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J. Jedlicki: Vorwort [zu "Dzieje inteligencji polskiej do roku 1918"]

Lelewel-Gespräche 1/2010

Jerzy Jedlicki

Einführende Bemerkungen zu einer neuen Geschichte der polnischen Intelligenz

(Vorwort aus: Dzieje inteligencji polskiej do roku 1918. Tom 1: Maciej Janowski: Narodziny inteligencji 1750-1831, Warszawa 2008, S.7. - 23.)


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Die Intelligenz ist in Polen immer noch ein brandaktuelles Thema. Wann immer in der Presse ein Artikel darüber publiziert wird, kann man sich großer Resonanz gewiss sein. Seit dem Erscheinen einer provokanten Skizze des Soziologieprofessors Józef Chałasiński im Jahr 1946 1 entbrennt in der Presse – im so genannten Volkspolen genauso wie in der Dritten Republik – etwa alle acht bis zehn Jahre eine Diskussion über die Intelligenz, und jedes Mal prallen dabei ähnliche Fragen und Überzeugungen auf 's Neue aufeinander: Hat die Intelligenz die Eigenschaften und Marotten des Adels geerbt? Verdient sie kollektive Wertschätzung oder eher Spott und Tadel? Spielt sie noch eine gesellschaftliche und ideelle Rolle, oder sollte sie von der Bühne abtreten und neuen Klassen wie zum Beispiel den "Experten" – wer immer diese auch sein mögen – Platz machen?

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Die Unterscheidungsmerkmale der Intelligenz, ihre Zusammensetzung, Stratifikation, ökonomische Lage, ihr Bildungsprestige, ihre beruflichen Qualifikationen und ihr Verhältnis zu anderen Klassen der Gesellschaft – insbesondere zu Arbeitern und Bauern – sind immer wieder Gegenstand soziologischer Erörterungen und Forschungen gewesen, aber ihre emotionale Aufgeladenheit und Dynamik verdankten die Diskussionen vor allem der Politik, aus deren Konflikten sie offen oder nur angedeutet (abhängig von der Zensur) genährt wurden. Besonders umstritten war immer die Frage, ob die Intelligenz in Krisenzeiten eher Nachgiebigkeit oder Stärke, Opportunismus oder Nonkonformismus gezeigt habe – denn bekanntlich lassen sich für jede dieser Tendenzen zu Genüge Belege finden. Auch heute – in jedem "Heute" – gewinnt das Verhältnis der Machthaber zu den gebildeten Eliten, sei es von Wert- oder Geringschätzung gekennzeichnet, politische Bedeutung, da es dabei um eine Klasse geht, die zwar nicht immer realen Einfluss auf die Entscheidungen des Staates hat, die aber ihre Sympathien und Ansprüche deutlich zu artikulieren vermag.

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Der Historiker, der diese gewöhnlich in kurzen Abständen wiederkehrenden Auseinandersetzungen beobachtet und manchmal auch kommentiert, gewinnt den Eindruck, dass es sich dabei um ein unsterbliches Thema handelt. Schon vor 30 Jahren hat Ryszarda Czepulis-Rastenis, die Initiatorin einer systematischen Erforschung der Geschichte der polnischen Intelligenz, darauf hingewiesen, dass es "unter den in unserer Literatur aufgeworfenen Fragen nur wenige gibt, die – und das schon seit hundert Jahren – so häufig erörtert werden, wie der soziale Charakter und die nationalen Aufgaben der polnischen Intelligenz". Diese Hartnäckigkeit schrieb sie der nicht nachlassenden politischen Aktualität des Themas zu: Auf der einen Seite hätten sich Publizisten unterschiedlicher Orientierungen bemüht, ihre Urteile über die Haltungen der Intelligenz der jeweiligen Zeit mit historischen Argumenten zu stützen; auf der anderen Seite dagegen seien die Popularisatoren geschichts- und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse dem Einfluss von Stereotypen erlegen. Aus dererlei gefährlichen Verbindungen von Erkenntnisstreben und Politik oder Moral resultiere, so die Autorin, "eine gewisse Oberflächlichkeit, um nicht zu sagen: Willkürlichkeit der Urteile. Auf fragmentarische oder schlicht intuitive Einsichten gestützte Bewertungen und Generalisierungen haben hier immer gesichertem Wissen vorgegriffen. Wir haben also eine umfangreiche Literatur, aber nur wenige sachliche Befunde." 2

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Seit diese Worte geschrieben wurden, sind auf dem Gebiet enorme Fortschritte erzielt worden, nicht ohne den entscheidenden Anteil ihrer Autorin: sowohl in Form ihrer eigenen Arbeiten, 3 als auch derer, die dank ihrer Inspiration und unter ihrer Obhut entstanden und veröffentlicht wurden. 4 Wir verfügen heute bereits über Dutzende sorgfältiger Quellenstudien zu den Milieus der polnischen Intelligenz in allen Teilungsgebieten und Landesteilen, in vielen Regionen und Städten, in aufeinander folgenden historischen Zeitabschnitten, in verschiedenen Berufsfeldern und Institutionen. Als wir jedoch anfingen, darüber nachzudenken, wie eine synthetische Geschichte der Intelligenz zu konzipieren wäre, wurde uns klar, dass die gesammelte Fülle der Bearbeitungen uns diese Aufgabe nicht eben erleichtern würde. Alle definitorischen Probleme und Inkohärenzen im Bild der Intelligenz, mit denen wir vor Jahren gerungen hatten, waren geblieben oder hatten sich, zeitgleich mit dem Zuwachs an gesichertem Wissen, eher noch zugespitzt.

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Sollten wir uns also mit der Intelligenz als einem Konglomerat von (leicht geheimnisvoll so genannten) "geistigen", zumindest eine mittlere Bildung erfordernden Berufen beschäftigen, die gemeinsam nach der ihnen gebührenden Anerkennung von Seiten der anderen Klassen strebten? Oder müssten wir auch die eher kleine Geistes"elite" in den Blick nehmen, welche den Anspruch erhob, die Nation in ihrer gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklung anzuführen? Ryszarda Czepulis hat diese Frage vielfach gestellt und sich in der Regel für eine Erforschung der Gesellschaftsschicht der professionellen "Handwerker des Geistes" ausgesprochen, aber sie war in dieser Haltung nicht konsequent und konnte es auch nicht sein.

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Der Begriff der Elite ist höchst uneindeutig. Schließlich müssen Autoren ideologischer Programmschriften, einflussreiche Publizisten oder Parteiführer nicht automatisch zum Kreis herausragender Wissenschaftler, Literaten oder Künstler gehören. Und umgekehrt bemühen sich Gelehrte, Schriftsteller und Künstler eher selten darum, in charismatischer Weise Einfluss auf die öffentliche Meinung auszuüben. Solche Funktionen erfordern gänzlich verschiedene Veranlagungen. Auf diese Inkongruenz der Merkmale hat 1861 der Autor eines in einer Lemberger Zeitschrift veröffentlichten Artikels unter dem Titel Über die Intelligenz in ihrer polnischen Bedeutung hingewiesen, indem er unterstrich, dass Menschen "mit einer speziellen Ausbildung", und seien sie auch hochgelehrt, keine Intelligenz bilden, solange ihnen die Vergangenheit der Nation und deren Kampf um ihre Rechte gleichgültig seien; dieser "hierzulande übliche" Ausdruck besitze nämlich "in seiner polnischen Auffassung gewisse geistige, mit dem Auge nicht zu ermessende Dimensionen […] er könne also keineswegs einzig auf ein Spezialistentum angewendet werden." 5

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Wir können aus Dutzenden ähnlicher Postulate das idealisierende Pathos herausfiltern – dennoch wird immer die Überzeugung verbleiben, dass es sich bei jener "Intelligenz in ihrer polnischen Bedeutung" um die Hüter des nationalen Gedächtnisses und um Propagandisten patriotischer und sozialer – revolutionärer oder konservativer – Ideen handele, um die Schöpfer von Literatur und Kunst, die sich nicht unbedingt in höchste Höhen aufschwingen, aber dafür unbedingt vorbildlich, mobilisierend oder erbaulich wirken.

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Die Ursache für die Unbestimmtheit des Terminus "Intelligenz" liegt also nicht so sehr darin, dass sich die "Elite" von der Plebs der "Geistesklasse" absondert, als vielmehr in der fortgesetzten Interferenz ihrer professionellen und außerprofessionellen, das heißt ideellen Funktionen. Beide Funktionen lassen sich nicht vollständig voneinander trennen, und eine Definition "hierzulande üblicher", in der Umgangssprache alteingesessener und eingebürgerter Ausdrücke, mitsamt ihrer schillernden, nicht von ihnen zu trennenden Bedeutungen und Assoziationen, lässt sich nicht endgültig herauskristallisieren. Die Begriffe "Adel" (insbesondere nach den Teilungen), "Bürgertum", "Juden" oder "Bauern" sind keineswegs eindeutiger als der Begriff der Intelligenz, da die ihnen zugrunde liegenden ökonomischen, rechtlichen, konfessionellen, genealogischen, habituellen und sonstigen Kriterien bisweilen konvergieren und dann wieder divergieren, und jeder von ihnen, auch wenn sie einander überlappen mögen, bezeichnet ein jeweils anderes Kollektiv. Mit dieser Vieldeutigkeit von Kollektivbezeichnungen müssen wir uns abfinden und mit ihr arbeiten, und vielleicht müssen wir auch deren Vorteile sehen, denn die Unschärfe der semantischen Abgrenzungen spiegelt eine chronische Verschwommenheit tatsächlicher Unterteilungen, Hierarchien und Rollen wieder. Schließlich setzt sich eine lebendige Gesellschaft, die über die Epoche einer ständischen Verfasstheit bereits hinaus ist und ständigen Veränderungen unterliegt, nicht aus separaten Fächern zusammen, über denen Tafeln mit den jeweiligen Gattungsbezeichnungen angebracht sind.

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Es ist nun einmal das Schicksal des Sozialhistorikers, zum Gebrauch durchlässiger Begriffe verurteilt zu sein. 6 Die Methodologen des "Diskurses" trösten ihn, wo sie können, indem sie erklären, dass solche umfassenden Einheiten wie "Intelligenz" oder, mit Verlaub, "Nation" schließlich keinerlei eigenständige Existenz besäßen, seien sie doch nichts anderes als bloße kollektive Vorstellungen, Sprachkonventionen oder rhetorische Postulate. Aber wenn dem so wäre, dann hätte es keinen Sinn zu fragen, wo und wann die Intelligenz sich formiert hat und wer ihr angehört, dagegen wäre es sinnvoll zu fragen, wer sich wie und warum jener kollektiven Begriffs-Aggregate bedient und welche Dienste sie leisten. Die Geschichte der Intelligenz geriete dann zu einer Untersuchung der Idee "Intelligenz", zu einer Begriffs- und Debattengeschichte.

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Diese Herangehensweise ist verführerisch, denn sie hebt die fruchtlosen, der Willkür des Historikers entspringenden Auseinandersetzungen auf, der danach trachtet, einer lange vergangenen Epoche ein Netz von Begriffen und Kategorien überzuwerfen, die er selber festgelegt oder definitorisch zugespitzt hat. Dennoch befürchteten wir, dass wir die doch immerhin soliden Errungenschaften einer objektivierenden Sozialgeschichte entwerten würden, wenn wir allzu bereitwillig den Suggestionen der Vertreter der narrativistischen Methode nachgäben.

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Denn was sollten wir dann mit der Frage nach der Genese einer Intelligenz avant la lettre anfangen? Schließlich hat die polnische Intelligenz sich (um in der Sprache Mochnackis zu reden) erst Mitte des 19. Jahrhunderts als solche erkannt und ebendiese Bezeichnung angenommen. Dagegen reichen Untersuchungen – bereits beginnend mit den autobiographischen Erzählungen eines Wacław Berent 7 – über ihre Anfänge und Vorläufer bis in die Regentschaft von Stanisław August zurück: zur Rekrutierung der Anwärter für die Kanzleien der Regierungskommissionen, zur Laizisierung des Lehrerstandes oder zum Kampf der spitzen Federn um Einfluss auf die öffentliche Meinung im Vorfeld des Großen Sejms. "Diese drei grundlegenden Prozesse", so Krystyna Zienkowska, "führten zur Formierung eines 'Marktes für Geistesarbeit'", 8 die wiederum eine Zäsur in den Routinen der ständischen Gesellschaft darstellte.

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In der Auseinandersetzung zwischen Sozial- und "Diskurs"geschichte haben wir daher eine Kompromiss- oder, wenn man so will, eklektische Haltung eingenommen, da wir die Vorzüge, aber auch die Unzulänglichkeiten sahen, die jede rigoristisch behandelte Forschungsstrategie besitzt. Wir sind also von der Annahme ausgegangen, dass der lateinische, aber vom polnischen Denken aus der post-hegelianischen deutschen Philosophie entlehnte Ausdruck "Intelligenz" (in seiner soziologischen Bedeutung) sich hier eingebürgert hat, weil er notwendig war, und zwar notwendig deswegen, weil kein einziger anderer Begriff aus dem polnischen politischen Wörterbuch jener Jahre gleichermaßen gut geeignet gewesen wäre, jenes anfänglich bescheidene Kollektiv mehr oder minder gebildeter Menschen verschiedenen Standes und Berufes zu benennen, die von der eigenen Arbeit lebten und sich in irgendeiner Form einer hundertfach größer imaginierten nationalen Gemeinschaft verpflichtet fühlten. 9 Diese Bezeichnung aber wurde, sobald sie einmal in Umlauf geraten war, innerhalb weniger Jahre um 1848 zum "hierzulande üblichen Ausdruck" und diente der Konsolidierung einer Klasse, deren Konturen sich niemals scharf abzeichnen, aber deren Existenz und Essenz, deren Tugenden und Fehler, Pflichten und Versäumnisse zum Gegenstand unausgesetzten Räsonierens von Journalisten, Literaten, Politikern, Mentoren, mit einem Wort: von Intelligenzlern werden sollten.

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Deswegen wurde dieser Ausdruck gerade hier und früher als anderswo unentbehrlich, deswegen tauchte er zur richtigen Zeit und nur mit geringer Verspätung auf – dies ist einer der inhaltlichen Leitfäden unseres Buches. Ohne dessen Schlussfolgerungen vorwegnehmen zu wollen, sei nur gesagt, dass die politische Zersplitterung und Entmündigung einer Gesellschaft, deren Eliten bereits ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein besaßen, in Verbindung mit dem agrarischen Charakter des Landes, mit der Bedeutungslosigkeit des dritten Standes und einem selten mehr als elementaren Bildungsniveau ein Geflecht von Voraussetzungen schufen, welche der bescheidenen urbanen Schicht der Aufgeklärten, als Ganzes genommen, das Gefühl aufbürdeten, kollektiv dazu verpflichtet zu sein, die Gesellschaft zu integrieren und zivilisatorische Veränderungen in Gang zu setzen. Dies bedeutet selbstverständlich nicht, dass jedes ihrer Mitglieder diese moralische Pflicht verspürte und bereit war, deren Konsequenzen auf sich zu nehmen. Nichtsdestoweniger nahm diese neue soziale Formation die sprachliche Taufe bereitwillig an und war sich im Allgemeinen ihrer durch den angenommenen Namen hervorgehobenen Stellung und der daran geknüpften Erwartungen bewusst. Wo auch immer auf der Welt später ähnliche Voraussetzungen zusammentrafen, entstand für gewöhnlich eine Schicht – aus Militärs, Zivilisten, Geistlichen oder einer Mischung daraus – die den Namen "Intelligenz" annahm und mit ihm die Überzeugung, dass ihre Bildung – welcher Ausrichtung auch immer – ihr die Pflicht und das Privileg auferlege, nationale Avantgarde zu sein.

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Die in den vergangenen 25 Jahren so zahlreich erschienenen Arbeiten über die Entstehung der polnischen Intelligenz in bestimmten Provinzen und Städten waren für gewöhnlich sozialhistorisch ausgerichtet und bemühten sich, Herkunft, Ausbildung, geforderte berufliche Qualifikationen, Lebensbedingungen, Aufstiegschancen, Stratifikation, Kraft und Reichweite der Solidarität des Milieus, die Situierung der Intelligenz im Verhältnis zu anderen Gesellschaftsklassen sowie, für gewöhnlich am Schluss, ihre politischen und kulturellen Aktivitäten im jeweils untersuchten Zeitraum zu bestimmen. Nach diesem Schema wurde ein umfangreiches und nützliches, vor allem lokales, aber Vergleichsmöglichkeiten eröffnendes Wissen zusammengetragen.

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Auch wir folgen dieser Spur, gleichwohl weiten wir das Forschungsthema bedeutend aus und setzen andere Akzente. Wir verfolgen die historischen Peripetien einer als Segment einer bestimmten Sozialstruktur aufgefassten gesellschaftlichen Schicht oder Klasse (dieser Unterscheidung messen wir keinen Wert bei) von Menschen, welche professionell Arbeiten ausführen, die Bildung erfordern, und die daraus Einnahmen beziehen. Das ist selbstverständlich eine höchst unpräzise und unbefriedigende Definition. Ließen wir uns trotzdem auf Diskussionen darüber ein, was "professionell arbeiten" bedeutet, was "geistige Arbeit" ist, was "Einnahmen aus Arbeit" sind und welche Schule man abschließen oder auch nicht abschließen muss, um (damals oder heute durch uns?) zur Intelligenz gerechnet zu werden, dann würden wir uns wie gewohnt in nicht endende, meistens zu einem Zirkelschluss vorgeblicher Definitionen führende kasuistische Auseinandersetzungen verstricken. Aus bereits dargelegten Gründen haben wir solche fruchtlosen Erörterungen vermieden, in dem Wissen, dass sämtliche formalisierten Abgrenzungen ihrer Natur nach arbiträr wären.

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Die chronische Ambivalenz derartiger Begriffe wie Intelligenz und ihnen verwandter Ausdrücke ist für sich genommen ein interessantes historisches Phänomen, spiegelt sie doch ebenso objektive Veränderungen in der sozialen Schichtung wider wie auch deren Wahrnehmung durch die Zeitgenossen, darunter ebenfalls kollektive Einschätzungen und Selbsteinschätzungen. 10 Wenn wir diese Veränderungen beobachten wollen, dürfen wir nicht von vornherein irgendwelche idealisierenden Definitionsmerkmale in Bezug auf das Ethos der Intelligenz, ihr moralisches Format oder ihr Gefühl einer gesellschaftlichen Mission annehmen. Solche Einschränkungen sind uns vielfach nahegelegt worden, aber wir bleiben in dieser Hinsicht bei unserer Auffassung, dass nicht ein bestimmtes Ethos die Intelligenz hervorbringt und bestimmt, sondern dass die Intelligenz die moralische Kultur und den geistigen Horizont ihrer Epoche mit hervorbringt. Der Versuch, diese zu beschreiben, kann nur das Ergebnis unserer Forschung und nicht deren Prämisse sein.

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Sozialstatistiken erzwingen in der Regel die Notwendigkeit präzise differenzierender Definitionen, da man wissen muss, wen man mitzählt und wen man aus der Rechnung ausschließt. Allerdings hat sich unserer Auffassung nach der bisher in die Erarbeitung eines statistischen Bildes der professionellen und lokalen Milieus der Intelligenz gesteckte Aufwand als wenig ertragreich erwiesen. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass man sich auf amtliche Statistiken des 19. Jahrhunderts nicht verlassen kann. Doch auch die Ergebnisse eigener, von den Forschern auf Grundlage erhaltener Bestände von Personalakten von Beamten, Lehrern, Ärzten, Richtern, Priestern oder Studenten erstellter Zählungen und statistischer Tabellen sind überwiegend fragmentarisch und rechtfertigen selten die in sie investierte Arbeit. Wenn man zum Beispiel die soziale Herkunft der Mitarbeiter dieses oder jenes Amtes untersucht, dann kommt man schnell zu dem Schluss, dass der Lakonismus der Formblätter für "Dienstgrade" und andere, ähnliche personenbezogene Quellen, deren schon damals anachronistische ständische Nomenklatur sowie die darin vorhandenen Informationslücken nicht den Anschein arithmetischer Genauigkeit rechtfertigen, den so mancher Autor als kennzeichnend für die wissenschaftliche Sorgfalt seiner Werkstatt gehalten hat.

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Was bringt es also, wenn sich feststellen lässt, dass aufgrund unvollständiger Angaben die Mitarbeiterschaft eines Amtes oder die Schülerschaft einer Schule zu circa 50% oder 60% aus dem Adel stammte, wenn dazu keine Aussagen über die Spezifika des Adels bzw. über den konkreten Zeitraum getroffen werden können. Adlige Herkunft hatte im 19. Jahrhundert weder Einfluss auf die beruflichen Karrierechancen, noch lieferte sie einen Hinweis darauf, ob jener späte Enkel außer einer dunklen Familientradition (und manchmal nicht einmal eine solche) noch irgendetwas geerbt hatte.

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Als aufschlussreicher haben sich die Ergebnisse von Untersuchungen zur Entwicklung oder, wie es häufig der Fall war, zur Stagnation des Arbeitsmarktes, der staatlichen und privaten Nachfrage nach den Qualifikationen und Diensten von Menschen verschiedener Berufe erwiesen. In diesen Arbeiten hat sich die bekannte These von der paradoxen Überproduktion an Intelligenz und dem Überschuss der von ihr angebotenen Dienste in der Frühphase des Kapitalismus bestätigt: eine Situation, die in Polen lange andauern sollte und die die ökonomischen Interessen und Perspektiven der Intelligenz an die beschleunigte Modernisierung des Landes band, aber in deren pauperisierten Schichten, unter mittellosen Studenten und Berufsanwärtern, aufrührerische und radikale Einstellungen generierte. 11

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Die Untersuchung der Einstellungen, sozialen Anschauungen und des Habitus' der polnischen Intelligenz ist ein besonders wertvolles Kapitel im Werk der sie erforschenden Historiker. Die Arbeiten von Ryszarda Czepulis, ihrer Kolleginnen, Kollegen und Schüler zu den Persönlichkeitsmustern und dem Wertesystem der Intelligenzmilieus, gestützt auf eine sorgfältige Analyse riesiger Sammlungen schon edierter oder nur im Manuskript vorliegender Korrespondenzen, Tagebücher, nachgelassener Erinnerungen sowie von Presse und Belletristik erlauben die zweifelsfreie Feststellung, dass die Intelligenz der Bezirke Warschau, Wilna, Posen, Lemberg und Krakau, aber auch die in der Provinz, in der Verbannung oder Emigration verstreute, schon Mitte des 19. Jahrhunderts eine Klasse darstellte, die ihre gemeinsamen und nicht bloß beruflich-korporativen Interessen kannte, die sich von adliger Protektion emanzipierte und ein Gefühl für den eigenen Wert gewann, in Opposition zur Tradition und Mentalität des Adels, aber auch in Abweichung vom bürgerlichen Ethos des Unternehmergeistes und dem Kult des kommerziellen Erfolges. 12

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Die Quelleneditionen zur Geschichte der polnischen Verschwörungen in der Zeit zwischen den Aufständen, Bände mit Protokollen von Verhören, Polizei- und Gerichtsakten und die Untergrundpresse, die insbesondere von einer Forschungsgruppe unter der Leitung von Stefan Kieniewicz und Wiktoria Śliwowska publiziert wurden, bestätigen zum wiederholten Mal, dass es gerade die junge Intelligenz war, die in der Epoche des Völkerfrühlings und des Aufstandes von 1863 "Demokratieglauben" und aktiven Patriotismus verkündete. Man kann selbstverständlich darüber streiten, ob ein ideologischer Abgrund die vorsichtige Reformtaktik der organischen Arbeit von der Verschwörungs- und Aufstandsoption trennte, oder ob es nur Unterschiede in Alter, Temperament, Bewertung der Erfolgschancen sowie das normale Phänomen an- und abschwellender revolutionärer Wellen waren. Wie auch immer, in diesem Zeitraum war die Intelligenz in der polnischen Politik und Unabhängigkeitsideologie in ihren unterschiedlichen Formen bereits ein eigenständiger Akteur, und sie – besonders ihre Jugend – zahlte dafür in nahezu jeder Generation einen dramatischen Preis: den Preis vergossenen Blutes, langer Jahre im Gefängnis, in der Verbannung oder auf Wanderschaft, zerstörter Karrieren und des bitteren Gefühls einer Lebensniederlage.

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Zugleich wurden von den Forschern auch die Schwächen der Intelligenz entblößt: ihre oft bescheidenen beruflichen Qualifikationen, die wenig ehrgeizigen Lebenspläne, das romantische Epigonentum und die wissenschaftliche Kleinkariertheit – erst heute ist zu sehen, zu welcher Zweitrangigkeit die Kultur der gebildeten Schichten verurteilt wurde, als die Repressionen nach dem Novemberaufstand einsetzten, die die Schließung der Hochschulen in Warschau und Wilna mit sich brachten sowie die Reglementierung und Zwangsgermanisierung der Universitäten in Krakau und Lemberg, als die Plünderung der Bibliotheken einsetzte und die wissenschaftlichen Gesellschaften verboten wurden, als Druckerzeugnisse und Briefe zensiert wurden und so eine Isolation vom Westen und der dortigen Emigration einsetzte.

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Seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts nahm diese neue Klasse, die sich sowohl vom Volk, wie von den besitzenden Klassen abhob, im Königreich Polen bereits eine moralisch souveräne Stellung ein, während sie im preußischen Teilungsgebiet, in Galizien und in den litauisch-ruthenischen Territorien noch in gewissem Grade vom Patronat der Aristokratie abhängig war. Seit dieser Zeit wurde die Intelligenz, die nach wie vor nur einen verschwindend geringen Prozentsatz der Bevölkerung ausmachte, zu einem Schlüsselthema der von der Zensur unterdrückten ideologischen Polemiken, von Romanen und Zeitgeschichte in dem Sinne, dass man kein Thema in Angriff nehmen konnte, ohne die Probleme der Klasse zu berühren, die die treibende Kraft hinter nahezu allen politischen und aufklärerischen Ideen und Aktivitäten, ob legal oder illegal, war und blieb. Und auch in dem Sinne, dass fortan die Geschichte des Schulwesens auf allen Ebenen, der öffentlichen Verwaltung, des Gerichtswesens, des Bankenwesens, der Eisenbahn, von Medizin, Presse, Theater, literarischem und künstlerischem Leben, von Kirche, Parteien und revolutionären Bewegungen, von Zwangsarbeit und Verbannung, Emigration und was auch immer studiert werden muss, wenn das weitere Schicksal und die Werke der Intelligenz untersucht werden sollen. Und mit dieser Vielzahl von Feldern, die zu durchforsten sind, geht eine Fülle spezialisierter historischer Disziplinen mit jeweils eigenen Forschungswerkzeugen einher. Wie deren Beobachtungen und Feststellungen miteinander zu verknüpfen sind, um beim Blick darauf nicht nur die Einzelteile zu sehen, das bleibt uns ein methodologisches Rätsel und eine Herausforderung zugleich.

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Man kann eine weitergehende Frage stellen: Kann ein kollektives und allgegenwärtiges Subjekt überhaupt zum isolierten Objekt einer Darstellung werden? Darauf bietet sich als einfachste Antwort an, dass eine solche Darstellung sich auf jene Merkmale konzentrieren sollte, die der Berufsintelligenz mehr oder weniger gemeinsam waren und sie integrierten: dass also die Untersuchungen zum Ethos und den Bindungen innerhalb des intellektuellen Milieus früherer Jahre auch den Erforschern der Zeit des Positivismus und der Moderne die richtige Vorgehensweise aufzeigen.

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Das ist gleichwohl ganz und gar nicht selbstverständlich. Denn die – natürlich diskutierbare – These hat eine ziemlich starke Begründung dafür, dass die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts, die von den Historikern der Intelligenz gemeinhin noch als Zeit ihrer Formierung behandelt werden, gerade eine Zeit sind, in der die kollektive Physiognomie der Intelligenz am deutlichsten ist: weil sie so klein ist; weil eine mittlere oder gar höhere Bildung ein so rares Gut ist und weil sie sich ziemlich isoliert fühlt in einer Gesellschaft, in der noch um die Anerkennung von Erwerbsarbeit, von Können, Talent, Wissen und stillen zivilisatorischen Verdiensten gekämpft werden muss, in der Wappen, Abstammung und Besitz noch Anspruch auf staatsbürgerliche Überlegenheit erheben. Und auch deswegen, weil sie zu großen Teilen an ihre Mission glaubt, dem Volk (voller Ehrfurcht groß geschrieben) Vaterlandsliebe beizubringen, es an Nationalsymbole zu binden und auf eine wie auch immer verstandene kollektive Tat vorzubereiten.

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Aber später, nach einem weiteren tragischen Aufstand, in dem polnische Studenten und Absolventen russischer Hochschulen, ziviler wie militärischer, eine führende Rolle spielten? Selbstverständlich, der Warschauer Positivismus und sein offensives Programm einer Europäisierung des Landes waren durch und durch eine Ideologie der Intelligenz und werden gemeinhin von Literatur- und Ideenhistorikern auch so aufgefasst. Zu Recht, man darf nicht vergessen, dass die polnische Kultur jener Zeit trotz der vorübergehenden Erfolge der positivistischen Flucht nach vorn, die unser Bild der ganzen Epoche so stark beeinflusst hat, ein nicht weniger starkes, wenn auch kurzzeitig rezessives katholisches Bildungspotenzial und darüber hinaus einen an Stärke zunehmenden nationalistischen Impuls in sich birgt und auf der anderen Seite einen Impuls zur radikalen Gesellschaftskritik.

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Diese Weltanschauungen lockten auch verschiedene Fraktionen der Intelligenz an, die aus ihnen gegensätzliche ideologische Ziele und Handlungsanweisungen schöpften. Zusammen mit der Entwicklung des Kapitalismus, mit der steigenden Wirkung der (wenn auch zensierten) Presse, mit dem quantitativen Wachstum des Lesepublikums, mit der Entwicklung staatsbürgerlicher Freiheiten in Galizien und einer – trotz aller Schwierigkeiten – beharrlichen Öffnung hin auf die Welt, dem Knüpfen von Kontakten mit den geistigen Bewegungen in Europa, begann die Intelligenz sich unwiederbringlich zu teilen. In der Provinz, in den Kleinstädten, wo sie ein kleines Häuflein bildete und wo die Beziehungen länger persönlich blieben, trotz divergierender Weltanschauungen und einer manchmal scharfen Konkurrenz um Patienten, Klienten, Schüler, Leser oder Zuschauer, verlief dieser Prozess langsamer. Aber in der Großstadt, besonders in Warschau?

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Die Interessen einzelner Berufskörperschaften, die ihre spezifischen Probleme, Karrierewege und Codizes für (gute oder schlechte) Sitten besaßen, gewannen schrittweise die Oberhand über das, was der ganzen gebildeten Klasse gemeinsam ist. Wir sehen eine fortschreitende materielle Stratifikation: vom herrschaftlichen Lebensstandard der besonders geschätzten Anwälte, Notare oder Ärzte bis zum arbeitslosen "Intelligenzproletariat", den am Hungertuch nagenden Literaten oder Studenten. Die Unterschiede im Eigentum decken sich nur ungefähr mit den Lebensstilen: einem solide bürgerlichen oder snobistisch adligem am einen Ende der Skala und der "Bohème" am gegenüberliegenden.

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Das Paradox besteht gleichwohl darin, dass man umso mehr über die Intelligenz schrieb und diskutierte und umso leichter generalisierte, je weniger man im Allgemeinen zuverlässig und belegbar etwas über sie sagen konnte. Die Menge an publizistischen Texten über die Intelligenz und ihre Aufgaben wuchs seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts in unaufhaltsamem Tempo. 13 Die Idee der Intelligenz – so wie früher die Idee des Adels – wurde zum unentbehrlichen Bestandteil der Nationalkultur und zu einem zentralen Konzept des polnischen Gesellschaftsdenkens. "Auch die Rolle der Intelligenz", so behauptete mit Nachdruck die Zeitschrift "Przegląd Tygodniowy" im Jahr 1880, "ist für das Schicksal der Nation entscheidend, und weil die Intelligenz als erste Voraussetzung ihrer Existenz ein Bewusstsein ihrer selbst haben muss, bestimmt auch sie selbst über sich und über die Zukunft der Gesellschaft, und ihr fällt die Verantwortung für alle Folgen gesellschaftlicher Arbeit zu." 14

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Währenddessen schien die Subjekthaftigkeit der Intelligenz und ihr kollektives Bewusstsein ihr selbst zweifelhaft zu werden. Ende des 19. Jahrhunderts zerfiel die Intelligenz in verschiedene Gruppierungen, organisierte sich – abhängig vom Teilungsgebiet – offiziell oder geheim in politischen Parteien und deren Ableger in der Emigration; die Barrieren zwischen ihnen verfestigten sich, kollegiale Bindungen zerrissen, die Antagonismen zwischen Fortschrittlichen und Konservativen, zwischen Nationalen und Sozialisten nahmen an Intensität zu, bis hin zu gegenseitiger Verachtung und Feindseligkeit.

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Das spezifische Phänomen der polnischen (und in noch größerem Maße der russischen) Intelligenz, das seit mehr als einem Jahrhundert Historikern und Soziologen zu denken gibt, beruht nicht hauptsächlich darauf, dass sie sich hier, im Osten Europas, zu einer eigenen Schicht oder Klasse formierte, während sie sich im Westen gleichsam im Bürgertum oder in der Mittelschicht auflöste. Wissen und intellektuelle, technische oder künstlerische Fähigkeiten sind schließlich qualitativ etwas anderes als Kapital, und zu ihrer Unterscheidung finden sich gewöhnlich Termini in der Art von Bildungsbürgertum oder professions . Es geht also nicht darum, wo die Intelligenz existiert, sondern darum, wo sich an ihre gesonderte Existenz Gewicht und Bedeutung knüpfen. Das wiederum scheint eine Eigenart abhängiger Länder zu sein, die autoritär regiert werden und die weder wirksame Motoren unternehmerischen Geistes noch die Triebkraft wirtschaftlicher Entwicklung besitzen.

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Daraus folgt, dass nur in den östlichen und südlichen Teilen des Kontinents (aber auch in vielen außereuropäischen Ländern) die Idee entstehen und üppige Früchte tragen konnte, dass die Intelligenz einen Dienst an der Gesellschaft zu leisten habe, dass sie zumindest einige derjenigen zivilisatorischen Aufgaben erfüllen müsse, die anderswo eine staatliche Administration, territoriale und professionelle Selbstverwaltung, Rechtsinstitutionen, Unternehmerverbände, wissenschaftliche Gesellschaften et cetera übernehmen, und dass sie dies häufig gegen einen fremden und autoritären Staat, ohne Bürgerrechte, ohne Kapital und manchmal mit ungenügenden fachlichen Fähigkeiten tun musste.

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Tatsache ist, dass die Idee, für die Gemeinschaft verantwortlich zu sein, einem Großteil der Intelligenz in Fleisch und Blut überging und ihr Ethos und ihre Persönlichkeitsmuster prägte. 15 Das Bewusstsein, dem Vaterland und seinen benachteiligten Klassen verpflichtet zu sein, war unter den Geistesarbeitern mit Sicherheit stärker als in irgendeinem anderen Milieu. Dies bekräftigte Alexander Świętochowski nicht ohne Emphase, als er 1897 anlässlich einer Spendensammlung für ein Mickiewicz-Denkmal in Warschau schrieb, dass die Nation hauptsächlich in der "nicht zahlreichen Klasse der denkenden und fühlenden Intelligenz [besteht], welche alle Bürden gesellschaftlicher Pflichten trägt". 16 Nichtsdestotrotz mussten die Früchte der verstreuten Anstrengungen, verglichen mit den programmatischen Erwartungen, enttäuschen, und im Übrigen konnten auch die Erwartungen selbst auseinandergehen. Es wundert daher nicht, dass bissige Pamphlete, geschrieben von verbitterten Angehörigen des intellektuellen Milieus, die hehren Wegweiser wie einen Schatten begleiteten.

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Sogar schon Ludwik Mierosławski, der glücklose nominelle (für kurze Zeit) Diktator des Aufstandes von 1863, schob die Verantwortung für seine Niederlage eilig der "kränklichen nationalen Intelligenz" zu, welche sich durch einen "Mangel an elementarem Geschichtsbewusstsein" auszeichne. Ausgerechnet diese mittlere, "nicht etablierte" Schicht – so schrieb er – hätte den Anspruch, die polnische Nation zu beherrschen, aber sei nicht in der Lage gewesen, die Grundsätze revolutionärer Disziplin anzuerkennen und habe sich aus Angst vor einer Bewegung der bäuerlichen Massen mit dem etablierten Adel verbündet; und an all' dem sei "das überkommene altadlige Temperament, das ihre Erziehung beherrschte", 17 Schuld gewesen. Später warf man der Intelligenz in allen "fortschrittlichen" Presseorganen vor, sie sei vollkommen von den Massen, vom Volk isoliert, sie kapsele sich ab oder verkehre nur mit den höheren und besitzenden Schichten. Eine Menge ähnlicher Anschuldigungen ließen sich in der volksnationalen Zeitung "Głos" ebenso finden wie in der nationaldemokratischen oder sozialistischen Presse.

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Die Intelligenz wurde auch beschuldigt (bzw. beschuldigte sich selbst), dass sie eine Schicht von Schmarotzern sei, die sich nur passiv fremde Ideen und Moden anzueignen vermöge, sich versnobt europäisch und kosmopolitisch gebe, aber unfähig sei, heimische Wissenschaft, Kunst und Gewerbe hervorzubringen oder die öffentliche Meinung anzuführen. Nur wenige Publizisten versuchten, dieses dramatische "Unvermögen der Intelligenz" mit den objektiven Bedingungen ihrer materiellen und geistigen Existenz zu rechtfertigen, mit der Politik der Teilungsmächte, dem Bildungsniveau und dem zivilisatorischen Zustand des Landes. 18 Man schrieb auch über die Abwanderung der Talentierten, die das Land auslauge. Sie gingen, da sie hier für sich keine Möglichkeiten fänden, sich zu entwickeln und einen angemessenen Lebensunterhalt zu verdienen. 19

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Insgesamt schrieben gleichwohl die Publizisten aller Gruppierungen mehr über die Aufgaben, die die Intelligenz zu erfüllen habe, aber dies entweder nicht wolle oder ihnen nicht gewachsen sei, als darüber, wie sie tatsächlich war und unter den gegebenen Bedingungen sein konnte. Über ihr Schicksal und ihre Bestrebungen lässt sich aus Erinnerungen, privaten Briefen, Leserbriefen, aus Stellengesuchen, aus Novellen und Romanen mehr erfahren. Ein besonders eindringliches Bild von den verlorenen Illusionen der polnischen Intelligenz hat Stefan Żeromski mit seinen Texten Siłaczka [Eine starke Frau] und Ludzie bezdomni [Die Heimatlosen] hinterlassen.

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Und schließlich zeigen die zahlreichen Monographien der letzten 20 Jahre über die Provinzzentren der Intelligenz in verschiedenen Teilen des Landes 20 einen verblüffenden Reichtum an lokalen Kultur- und Bildungsinitiativen in jenen kleinen Zentren und außerdem – wenn vielleicht auch nur in geringem Maße – eine spezifische Partizipation an den in der Warschauer, Wiener, Berliner und sogar Pariser Presse geführten Disputen, was uns erlaubt, in etwa die Reichweite und Wirkungsmacht der politischen und geistigen Strömungen jener Zeit einzuschätzen.

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So haben wir also auf der einen Seite die große und sich stets erneuernde Auseinandersetzung um die Tugenden und Schwächen der Intelligenz und ihr mit großen Opfern bezahltes Anrecht auf ideelle Führerschaft, auf der anderen Seite die manchmal triviale Banalität des Lebens der Berufsintelligenz in Posen, Przemyśl, Wilna, Żytomierz, Kalisz oder Łomża. In dieser dramatischen Kluft zwischen Ideal und schnöder Wirklichkeit konzentrieren sich alle Spannungen der Epoche: die geistigen, zivilisatorischen, politischen, nationalen. Diese Konfrontation ließe sich, so schien es uns, als konstruktive Achse einer synthetischen Arbeit über diese schwer genau zu bestimmende Klasse (wenn man genauer hinsieht, dann sind sie alle schwer zu bestimmen) nehmen, die sich so hartnäckig weigerte, sich von der sie aufwertenden Bezeichnung und ihrem Mythos zu lösen.

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Eine Bearbeitung der Geschichte der polnischen Intelligenz in der Zeit der Teilungen, die die Ergebnisse der immer zahlreicheren Monographien zu diesem Thema genutzt und gekrönt hätte, hat Ryszarda Czepulis seit den 1980er Jahren mit meiner Unterstützung geplant. Leider war es ihr nicht gegeben, sich diesem Projekt zu widmen und ich wiederum fühlte mich nicht in der Lage, dies ohne sie zu tun. Die von ihr gegründete und 16 Jahre lang (1975-1990) betriebene Forschungsstelle zur Geschichte der Intelligenz blieb gleichwohl, nun unter meiner Leitung, innerhalb des Instituts für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften bestehen und konnte unter freieren Bedingungen als zuvor eine neue Gruppe von Forschern aufnehmen und ausbilden. 1998 konnte ich mich dann, zusammen mit zwei jüngeren und bereits selbstständigen Mitarbeitern daran machen, die geduldig auf uns wartende Aufgabe in Angriff zu nehmen.

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Als Vorbereitung darauf organisierte ich 1995 eine wissenschaftliche Konferenz, die von einer Ausstellung in der Zachęta in Warschau begleitet wurde, in der Aleksandra Garlicka zeigen konnte, welche Ausbeute an Familienfotographien der Intelligenz sie mithilfe einer Ausschreibung der Polnischen Historischen Gesellschaft zusammengetragen hatte. 21 Außerdem führte ich an der Warschauer Universität Lehrveranstaltungen zur Geschichte der Intelligenz durch (am Historischen Institut und am Institut für Polnische Kultur). Maciej Janowski hat in den 1990er Jahren zur Geschichte des Liberalismus in seiner polnischen Spielart gearbeitet, 22 und Magdalena Micińska hat sich mit den sich wandelnden polnischen Vorstellungen von Heldentum und Verrat auseinandergesetzt. 23 Nach dem Abschluss und der Veröffentlichung dieser Arbeiten fanden wir, dass wir zu dritt den Versuch unternehmen könnten, eine Geschichte der polnischen Intelligenz bis zur Erlangung der Unabhängigkeit zu schreiben.

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Gleichwohl beschlossen wir, uns zuerst anzusehen, wie andere verfahren waren. Gut ein Jahr lang verschafften wir uns eine Übersicht über die neueste historische Literatur (etwa der vergangenen 25 Jahre) in verschiedenen europäischen Ländern (Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Tschechien und – mithilfe ausländischer Kollegen – Russland und Ukraine), um vergleichen zu können, wie in verschiedenen nationalen Kontexten die Gesamtheit der gebildeten Geistesarbeiter sowie die Autoritäten in Wissenschaft, Kunst und öffentlicher Meinung vom Rest der Bevölkerung unterschieden wurden und wie man sie im 19. Jahrhundert bezeichnet hat, und auch, wie heutige Forscher an diesen Gegenstand herangehen. Die Resultate dieser Übersicht sind, gemeinsam mit den entsprechenden Auswahlbibliographien, in einem von mir herausgegebenen Sonderheft der Vierteljahresschrift "Kultura i Społeczeństwo" [Kultur und Gesellschaft] erschienen. 24 Diese Übersicht, so schrieb ich damals, rufe Bewunderung und Schwindelgefühle hervor: "Das Thema ist, wie man sieht, modisch und ertragreich. Sicher aus unterschiedlichen Gründen, da wir die regelrechte Flut an Konferenzen, Debatten, biographischen Lexika und ihm gewidmeten Monographien etwa gleichzeitig in Russland und in Frankreich beobachten können. Schwindlig dagegen wird uns aufgrund der herrschenden terminologischen und typologischen Anarchie." 25

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Je weiter wir uns in die Lektüre vertieften, desto mehr neigten wir zu der Ansicht, dass die Unterschiede in der Nomenklatur ( les intellectuels in Frankreich, Bildungsbürgertum in Deutschland, intelligentsija in Russland et cetera) in gewissem Maße die tatsächlichen Unterschiede in den Sozialstrukturen widerspiegeln, aber gleichwohl zu einem nicht geringen Grad auch konventionalisierte und sprachlich festgeschriebene Unterschiede in der Kategorisierung darstellen. Dabei ist interessant, dass der Terminus intelligentsija (mit der notorisch falschen russischen Betonung) heute gelegentlich in Arbeiten westlicher Historiker anzutreffen ist, die der Geschichte ihrer eigenen Gesellschaften gewidmet sind: Offenbar taugt er dazu.

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Wenn dem so ist, dann ist es tatsächlich klüger, zu fragen, wo und wann man anfing oder aufhörte, die Intelligenz als separates Segment einer Gesellschaft zu betrachten; und insbesondere, wo und wann sie selbst anfing, auf die eigene Existenz zu verweisen anstatt zu fragen, wo und wann sie auftauchte oder eben auch nicht sichtbar wurde. 26

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Wir sind uns bewusst, dass wir im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts eine andere Geschichte der polnischen Intelligenz geschrieben haben, als sie jemand zwei Jahrzehnte früher hätte schreiben können, und mit Sicherheit eine andere als die, die nach uns geschrieben werden wird. Ein geistiges Klima ändert sich – man kann das als Mode bezeichnen, aber es sind eher tiefer begründete Wandlungen in den thematischen Präferenzen, den Forschungsstrategien, in Denk- und Schreibstilen. Die Sozialgeschichte, die noch vor kurzem in der Familie der Geschichtswissenschaften unbestritten führend und dominierend war, hat letzthin einiges von ihrer Attraktivität verloren. Wir beobachten die triumphale Rückkehr von politischer Geschichte, von Biographik und Ideengeschichte (auch als intellektuelle Geschichte bezeichnet). Vielleicht wird auch das sich als eine vergängliche Konstellation erweisen, die ihren Platz anderen Vorlieben und Prioritäten einräumen wird. Fürs Erste ist es gleichwohl, wie es ist, und wir sehen keinen Grund, uns strikt der heute dominierenden Weise, eine Geschichtserzählung zu konstruieren, zu widersetzen.

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Gleichwohl erlegt uns unser Thema die notwendige Aufgabe auf, verschiedene Perspektiven miteinander zu verknüpfen: die einer Sozial- oder soziologisierenden mit derjenigen einer Politik- und einer psychologisierenden Geschichte; die einer Geschichte der Sitten mit einer Geschichte des Wissens; Literatursoziologie mit Biographik. Anders lässt es sich schlicht nicht ordentlich erzählen. Wir sind also, zumindest als Autoren dieses Werkes, aber auch aus innerer Überzeugung, Eklektiker und bekennen uns ohne Scham dazu. In den einzelnen Abschnitten unseres Buches findet sich von allem etwas.

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Einer Sache haben wir uns jedoch mit Bedacht enthalten. Namentlich sind wir überzeugt, dass die spezifische Existenzform der Intelligenz in der Ausbildung eines speziellen Milieus besteht, so wie die Lebensweise des Adels die Nachbarschaft und die "wechselseitige Verbundenheit des ritterlichen Standes" waren. Die Intelligenz schafft sich, wo immer sie sich befindet, ein geselliges Milieu, und dort, wo ihr die unmittelbaren Kontakte nicht ausreichen, schafft sie sich ihr Milieu durch Briefwechsel. Diese Milieus sind daher der Hauptgegenstand unserer nicht-teilnehmenden Beobachtung.

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Wir haben uns bemüht zu zeigen, woraus solche Milieus lebten. Wenn wir also über die Ideenwelt geschrieben haben, dann haben wir nicht gefragt, welcher Philosoph genau ein neues geschichtsphilosophisches System konzipierte, sondern, welche Ansichten und Überzeugungen von den uns interessierenden Milieus geteilt wurden, soweit sich dies irgend herausfinden ließ. Wo wir zum Beispiel über Dichtung geschrieben haben, da wollten wir erfahren und erzählen, was man an diesem oder jenem Ort las, was man in den Salons deklamierte, welche Gedichte die Herren den Damen und Fräuleins in die Poesiealben schrieben, und für welche Gedichte man vor Gericht oder nach Sibirien oder auf die Festung Kufstein kommen konnte.

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Daraus folgt, dass die kurzen biographischen Exkurse und individuellen Porträts, mit denen wir gelegentlich den Erzählfluss unterbrechen, im Allgemeinen nicht die Profile von – nach unseren heutigen Maßstäben – besonders herausragenden Persönlichkeiten einer Epoche oder genialen Künstlern zeichnen, sondern derjenigen, die sich damals besonderer Popularität und Wertschätzung erfreuten oder auch nur irgendeine wichtige Tendenz oder Konvention ihrer Zeit verkörpern. Es wird sich hier also beispielsweise einiges über Wincenty Pol finden, aber nur wenig über Norwid, auch wenn wir nicht daran zweifeln, dass dieser Einzelgänger ein unvergleichlich größerer Dichter, Denker und Mensch gewesen ist.

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Gleichwohl geben wir uns nicht der Illusion hin, dass es in einer Sozialgeschichte der Ideen und des Intellektes möglich sei, ein hohes Maß an Genauigkeit in den Urteilen zu erreichen. Weltanschauliche, politische und moralische Überzeugungen und Haltungen schreiben wir ja doch in der Regel einem größeren Milieu zu, auch wenn die Quellenzeugnisse, über die wir verfügen, üblicherweise aus den Mitteilungen einzelner Personen stammen, und streng genommen auch nur auf jene bezogen werden dürften. Die Ausweitung der Bezüge ergibt sich aus dem Erfordernis, eine Kollektivcharakteristik darzustellen, und wird notwendigerweise durch die Intuition des Historikers und seine allgemeine Kenntnis der Epoche gestützt. Solche Urteile besitzen den Wert mehr oder minder überzeugender Interpretationen und Annahmen, sie sind kritisierbar, aber auf sie zu verzichten hieße, die intellektuelle Geschichte aufzugeben.

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Wir hegten zu keiner Zeit die Absicht, mit Kompendien zur Geschichte einzelner Berufsgruppen zu konkurrieren, und wir haben auch nicht einfach den Rahm von den biographischen Lexika zu polnischen Ärzten, Technikern, Büchermachern, Gelehrten et cetera abgeschöpft, wenn wir auch selbstverständlich in sie hineingesehen haben, mit großem Respekt vor der mühseligen und ertragreichen Arbeit ihrer Autoren. Die professionellen Milieus in ihren speziellen Funktionen erscheinen in unseren Bänden nur in dem Maße, wie sie – unserer Überzeugung nach – in einer bestimmten Zeit auf die allgemeine Kultur der gebildeten Schichten Einfluss genommen haben.

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Die vielleicht größte Sorge hat uns beim mühevollen Schreiben dieser Bände die Notwendigkeit bereitet, zu entscheiden, was unentbehrlich ist, was ausgelassen werden kann und worüber man nicht schreiben muss. Die Entscheidung war vor allem innerhalb der Abschnitte schwierig, die den Monaten beschleunigter und fieberhafter Aktivitäten gewidmet sind, also besonders den nationalen Aufständen und politischen Bewegungen. Und sie wurden umso größer, je spätere Zeiten sie betrafen. Denn da die Intelligenz an allem, was geschah, Anteil hatte und dies immer häufiger eine aktive und führende Anteilnahme war, wie sollte man da ihre Geschichte aus der dichten Geschichte des Ganzen herausschneiden? Wir haben dafür kein Universalrezept entwickelt: Jede(r) Autor(in) ist damit auf seine/ihre Weise zurechtgekommen. Schließlich ist der anfänglich geplante einzelne kompakte Band zu dreien ausgeufert – und zwar deswegen, weil es so schwierig war, sich darauf zu einigen, vermeintlich weniger wichtige Dinge oder Orte auszulassen. Aber auch so werden wir uns nicht vor Vorwürfen schützen können, diesen oder jenen Aspekt, eine wichtige Stadt oder Berufsgruppe übersehen zu haben, auch wenn ein nicht spezialisierter Leser sich eher am übermäßigen Umfang und dem Gewicht dieser Trilogie stören wird.

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Wir sind überzeugt, dass es, ungeachtet der Teilungen und ihrer Zerstreutheit in der Welt, eine polnische Intelligenz gab, und generell sorgte sie selbst auch dafür, dass dies so blieb. Ähnlich wie die polnische Kultur eins und unteilbar war. Selbstverständlich lassen sich die Unterschiede zwischen den Regionen, insbesondere denen, die in den Verbund unterschiedlicher staatlicher Organismen eingingen, nicht verwischen; und es ist auch nichts Schlimmes daran, über die Intelligenz von Posen oder Wilna zu schreiben, da jede von ihnen notwendigerweise spezifische und der jeweiligen Provinz eigene Züge annahm. Nichtsdestoweniger haben wir uns so weit wie möglich bemüht, solche Unterschiede als zweitrangig zu behandeln und dafür die Kommunikation und die Bindung zwischen den Landesteilen, gesamtnationale Strömungen und Phänomene, aber manchmal auch, wo es angebracht war, die Teilhabe (trotz aller Hindernisse) der polnischen Intelligenz an gesamteuropäischen Prozessen wie zum Beispiel der Frauenemanzipation oder dem Anwachsen des Nationalismus zu betonen. Ich fürchte, dass uns das nicht ganz gelungen ist: In der vergleichenden Geschichte Europas – der Sozial- und der Intellektuellengeschichte – bleibt noch viel zu tun. 27

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Der deutsche Historiker Jürgen Kocka hat sich in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts Gedanken über das weitere Schicksal der Sozialgeschichte gemacht: "Wie Kulturgeschichte und Sozialgeschichte überzeugend verknüpft werden können, so daß eine kulturlose Sozialgeschichte ebenso wie ein luftiger Kulturalismus vermieden werden können, das ist eine der großen Fragen, die weiterhin den Schweiß der Tüchtigen lohnt." 28

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Die Autoren dieses Bandes erheben nicht den Anspruch, eine so schmeichelhafte Qualifikation zu besitzen, nichtsdestoweniger mussten sie sich in der Praxis einer ähnlichen Aufgabe stellen, da sie sowohl die Zusammensetzung, als auch die gesellschaftliche Situation, als auch die intellektuelle Ausstattung der Intelligenz, als auch ihre nationalen Aspirationen über einen Zeitraum von 150 Jahren hinweg beschreiben wollten. Während dieser gesamten Zeit war der determinierende Faktor ihrer Lage der zuerst drohende und dann definitive Verlust eines Staates, der ihrer staatsbürgerlichen Identität entsprochen hätte. Für Menschen mit einem historischen Selbstbewusstsein hatte diese Tatsache eine andere Bedeutung und generierte vielfältige Optionen für das eigene Leben – von nationaler Abtrünnigkeit und eifriger Anpassung bis hin zum offenen Widerstand und bewaffneten Kampf – aber immer war sie eine nicht zu umgehende Herausforderung.

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Den im 19. Jahrhundert allgemein verbreiteten Konflikt zwischen traditionellen Normen und den Erfordernissen der Moderne musste die polnische Gesellschaft (abgesehen von konstitutionellen Interludien) ohne die Beteiligung ihrer Unterdrücker austragen, die in der Regel den politischen und sozialen status quo verteidigten. Diese Rahmenbedingungen, die grundsätzlich allen Nationen gemeinsam waren, die am Rande des Hauptstroms des europäischen Fortschritts lebten, bewirkten, dass die Haltungen und Leistungen der polnischen gebildeten Schichten so schwer mit der Erfahrung jener Intellektueller zu vergleichen sind, die sich in ihren Ländern, sogar wenn sie Revolutionäre waren, politisch nicht isoliert fühlen mussten. 29 Diese Bedingungen determinierten eine spezifische Rangfolge der polnischen Probleme mit der immer vorrangigen nationalen Frage, oder zumindest duldeten sie keine Vielfalt gesellschaftlicher Haltungen, noch konnten sie deren Antagonismen lindern. Die Intelligenz teilte sich seit ihrem Entstehen in verschiedene weltanschauliche und ethische Orientierungen, und im Laufe der Zeit wurden diese Unterschiede, wie bereits erwähnt, unüberwindbar.

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Daraus folgt, dass wir im Verlauf unserer Arbeit gelernt haben, uns von voreiligen Urteilen über die Intelligenz "als solche" fernzuhalten. Ihre tatsächlichen Charakteristika – positive wie negative – sind Teil ihrer Geschichte und ihrer Selbstwahrnehmung, gleichwohl steht es uns nicht zu, diese zu multiplizieren, auch wenn einige Kritiker eben dies erwartet haben. Wir haben uns eher bemüht, die divergierenden beruflichen Karrierewege, die ökonomischen und intellektuellen Stratifikationen, die Unterschiede in Mentalität und Phraseologie zu verfolgen, das Spannungsfeld und das Repertoire an Lebenswegen abzustecken.

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Wir hatten die Absicht, uns so dicht als möglich an die Sprache der von uns dargestellten Zeit zu halten, nicht im Sinne einer Imitation (was nach Manierismus gerochen hätte), sondern um dort, wo dies nicht notwendig war, keine Kategorien einzuführen, die der damaligen Denkweise und der Art, die Dinge zu bezeichnen, fremd waren. Unsere Intention lässt sich am Beispiel der geographischen Bezeichnungen verdeutlichen. Wenn wir solche Bezeichnungen wie Ostgalizien, Litauen und Ruthenien (anstelle von: Ukraine) oder "annektierte Gebiete" benutzen, dann nicht, weil wir diese Gebiete – und sei es auch nur als Wunschvorstellung – restituieren wollten, sondern weil diese Bezeichnungen damals im polnischen Diskurs, also auch in unserem Quellenmaterial allgemein verwendet wurden.

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Wir schließen unsere Erzählung mit der Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit, weil unsere Forschungsgruppe keine Quellenstudien über die Zwischenkriegszeit durchgeführt hat, die andere Untersuchungsmethoden erfordert: sei es auch nur in Hinblick auf den wiedererstandenen Parlamentarismus, die Publikationsfreiheit oder die nun vertrauenswürdigen Statistiken. Wir haben Kollegen, die auf diese Epoche spezialisiert sind und alle Kompetenzen besitzen, um eine synthetische Untersuchung weiterzuführen, wenn sie dieses für sinnvoll halten. 30

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Bei der Umsetzung unseres gemeinsamen Projektes haben wir unsere Kapitel in ihren jeweiligen Entstehungsstadien gegenseitig gelesen und sie dem Urteil der ganzen Forschungsstelle für die Geschichte der Intelligenz ausgesetzt. Unseren Dank für die wohlwollende, aber wachsame und kritische Unterstützung unserer Arbeit mögen entgegennehmen: Anna Brus, Maciej Górny, Agnieszka Grzybowska, Adam Kożuchowski, Grzegorz Krzywiec, Barbara Petrozolin-Skowrońska (als Gastwissenschaftlerin) und Professor Wiktoria Śliwowska. Hinsichtlich einzelner Fragmente des ersten Bandes seien außerdem Alexej Miller und Krystyna Zienkowska genannt.

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Die allgemeinen methodologischen und formalen Grundsätze wurden von den drei Autoren abgesprochen, trotzdem hat jeder von uns seine souveränen Rechte beibehalten: die individuelle Auswahl des Materials, seine Interpretationen, die Komposition der von jedem angefertigten Teile und der eigene, leicht zu erkennende Schreibstil, den der Herausgeber des Ganzen nicht zu vereinheitlichen beabsichtigte. Gleichwohl hatte keiner von uns die Absicht, ein akademisches Handbuch zu schreiben, sondern eine lebendige Erzählung, die sich lesen und diskutieren, und nicht nur studieren lässt. Wir haben uns, vielleicht naiv, vorgestellt, dass nicht nur unser Fachkollege, der Berufshistoriker oder der angehende Geschichtsstudent zu diesem Buch greifen möchten, sondern auch der einer anderen Gemeinde angehörende Intellektuelle, der neugierig auf unsere gemeinsame soziale Genealogie ist.

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Die in Kästen hervorgehobenen Quellenbeispiele hängen mit dem Autorentext zusammen und illustrieren ihn in der Sprache der Epoche, werden aber im Allgemeinen nicht in den Erzählfluss eingebunden. Die Anmerkungen wurden auf ein Minimum beschränkt und dienen im Prinzip nur dem Nachweis der Zitate und Zahlenangaben. Die Autoren haben ihr Wissen aus überaus verschiedenartigen Quellen und Untersuchungen geschöpft: In wessen Schuld wir stehen, darauf weist zumindest zum Teil die am Ende jeden Bandes stehende Bibliographie hin.

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Unsere Arbeit hat lange gedauert und war nur möglich dank der förderlichen Bedingungen, die uns das Tadeusz-Manteuffel-Institut für Geschichte an der Polnischen Akademie der Wissenschaften, unser Mutterinstitut, geschaffen hat. Dessen langjähriger Direktor Professor Stanisław Bylina hat den Fortschritten unserer Arbeit großes Interesse gewidmet und hat auf diverse Terminverschiebungen verständnisvoll reagiert. Der stellvertretende Direktor und zugleich Leiter des Institutsverlages Dr. Andrzej Koryn ist ein Mensch, auf dessen kompetente und wohlwollende Hilfe man unfehlbar zählen kann.

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Den Rezensenten unseres Manuskriptes – den Professoren Grażyna Borkowska, Tomasz Kizwalter, Włodzimierz Mędrzecki und Jerzy Zdradza –, die sich von dessen Umfang nicht abschrecken liessen und die uns zumindest auf einige Fehler und Unzulänglichkeiten hingewiesen haben, bleiben wir in Demut und Dankbarkeit verbunden.

Jerzy Jedlicki, August-Dezember 2007

Übersetzung aus dem Polnischen: Heidemarie Petersen, Leipzig

1 Józef Chałasiński: Społeczna genealogia inteligencji polskiej, Warschau 1946; ders.: Zagadnienie historyczno-socjologicznej samowiedzy inteligencji polskiej, in: Myśl Współczesna 5 (1947), 141-174, sowie weitere Studien, in: ders.: Vergangenheit und Zukunft der polnischen Intelligenz, Marburg/Lahn 1965 (=Wissenschaftliche Übersetzungen; Herausgegeben vom Johann Gottfried Herder Institut, 41).

2 Ryszarda Czepulis-Rastenis (Hg.): Inteligencja polska pod zaborami, Warschau 1978, 3.

3 Ryszarda Czepulis-Rastenis: "Klasa umysłowa": Inteligencja Królestwa Polskiego 1832-1862, Warschau 1973, 6; dies.: Ludzie nauki i talentu. Studia o świadomości społecznej inteligencji polskiej w zaborze rosyjskim, Warschau 1988, sowie zahlreiche weitere Aufsätze derselben Autorin.

4 Ryszarda Czepulis-Rastenis (Hg.): Inteligencja polska pod zaborami...; Inteligencja polska XIX i XX wieku. Studia, Bd. 2-6, Warschau 1981-1991; Witold Molik: Kształtowanie się inteligencji polskiej w Wielkim Księstwie Poznańskim (1841-1870), Warschau / Posen 1979; Józef Borzyszkowski: Inteligencja polska w Prusach Zachodnich 1848-1920, Danzig 1986, und weitere.

5 C. Ch.: O inteligencji w znaczeniu polskiem, in: Dziennik Literacki, Lwów (100) 1861, 802-804.

6 Ausführlicher dazu Jerzy Jedlicki: Kłopoty pojęciowe historyka, in: Ewa Chmielecka / Jerzy Jedlicki / Andrzej Rychard (Hg.): Ideały nauki i konflikty wartości. Studia złożone w darze Profesorowi Stefanowi Amsterdamskiemu, Warschau 2005, 265-271.

7 Wacław Berent: Diogenes w kontuszu: opowieść o narodzinach literatów polskich, in: ders.: Diogenes w kontuszu, Warschau 1958, 5-122; ders.: Zabawy przyjemne i pożyteczne: opowieść z zarania inteligencji krajowej, in: ders.: Diogenes w kontuszu, Warschau 1958, 123-172.

8 Krystyna Zienkowska: O prekursorach inteligencji polskiej uwag kilka, in: Ryszarda Czepulis-Rastenis (Hg.): Inteligencja polska XIX i XX wieku..., Bd. 5, Warschau 1987, 10-30, hier: 30.

9 Otto Wilhelm Müller: Intelligencija: Untersuchungen zur Geschichte eines politischen Schlagwortes, Frankfurt a.M. 1971, besonders 27, 70-73; Zdzisław Wójcik: Rozwój pojęcia inteligencji, Breslau 1962; Jerzy Jedlicki: Inteligencja, in: Słownik literatury polskiej XIX w., hg. von Jósef Bachórz u. Alina Kowalczykowa, Breslau 1991, 373-377; Andrzej Walicki: O inteligencji, liberalizmach i o Rosji, Krakau 2007, 43-50.

10 Stanisław Ossowski: Struktura klasowa w społecznej świadomości, in: ders.: Dzieła, Bd. 5, Warschau 1968, 83-253; Peter L. Berger / Thomas Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt a.M. 1969.

11 Jerzy Jedlicki: Jakiej cywilizacji Polacy potrzebują. Studia z dziejów idei i wyobraźni XIX wieku, 2. Aufl., Warschau 2002, 261-304; Halina Janaszek-Ivanickova: Świat jako zadanie inteligencji. Studium o Stefanie Żeromskim, Warschau 1971.

12 Czepulis-Rastenis: Ludzie nauki i talentu (wie Anm. 3).

13 Marta Zahorska: Spór o inteligencję w polskiej myśli społecznej do I wojny światowej, in: Inteligencja polska pod zaborami..., 179-216; Julia Juryńska [Barbara Toruńczyk]: Inteligencja w poglądach endecji do roku 1905, in: Roczniki Nauk Społecznych, Bd. 7, Lublin 1979, 187-208; Tadeusz Stegner: Liberałowie Królestwa Polskiego 1904-1915, Danzig 1990, und weitere.

14 Zadania inteligencyi naszej, in: Przegląd Tygodniowy 1880, 605.

15 Bohdan Cywiński: Rodowody niepokornych, 4. Aufl., Warschau 1996; Janina Żurawicka: Inteligencja warszawska w końcu XIX wieku, Warschau 1978; Marta Zahorska: Inteligencja a społeczeństwo w myśli społecznej okresu warszawskiego pozytywizmu, Warschau 1989; Andrzej Mencwel: Etos lewicy. Esej o narodzinach kulturalizmu polskiego, Warschau 1990.

16 Aleksander Świętochowski: Liberum Veto, hg. von Samuel Sandler und Maria Brykalska, Bd. 2, Warschau 1976, 263.

17 Józef Frejlich (Hg.): Pamiętnik Mierosławskiego (1861-1863), Warschau 1924, 21, 57, 91-92, 98-100.

18 Niemoc inteligencyi, in: Niwa, Bd. IV, 1873, 1-5, 24-27, 105-108.

19 Zum Beispiel Aleksander Swiętochowski: Wywóz naszej inteligencyi, in: Przegląd Tygodniowy 1874, 261-262, 281-283.

20 Für das Königreich etwa: Andrzej Szwarc: Inteligencja czy "warstwy oświecone"? Działalność społeczno-kulturalna pracowników umysłowych i ziemiaństwa w Kaliskiem po powstaniu styczniowym, in: Inteligencja polska XIX i XX wieku..., Bd. 5, 215-242; Lesław Sadowski: Polska inteligencja prowincjonalna i jej ideowe dylematy na przełomie XIX i XX wieku, Warschau 1988; Barbara Konarska-Pabiniak: Życie kulturalno-literackie Płocka w 2. połowie XIX w., Plock 1994, und weitere.

21 Anna Garlicka / Jerzy Jedlicki (Hg.): Inteligencja polska XIX i XX wieku: materiały z wystawy i sesji naukowej, Warschau 1997. Die Referate der Konferenz wurden präsentiert von: Antonina Kloskowska, Andrzej Mencwel, Janusz Żarnowski, Krystyna Kersten und Jerzy Jedlicki. Große Teile meines Referates mit dem Titel "Wiek dziewiętnasty: inteligencja w pojęciu polskim" habe ich mit einigen Änderungen in dieses Vorwort einfließen lassen.

22 Maciej Janowski: Inteligencja wobec wyzwań nowoczesności. Dylematy ideowe polskiej demokracji liberalnej w Galicji w latach 1889-1914, Warschau 1996; ders.: Polska myśl liberalna do 1918 roku, Krakau/Warschau 1998.

23 Magdalena Micińska: Miedzy królem Duchem a mieszczaninem. Obraz bohatera narodowego w piśmiennictwie polskim przełomu XIX i XX w. (1890-1914), Breslau 1995; dies.: Zdrada, córka nocy. Pojęcie zdrady narodowej w świadomości Polaków w latach 1861-1914, Warschau 1998.

24 Historycy europejscy o inteligencji i intelektualistach, Kultura i Społeczeństwo, Bd. XLIV (2000), Nr. 2.

25 Jerzy Jedlicki: Historia inteligencji polskiej w kontekście europejskim, ebd., 141.

26 Jerzy Jedlicki: Autocreation de 1 'intelligentsia, in: Chantal Delsol / Michel Masłowski / Joanna Nowicki (Hg.): Mythes et symboles politiques en Europe centrale, Paris 2002, 384-399.

27 Wir möchten an dieser Stelle auf die wertvolle, in deutscher Sprache erschienene Arbeit unseres Moskauer Kollegen Denis Sdvizkov hinweisen: Das Zeitalter der Intelligenz: Zur vergleichenden Geschichte der Gebildeten in Europa bis zum Ersten Weltkrieg, Göttingen 2006, die den Versuch unternimmt, die Intelligenz in Frankreich, Deutschland, Polen und Russland miteinander zu vergleichen. Französische vergleichende Arbeiten gehen nur gelegentlich über die historischen Grenzen Westeuropas hinaus, so zum Beispiel Christophe Charle: Les intellectuels en Europę au XIX' siecle. Essais d 'histoire comparee, Paris 1996; Michel Leymarie / Jean-François Sirinelli (Hg.): L 'histoire des intellectuels aujourd 'hui, Paris 2003.

28 Jürgen Kocka: Perspektiven für die Sozialgeschichte der neunziger Jahre, in: Winfried Schulze et al.: Sozialgeschichte, Alltagsgeschichte, Mikrohistorie. Göttingen 1994, 33-39, hier: 37.

29 Chałasiński: Przeszłość i przyszłość..., Ausg. 1997, 138.

30 Janusz Żarnowski: Struktura społeczna inteligencji w Polsce w latach 1918-1939, Warschau 1964; ders . : O inteligencji polskiej lat międzywojennych, Warschau 1965; ders.: Inteligencja 1918-1945: apogeum i klęska elity społecznej, in: Inteligencja polska XIX i XX wieku: materiały..., 159-168; Włodzimierz Mędrzecki: Inteligencja polska na Wołyniu w okresie międzywojennym, Warschau 2005.

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PSJ Metadata
Jerzy Jedlicki
Vorwort

Niemieckie tłumaczenie „Przedmowy” z: M. Janowski, J. Jedlicki, M. Micińska „Dzieje inteligencji polskiej do roku 1918”, tom 1, Warszawa 2008, Wydawnictwo Neriton.

de
CC-BY-NC-ND 3.0
Neuzeit / Neuere Geschichte (1789-1918)
Europa, Polen
Ideen- und Geistesgeschichte, Sozial- und Kulturgeschichte
Neuzeit bis 1900
4015701-5 4014457-4 4027249-7 4027251-5 4036824-5 4055772-8
1700-1914
Europa (4015701-5), Elite (4014457-4), Intellektueller (4027249-7), Intelligenz (4027251-5), Macht (4036824-5), Sozialgeschichte (4055772-8)
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J. Jedlicki: Vorwort [zu "Dzieje inteligencji polskiej do roku 1918"]
In: Die Intelligenz als soziale Gruppe. Eine Besonderheit peripherer Länder oder ein gesamteuropäisches Phänomen? Hrsg. von Igor Kąkolewski (2. Joachim-Lelewel-Gespräch, 3. November 2009, DHI Warschau) / Debata Lelewelowska 1/2010 przedstawia głosy w dyskusji na temat: ”Inteligencja jako grupa społeczna. Specyfika krajów peryferyjnych czy zjawisko ogólnoeuropejskie?”, wyd. przez Igora Kąkolewskiego (2. Debata Lelewelowska, 3 listopada 2009, NIH w Warszawie).
URL: https://prae.perspectivia.net/publikationen/lelewel-gespraeche/1-2010/jedlicki_vorwort
Veröffentlicht am: 16.02.2010 14:00
Zugriff vom: 17.01.2020 19:40
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