oder und Niederrhein, Teil 1, Innsbruck (u.a.) 2007, 747. Auffällig ist, dass Bach in Berlin erst am Ende seiner Dienstzeit am preußischen Hof erneut einer Loge beitrat.

    63 Zur beruflichen und finanziellen Situation Bachs im genannten Zeitraum siehe auch Huber: "Ehre dem würdigen Haupt" (wie Anm. 19), 212–214.

    64 "Verzeichnisse des Hofstaatspersonals für den Pensionsetat 1798 – 1809", Fasz. 5: "Nachweisung | von | Abgang und Zuwachs | bey dem | Pensions-Etat | pro 1806/7.", D-Bga I. HA GR, Rep. 36, Nr. 184, fol. 17.

    65 "Verzeichnis | der in Berlin lebenden Musikern von den Kapellen des Prinzen Heinrichs | von Rheinsberg Pr. H. und der Königin Frau Mutter Majestät." in D-Bga I. HA GR, Rep. 36, Nr. 184, Fasc. 7, fol. 24.

    66 Vgl. D-Bga, FM, 5.1.4, Nr. 3786, fol. 56. Bach ist hier als Mitglied Nr. 26 verzeichnet unter "Continuatio" als "Friedrich Bach | Kapellmeister". Das Collegium wurde am 10. Juni 1801 gegründet und bestand aus etwa 30 Mitgliedern.

    67 Bach vermerkt unter einem Schreiben des 'Musicalischen Collegiums' vom 28. Februar 1809, in dem die nicht aktiven Mitglieder des Collegiums zur Rückgabe des musikalischen Zeichens aufgefordert werden: "Kann bis jetzt nur die Pflicht sich mit den Seinigen durchzubringen erfüllen, und muß daher selbst aufsagen, was nur mit den mindesten Unkosten verknüpft ist. Von dem musikalischen Collegio rückgefordert, ermangle ich demnach nicht, das Zeichen hiermit zurück zu geben." D-Bga FM, 5.1.4, Nr. 3786, fol. 28.

    68 Autographen: darunter kostbare Stücke aus dem Goethe- und Schillerkreise; Versteigerung den 23. und 24. Mai 1934 (Katalog Nr. 64), Berlin 1934.

    69 Welche Höhe die Pensionszahlungen hatten und ab wann Wilhelm Bach sie erhielt, lässt sich nicht ermitteln. Über die oben angeführten Einträge im Pensionsetat des Hofstaatspersonals (1806/07) hinaus sind keine Eintragungen über Pensionszahlungen an Bach zu finden. Prinz Heinrich von Preußen hielt sich ab 1819 dauerhaft in Rom auf. Es ist möglich, dass er Bach schon vorher finanziell unterstützte.

    70 Neuer Nekrolog (wie Anm. 1), 983.

    71 Vgl. Robert Eitner: Art. Bach, Friedrich Ernst Wilhelm, in: Ders.: Biographisch-Bibliographischs Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, 1. Bd., Leipzig 1900, 259.

    72 Vgl. Neuer Nekrolog (wie Anm. 1), 983.

    73 Autograph in: S-Smf MMS244. Der vollständige Titel lautet: Divertissement: / | Menuet. | à | Quatres Mains | avec | VII. Variations | pour le Piano Forte | composè et | tres humblement dediè | à | S. A. R. Madame le Princesse | Guillaume de Prusse | par | W. Bach | Maitre de Chapelle | Au Bureau de Musique de ….

    74 Nachgewiesene Exemplare: A-Wgm, A-Wn, B-Bc, D-Bim, D-LEm, US-Cah.

    75 Autograph in GB-Lbl Add MS 32042.

    76 Hierbei dürfte es sich um die Trauer-Kantate auf Friedrich II. von Preußen (Fließt von unsrer Wang herab, nach einem Text von Sophie Friederika Martini) gehandelt haben, welche am 10. September 1786 in der Reformierten Kirche zu Minden aufgeführt wurde. Es ist möglich, dass Wilhelm Bach Reichardt ein Manuskript des Werkes zukommen ließ.

    77 Johann Friedrich Reichardt: Auf den Tod Carl Philipp Emanuel Bachs, in: J. F. Reichardt's Musikalisches Kunstmagazin, 2. Bd., 8. Stück, Berlin 1791, 93.

    78 Daneben ist eine einzige Komposition eines anderen Komponisten enthalten: ein "Tanzstück aus der Oper Armida von Righini".

    79 Rezension zu diesem Konzert, siehe Allgemeine Musikalische Zeitung 10 (1808), Nr. 38, 604–606.

    80 26.2.1754–8.9.1822, seit 1791 Tenor an der Berliner Hofoper, war wie Wilhelm Bach Mitglied des 'Musicalischen Collegiums' der 'Großen Nationalen Mutterloge'.

    81 1766 oder 1767–10.11.1819, Tenor an der Berliner Hofoper und Schauspieler am Nationaltheater.

    82 (1754–9.4.1811, Tenor an der Berliner Hofoper und Schauspieler am Nationaltheater.

    83 Vgl. Titelseiten der autographen Stimmen zu Erinnerung an Schillers Sterbetag in GB-Lbl Add MS 32044 (2). Die zugrunde liegende Textdichtung stammt von Hans Heinrich Ludwig von Held (um 1806). Der Entstehungszeit des Textes und des Sterbedatums Friedrich Ernst Wilhelm Greibes nach muss die Quelle zwischen 1806 und 1811 entstanden sein.

    84 Die Uraufführung hatte am 1. Mai 1785 in Minden stattgefunden. Die Musik ist nicht erhalten. Das Libretto ist einsehbar unter Digitalisierte Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin: http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN680560130&PHYSID=PHYS_0005&DMDID= <8.9.2017>.

    85 Brief an Wilhelm Christian Müller in Bremen (Berlin, 14. Mai 1830) in: Biblioteka Jagielloňska, Berol. Varnhagen Sammlung 25, Bach.

    86 Die zugrunde liegende Textdichtung von Karoline Marie Luise Brachmann wurde erstmals abgedruckt unter dem Titel Kolumbus. Ballade im Journal für deutsche Frauen. Besorgt von Wieland, Schiller, Rochlitz und Seume. 1805. H. 1. Januar, 20–24.

    87 D-Bga F.M. 5.1.4 Nr. 3787, Fol. 142.

    88 D-Bga F.M. 5.1.4 Nr. 3787, Fol. 20–21.

    89 Autographe Partitur in GB-Lbl Add MS 32041.

    90 Handschriftliche Partitur in GB-Lbl Add. MS 32039.

    91 Handschriftliche Stimmen in D-LEb: 61742 – Kulukundis I.4-2.

    92 Vgl. Ulrich Leisinger: Johann Christoph Friedrich Bachs geistliche Vokalwerke. Aspekte der Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte, in: Bach-Jahrbuch 81 (1995), 115–143, hier: 140. Vgl. ebd., Fußnote 20: siehe Bachs Briefe an Johann Gottlob Immanuel Breitkopf (Hessische Landesbibliothek Darmstadt) aus der Zeit vom 19. Februar 1789 bis zum 24. Sept. 1792; vgl. Leisinger: Johann Christoph Friedrich Bach (wie Anm. 6), 249 (II:99: Brief vom 24.9.1792 aus Bückeburg nach Leipzig).

    93 Vgl. Katalog Heyer III: Versteigerung von Musiker-Autographen aus dem Nachlaß des Herrn Kommerzienrates Wilhelm Heyer in Köln. Dritter Teil […] Beschreibendes Verzeichnis von Dr. Georg Kinsky, Berlin: Henrici & Liepmannssohn 1927, 3.

    94 Zur feierlichen Einweihung des Denkmals und die Anwesenheit Wilhelm Friedrich Ernst Bachs, siehe u.a. Marion Söhnel: "Das Denkmal für den alten Sebastian Bach ist wunderhübsch geworden" – Felix Mendelssohn Bartholdys Wirken für ein Bach-Denkmal in Leipzig, in: Peter Wollny (Hg.): Ein Denkstein für den alten Prachtkerl. Felix Mendelssohn Bartholdy und das alte Bach-Denkmal in Leipzig, Leipzig 2004, 9–44 und Huber: "Ehre dem würdigen Haupt" (wie Anm. 19), 205–207.

    95 Wilhelm Bach erkundigte sich in einem Brief an Felix Mendelssohn Bartholdy vom 10. März 1843 (GB-Ob, M. D. M. d. 40 (124)) nach den Vorbereitungen des Festaktes und bat um Bekanntgabe des genauen Termins. Mendelssohns bat seinem Bruder Paul in einem Brief vom 12. März 1843 (New York Public Library, Music Division) darum, den ihn unbekannten Wilhelm Bach aufzusuchen und ihm über dessen Lebenssituation zu berichten sowie ihn zu Johann Sebastian Bach und dem Verbleib seiner Werke zu befragen.

    96 Vgl. Huber: "Ehre dem würdigen Haupt" (wie Anm. 19), 214f.: Das Grab befindet sich auf dem II. Sophien-Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde Sophien, Bergstraße, Berlin Mitte (Grablage: IX-5-45+46).

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    Magdalena Strobel
    Wilhelm Friedrich Ernst Bach als Kammercembalist, Kapellmeister und Musiklehrer der Königinnen Friederike Luise und Luise
    Beleuchtung seines Wirkens innerhalb der preußischen Hofmusik
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    M. Strobel: Wilhelm Friedrich Ernst Bach als Kammercembalist, Kapellmeister und Musiklehrer der Königinnen Friederike Luise und Luise.
    In: Krisen- und Blütezeiten: Die Entwicklung der Königlich Preußischen Hofkapelle von 1713 bis 1806 (KultGeP - Colloquien, 6)
    URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/kultgep-colloquien/6/strobel_bach
    Veröffentlicht am: 18.07.2018 10:45
    Zugriff vom: 19.02.2020 00:36